{"id":2009,"date":"2023-08-13T17:27:18","date_gmt":"2023-08-13T15:27:18","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2009"},"modified":"2023-08-13T17:37:26","modified_gmt":"2023-08-13T15:37:26","slug":"stefan-goertz-extremismus-und-sicherheitspolitik-rezensiert-von-armin-pfahl-traughber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2009","title":{"rendered":"Stefan Goertz, Extremismus und Sicherheitspolitik. Rezensiert von Armin Pfahl-Traughber"},"content":{"rendered":"<p><strong>Stefan Goertz, Extremismus und Sicherheitspolitik.<\/strong> Studienkurs f\u00fcr die Polizei und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden, Wiesbaden 2022 Kommunal-u. Schul-Verlag. ISBN 978-3-8293-1694-1, 323 S., 40.- Euro.<\/p>\n<p>Es gibt B\u00fccher, die in Titel und Untertitel etwas versprechen, was in Form und Inhalt nicht eingel\u00f6st wird. Ein Beispiel daf\u00fcr ist \u201e<em>Extremismus und Sicherheitspolitik. Studienkurs f\u00fcr <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2010 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/9783829316941.jpg\" alt=\"\" width=\"114\" height=\"181\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/9783829316941.jpg 280w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/08\/9783829316941-95x150.jpg 95w\" sizes=\"(max-width: 114px) 100vw, 114px\" \/>die Polizei und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden<\/em>\u201c. Das Buch soll au\u00dferdem ein \u201e<em>Studienkurs f\u00fcr die \u2026 Verfassungsschutzbeh\u00f6rden<\/em>\u201c sein. In dieser Abteilung wird es von den Dozenten aber weder genutzt noch gesch\u00e4tzt. Das Buch ist auch ohne konkrete Kenntnis der dortigen Studieninhalte geschrieben.<!--more--><\/p>\n<p>\u00dcber den Autor hei\u00dft es auf dem Klappentext: \u201e<em>Prof. Dr. Stefan Goertz lehrt an der Hochschule des Bundes, am Fachbereich Bundespolizei, in L\u00fcbeck<\/em>\u201c. Nach dem Inhaltsverzeichnis findet man darin Kapitel \u00fcber Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus, \u201eReichsb\u00fcrger\u201c und \u201eSelbstverwalter\u201c, \u201eQuerdenker\u201c, Islamismus und islamistischen Terrorismus, Linksextremismus und \u201eAusl\u00e4nderextremismus\u201c. Ein Kapitel \u00fcber Sicherheitspolitik, immerhin das zweite Substantiv im Titel, ist darin nicht enthalten. Daf\u00fcr gibt es noch Kapitel \u00fcber Cybercrime, Organisierte Kriminalit\u00e4t und Clankriminalit\u00e4t, was wiederum nichts direkt mit Extremismus zu tun hat.<\/p>\n<p>Beginnt man dann zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlt die Lekt\u00fcre in irgendeinem der genannten Extremismuskapitel, dann erstaunt die Darstellungsweise. Denn es handelt sich, um die Ausdrucksweise des schulischen Deutschunterrichts zu nutzen, um blo\u00dfe Nacherz\u00e4hlungen. Dabei werden Berichte der Sicherheitsbeh\u00f6rden mit eigenen Worten vorgetragen. Die entsprechenden Abs\u00e4tze enthalten Formulierungen wie \u201e<em>An ihrer Gr\u00fcndung war nach Angaben des Bundesamtes f\u00fcr Verfassungsschutz \u2026\u201c, \u201eDie deutschen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden analysieren \u2026\u201c, \u201eDas Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellt fest \u2026\u201c, \u201eDie deutschen Verfassungsschutzbeh\u00f6rden stellen fest \u2026\u201c oder \u201eDas Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz stellt fest \u2026\u201c<\/em> (S. 157f.) Diese f\u00fcnf Satzanf\u00e4nge finden sich auf nur eineinhalb Seiten, wobei es um die islamistische Milli G\u00f6r\u00fcs-Bewegung geht. Immer wieder verweist der Autor zwar auf eigene fr\u00fchere Publikationen. Indessen sind diese Beitr\u00e4ge ebenso aufgebaut und referierten lediglich die Berichte von Sicherheitsbeh\u00f6rden. So besteht das Buch prim\u00e4r aus Nacherz\u00e4hlungen, immerhin mit Quellenangaben versehen.<\/p>\n<p>An eigenst\u00e4ndigen Betrachtungen und Einsch\u00e4tzungen mangelt es, die Ebene der Er\u00f6rterungen wird nicht erreicht. Durchg\u00e4ngig findet auch keine Auswertung von Prim\u00e4rquellen statt, allenfalls folgen aus \u201ezweiter Hand\u201c kurze Zitate. Abweichungen davon gibt es nur bei den Erl\u00e4uterungen zum Gemeinten, etwa bei den Definitionen der zentralen Termini. Aber auch hier erfolgt keine eigene Begriffsbestimmung, findet man doch lediglich hintereinander aufgelistete einzelne Merkmale. Als Beispiel sei auf die elf \u201e<em>Analysemerkmale von Islamismus<\/em>\u201c (S. 45) verwiesen. Dabei werden jeweils Eigenschaften genannt, die auch in den dann folgenden Merkmalen enthalten sind. So hei\u00dft es etwa: \u201e<em>Islamismus geht von der Existenz einer gottgewollten \u2026 Ordnung aus, die \u00fcber von Menschen gemachten Ordnungen steht \u2026\u201c Und direkt danach kann man lesen: \u201eF\u00fcr den Islamismus ist Religion \u2026 nicht nur eine private \u201aAngelegenheit\u2018, sondern soll \u2026 die politische Ordnung regeln<\/em>\u201c (S. 45). Als aufmerksamer Leser fragt man sich: Worin besteht eigentlich zwischen der erst- und zweitgenannten Angabe der grundlegende und konkrete Unterschied?<\/p>\n<p>So hat man es nur mit einer Ansammlung von Merkmalen zu tun, welche nicht in eine entwickelte Definition und systematische Struktur integriert wurden. Manchmal lassen sich die Aussagen gar nicht verallgemeinern, wof\u00fcr folgender Satz steht: \u201e<em>Islamismus zielt auf die teilweise oder vollst\u00e4ndige Abschaffung der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (fdGo) und der Bundesrepublik Deutschland ab\u201c<\/em> (S. 45). Folgt man dieser Begriffsbestimmung, dann w\u00e4re etwa die Hamas nicht islamistisch. Denn ihr geht es nicht um die Abschaffung der Bundesrepublik, sondern um einen \u201eGottesstaat\u201c in Pal\u00e4stina \u2013 und die Vernichtung des Staates Israel. Derartige Defizite durchziehen auch die abschlie\u00dfenden Kapitelteile, die mit \u201e<em>Kurzzusammenfassung\/Pr\u00fcfungsvorbereitung<\/em>\u201c \u00fcberschrieben wurden. Beim Abweichen vom blo\u00dfen Nacherz\u00e4hlen entstanden immer wieder inhaltliche Schiefen im aufgezeigten Sinne. Insofern ist das Buch keineswegs f\u00fcr alle Studierende im Bereich der genannten Sicherheitsbeh\u00f6rden \u201e<em>pr\u00fcfungsrelevant<\/em>\u201c, wie dies potentiellen K\u00e4ufern durch den hier sehr anma\u00dfend wirkenden Klappentext suggeriert wird.<\/p>\n<p>Professor Dr. Armin Pfahl-Traughber, August 2023<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Stefan Goertz, Extremismus und Sicherheitspolitik. Studienkurs f\u00fcr die Polizei und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden, Wiesbaden 2022 Kommunal-u. Schul-Verlag. ISBN 978-3-8293-1694-1, 323 S., 40.- Euro. Es gibt B\u00fccher, die in Titel und Untertitel etwas versprechen, was in Form und Inhalt nicht eingel\u00f6st wird. Ein Beispiel daf\u00fcr ist \u201eExtremismus und Sicherheitspolitik. Studienkurs f\u00fcr die Polizei und die Verfassungsschutzbeh\u00f6rden\u201c. 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