{"id":1948,"date":"2023-01-31T09:58:42","date_gmt":"2023-01-31T08:58:42","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1948"},"modified":"2023-01-31T09:58:42","modified_gmt":"2023-01-31T08:58:42","slug":"hunold-singelnstein-rassismus-in-der-polizei-rezensiert-von-astrid-jacobsen-und-jens-bergmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1948","title":{"rendered":"Hunold \/ Singelnstein: Rassismus in der Polizei. Rezensiert von Astrid Jacobsen und Jens Bergmann\u00a0"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hunold, Daniela; Singelnstein, Tobias (Hrsg.), Rassismus in der Polizei.<\/strong> Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Wiesbaden, Springer VS, 2022, 742 Seiten. ISBN ISBN: 978-3-658-37132-6. Preis 42,79 Euro, als pdf kostenlos (Open Access).<\/p>\n<p>Der Sammelband \u00b4Rassismus in der Polizei\u00b4 bietet erstmalig einen Einblick in den Diskussions- und Forschungsstand sowie verschiedene Perspektiven bzw. Forschungsans\u00e4tze f\u00fcr den deutschsprachigen Bereich an. Er leistet eine Anbindung des Themas an rassismustheoretische und rechtswissenschaftliche Perspektiven und <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1950 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-1.jpg\" alt=\"\" width=\"176\" height=\"248\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-1.jpg 822w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-1-107x150.jpg 107w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/01\/Unbenannt-1-728x1024.jpg 728w\" sizes=\"(max-width: 176px) 100vw, 176px\" \/>pr\u00e4sentiert Erkenntnisse aus der Polizeiforschung. Die insgesamt 32 Beitr\u00e4ge zeigen auf, in welch vielf\u00e4ltigen Formen bzw. auf welchen Ebenen Rassismus durch die Spezifik individueller, polizeilicher und gesellschaftlicher Strukturen sowie Praktiken bedingt ist.<\/p>\n<p><!--more-->Dar\u00fcber hinaus machen sie Folgen, Untersuchungsmethoden sowie m\u00f6gliche Umgangsweisen mit diesem Problem kenntlich. Das gro\u00dfe Spektrum an Themen, disziplin\u00e4ren Zug\u00e4ngen und Betrachtungsebenen ist in sechs Kapitel unterteilt. In die Inhalte der Beitr\u00e4ge wird von den Herausgebenden in einer umfangreichen, den Band gut strukturierenden und instruktiven Einleitung eingef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die im ersten Kapitel (\u00b4Grundlagen\u00b4) versammelten Auseinandersetzungen mit rassismuskritischer (Polizei-)Forschung sowie mit rechtlichen bzw. rechtswissenschaftlichen Implikationen begr\u00fcnden einerseits die notwendige Besch\u00e4ftigung mit dem Thema sowie die fehlende Verkn\u00fcpfung zur Polizeiforschung. Dar\u00fcber hinaus werden Ankn\u00fcpfungspunkte ausgewiesen, die in sp\u00e4teren Beitr\u00e4gen aufgegriffen werden, etwa: Rassismus, als gesellschaftliches Verh\u00e4ltnis verstanden, bedarf der Perspektive auf die institutionelle Ebene des Ph\u00e4nomens jenseits individueller Einstellungen; ein Vorschlag f\u00fcr Elemente einer rassismuskritischen Polizeiforschung; die Notwendigkeit des Einbezugs rechtlicher Vorgaben, die Diskriminierungsschutz verordnen.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u00b4Formen und Entstehungszusammenh\u00e4nge\u00b4 versammeln sich im zweiten Kapitel Beitr\u00e4ge, die einerseits recht einm\u00fctig die Forschungsdesiderate bestimmen und gleichzeitig verschiedenen Perspektiven auf Rassismus und Polizei vorschlagen, entwickeln und anmahnen. Hier finden sich begriffliche Diskussionen sowie die Anwendung von theoretischen Modellen zur Erhellung des Ph\u00e4nomens und Beschreibungen und Erkl\u00e4rungen rassistischer Diskriminierung durch die Polizei.<\/p>\n<p>Kapitel drei (\u00b4Polizeiliche Praxen\u00b4) weist (rassistische) Diskriminierungen in verschiedenen Aufgabenbereichen (Gefahrenabwehr und Strafverfolgung), in Zusammenhang mit polizeilicher Raumkonstruktion und (damit verbundenen) Selektionspraxen, aber auch im Hinblick auf polizeiliche Gewaltanwendung und den Umgang mit migrantisch gelesenen Opfern aus.<\/p>\n<p>Das vierte Kapitel (\u00b4Folgen f\u00fcr Betroffene und Gesamtgesellschaft\u00b4) verdeutlicht, dass Folgen rassifizierender Praktiken der Polizei f\u00fcr die Gesellschaft und Individuen weitreichend sind, da sie nicht nur verletzende, traumatisierende sowie exkludierende\/ stigmatisierende Auswirkungen f\u00fcr Einzelne und Gruppen haben, sondern da sie auch soziale Integration, Sicherheit und Legitimit\u00e4t des Staates gef\u00e4hrden. Die Beitr\u00e4ge zeigen zudem Ansatzpunkte f\u00fcr m\u00f6gliche Interventionen auf, indem sie Handlungsbedingungen, Organisationsformen und Aktivit\u00e4tsfelder zivilgesellschaftlicher Akteure thematisieren.<\/p>\n<p>Teil f\u00fcnf (\u00b4Forschungsans\u00e4tze und Methoden\u00b4) setzt das breite Spektrum an Formen, Ursachen und Wirkungsebenen des polizeilichen Rassismus mit einer Pluralit\u00e4t an methodischen Herangehensweisen und Betrachtungsperspektiven in Verbindung. Das Kapitel veranschaulicht wie produktiv es ist, heterogene Perspektiven (u.a. intersektionale, ethnographisch-teilnehmende, historisch-kulturbezogene und einstellungsbezogene Ans\u00e4tze) zu verwenden und aufeinander zu beziehen. Es kann als Brevier f\u00fcr ein mehrdimensionales, multimethodisches Untersuchungsdesign gelesen und genutzt werden.<\/p>\n<p>Im abschlie\u00dfenden sechsten Kapitel (\u00b4M\u00f6glichkeiten und Grenzen des Umgangs\u00b4) zeigen die Beitr\u00e4ge M\u00f6glichkeiten und Grenzen einer Bek\u00e4mpfung von Polizeirassismus auf, an die praktisch angeschlossen werden kann. Ebenso wie in den vorherigen Beitr\u00e4gen wird die Vielfalt m\u00f6glicher Ansatzpunkte deutlich. So kann es auf der individuellen Ebene, bei der Personalauswahl oder der Aus- Fortbildung ebenso sinnvoll sein Ver\u00e4nderungen anzusto\u00dfen, wie auf der strukturellen Organisationsebene oder dem rechtlichen, institutionellen Kontext der Polizei.<\/p>\n<p>Im Ergebnis pr\u00e4sentiert der Band eine Sammlung nicht nur verschiedener theoretischer und empirischer Perspektiven, inhaltlicher Fokussierungen und auch Forderungen zum Thema \u00b4Rassismus in der Polizei\u00b4, sondern auch Beitr\u00e4ge ganz unterschiedlicher Textgenres \u2013 von begrifflichen Diskussionen \u00fcber empirische Forschungsberichte hin zu Essays &#8211; und unterschiedlicher Qualit\u00e4ten. Trotz der inhaltlichen Diversit\u00e4t der Aufs\u00e4tze ziehen sich einige Themen konstant durch mehrere Beitr\u00e4ge, etwa der Zusammenhang zwischen verr\u00e4umlichtem Erfahrungswissen und rassistischer Diskriminierung, die Problematisierung von \u00dcber- und Unterordnungsverh\u00e4ltnissen, welche die Praxis der Polizei verst\u00e4rkt und , in diesem Zusammenhang, \u00a0auch die Verflochtenheit der Polizei mit anderen gesellschaftlichen Feldern. Dominant ist die Forderung nach der Besch\u00e4ftigung mit institutionellem und strukturellem Rassismus, die im Sammelband selbst noch nicht eingel\u00f6st werden kann: Hier \u00fcberwiegt \u2013 entsprechend des Forschungstandes &#8211; der Analyseschwerpunkt auf der individuellen Ebene.<\/p>\n<p>Was leistet der Sammelband? Er repr\u00e4sentiert die Notwendigkeit einer diversen Forschung zu \u00b4Rassismus in der Polizei\u00b4. Er funktioniert als Ann\u00e4herung an das Thema, als Lesebuch zum St\u00f6bern, als gezieltes Studium von spezifischen Perspektiven und schlie\u00dflich als Ansatzpunkt f\u00fcr weiterf\u00fchrende Forschungen. Nicht zuletzt begr\u00fcndet er einen Forschungsgegenstand und beweist eindr\u00fccklich die Notwendigkeit einer wissenschaftlichen Versachlichung des Themas jenseits alltagstheoretischer Perspektiven.<\/p>\n<p>Astrid Jacobsen und Jens Bergmann, Januar 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hunold, Daniela; Singelnstein, Tobias (Hrsg.), Rassismus in der Polizei. Eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme. Wiesbaden, Springer VS, 2022, 742 Seiten. ISBN ISBN: 978-3-658-37132-6. Preis 42,79 Euro, als pdf kostenlos (Open Access). Der Sammelband \u00b4Rassismus in der Polizei\u00b4 bietet erstmalig einen Einblick in den Diskussions- und Forschungsstand sowie verschiedene Perspektiven bzw. Forschungsans\u00e4tze f\u00fcr den deutschsprachigen Bereich an. 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