{"id":1972,"date":"2023-03-23T13:51:07","date_gmt":"2023-03-23T12:51:07","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1972"},"modified":"2023-03-23T13:51:07","modified_gmt":"2023-03-23T12:51:07","slug":"luka-breneselovic-die-wissenschaftskritischen-zuordnungen-von-franz-von-liszt-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1972","title":{"rendered":"Luka Breneselovi\u0107, Die wissenschaftskritischen Zuordnungen von Franz von Liszt. Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Luka Breneselovi\u0107<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \/: \u201eDie wissenschaftskritischen Zuordnungen von Franz von Liszt \u2013 Ein Beitrag zum Verst\u00e4ndnis der Modernen Schule des Strafrechts\u201c <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]. <\/a><\/strong>ISBN: 978-3-428-15978-0, 583 Seiten, Verlag Duncker &amp; Humblot, Berlin, Schriften zur Rechtsgeschichte, Band 191, 2020, 119,90 \u20ac &#8211; E-Book verf\u00fcgbar, 107,90 \u20ac.<\/p>\n<p><em>Breneselovi\u0107<\/em> setzt sich beeindruckend tiefgreifend, methodisch diskursanalytisch und in kritischer Reflexion sowie epistemologischer Kategorisierung mit dem Menschen <em>Franz von Liszt<\/em><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><em>, <\/em>seiner zeitgen\u00f6ssischen und provenienziellen Pr\u00e4\u00adgung, seinem Beitrag zu einer <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-1973 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild1.png\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"215\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild1.png 309w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/03\/Bild1-101x150.png 101w\" sizes=\"(max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/><em>\u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c<\/em> und der viel\u00adf\u00e4ltigen &#8211; nicht nur zeitgen\u00f6ssischen &#8211; Kritik<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> an seinem Wirken und seinen Werken auseinander.<!--more--><\/p>\n<p>Der besondere Anspruch des Buches liegt in der Einordnung der Kritiken in den jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext, den Fortgang der (\u201eModernen\u201c) Strafrechtswissenschaft und den Einfluss, den von Liszts Werk, bekannt als <em>\u201eSoziologische Schule des Strafrechts\u201c<\/em>, und deren Betonung eines rationalen, spezialpr\u00e4ventiven Strafzwecks auf die Kriminalpolitik entfaltet(e). Von Liszts Motivation und dessen Erkenntnisse, verdichtet zu einer \u201e<em>Gesamten Strafrechtswissenschaft\u201c<\/em>, welche im Ideal, das ihn antrieb, unter anderem auch aus den empirischen Daten der nicht-juristischen Kriminalwissenschaften ge\u00adspeist und legislativ beeinflusst werden sollte, hat bis heute nicht an Aktualit\u00e4t eingeb\u00fc\u00dft. Das zeigt sich u. a. an der aktuellen wissenschaftlichen Befassung mit einem Teil seines Verm\u00e4chtnisses, der <em>\u201eInternationalen Kriminalistischen Verei\u00adnigung\u201c<\/em> (IKV), die er im Jahr 1889 zusammen mit Adolphe Prins und G. A. van Hamel begr\u00fcndete. Die Juristische Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t <a href=\"https:\/\/www.uni-augsburg.de\/de\/fakultaet\/jura\/aktuell\/2023\/02\/06\/IKV\/\">Augsburg<\/a> veranstaltet bspw. vom 30.03. \u2013 01.04.2023, fast genau auf den Tag 142 Jahre nach der Erstausgabe der von von Liszt mitbegr\u00fcndeten <em>\u201eZeitschrift f\u00fcr die Gesamte Strafrechtswissenschaft\u201c<\/em> im M\u00e4rz 1881<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> unter der Leitung von Arnd Koch, der sich ebenfalls mehrfach intensiv mit von Liszt befasst hat<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, und Luka Brene\u00adselovi\u0107 eine internationale Tagung zur <em>\u201eEurop\u00e4ischen Bedeutung der Interna\u00adtionalen Kriminalistischen Vereinigung 1889 \u2013 1919\u201c. <\/em>Der umfassende empirische, kriminalsoziologisch und -wissenschaftlich befruchtete Blick von Liszts auf die Strafrechtsdogmatik findet auch kriminalpolitisch Beachtung. So hei\u00dft es im aktuellen <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag\/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf\">KoaV<\/a> 2021 \u2013 2025 der Bundesregierung (S. 86), <em>\u201ewir sorgen f\u00fcr eine vorausschauende, evidenzbasierte und grundrechtsorientierte Sicher\u00adheits- und Kriminalpolitik\u201c, <\/em>die durch die Gr\u00fcndung einer <em>\u201eunabh\u00e4ngigen inter\u00addisziplin\u00e4ren Bundesakademie\u201c <\/em>und die Erstellung einer \u201e<em>\u00dcberwachungsgesamt\u00adrechnung<\/em>\u201c auf Grundlage einer <em>\u201eumfassenden Evaluation der Sicherheitsgesetze und ihrer Auswirkungen auf Freiheit und Demokratie\u201c<\/em> u. a. auch <em>\u201eim Lichte technischer Entwicklungen\u201c<\/em> flankiert werden soll.<\/p>\n<p>Abgesehen von der Tiefensch\u00e4rfe der Betrachtungen, der klugen Einordnung und Analyse und einer stilistisch und inhaltlich au\u00dfergew\u00f6hnlichen epistemo\u00adlogischen Betrachtung ist auch der beeindruckende Umfang der von Breneselovi\u0107 ausgewerteten Literatur zu <em>von Liszt<\/em> mehr als bemerkenswert. Man kann sich schon deshalb der kurzen, dennoch inhaltlich sehr treffenden Einsch\u00e4tzung der im Jahr 2019 an der LMU vorgelgten und von Claus Roxin betreuten Dissertation Breneselovi\u0107\u2018 durch Reinhard <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Reinhard_Moos\">Moos<\/a><a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> anschlie\u00dfen: <em>\u201eNach ihrem Tiefgang und Umfang entspricht sie einer Habilitationsschrift. Sie beschreibt keinen Endpunkt der Forschung, denn Diskussionen um die Bewertungen und Kritiken des Autors werden folgen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>An dem beeindruckenden Werk wird k\u00fcnftig kaum jemand, der sich mit von Liszt und seinen \u00dcberlegungen zu einer \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c oder sonst historisch bzw. juristisch zeitgeschichtlich mit ihm auseinandersetzt, vorbei\u00adkommen!<\/p>\n<p>Holger Plank, im M\u00e4rz 2023<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dr. jur., LL.M., niedergelassener Anwalt in <a href=\"https:\/\/mlaw.rs\/tim\/\">Belgrad<\/a>, zugegriffen: 23.03.2023.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zugleich Diss. iur. an der LMU M\u00fcnchen, vgl. <a href=\"https:\/\/www.duncker-humblot.de\/_files_media\/leseproben\/9783428559787.pdf\">Inhaltsverzeichnis<\/a> auf der Website des Verlags Duncker &amp; Humblot, Berlin, zuletzt abgerufen am 23.03.2023.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> * 02.03.1851 in Wien, + 21.06.1919 in Seeheim\/Bergstra\u00dfe; der Jurist, Rechtslehrer (in Graz, Gie\u00dfen, Marburg, Halle und Berlin) und Kriminalpolitiker gilt als \u201eBegr\u00fcnder der \u201amodernen\u2018 Schule der Kriminalpolitik und des Modells der \u201eGesamten Strafrechtswissenschaft\u201c, worunter er die doppelte Aufgabe der Strafrechtswissenschaft verstand: Nach seinem Verst\u00e4ndnis hat sie das geltende Recht zu systematisieren (als dogmatische, juristisch-technische Disziplin) und als \u201eGesellschaftswissenschaft der Kriminalpolitik\u201c hierf\u00fcr die erfahrungswissenschaftliche Basis\u00a0 zu liefern (vgl. Deutsche Biographie. Zugegriffen: 23.03.<a href=\"https:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz51942.html\">2023<\/a>). Zusammen mit A. Dochow begr\u00fcndete er 1880 die gleichnamige Zeitschrift f\u00fcr die Gesamte Strafrechtswissenschaft (ZStW).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. hierzu bspw. die Beitr\u00e4ge eines Sammelbandes der Kriminalsoziologischen Biografie, <a href=\"http:\/\/idb.ub.uni-tuebingen.de\/opendigi\/ksb_24#p=2\">1984<\/a> (42), Heft 11, \u201eLiszt der Vernunft\u201c; zeitgen\u00f6ssisch stand im kriminologischen \u201eSchulen\u00adstreit\u201c vor allem Karl Binding als Vertreter der \u201eklassischen\u201c Schule den modernen Ans\u00e4tzen von Liszts diametral gegen\u00fcber, vgl. bspw. nur <em>Tichy<\/em>, <a href=\"https:\/\/unipub.uni-graz.at\/obvugrhs\/download\/pdf\/3869294?originalFilename=true\">2019<\/a>, \u201eEine kriminologische Debatte \u00fcber den Sinn und Zweck des Strafens. Die Positionen Karl Bindings und Franz von Liszts im Schulenstreit um 1900\u201c, Universit\u00e4t Graz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Im Vorwort der Herausgeber ist zu lesen, dass die ZStW <em>\u201ein erster Linie Strafrecht und Strafprozess, in zweiter (\u2026) die strafrechtlichen Hilfswissenschaften umfassend, als kriminalistisches Zentralorgan ein m\u00f6glichst vollst\u00e4ndiges und treues Bild von dem jeweiligen Stande und den Fortschritten der strafrechtlichen Gesetzgebung und Wissenschaft Deutsch\u00adlands (\u2026) bieten solle\u201c.<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <em>Koch \/ L\u00f6hning<\/em> (Hrsg.), \u201eDie Schule Franz von Liszts\u201c, 2016, vgl. Besprechung des Sammel\u00adbandes im PNL: <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=472\">https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=472<\/a>; <em>Koch<\/em>, 2019 anl. des 100ten Todestages von Liszts in ZStW 131, Heft 2, S. 451 \u2013 483; <em>Koch<\/em>, 2007, S. 127 ff., \u201eBinding vs. v. Liszt \u2013 Klassische und moderne Strafrechtsschule\u201c, in Hilgendorf \/ Weitzel (Hrsg.), Der Strafgedanke in seiner historischen Entwicklung;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Juristische Bl\u00e4tter (JBL), <a href=\"https:\/\/elibrary.verlagoesterreich.at\/article\/99.105005\/jbl202104027501\">2021<\/a>, Band 143, Heft 4, S. 275 f.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Luka Breneselovi\u0107[1] \/: \u201eDie wissenschaftskritischen Zuordnungen von Franz von Liszt \u2013 Ein Beitrag zum Verst\u00e4ndnis der Modernen Schule des Strafrechts\u201c [2]. 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