{"id":1937,"date":"2023-01-27T11:39:15","date_gmt":"2023-01-27T10:39:15","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1937"},"modified":"2023-01-27T14:01:04","modified_gmt":"2023-01-27T13:01:04","slug":"john-willheim-war-of-whispers-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1937","title":{"rendered":"John Willheim, War of Whispers. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>John Willheim, War of Whispers.<\/strong> Mit einem Gedicht von Bryan Thao Worra, Ausz\u00fcgen aus einem Song von Leonard Cohen und einem Nachwort von General Stanley McChyrstal, Design SYB. 22,0 \u00d7 29,8 cm, 280 Seiten mit ca. 175 Abb., farbig und schwarz\/wei\u00df, Hartmann Books Stuttgart, ISBN 978-3-96070-065-4, \u20ac 49,00.<\/p>\n<p>Dieses Buch erz\u00e4hlt die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte des sp\u00e4ter als \u201eder geheime Krieg der CIA\u201c bezeichneten Konflikts im asiatischen Laos in den 1960er\/1970er Jahren. Es war die gr\u00f6\u00dfte Geheimoperation der CIA bis zum heutigen Tag. Eine Guerilla-Armee von <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1939 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"334\" height=\"227\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-scaled.jpg 2560w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-150x102.jpg 150w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-1024x697.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-1536x1046.jpg 1536w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Cover-2048x1395.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 334px) 100vw, 334px\" \/>Hmong-Stammesangeh\u00f6rigen k\u00e4mpfte gegen die von den kommunistischen Nordvietnamesen unterst\u00fctzten Pathet Lao. Warum jetzt dazu ein Buch, und zudem ein Bildband? Die folgende Rezension sagt, warum das Buch notwendig ist und wer es ansehen sollte.<!--more--><\/p>\n<p>Im Gegensatz zum Krieg im benachbarten Vietnam, \u00fcber den breit berichtet und gegen den weltweit demonstriert wurde, war dies bei dem sog. \u201eGeheimen Krieg\u201c in Laos nicht der Fall. \u201e<em>Jeder Reporter, der vage Ger\u00fcchte \u00fcber einen geheimen Krieg h\u00f6rte und sich ihm n\u00e4herte, wurde mit vorgehaltener Waffe abgewiesen.\u00a0 Es gab eine einzige Ausnahme. Ein frischgebackener CIA-Offizier, John Willheim, der bereits ein versierter Fotograf war, wurde ausgew\u00e4hlt, den Geheimen Krieg zu dokumentieren, ohne jegliche Einschr\u00e4nkung. Seine daraus resultierenden Fotos und Filme waren zu dieser Zeit streng geheim. Nur hochrangige amerikanische Geheimdienstler, einige US-Kongressabgeordnete und der damalige Pr\u00e4sident Lyndon Johnson hatten Zugang zu Willheims Material<\/em>\u201c (<a href=\"https:\/\/hartmann-books.com\/produkt\/john-willheim-war-of-whispers-d\/\">Verlagstext<\/a>).<\/p>\n<p>Auch in den Jahren danach blieben diese Bilder unter Verschluss. Nun w\u00e4re dies alleine kein Grund, sie jetzt zu ver\u00f6ffentlichen, zumal der Band aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe, der Machart und der damaligen Bildqualit\u00e4t keine \u201eHochglanz-Bilder\u201c enth\u00e4lt (s. dazu unten). Das ist aber, um es vorwegzunehmen, gut so. Denn gerade dadurch entsteht ein einzigartiges Kunstwerk, das den Leser von der ersten Seite an in den Bann zieht \u2013 auch und besonders hoffentlich diejenigen, die den Vietnam-Krieg altersbedingt weder medial, noch bei Demonstrationen erlebt haben.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Der Band setzt sich aufgrund der oftmals unspektakul\u00e4ren Bilder dem Vorwurf aus, dass er versucht, den Krieg zu verherrlichen. Das trifft aber nicht zu. Die eindrucksvollen Bilder und der informative Text, der \u00e4hnlich einem Untertitel am unteren Ende der Seiten durchl\u00e4uft (was am Anfang etwas ungewohnt ist, weil der Text nicht immer unmittelbaren Bezug zu den Bildern hat) sind heute, 50 Jahre sp\u00e4ter, Zeugnis einer vergessenen Zeit.<\/p>\n<p>Es ist der einzige Bildband, der jemals \u00fcber diesen Krieg erschienen ist. In dem Band werden allt\u00e4gliche Bilder von Menschen, D\u00f6rfern und Landschaften in Kontrast zur Realit\u00e4t des Krieges gesetzt. <em>Willheim<\/em>s Sympathien galten und gelten, das machen die Bilder deutlich, dem Volk der Hmong, die diesen Stellvertreterkrieg k\u00e4mpften und ihn letztlich verloren. Die Hmong sind ein indigenes Volk Ost- und S\u00fcdostasiens und leben heute in den bewaldeten Berggebieten des s\u00fcdlichen China, in Laos, Vietnam und Thailand (<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hmong\">Wikipedia<\/a>). Sie werden bis heute als \u201eAmerikas vergessene Krieger\u201d von der kommunistischen Regierung in Laos verfolgt. Zehntausende Hmong flohen ins benachbarte Thailand und emigrierten sp\u00e4ter in die USA.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Laos selbst war im Vietnamkrieg offiziell neutral, wurde aber von den USA unterst\u00fctzt.1959 fiel Nordvietnam in Laos ein, um den Ho-Chi-Minh-Pfad zu kontrollieren und zu erweitern. Die CIA organisierte in den 1960er Jahren eine Guerilla-Gegenarmee, die sich aus Mitgliedern der Hmong-Leute von Long Cheng zusammensetzte, um gegen die Pathet Lao zu k\u00e4mpfen. Dieser Konflikt war der internationalen \u00d6ffentlichkeit weitgehend unbekannt, und davon handelt dieses Buch. Die zu Beginn erfolgreiche Operation endete in einem Desaster und hatte den Tod und die Flucht vieler Hmong zur Folge. Im Kampf gegen den Kommunismus wurden \u00fcber Laos bei den amerikanischen Fl\u00e4chenbombardements pro Einwohner gesch\u00e4tzte 2,5 Tonnen an Sprengs\u00e4tzen abgeworfen. Daher geh\u00f6rt Laos zu den am schwersten bombardierten L\u00e4ndern der Welt (s. dazu die eindrucksvolle filmische Darstellung <a href=\"https:\/\/vimeo.com\/264174642\">Eternal Harvest &#8211; USAF Bombing in Laos<\/a>).<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Der aktuelle Krieg in der Ukraine macht deutlich, dass es nicht den einen Krieg gibt, sondern dass es hinter einem sichtbaren Krieg und den dort t\u00e4tigen offiziellen Protagonisten zum einen S\u00f6ldner gibt (wie hier die sog. \u201eWagner-Gruppe\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>), und zum anderen oftmals neben einem \u201eoffiziellen\u201c Krieg andere, verborgene Kriege stattfinden. &#8222;<em>Each war tells us something about the way the next war will be fought.- Herodotus, ca. 430 B.C.&#8220;<\/em> &#8211; zitiert Willheim.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1940\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"2126\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-scaled.jpg 2560w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-150x125.jpg 150w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-1024x850.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-1536x1276.jpg 1536w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Herodot-2048x1701.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p>Mit einem dieser Kriege, der von 1953 bis 1975 in Laos stattfand, besch\u00e4ftigt sich der Band. Dieser Krieg lag im Schatten des Vietnamkrieges und war der westlichen \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Jahrzehnte hinweg kaum bekannt. Das Buch macht nun Bilder zug\u00e4nglich, die vor Ort und mitten im Kriegsgeschehen aufgenommen wurden. Der Anthropologe, Fotograf und Filmer <em>John Willheim<\/em> war vom CIA beauftragt, zwei Jahre dieses \u201egeheimen Krieges\u201c zu dokumentieren. Bis zu seiner Freigabe und Ver\u00f6ffentlichung im vergangenen Jahr sollen die Aufnahmen nur hohe Offiziere der CIA und wenige Politiker gesehen haben.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1942\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim.jpg\" alt=\"\" width=\"2473\" height=\"1672\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim.jpg 2473w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim-150x101.jpg 150w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim-1024x692.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim-1536x1038.jpg 1536w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/willheim-2048x1385.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2473px) 100vw, 2473px\" \/><\/p>\n<p>\u201e<em>Dies sind die einzigen professionellen Bilder des geheimen Krieges der CIA. Ein Moment in der Zeit, der in der Geschichte verschwinden wird. Ich war der letzte Zeuge. Dies ist mein Verm\u00e4chtnis<\/em>\u201c, schreibt Willheim (hier zitiert nach der <a href=\"https:\/\/taz.de\/Buch-mit-Kriegsbildern\/!5905009\/\">Besprechung des Buches in der taz<\/a> von Jochen Becker<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>, auf die im weiteren Verlauf immer wieder einmal Bezug genommen wird, weil diese fachkundige Besprechung in der taz ebenso wie seine weiterer Besprechungen von (Bild-)B\u00e4nden ebenso wie seine Beitr\u00e4ge zu Architektur und Stadtsoziologie sehr empfohlen werden (er hat sich \u00fcbrigens auch schon mal \u2013 2002 \u2013 mit der Fan-Kollektion <a href=\"https:\/\/taz.de\/Eine-Szeneklamotte\/!1121870\/\">des FC St. Pauli<\/a> besch\u00e4ftigt). Seine Beitr\u00e4ge in der taz sind <a href=\"https:\/\/taz.de\/Jochen-Becker\/!a47518\/\">hier<\/a> verf\u00fcgbar.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Aus der Besprechung des Buches von Becker: \u201e<em>Eine filmisch anmutende Sequenz setzt in dem Fotobuch tats\u00e4chlich den Anfang. Auf Doppelseiten sind Leuchtspuren zu sehen, Explosionen, sp\u00e4ter abstrakte Lichtzeichen in der Nacht. Luftaufnahmen \u00fcber malerischen H\u00fcgeln \u2013 w\u00e4ren da nicht die Milit\u00e4rmaschinen. Sie landen auf eingeebneten Fl\u00e4chen im Urwald. Ein gro\u00dfer, locker wirkender Mann im verschwitzten Dschungellook: Es ist John Willheim, und er tr\u00e4gt ein Gewehr<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Und weiter. \u201e<em>\u201eWar of Whispers\u201c ist eine ambivalente Publikation, ein \u00e4sthetisches Produkt, das eine \u00e4u\u00dferst subjektive und am Krieg unmittelbar beteiligte Position wiedergibt. Im Wechsel von Dia-Abz\u00fcgen sowie k\u00f6rnigen, bewegungsunscharfen Filmstills pendeln Willheims Aufnahmen zwischen Reportage und Rapport, ethnografisch wirkender Beobachtung und der Dokumentation des heftigen Kriegsgeschehens. Wundersch\u00f6ne Berglandschaften werden von Landepisten durchschnitten; Helikopter stehen geparkt vor Basth\u00fctten und Vorg\u00e4rten mit Nutzpflanzen. Das Dorf steht Schlange, als w\u00e4re gerade der Onkel aus Amerika vorgefahren\u201c<\/em>.<\/p>\n<p>Leider kann auf die einzelnen Bilder und\/oder auch Textpassagen nicht konkret mit Seitenangaben verwiesen werden \u2013 schlichtweg, weil der Band keine Seitenangaben enth\u00e4lt. Absicht?<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1943\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"2560\" height=\"972\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-scaled.jpg 2560w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-150x57.jpg 150w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-1024x389.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-1536x583.jpg 1536w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Lachen-2048x777.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p><em>Becker<\/em>: \u201e<em>Fotos aus dem Helikopterblick markieren erkennbare Zielkreuze f\u00fcr die informell eingerichteten Landepl\u00e4tze der \u201eAir America\u201c. Angeh\u00f6rige der CIA sollen teilweise Waffen gegen Opium eingetauscht haben. Sie versorgten ein an und f\u00fcr sich fruchtbares Gebiet mit Reis aus der Luft. Laut Willheims sparsamen Kommentaren glaubten die Kinder bald, Nahrung fiele aus nat\u00fcrlichen Gr\u00fcnden vom Himmel\u201c<\/em>.<\/p>\n<p><em>Willheim<\/em> ist ein, wie <em>Becker<\/em> es formuliert, \u201e<em>Bildprofi im fog of war. Er hat in seinem schillernden Leben sogar die Kamera f\u00fcr Orson Welles gef\u00fchrt. Gewollte Unsch\u00e4rfen, \u00fcberraschende Anschnitte, unterschiedliche Bildebenen zeigen, wie gut er mit Bildern operiert. Einige Schwarz-Wei\u00df-Aufnahmen punktieren die farbsatten Bildstrecken. Dazwischen montierte Filmstills zoomen den Krieg bedrohlich nahe heran, weisen auf Kampfsituationen in schlierigen Rei\u00dfschwenks. Fallschirme schweben in der Luft wie Quallen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1944 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"263\" height=\"742\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-scaled.jpg 907w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-53x150.jpg 53w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-363x1024.jpg 363w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-544x1536.jpg 544w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Zitat-726x2048.jpg 726w\" sizes=\"(max-width: 263px) 100vw, 263px\" \/><\/p>\n<p>Aus 1.400 Aufnahmen und zwei Filmen wurden die Bildstrecken f\u00fcr das Buch ausgew\u00e4hlt und \u201erhythmisiert\u201c auf mattem Papier. Dieses (Umweltschutz-)Papier (<a href=\"https:\/\/www.c2ccertified.org\/get-certified\/product-certification\">C2C-Certified<\/a>) ist sicherlich zu hinterfragen, weil es zum einen auch nach Tagen einen gewissen Geruch abgibt, vor allem aber, weil es durch seine Mattheit die Bilder auf eine bestimmte Art und Weise darstellt.<\/p>\n<p>Nachtrag: Der Verlag hat mich nach Abschluss der Rezension dazu folgendes mitgeteilt: &#8222;<em>Das Papier und der damit einhergende \u201eGeruch&#8220; sind \u00fcbrigens gewollt. Munken Papier in Verbindung mit Offsetdruck und Lack riecht so sch\u00f6n \u201eanalog&#8220;, das m\u00f6gen die FotobuchsammlerInnen dieser Welt<\/em>&#8222;.<\/p>\n<p>Aber nicht nur angesichts des Themas, sondern auch vor dem Hintergrund des Alters der Bilder passt dies durchaus gut zusammen. Zwar sind die Bilder mit einer f\u00fcr damalige Verh\u00e4ltnisse hochwertigen Kamera aufgenommen, einer in den fr\u00fchen 1960er Jahren entwickelten NIKON F35 mit verschiedenen Objektiven (Details dazu finden sich am Ende des Buches) und Farb- bzw. Schwarz-wei\u00df-Filmen f\u00fcr 36 Aufnahmen \u2013 aber Reproduktion und Papier sorgen teilweise f\u00fcr (manchmal sicher auch stilistisch beabsichtigte) Unsch\u00e4rfe, die man angesichts der hochaufl\u00f6senden digitalen Bilder heutzutage nicht mehr gewohnt ist.<\/p>\n<p>Der Anthropologe <em>Willheim<\/em> arbeitete im Auftrag der CIA eigentlich \u201enur\u201c zwei Jahre in dem s\u00fcdostasiatischen Land, in dem der US-Geheimdienst b\u00e4uerliche Milizen gegen den Vietcong rekrutierte. Dass Willheims Bilder erst vergangenes Jahr \u201e<em>aus dem Giftschrank geholt wurden<\/em>\u201c, l\u00e4sst dem Rezensenten <em>Becker \u201edie Haare zu Berge stehen\u201c<\/em>.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\">*<\/p>\n<p>Die Bilder auf Doppelseiten sind f\u00fcr ihn ebenso wie f\u00fcr mich zwiesp\u00e4ltig. Man sp\u00fcrt, dass sie damals m\u00f6glicherweise mit einer anderen Intention (Auftraggeber) angefertigt wurden. Das belegen viele freundliche, lachende Gesichter, die so gar nicht zu dem Thema des Buches passen wollen. Und die fotografische Handschrift von <em>Willheim<\/em> pflegt \u201e<em>noch im Krieg einen \u00c4sthetizismus<\/em>\u201c, der den Rezensent <em>Becker <\/em>gelegentlich irritiert, ebenso wie der Motivwechsels von Toten und Verletzten mit traumsch\u00f6nen Landschaften \u2013 aber dies hat wohl weniger der Fotograph als der Bucheditor und Grafikdesigner <a href=\"https:\/\/www.syb-posters.com\/about\">SYB<\/a> zu verantworten.<\/p>\n<p>&#8222;<em>Ein irres Buch<\/em>&#8222;, so <em>Becker<\/em>, und bei genauer Betrachtung lassen die Bilder schaudern. Gute Grafiker*innen, so <em>John Willheim<\/em> lt. <em>Becker<\/em> in einem Telefonat, <em>\u201eseien zugleich Psychoanalytiker<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Rezensent <em>Becker<\/em> bekam G\u00e4nsehaut, mich selbst l\u00e4sst das Buch fragend zur\u00fcck, und das ist gut so. Obwohl ich die damalige Zeit \u201eaktiv\u201c erlebte, waren mir diese Details des \u201egeheimen Krieges\u201c nicht (mehr?) pr\u00e4sent. Das Buch hat mich veranlasst, noch einmal zur\u00fcck zu schauen, genauer hinzusehen, zu vergleichen (mit der Situation heute), mir Fragen zu stellen \u2013 deren Beantwortung nicht einfach ist.<\/p>\n<p>Insofern ist dies ein Buch, das nachwirkt.<\/p>\n<p>Thomas Feltes, Januar 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Private russische S\u00f6ldnerfirmen wie die Wagner-Gruppe haben sich schon l\u00e4ngst auch in Afrika breit gemacht, wo sie f\u00fcr sich selbst und den Kreml Einfluss und Zugang zu Rohstoffen erk\u00e4mpfen und\/oder erkaufen, wie bspw. die <a href=\"https:\/\/www.wiwo.de\/technologie\/wirtschaft-von-oben\/wirtschaft-von-oben-178-wagner-gruppe-hier-dringen-putins-soeldner-in-afrika-ein\/28712998.html\">Wirtschaftswoche<\/a> im Oktober 2022 berichtete und \u00fcber die zuvor ein <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/kultur\/kino\/gruppe-wagner-eu-ehrt-doku-ueber-russische-soeldner-in-afrika-a-92134d8d-3728-4eb9-bf35-e39f3f59ce17\">Film gedreht <\/a>wurde, bei dem drei Journalisten ums Leben kamen. Auch ehemalige Nazi-Offiziere hatten sich in den Jahren nach 1945 als S\u00f6dner in Afrika verdingt, wie z.B. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Siegfried_M%C3%BCller_(S%C3%B6ldner)\">Siegfried Friedrich Heinrich M\u00fcller<\/a>, genannt Kongo-M\u00fcller, der in den 1960er-Jahren als S\u00f6ldner an der Niederschlagung der Simba-Rebellion im Kongo beteiligt war. Deutsche S\u00f6ldner waren auch zur Verst\u00e4rkung der rechten Szene in den<a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/rechte-in-suedafrika-rekrutieren-internationale-soeldner-politikermord-lautet-ein-auftrag-die-killer-kamen-von-der-reeperbahn-li.12381\"> 1990 Jahren nach S\u00fcdafrika und Namibia<\/a> gegangen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> \u201e<em>Jochen Becker lives and works in Berlin as a critic (taz\/die tageszeitung, springerin), project teacher (Hochschule f\u00fcr Gestaltung und Kunst, Zurich) and cultural producer (Baustop.randstadt,-\/NGBK, Berlin, 1998; MoneyNations2\/Kunsthalle Exnergasse, Vienna, 2000; Urban Control\/Forum Stadtpark, Graz, 2001; Werkleitz Biennale, 2002). <\/em><em>He is a founding member of B\u00fcroBert, co-editor of Copyshop \u2013 Kunstpraxis &amp; politische \u00d6ffentlichkeit (1993), editor of BIGNES? on recent urban development, and co-editor, with Stephan Lanz, of Metropolen (2001), Space\/\/Troubles (2003), Hier Entsteht (2004), Self-Service City: Istanbul (2004), City of COOP: Buenos Aires\/Rio de Janeiro (2004), Kabul\/Teheran 1979ff (2006) and Architektur auf Zeit (2006). In 2007 he launched the mediaZones book line, whose forthcoming titles include Nollywood, EuroMaps and Roaming Around<\/em>\u201d. <a href=\"http:\/\/www.networkedcultures.org\/index.php?tdid=54\">http:\/\/www.networkedcultures.org\/index.php?tdid=54<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>John Willheim, War of Whispers. Mit einem Gedicht von Bryan Thao Worra, Ausz\u00fcgen aus einem Song von Leonard Cohen und einem Nachwort von General Stanley McChyrstal, Design SYB. 22,0 \u00d7 29,8 cm, 280 Seiten mit ca. 175 Abb., farbig und schwarz\/wei\u00df, Hartmann Books Stuttgart, ISBN 978-3-96070-065-4, \u20ac 49,00. Dieses Buch erz\u00e4hlt die au\u00dfergew\u00f6hnliche Geschichte des &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1937\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">John Willheim, War of Whispers. 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