{"id":1918,"date":"2023-01-02T14:44:38","date_gmt":"2023-01-02T13:44:38","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1918"},"modified":"2023-01-02T14:44:38","modified_gmt":"2023-01-02T13:44:38","slug":"stephanie-schmidt-affekt-und-polizei-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1918","title":{"rendered":"Stephanie Schmidt, Affekt und Polizei. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stephanie Schmidt, Affekt und Polizei.<\/strong> Eine Ethnografie der Wut in der exekutiven Gewaltarbeit. Transkript-Verlag Bielefeld 2023, 366 S., ISBN 978-3-8376-6241-2, 39.- Euro (print) 38,99 Euro (pdf).<\/p>\n<p>Um es vorweg zu nehmen: Mit diesem Buch hat die Autorin ein f\u00fcr die Polizeiwissenschaft extrem wichtiges Werk vorgelegt &#8211; und der Transkript-Verlag ein weiteres herausragendes <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1919 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/9783837662412IQfju4PGOH0D8_1280x1280.jpg\" alt=\"\" width=\"215\" height=\"333\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/9783837662412IQfju4PGOH0D8_1280x1280.jpg 827w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/9783837662412IQfju4PGOH0D8_1280x1280-97x150.jpg 97w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/9783837662412IQfju4PGOH0D8_1280x1280-662x1024.jpg 662w\" sizes=\"(max-width: 215px) 100vw, 215px\" \/>Buch in sein Repertoire aufgenommen. Dabei besch\u00e4ftigt sich die Studie von <em>Schmidt<\/em> nicht nur mit \u201eWut\u201c bei und in der Polizei, sondern mit der Polizei insgesamt. Polizeiarbeit wird als emotionale K\u00f6rperarbeit gesehen &#8211; ein wichtiger und oftmals \u00fcbersehener Aspekt, den das Buch in den Vordergrund stellt. Das Werk ist die seit vielen Jahren \u00fcberf\u00e4llige Zustandsbeschreibung aus dem Innern einer Organisation mit Gewaltlizenz (<em>Herrnkind\/Scheerer<\/em>) \u2013 und Pflichtlekt\u00fcre f\u00fcr alle, die \u00fcber Polizei reden oder schreiben.<!--more--><\/p>\n<p>Seit der Studie von<em> Girtler<\/em><a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> aus dem Jahr 1980 (Polizei-Alltag. Strategien, Ziele und Strukturen polizeilichen Handelns) und zumindest ansatzweise der Arbeit von<em> Behr<\/em> von 2008 (Cop Culture) ist zumindest in Deutschland kein Werk erschienen, in dem Polizei als Institution, Polizeibeamt*innen als Akteure und Polizei-Arbeit als Handlung derart dicht, genau, anschaulich und dennoch (oder besser deshalb) so analytisch zutreffend und umfassend beschrieben worden sind<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Dabei geht es auch um die r\u00e4umlichen und zeitlichen Einordnungen, um das \u201eDrumherum\u201c im \u00f6kologisch-r\u00e4umlichen wie im sozialen Bereich, wodurch menschliches Handeln und damit auch das Handeln von Polizist*innen ebenso entscheidend gepr\u00e4gt wird wie durch die Notwendigkeit, seiner Arbeit einen Sinn zu geben. Letzteres gilt besonders in der Polizei, wo die Arbeit nicht leicht ist, sondern herausfordernd, manchmal langweilig, aber immer grenz-wertig ist im Sinne von Grenzen erreichen, Grenzen achten, Grenzen \u00fcberschreiten. <a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/2017_Springer-book-de_Feltes_Jordan.pdf\">Schnelles Denken<\/a> f\u00fchrt zu emotionaler K\u00f6rperarbeit &#8211; so k\u00f6nnte man diesen Aspekt beschreiben.<\/p>\n<p>Wann, warum und weshalb diese Grenz\u00fcberschreitungen und Grenzerfahrungen sich ereignen, das beschreibt und analysiert diese Studie vortrefflich. Der\/die Leser*in kann jede einzelne Beobachtung und jede einzelne Analyse und Interpretation plausibel nachvollziehen, was ein besonderes Verdienst der Studie ist und darauf hinweist, dass die Autorin gute \u201eLehrmeister*innen\u201c gehabt hat. Es bleiben keine offenen Fragen, kein \u201ediesen R\u00fcckschluss\/Interpretation verstehe ich aber nicht\u201c, kein Stirnrunzeln. Der Verfasserin gelingt es, jede der \u00fcberaus vielen dichten Beschreibungen und Beobachtungen von Situationen, Interaktionen und R\u00e4umlichkeiten so zu \u201eframen\u201c, dass man zum einen sofort erkennt, warum sie diese Situation etc. herausgreift und warum sie diese so analysiert wie sie es tut. Die nicht eingestreuten, sondern gezielt eingebauten Zitate machen den Text nicht nur anschaulich, sondern auch spannend zu lesen<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Nach der Lekt\u00fcre dieser Studie versteht jeder, gleich ob Anf\u00e4nger oder gestandener (Polizei-)Wissenschaftler, mehr \u00fcber Polizei und polizeiliches Handeln als nach vielen Jahren Praxis oder theoretischem Studium.<\/p>\n<p>Methodisch liegen der Studie 43 Einzelinterviews und vier Gruppeninterviews sowie teilnehmende Beobachtungen zugrunde (S. 59). Die dabei im Vorfeld und w\u00e4hrend der Forschung entstandenen Probleme und die \u201e<em>tendenziell forschungsunfreundliche Grundhaltung<\/em>\u201c in der Polizei stellt die Verfasserin treffend und ebenfalls wieder analytisch einordnend dar (S. 61 ff.). Umso erstaunlicher ist es, dass es ihr gelang, den doch recht umfassenden Zugang zu bekommen.<\/p>\n<p>Und um auch dies deutlich zu machen: Das Buch ist auch ein Beispiel daf\u00fcr, dass Polizei h\u00e4ufiger Forschung dieser Art \u201ean sich heran\u201c lassen sollte, auch um sich selbst zu verstehen, vor allem aber um den Polizist*innen die M\u00f6glichkeit zu geben, durch die Lekt\u00fcre der Forschungsergebnisse einen Spiegel vorgehalten zu bekommen, an dem sie sich abarbeiten und ihre Handeln reflektieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Denn die \u00f6ffentlich ge\u00e4u\u00dferte Kritik an polizeilichem Handeln f\u00fchrt doch (zu) oft zu systematischen Blockaden sowohl bei der Institution und ihrer politischen F\u00fchrung, als auch bei einzelnen Beamt*innen. Ein Spiegel, wie er hier vorgehalten wird, kann dazu f\u00fchren, dass man \u2013 unabh\u00e4ngig von aktuellen Situationen \u2013 Handeln reflektieren und die eigene Pers\u00f6nlichkeit auf den Pr\u00fcfstand stellen kann. Die meisten Polizeibeamt*innen sind dazu nicht nur willens, sondern auch in der Lage, nur wird ihnen dazu selten Gelegenheit geboten, ohne dass innerbetriebliche Sanktionen, Disziplinar- oder Strafverfahren als Damoklesschwert \u00fcber ihnen h\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass, wie <em>Schmidt<\/em> dies beschreibt, \u201e<em>(d)ie enge Verkn\u00fcpfung von pers\u00f6nlichen Wertvorstellungen mit dem, was polizeiliche Arbeit bedeutet, \u2026\u00a0 nicht nur f\u00fcr die anf\u00e4ngliche Entscheidung zur Polizei zu gehen relevant (ist), sondern &#8230; dar\u00fcber hinaus f\u00fcr die individuelle Sinngebung der polizeilichen Arbeit wirkm\u00e4chtig<\/em>\u201c (S. 158). Und wenn die eigene Arbeit ihren Sinn verliert oder man beginnt, daran zu zweifeln, dann gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder man verl\u00e4sst den Arbeitgeber und sucht einen neuen Sinn (was im System Polizei und seiner Geschlossenheit vom ersten Tag der Ausbildung an kaum m\u00f6glich ist), oder aber man wird zum institutionellen Zyniker und schafft sich seinen eigenen Sinn, seine eigene Welt, seine eigene Rechtfertigung f\u00fcr das was und wie man es tut \u2013 mit dem Ergebnis, dass man jegliche Distanz zum eigenen Handeln verliert.<\/p>\n<p><em>\u201eErz\u00e4hlungen und Narrative zeigen sich so als fundamentaler Bestandteil der polizeilichen Alltagspraxis. Sie dramatisieren den Arbeitsalltag und sind sinnstiftend f\u00fcr die erz\u00e4hlenden Personen. Sie sind aber auch handlungsleitend und organisieren polizeiliche Handeln an Hand einer erz\u00e4hlten Gleichzeitigkeit von Langeweile und Eskalation und zwar nicht zuletzt im Hinblick auf diejenigen Personen, die als verd\u00e4chtig gelten. In den Erz\u00e4hlungen erscheinen die Polizist:innen als Teil einer \u00fcbergreifenden Entit\u00e4t, die sich den Gefahren der Stra\u00dfe stellt und damit Verantwortung f\u00fcr die gesellschaftliche Unversehrtheit \u00fcbernimmt. Damit binden sie den Einzelnen eng an die \u00fcbergeordnete Institution Polizei, die \u00bbwie kaum eine andere Institution den Staat und dessen Vorstellungen von Ordnung und Sicherheit [repr\u00e4sentiert]\u00ab<\/em>\u201c (S. 31).<\/p>\n<p>Dabei kann dann \u201eWut\u201c entstehen, mit der es Polizist*innen beim \u201eGegen\u00fcber\u201c und auch bei sich und ihren Kolleg*innen immer wieder zu tun haben. Diese \u201e<em>Wutfigurationen<\/em>\u201c bilden den Kernbereich der Studie von <em>Schmidt<\/em>, aber die Arbeit selbst geht weit \u00fcber diesen Bereich hinaus \u2013 was sie eben zu <u>dem<\/u> Werk \u00fcber \u201edie\u201c Polizei macht.<\/p>\n<p>Die Autorin fasst dies am Ende ihres Buches so zusammen: \u201e<em>Wut- und Aggressivit\u00e4tspraktiken konstituieren sich im polizeilichen Arbeitsalltag als Praktiken, die dazu dienen, Grenzen der normativen Ordnung zu ziehen und zu aktualisieren. Sie verweisen so nicht nur auf implizite wie explizite normative Ordnungen innerhalb der Polizei, sie treten auch hervor als kommunizierende Emotionspraktiken, die Vorstellungen einer als normativ verstandenen gesellschaftlichen Ordnung nach au\u00dfen vermitteln. In diesem Sinne wirken sie nicht nur erzieherisch nach au\u00dfen, sondern auch auf das normative Verst\u00e4ndnis der Gruppe der Polizist:innen und k\u00f6nnen so vergemeinschaftende Effekte haben. Damit zeigt sich die Polizei als eine verk\u00f6rperte Ordnung (die politische Ordnung des Staates), die eine andere Ordnung (die bestehende soziale gute Ordnung) verteidigt (\u2026). In diesem Sinne werden Praktiken des doing anger der Polizei zum Kapital, durch das sie Durchsetzungsf\u00e4higkeit, Entschlossenheit und Dringlichkeit performativ darstellt. Zugleich rahmen sich damit die als ma\u00dfvoll und in diesem Sinne professionell geltenden Wut- und Aggressivit\u00e4tspraktiken als relevant, um im Rahmen performativ hergestellter Professionalit\u00e4t das Versprechen auf eine ma\u00dfvolle Gewaltanwendung \u00fcberhaupt erst glaubhaft zu machen\u201c<\/em> (S. 327).<\/p>\n<p>Es geht dabei auch um \u201e<em>Mythizismus und die fast esoterische Heroisierung des Polizeiberufs<\/em>\u201c, als sich \u201e<em>verantwortlich f\u00fcr die moralische Ordnung der Gesellschaft verstehen<\/em>\u201c (S. 179). <em>Schmidt<\/em> gelingt es, diese, den meisten Polizeihandelnden unbewussten Faktoren zu benennen, an Beispielen deutlich zu machen und die Risiken und Nebenwirkungen herauszuarbeiten \u2013 und zwar positive wie negative. Es geht um Ehrverlust und Autorit\u00e4tserhalt, und damit auch um die Frage, was die Akteur*innen antreibt und was dann im Extremfall daf\u00fcr sorgt, dass Grenzen \u00fcberschritten werden.<\/p>\n<p>Es geht auch, wie die Autorin an <a href=\"https:\/\/www.uibk.ac.at\/fsp-kultur\/nachwuchs\/texte\/schmidt-europaeische-ethnologie-polizeigewalt.html\">anderer Stelle<\/a> beschreibt, um Zorn und Voreingenommenheit, um den Bruch mit der polizeilichen Gewaltanwendung als b\u00fcrokratischem Akt.<\/p>\n<p>Debatten \u00fcber das Handeln der Polizei fokussieren oft Fragen nach der \u00bbAngemessenheit\u00ab von Gewaltanwendung und potenzieller Grenz\u00fcberschreitungen. Die Legitimit\u00e4t polizeilicher Gewalt ist dabei eng an die Neutralit\u00e4t der Handlung gebunden. <em>Schmidt<\/em> setzt sich in ihrer Ethnografie mit diesen affektiven Komponenten der Gewaltarbeit auseinander. \u201e<em>Sie analysiert performative Darstellungsweisen von Wut, die als Arbeitsgegenstand und -werkzeug Bedeutung im polizeilichen Alltag erhalten. Ausgehend vom Begriff der Ordnung erm\u00f6glicht ihr emotionstheoretisch gepr\u00e4gter Blick, Gewaltsamkeit als K\u00f6rpertechnik und damit auch als Ausdrucksform polizeilicher Arbeit zu begreifen\u201c<\/em> (<a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-6241-2\/affekt-und-polizei\/?number=978-3-8376-6241-2&amp;c=311000208\">Verlagsank\u00fcndigung<\/a>).<\/p>\n<p>Der Anspruch einer Ethnografie ist es, so beschreibt es die Autorin selbst, \u201e<em>zu verstehen, wie Akteur*innen die Welt deuten und wie sie diese zugleich in ihren Erz\u00e4hlungen und Handlungen erschaffen. In dem Buch analysiere ich daher, wie emotionale Praktiken der Wut und Aggressivit\u00e4t in der exekutiven Gewaltarbeit mit polizeilichen Weltdeutungen sowie organisationalen und moralischen Vorstellungen von Ordnung und Gesellschaft verwoben sind<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Ihre Arbeit sieht sie in der fachgeschichtlichen Tradition der kulturanalytischen Emotionsforschung, die an die von <em>Didier Fassin<\/em> getroffenen Einordnung anschlie\u00dft, ethnografische Forschung in der Polizei als eine \u203amodest but necessary contribution to democracy\u2039 zu verstehen. Und solche Beitr\u00e4ge zur Demokratisierung (auch der Polizei) brauchen wir ganz besonders derzeit.<\/p>\n<p>\u201e<em>Die hier skizzierte Konturierung des polizeilichen Feldes gibt den Rahmen vor, um aus einer emotionstheoretischen Perspektive den polizeilichen Arbeitsalltag zu lesen und anhand dessen verschiedene Auff\u00fchrungsweisen des doing anger in den Blick zunehmen.<\/em>\u201c (S. 31). Im ersten Teil geht es um Theorie und Methode der Forschung, im zweiten Teil um \u201e<em>Never in Anger \u2013 Neutralit\u00e4t, Ordnung und Emotion<\/em>\u201c und im dritten Teil um \u201c<em>Policing the Anger \u2013 Arbeit und Affekt<\/em>\u201c \u2013 oder um \u201e<em>performative Wut- und Aggressionspraktiken<\/em>\u201c (S. 32). Die ausf\u00fchrliche Gliederung ist <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/media\/pdf\/9e\/9d\/93\/ts6241_161hJaNlSN2qD7.pdf\">hier<\/a> zu finden.<\/p>\n<p><em>Schmidt<\/em> stellt dabei auch in den Vordergrund, dass Polizeiarbeit K\u00f6rperarbeit ist: \u201e<em>Was Polizist:innen dabei als kontrollierte und ma\u00dfvolle Gewaltaus\u00fcbung gilt, ist etwas, das Polizist:innen sich durch eine umfangreiche K\u00f6rperarbeit aneignen. Da Gewalt in der Polizei Arbeit ist, bedarf es einer organisationalen Einhegung von Emotionen, um eine Distanz zum Geschehen herzustellen, wie sie innerhalb der Gef\u00fchlsnormen der Polizei gefordert ist. Durch das Erlernen von K\u00f6rpertechniken findet so eine f\u00fcr den Beruf notwendige intentionale \u00dcberformung des K\u00f6rpers statt, deren Ziel es ist, Polizist:innen zu effektiven Handlungen zu erm\u00e4chtigen, w\u00e4hrend sie zugleich Aggressivit\u00e4t lediglich als Werkzeug einsetzen. Was den Polizist:innen als ma\u00dfvolle Reaktion auf das als eskalativ verstandene Handeln der anderen gilt, kann dabei durchaus gewaltvoll sowie rechtlich und moralisch ma\u00dflos sein<\/em>\u201c (S. 326).<\/p>\n<p>Was sich in der Gliederung und auch in der Verlagsank\u00fcndigung vielleicht noch trocken und theorielastig liest, wird in dem Buch zu einem wahren Feuerwerk von Beobachtungen, Zitaten und Beschreibungen, die, und deshalb ist das Buch so au\u00dfergew\u00f6hnlich gut und wichtig, jeweils sofort und unmittelbar analysiert und theoretisch eingeordnet werden. Damit gelingt es der Autorin, \u00fcberaus anschaulich das, was in vielen eher theoretischen Auseinandersetzungen mit der Institution Polizei und ihren Protagonist*innen beschrieben wird, nachvollziehbar, begr\u00fcndet, und eben anschaulich und damit individuell nachvollziehbar darzustellen.<\/p>\n<p>Genau dies ist der Grund, weshalb f\u00fcr mich das Buch von <em>Schmidt<\/em> ab sofort eines der Standardwerke zur Polizei und zum \u201ePolizist*in-Sein\u201c ist. \u00a0Jede\/r, der \u00fcber Polizei und Polizist*innen redet und schreibt, sollte, ja muss dieses Werk gelesen haben, aber m\u00f6glichst auch jede\/r, der Polizist*in ist oder werden will.<\/p>\n<p>Thomas Feltes, Januar 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <em>Girtler<\/em> hat \u00fcbrigens eine Reihe weiterer ethnologischen Studien vorgelegt, die man <a href=\"https:\/\/krimdok.uni-tuebingen.de\/Search\/Results?lookfor=author_id:%22077286928%22%20OR%20author2_id:%22077286928%22%20OR%20author_corporate_id:%22077286928%22\">hier in KrimDok<\/a> in \u00dcbersicht finden kann.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Dabei gibt es durchaus wichtige Werke, die als Meilensteine der Polizeiwissenschaft angesehen werden k\u00f6nnen, wie bspw.<em> Busch u.a<\/em>., Die Polizei in der Bundesrepublik (1988) oder zuletzt das Werk von <em>Derin und Singelnstein<\/em>, Die Polizei: Helfer, Gegner, Staatsgewalt (2022), Besprechung im PNL <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1791\">hier<\/a>; eine Zustandsbeschreibung (und Analyse) aus dem Inneren, wie sie hier vorlegt wird, liefert dann noch ansatzweise <em>Oliver von Dobrowolski<\/em>: \u00bbIch k\u00e4mpfe f\u00fcr eine bessere Polizei\u00ab (2022), Besprechung im PNL <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1805\">hier<\/a>. Andere Arbeiten wie die von <em>Mensching<\/em> (2008), <em>Reichertz<\/em> (seit 1990) oder\u00a0 <em>Schweer<\/em> u.a. (2008) wiederum beschr\u00e4nken sich auf bestimmte Teilbereiche polizeilicher Arbeit<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Insofern ist diese Studie auch eine Blaupause daf\u00fcr, wie man Interviews in Qualifikationsarbeiten einbaut. Jede\/r Student*in, die eine Masterarbeit oder gar Dissertation in diesem Bereich schreiben will, sollte diese Arbeit von<em> Schmidt<\/em> vorher gelesen haben \u2013 und die betreuenden Kolleg*innen sollten die Lekt\u00fcre zur Pflicht machen, bevor sie die Arbeit oder das Thema vergeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stephanie Schmidt, Affekt und Polizei. Eine Ethnografie der Wut in der exekutiven Gewaltarbeit. Transkript-Verlag Bielefeld 2023, 366 S., ISBN 978-3-8376-6241-2, 39.- Euro (print) 38,99 Euro (pdf). 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