{"id":1969,"date":"2023-03-17T14:41:06","date_gmt":"2023-03-17T13:41:06","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1969"},"modified":"2023-03-17T14:41:06","modified_gmt":"2023-03-17T13:41:06","slug":"jan-philipp-kueppers-polizei-als-lernende-organisation-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1969","title":{"rendered":"Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei als lernende Organisation. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei als lernende Organisation.<\/strong> Systemisches Polizeimanagement in Planungspraxis, Entscheidungsfindung und Handlungsoptionen. Springer VS, Wiesbaden 2022, 485 Seiten, ISBN 978-3-658-35130-4. Softcover 54,99, e-book 42,99<\/p>\n<p>Am Anfang, so der Autor in der Einleitung zu seinem Buch, stand \u201e<em>eine Irritation \u00fcber die f\u00f6rmlich ins Auge springende Diskrepanz zwischen offiziellem Selbstverst\u00e4ndnis und allt\u00e4glicher Realit\u00e4t; oder um es anders auszudr\u00fccken: zwischen \u00f6ffentlicher <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1970 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kueppers.jpg\" alt=\"\" width=\"228\" height=\"318\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kueppers.jpg 919w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kueppers-108x150.jpg 108w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Kueppers-734x1024.jpg 734w\" sizes=\"(max-width: 228px) 100vw, 228px\" \/>Fremdwahrnehmung auf die Organisation der Polizei und der offensichtlich zunehmend gr\u00f6\u00dferen Schwierigkeit, polizeiinterne Probleme und kritische Vorf\u00e4lle in einem guten selbstreflexiven Verm\u00f6gen auch l\u00f6sungsorientiert zu \u00fcberpr\u00fcfen und zu bearbeiten<\/em>\u201c (S.1). Sehr vorsichtig formuliert K\u00fcppers hier eines der Grundprobleme der Polizei in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten: die durch mangelnde Fehlerkultur bedingten Probleme in der Au\u00dfendarstellung dieser Institution mit Gewaltlizenz. <!--more--><\/p>\n<p>Durch diese Diskrepanz werde, so meint K\u00fcppers, \u201e<em>der thematische Raum im Bereich des organisationalen Lernens f\u00fcr die Polizei ge\u00f6ffnet, der interessante Einblicke in die organisationalen Strukturen und individuellen Verhaltensreaktionen erlaubt<\/em>\u201c. Sicherlich hat ein organisatorisches Lernen wohl schon fr\u00fcher stattgefunden, wurde aber als solches kaum wahrgenommen und entsprach sicherlich nicht dem, was man heutzutage positiv konnotiert unter einer \u201elernenden Organisation\u201c versteht. Die Polizei ist und war schon immer in der Lage, sich, ihre F\u00fchrung und ihre Struktur anzupassen und damit zu ver\u00e4ndern, wenn auch bis Ende des 20. Jahrhunderts meist mit dem Ziel, m\u00f6glichst unauff\u00e4llig ihre Arbeit zu verrichten. Aber man kann nicht bestreiten, dass Ereignisse wie die Geiselnahme bei den Olympischen Spielen 1972, das Gladbecker Geiseldrama 1988, die G\u00f6hrde-Morde 1989 oder der \u201eM\u00fcnchener Kessel\u201c 1992 f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in der Polizei, ihrer Struktur und ihre F\u00fchrung bewirkt haben.<\/p>\n<p>Ausgerechnet <em>Rainer Wendt<\/em> zitiert <em>K\u00fcppers<\/em>, wenn er zu Beginn des Buches aus Anlass des Amoklaufes in einem M\u00fcnchner Einkaufszentrum im Jahr 2016 den Begriff der \u201e<em>lernenden Organisation<\/em>\u201c aus den Ausgangspunkt f\u00fcr sein Buch benennt \u2013 dabei gibt es innerhalb der Polizei bundesweit wohl niemanden, der diesen Begriff derart missbraucht und ab absurdum f\u00fchrt und gef\u00fchrt hat wie der DPolG-Vorsitzende. M\u00f6glicherweise war das \u201eSchaffen\u201c von <em>Wendt<\/em> dem Autor nicht n\u00e4her bekannt, und er hat nach einem Aufh\u00e4nger f\u00fcr den Titel seines Buches gesucht, und immerhin schreibt er direkt danach, dass diese Aussage von<em> Wendt<\/em> \u201e<em>nicht so Recht zur inneren Verfasstheit, den Vorkommnissen und dem eingespielten Abwehrverhalten<\/em>\u201c in der Polizei passe.<\/p>\n<p>Der Begriff des \u201eLernunternehmens Polizei\u201c wurde bereits in den 1990er Jahren gepr\u00e4gt, und zwar wesentlich von <em>Bernhard Prestel <\/em>(Freiburg) im Rahmen von Polizeireformen in mehreren L\u00e4ndern, darunter auch in Deutschland. In einer in diesem Kontext entstandenen Schriftenreihe mit dem Titel \u201eLernunternehmen Polizei\u201c waren im Felix-Verlag Holzkirchen f\u00fcnf B\u00e4nde erschienen<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, die jedoch nur beschr\u00e4nkte Aufmerksamkeit erfuhren \u2013 vielleicht auch, weil das Thema damals zumindest in Deutschland nicht im Vordergrund stand.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Buch von <em>K\u00fcppers<\/em>, das in seiner Gesamtheit trotz einiger Einschr\u00e4nkungen (dazu sp\u00e4ter) durchaus als dissertationsw\u00fcrdig bezeichnet werden kann<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>. Der Autor nutzt verschiedene spektakul\u00e4re Ereignisse wie die \u201eLoveparade-Katastrophe\u201c, die Amoktat in M\u00fcnchen, den G20-Gipfel in Hamburg und den Amoklauf in Norwegen 2016 an diesen Beispielen herauszuarbeiten, ob und wie sich Polizei als \u201elernende Organisation\u201c versteht oder verstehen sollte und was notwendig ist, damit dieser Anspruch tats\u00e4chlich innerhalb der Organisation umgesetzt wird.<\/p>\n<p>Er schreibt dazu: \u201e<em>Diese sehr tragischen Vorkommnisse und die verbreitete Gef\u00fchlslage einer Diskrepanz zwischen Selbstverst\u00e4ndnis und Fremdwahrnehmung, weckten das Interesse an einem Buch \u00fcber die Polizei als lernende Organisation und erzeugten schon aus sich heraus weitere Fragen: Kann eine Organisation \u00fcberhaupt lernen und was unterscheidet sie von einer nicht lernenden Organisation? Welche Rolle spielt der im Wesentlichen gut strukturierte aber gr\u00f6\u00dftenteils starre Aufbau der B\u00fcrokratie mit vorgegebenen linearen Ablauf auf den Lernprozess? Und k\u00f6nnen polizeiinterne Regeln, formale Verfahrensabl\u00e4ufe, hierarchische Positionen, Dienstvorschriften und so weiter, gepflegte und oftmals unanfechtbare Denk- und Verhaltensmuster reale komplexe Vorg\u00e4nge besser erkl\u00e4ren und l\u00f6sen, die eher organisationalem Lernen zugeschrieben werden?<\/em>\u201c (S. 3 f.).<\/p>\n<p>Als sozialwissenschaftlicher Ansatz benennt<em> K\u00fcppers<\/em> die interdisziplin\u00e4re Besch\u00e4ftigung mit der Polizei als lernender Organisation, in der es immer um menschliches und damit, wie er meint, soziales Verhalten gehe, das Handlungsm\u00f6glichkeiten, Chancen und Risiken in sich berge. Menschen st\u00fcnden im Mittelpunkt des Buches, \u201e<em>die Organisationprozesse im Dienst der Sicherheit gestalten. Sie sind es, die an beliebigen Stellen der Organisation der Polizei zum Prozess beitragen k\u00f6nnen. Und wer k\u00f6nnte einen Ver\u00e4nderungsprozess besser beeinflussen als der Polizist auf der Stra\u00dfe, der im Mittelpunkt der Auseinandersetzung steht?<\/em>\u201c (S. 4).<\/p>\n<p>Diese Annahmen sind richtig, greifen aber zumindest teilweise zu kurz, soll es doch um die Organisation Polizei gehen. Zwar gestalten Menschen Organisationsprozesse, sie sind aber nicht \u201edie Organisation\u201c, und sie k\u00f6nnen auch diese Institution nur (sehr) bedingt \u00fcberhaupt beeinflussen. Es ist gerade nicht der \u201ePolizist auf der Stra\u00dfe\u201c, der Ver\u00e4nderungsprozesse beeinflusst, sondern es sind die Polizeif\u00fchrung und die politische F\u00fchrung, die solche Prozesse initiieren, durchf\u00fchren oder durchf\u00fchren lassen. Sie entscheiden letztlich, ob und was an \u00c4nderungen umgesetzt wird.<\/p>\n<p>So hatten Mitte\/Ende der 1990er Jahre verschiedene Organisationsunternehmen die Polizei untersucht. Ausgangspunkt war die allgemeine Verwaltungsreform, der sich die Polizei nur schwerlich entziehen konnte. Die Untersuchungen kamen zu teilweise erschreckenden Ergebnissen: Das Consulting-Unternehmen Mummert + Partner f\u00e4llte nach einer 7 Mio. Mark teuren Untersuchung bspw. ein vernichtendes Urteil \u00fcber die Berliner Polizei. Mit einer Reform m\u00fcssten die Fehler von 25 Jahren ausgeb\u00fcgelt werden<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> \u2013 das wurden sie aber danach leider nicht. Und auch die Organisationsuntersuchung der Landespolizei Baden-W\u00fcrttemberg aus dem Jahr 1995 hatte entsprechende Probleme aufgezeigt \u2013 wobei typisch f\u00fcr den Umgang der Polizei mit solchen Studien ist, dass die Berichte <a href=\"https:\/\/www2.landesarchiv-bw.de\/ofs21\/olf\/struktur.php?bestand=23673&amp;sprungId=7392521&amp;letztesLimit=suchen\">bis 2025 gesperrt<\/a> sind und \u00fcberhaut nur im pers\u00f6nlichen Archiv des damaligen Innenministers Frieder Birzele nachgewiesen sind. Auch das sog. \u201eSaarbr\u00fccker Gutachten\u201c war mehr oder weniger in der Versenkung verschwunden, bis es der Rezensent einscannte und allgemein zur <a href=\"http:\/\/www.felix-verlag.de\/index.php\/11-diverses\/67-saarbruecker-gutachten-das-berufsbild-des-polizeivollzugsbeamten\">Verf\u00fcgung stellte<\/a>.<\/p>\n<p><em>Manfred Reuter<\/em> schreibt in seiner <a href=\"https:\/\/ub-deposit.fernuni-hagen.de\/servlets\/MCRFileNodeServlet\/mir_derivate_00000006\/Diss_Reuter_Landesverwaltung_2007.pdf\">Dissertation <\/a>aus dem Jahr 2007 zur Umsetzung einer Studie zu den Neuen Steuerungsmodellen (NSM) in den 1990er Jahren in NRW: \u201e<em>Dem IM sind die Ergebnisse der NSM-Studie von Lange\/Schenck vorab vorgestellt worden, dort jedoch auf wenig Interesse gesto\u00dfen. Das Ministerium bef\u00fcrchtet dadurch zu viel Unruhe in der Organisation und m\u00f6chte daher lieber nicht weiter dar\u00fcber diskutieren<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Otto <a href=\"https:\/\/archiv.cilip.de\/alt\/ausgabe\/56\/mummert.htm\">Diederichs<\/a> stellte damals fest, dass \u201e<em>es l\u00e4ngst zu einem beliebten Mittel geworden (ist), im Vorfeld einer polizeilichen Strukturreform externe Managementberater mit millionenschweren Vertr\u00e4gen einzubeziehen und damit sowohl Offenheit und Unvoreingenommenheit zu demonstrieren wie auch die eigene Reformunf\u00e4higkeit gekonnt zu \u00fcberspielen<\/em>\u201c.<\/p>\n<p>Den Widerspruch zwischen Menschen und Organisation erkennt K\u00fcppers durchaus, er thematisiert ihn aber leider zu selten. Die politischen Kr\u00e4fte, die auf die Polizei einwirken, bleiben in seiner Studie mehr oder weniger au\u00dfen vor. So wird der Eindruck erweckt, dass die Polizei quasi im luftleeren Raum steht und agiert und es selbst in der Hand hat, wie sie sich verh\u00e4lt, organisiert oder ver\u00e4ndert. Damit aber werden die entscheidenden rechtlichen Rahmenbedingungen ebenso wie die politischen au\u00dfen vorgelassen.<\/p>\n<p>Ungeachtet dessen ist das Buch<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> wichtig und wertvoll, weil es deutlich macht, welche Ver\u00e4nderungsm\u00f6glichkeiten innerhalb der Polizei gegeben sind. <em>K\u00fcppers <\/em>beschreibt und analysiert die Grundlagen einer lernenden Organisation (Kap. 2 bis 4), bevor er auf die Organisation der Polizei eingeht (Kap. 5 und 6) und dabei auch auf rechtliche Grundlagen, Strukturen, Abl\u00e4ufe und Funktionen. Diese eher deskriptiven Kapitel bilden den Ausgangspunkt f\u00fcr die darauffolgende Auseinandersetzung mit dem Verh\u00e4ltnis zwischen Polizei und Zivilgesellschaft (Kap. 7) und dem Thema Kommunikation (Kap 8). Im Kapitel 9 werden dann die Loveparade-Katastrophe, die Amoktat in M\u00fcnchen 2016 und der G20-Gipfel in Hamburg 2017 als \u201epraktische Fallbeispiele\u201c beschrieben und im Rahmen des hier m\u00f6glichen auch anschaulich analysiert.<\/p>\n<p>Sp\u00e4testens hier wird aber auch deutlich, dass das erste und das letzte Ereignis (Loveparade und G20) entscheidend politisch gepr\u00e4gt waren und politische Fehler ma\u00dfgeblich f\u00fcr das Versagen der Polizei in beiden F\u00e4llen waren<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>. Zwar werden politische Funktionstr\u00e4ger als \u201eStakeholder\u201c benannt (S. 358), sie spielen aber bei den Analysen kaum eine Rolle. Hier ist dann mehr von \u201e<em>taktischen Fehleinsch\u00e4tzungen<\/em>\u201c der Polizei die Rede (so auf S. 442), deren eigentliche Grundlagen aber im politischen Vorlauf lagen oder zumindest politisch nicht unerheblich beeinflusst wurden. So bleibt die Analyse leider oftmals im theoretischen Leerraum, und \u201e<em>Die Polizei als lernende und adaptive Organisation<\/em>\u201c (Kapitel 10) wird zu wenig eingebettet in das gesellschaftliche und vor allem politische Umfeld, in dem sie agiert und andererseits werden die Besonderheiten dieser Organisation zu wenig beachtet.<\/p>\n<p>Hinzu kommt, dass K\u00fcppers zwar immer wieder einmal die \u201e<em>t\u00e4gliche Routinearbeit<\/em>\u201c benennt, sie aber zu wenig in seiner Analyse ber\u00fccksichtigt \u2013 was sicherlich auch seinem Ansatz geschuldet ist, diese drei Ereignisse als Ankerpunkte f\u00fcr seine Arbeit zu nehmen. Das, was die Polizei aber auszeichnet und pr\u00e4gt, ist ihr Alltagshandeln.\u00a0 Hier kommen dann Aspekte wie die \u201elokale Polizeikultur\u201c oder generell die Subkultur in der Polizei, die solche Abl\u00e4ufe und den Umgang mit Fehlern und damit letztlich auch die \u201eLernkultur\u201c entscheidend pr\u00e4gen, leider nicht zur Sprache.<\/p>\n<p><em>K\u00fcppers <\/em>verkennt vielleicht auch, dass die Polizei eine Organisation ist, die zuallererst funktionieren muss, und das m\u00f6glichst unauff\u00e4llig und reibungslos. Probleme und Fehler gibt es nicht, weil es sie nicht geben darf; und wenn es sie doch gibt, dann m\u00fcssen sie m\u00f6glichst unter der Decke bleiben. Die schon panische Angst der Polizeif\u00fchrung und auch der Politik vor \u00f6ffentlichen oder internen Diskussionen, vor Widerspruch und Fehlern f\u00fchrt im Ergebnis zu einer Paralysierung dieser Institution und ihrer Mitarbeiter, wie <em>Maurice Punch<\/em> und ich dies in einem <a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/PunchFeltes.pdf\">Beitrag <\/a>2005 beschrieben hatten. Wir haben dabei auch auf den amerikanischen Polizeiwissenschaftler <em>Loveday <\/em>verwiesen, der die Polizei mit einem gestrandeten Wal verglichen hat: <em>\u201cA combination of extended hierarchies, organizational culture and the lack of effective management had resulted in the police service taking on all the fine characteristics of a beached whale<\/em>\u201d. Dieser \u201cgestrandete Wal\u201d ist tats\u00e4chlich unf\u00e4hig, sich zu bewegen (und damit nicht f\u00e4hig zu lernen) \u2013 mit dem Ergebnis, dass Reformversuche oft verpuffen oder als Alibireform enden. Dazu tr\u00e4gt auch die tief verwurzelte Einstellung bei, dass ein Polizeibeamter, der es zu etwas bringen will, prim\u00e4r zu funktionieren habe, am besten \u00fcberhaupt keine eigene Pers\u00f6nlichkeit haben sollte (weil diese Ecken und Kanten haben und so Probleme machen k\u00f6nnte), und am besten alles so bleibt wie es ist, weil man dann keine Risiken eingeht und keine Fehler machen kann, denn man hat es ja schon immer so gemacht.<\/p>\n<p>Solche konnten in dem Buch leider nicht behandelt werden, aber immerhin geht <em>K\u00fcppers<\/em> ausf\u00fchrlich auf \u201e<em>Kommunikation, Interaktion und Information<\/em>\u201c ein (S. 267 &#8211; 346) und benennt in diesem Kapitel viele Aspekte, die f\u00fcr das Zusammentreffen von Polizei und B\u00fcrger entscheidend sind.<\/p>\n<p>Insgesamt hat K\u00fcppers eine Studie vorgelegt, die durchaus intensive Beachtung in der Polizei finden sollte und finden muss, wenn man den Anspruch, eine \u201elernende Organisation\u201c zu sein, ernst nimmt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Thomas Feltes, M\u00e4rz 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Darunter auch eine Festschrift f\u00fcr <em>Bernhard Prestel<\/em>, die sich wesentlich mit diesem Begriff des \u201eLernunternehmens Polizei\u201c besch\u00e4ftigt. Das Buch steht auf der Website der UB T\u00fcbingen zum kostenlosen <a href=\"https:\/\/publikationen.uni-tuebingen.de\/xmlui\/handle\/10900\/124774\">Download<\/a> zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Der <a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/profile\/Jan-Philipp-Kueppers-3\">Autor<\/a> hat einen Abschluss in Sozialarbeit\/Sozialp\u00e4dagogik und Politikwissenschaft\/Soziologie und ist zurzeit Doktorand an der Universit\u00e4t Stuttgart.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/taz.de\/Umstaendlich-aufwendig-unproduktiv\/!1391820\/\">https:\/\/taz.de\/Umstaendlich-aufwendig-unproduktiv\/!1391820\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Das Inhaltsverzeichnis des Buches, zusammen mit einer kurzen Zusammenfassung der jeweiligen Kapitel, wird dankenswerterweise vom Verlag <a href=\"https:\/\/link.springer.com\/book\/10.1007\/978-3-658-35131-1#toc\">hier<\/a> bereitgestellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Die Rolle der Polizei bei der \u201eLoveparade-Katastrophe\u201c wurde u.a. deshalb kaum diskutiert, weil keine Ermittlungen gegen Polizeibeamte angestrengt wurden. Ungeachtet dessen hat der Prozess deutlich gemacht, dass <a href=\"https:\/\/taz.de\/Opferanwalt-ueber-Loveparade-Prozess\/!5470159\/\">wesentliche Fehler auch und besonders durch die Polizei<\/a> gemacht wurden. \u201e<em>Die M\u00e4ngel bei der Loveparade 2010 lagen ganz offensichtlich aber vor allem darin, dass a) diese Veranstaltung so nie h\u00e4tte genehmigt werden d\u00fcrfen, b) die Polizei dann, als sie sich dann doch verantwortlich sah, aufgrund schlechter<\/em><\/p>\n<p><em>Vorbereitung (?), wiederum bedingt durch unklare Kompetenzabstimmungen, handwerkliche Fehler machte (in dem z.B. einige Beamte den Zugang vom Tunnel zum Veranstaltungsgel\u00e4nde absperrten, zeitgleich aber ein (oder mehrere) Beamte(r) weitere Personen in den Tunnel nachdr\u00e4ngen lies, was dann zu dem Stau und der Paniksituation f\u00fchrte, c) es massive Kommunikationsprobleme gab, und zwar sowohl zwischen Veranstalter und Polizei, als auch bei der Polizei selbst (man wusste bspw. schon vorher, dass die analogen Funkger\u00e4te vor Ort und konkret in dem Tunnel nicht funktionierten)<\/em>\u201c, Feltes, Sicherheit bei Gro\u00dfveranstaltungen durch \u00dcberwachung der Teilnehmerinnen? 2012, verf\u00fcgbar<a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/vortraege\/2012_Polizeikongress_Statement_Feltes.pdf\"> hier<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei als lernende Organisation. 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