{"id":1912,"date":"2023-01-02T14:19:28","date_gmt":"2023-01-02T13:19:28","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1912"},"modified":"2023-01-02T14:21:06","modified_gmt":"2023-01-02T13:21:06","slug":"1912","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1912","title":{"rendered":"D\u00f6lling\/Hermann\/Laue, Kriminologie. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Dieter D\u00f6lling, Dieter Hermann, Christian Laue, Kriminologie. Ein Grundriss<\/strong>. Springer-Lehrbuch, Berlin, Heidelberg, 2022, 490 S., Softcover ISBN 978-3-642-01472-7 (29,90 Euro), eBook ISBN 978-3-642-01473-4 (22,90 Euro).<\/p>\n<p>An Lehrb\u00fcchern zur Kriminologie herrscht inzwischen kein Mangel<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, und das ist gut so. So kann sich jede\/r Studierende das Lehrbuch aussuchen, dass ihr\/ihm inhaltlich und <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1913 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" width=\"153\" height=\"230\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt.jpg 777w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-100x150.jpg 100w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-682x1024.jpg 682w\" sizes=\"(max-width: 153px) 100vw, 153px\" \/>didaktisch am besten zusagt. Im Studium und bei Qualifikationsarbeiten ist zudem eine gute Ausgangsbasis f\u00fcr weitere Literaturrecherchen gegeben. Neu in die Liste der Lehrb\u00fccher hat sich nun der \u201eGrundriss\u201c von D\u00f6lling, Hermann und Laue im Springer-Verlag eingereiht.<!--more--><\/p>\n<p>Das Lehrbuch vermittelt die Grundlagen der Kriminologie (Begriff, Geschichte und Methoden), erl\u00e4utert die Kriminalit\u00e4tstheorien und arbeitet zentrale Befunde zum Verbrechen, zu T\u00e4tern und Opfern von Verbrechen sowie zur Verbrechenskontrolle (Kriminalpr\u00e4vention und Strafrechtspflege) heraus. Sodann werden wichtige Deliktsbereiche unter kriminologischen Gesichtspunkten dargestellt. Statistische und methodische Grundlagen empirisch-kriminologischer Untersuchungen werden jeweils ber\u00fccksichtigt.<\/p>\n<p>Das Inhaltsverzeichnis des Lehrbuches mit jeweils einer kurzen Zusammenfassung des Kapitels ist <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-642-01473-4#toc\">hier<\/a> zu finden. Dies ist hilfreich, wenn man (was aber nach wie vor empfohlen wird) nicht den Weg zum Buchh\u00e4ndler seines Vertrauens w\u00e4hlt, um sich das oder die B\u00fccher dort anzusehen.<\/p>\n<p>Das Buch ist in sieben Teile gegliedert. Zu Beginn werden Begriff und Aufgaben der Kriminologie sowie ihre Stellung im Wissenschaftssystem dargestellt. Hier geht es auch um die Geschichte der Kriminologie, wobei die Zeit zwischen 1933 und 1960 etwas zu kurz kommt, und die Methoden. Letztere werden leicht verst\u00e4ndlich, allerdings nur teilweise anhand von konkreten Beispielen oder Projekten dargestellt.<\/p>\n<p>Kriminalit\u00e4tstheorien werden im zweiten Teil dargestellt, auf knapp 100 der insgesamt 430 Textseiten. Hier wird zwischen \u201e<em>individuumsorientierten<\/em>\u201c und \u201e<em>gesellschaftlich orientierten<\/em>\u201c Theorien unterschieden, wobei letztere jeweils in Theorie und Empirie unterteilt sind.<\/p>\n<p>Teil drei ist mit \u201e<em>Verbrechen<\/em>\u201c \u00fcberschrieben und behandelt im wesentlichen Hellfeld (also Kriminalstatistiken) und Dunkelfeld. Teil vier tr\u00e4gt die \u00dcberschrift \u201e<em>Verbrecher<\/em>\u201c. Hier geht es um Alter, Geschlecht, Nationalit\u00e4t, aber auch um Medien, T\u00e4tertypologien und Kriminalprognose. Ein insgesamt heterogenes Kapitel. Mit dem Verbrechensopfer besch\u00e4ftigt sich Teil f\u00fcnf und mit der Verbrechenskontrolle Teil sechs, bevor im Teil sieben einzelne Deliktsgruppen behandelt werden.<\/p>\n<p>Insgesamt hat das Lehrbuch somit eine eher konservative, herk\u00f6mmliche Gliederung, die den Nachteil hat, dass Beziehungen zwischen einzelnen Teilen (z.B. zwischen Delikten und Personen) nicht behandelt werden k\u00f6nnen, die aber den gro\u00dfen Vorteil einer klaren und \u00fcbersichtlichen Struktur bietet.<\/p>\n<p>International inzwischen intensiv diskutierte Themen wie der Zusammenhang zwischen Raum und Kriminalit\u00e4t (z.B. die Forschungen von David Weisburd) werden leider nicht, oder nur als Stichwort (\u201e<em>Kriminalgeographie<\/em>\u201c, S. 4), und auch die Akteure der Kriminalit\u00e4tskontrolle und hier vor allem Polizei und Staatsanwaltschaft spielen in dem Lehrbuch keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Hier wird darauf hingewiesen, dass \u201e<em>Ermittlungen \u2026 ganz \u00fcberwiegend von der Polizei gef\u00fchrt<\/em>\u201c werden \u2013 keine Bewertung der (stigmatisierenden) Funktion der Institution, keine Bemerkung zur aktuellen Diskussion \u00fcber Polizeigewalt und Rassismus in der Polizei, keine Aussage zur Schl\u00fcsselfunktion, die polizeiliches Alltagshandeln f\u00fcr den \u201eInput\u201c in das Kriminalit\u00e4tssystem hat. Auch Themen, die einen besonderen Bezug zur Sozialstruktur der Gesellschaft aufweisen (wie bspw. h\u00e4usliche bzw. Partnergewalt oder Rechtsextremismus), werden leider ignoriert, ebenso aktuelle Themen wie Clankriminalit\u00e4t. Andere Themen kommen zu kurz, was sicherlich dem Umfang des Werkes geschuldet ist. So wird Wirtschaftskriminalit\u00e4t nur auf f\u00fcnf Seiten behandelt, und das kriminalpolitisch aktuelle Thema der Entkriminalisierung von weichen Drogen leider gar nicht.<\/p>\n<p>Insgesamt haben die Autoren ein solides Lehrbuch vorgelegt, das zur Begleitung von kriminologischen Vorlesungen und zur Nachbearbeitung bestimmter Inhalte sehr gut geeignet ist. Es \u00fcberzeugt durch seine klare Struktur und verst\u00e4ndliche Sprache. Zur Besch\u00e4ftigung mit aktuellen, kriminalpolitisch brisanten Themen muss auf andere Informationsquellen zur\u00fcckgegriffen werden \u2013 was aber letztlich nicht unbedingt von Nachteil sein muss.<\/p>\n<p>Thomas Feltes, Januar 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> In alphabetischer Reihenfolge sind als Autoren entsprechender Lehrb\u00fccher zu nennen: Bock (ehem. G\u00f6ppinger), Eisenberg\/K\u00f6lbel, Meier, Neubacher, Schwind\/Schwind und Singelnstein\/Kunz. Sie alle unterscheiden sich mehr oder weniger in Inhalt und Form, aber auch in der (kriminal)politischen Grundausrichtung. Wer ein Buch zur Begleitung einer Vorlesung im Studium sucht, ist sicherlich mit den Werken von Meier und Singelnstein\/Kunz am besten bedient, und jetzt mit dem Buch von D\u00f6lling\/Hermann\/Laue. F\u00fcr spezielle Zielgruppen kommt das Lehrbuch <a href=\"https:\/\/www.beltz.de\/fachmedien\/sozialpaedagogik_soziale_arbeit\/produkte\/details\/47306-kriminologie-und-soziale-arbeit.html\">Kriminologie und Soziale Arbeit<\/a> des AK Hochschullehrerinnen Kriminologie hinzu.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieter D\u00f6lling, Dieter Hermann, Christian Laue, Kriminologie. Ein Grundriss. Springer-Lehrbuch, Berlin, Heidelberg, 2022, 490 S., Softcover ISBN 978-3-642-01472-7 (29,90 Euro), eBook ISBN 978-3-642-01473-4 (22,90 Euro). An Lehrb\u00fcchern zur Kriminologie herrscht inzwischen kein Mangel[1], und das ist gut so. 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