{"id":2031,"date":"2023-10-31T09:30:56","date_gmt":"2023-10-31T08:30:56","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2031"},"modified":"2023-10-31T09:30:56","modified_gmt":"2023-10-31T08:30:56","slug":"eva-gross-stefanie-kemme-hrsg-basislehrbuch-kriminologie-rezensiert-von-andre-schulz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2031","title":{"rendered":"Eva Gro\u00df, Stefanie Kemme (Hrsg.), Basislehrbuch Kriminologie. Rezensiert von Andr\u00e9 Schulz"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eva Gro\u00df, Stefanie Kemme (Hrsg.), Basislehrbuch Kriminologie<\/strong>. Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden 223, 488 S., ISBN 978-3-8011-0924-0, 35.- Euro<\/p>\n<p>Der Markt der Kriminologie-Publikationen ist um ein Werk reicher. Nachdem das Buch \u201eKriminologie: F\u00fcr Studium und Praxis\u201c von Clages und Zeitner <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2033 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Unbenannt-2.jpg\" alt=\"\" width=\"148\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Unbenannt-2.jpg 730w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2023\/10\/Unbenannt-2-108x150.jpg 108w\" sizes=\"(max-width: 148px) 100vw, 148px\" \/>vom gleichen Verlag\u00a0 im Jahre 2019 aus dem Programm genommen wurde, fehlte im Sortiment des VDP ein entsprechendes Standardwerk zur kriminalwissenschaftlichen Disziplin der Kriminologie. Diese L\u00fccke ist nun mit dem \u201eBasislehrbuch Kriminologie\u201c geschlossen. <!--more--><\/p>\n<p>Die beiden Herausgeberinnen, Professorin Dr. jur. Dipl. Psych. Stefanie Kemme und Professorin Dr. Eva Gro\u00df, besitzen zu dieser Thematik eine anerkannte Expertise. Stefanie Kemme war u. a. Juniorprofessorin f\u00fcr Strafrecht an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Rechtswissenschaft, Institut f\u00fcr Kriminalwissenschaften, an der Universit\u00e4t Hamburg. Von Juni 2015 bis M\u00e4rz 2023 war sie als Professorin f\u00fcr Strafrecht und Kriminologie an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg t\u00e4tig. Seit April 2023 lehrt und forscht sie als Professorin f\u00fcr Kriminologie an der Westf\u00e4lischen Wilhelms-Universit\u00e4t M\u00fcnster. Eva Gro\u00df ist seit Dezember 2018 an der Hochschule der Akademie der Polizei Hamburg t\u00e4tig, davor wirkte sie seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut f\u00fcr interdisziplin\u00e4re Konflikt- und Gewaltforschung der Universit\u00e4t und seit 2015 an der kriminologischen Forschungsstelle des LKA Niedersachsen.<\/p>\n<p>Das \u201eBasislehrbuch Kriminologie\u201c m\u00f6chte in 14 Kapiteln einen \u00dcberblick \u00fcber den kriminologischen Forschungsstand unter besonderer Ber\u00fccksichtigung des Blickwinkels der Polizei geben. Das ist durchaus bemerkenswert und ein Alleinstellungsmerkmal, weil andere kriminologische Publikationen auf dem Markt diese explizite Sichtweise nicht bieten. Die meisten kriminologischen Grundlagenwerke richten sich an Leserinnen und Leser mit einem rechtswissenschaftlichen oder soziologischen Background. Ebenso bemerkenswert an diesem Buch ist, dass die Beitr\u00e4ge von \u2013 insgesamt f\u00fcnf \u2013 Autorinnen stammen, (m\u00e4nnliche) Autoren sucht man vergeblich. Abgesehen davon, dass auch die \u00fcbrigen Autorinnen \u00fcber eine unzweifelhafte Expertise verf\u00fcgen, verwundert dieser Aspekt nicht, denn Frauen sind in der Lehre und Forschung im Bereich der Kriminologie stark vertreten, aber als Autorinnen f\u00fcr kriminologische Standardwerke bisher deutlich unterrepr\u00e4sentiert. Man fragt sich an dieser Stelle, warum das bisher so war?<\/p>\n<p>Obwohl das Buch einen Umfang von insgesamt 486 Seiten hat, f\u00fchlt es sich beim Lesen nicht wie ein \u201edicker W\u00e4lzer\u201c an. Ein Fakt, den insbesondere die Studierenden und Auszubildenden sch\u00e4tzen d\u00fcrften. Die einzelnen Kapitel sind relativ kompakt geschrieben, beinhalten aber grunds\u00e4tzlich die spezifischen und wesentlichen Aspekte. Im ersten Teil des Buches werden \u2013 wie in anderen kriminologischen Basiswerken auch \u2013 die klassischen kriminologischen Themen, wie beispielsweise die Geschichte der Kriminologie, Kriminalit\u00e4tstheorien, Viktimologie und Kriminalit\u00e4tswahrnehmung, behandelt. Im zweiten Teil werden besondere Kriminalit\u00e4tsfelder, wie Gewaltkriminalit\u00e4t, Sexualdelikte, Hasskriminalit\u00e4t und Kriminalit\u00e4t im Kontext von Migration, betrachtet. Zahlreiche Tabellen und Abbildungen dienen der Darstellung und dem besseren Verst\u00e4ndnis. Am Anfang eines Kapitels finden sich jeweils die Lernziele in Form von Fragestellungen, am Schluss eines Kapitels erfolgt eine Zusammenfassung der wesentlichen Punkte als \u201eMerkposten\u201c. Die Autorinnen bem\u00fchen sich dabei, die Thematiken auf die Anforderungen des Polizeidienstes auszurichten und f\u00fchren jeweils spezifische Fallbeispiele an, um den Praxisbezug zu verdeutlichen. Wer schon einmal das Vergn\u00fcgen hatte, in einer polizeilichen Bildungseinrichtung Kriminologie zu unterrichten, dem ist bewusst, dass es nicht immer ganz einfach ist, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten und nachhaltig deutlich zu machen, wie wichtig die Kriminologie f\u00fcr Schutz- und Kriminalpolizisten und -polizistinnen ist. Gerade auch unter dem Gesichtspunkt der Berufszufriedenheit, was Berufseinsteigenden meist nicht bewusst ist. Wer mehr zur Entstehung und den Erscheinungsformen von Kriminalit\u00e4t wei\u00df und sich (und anderen) erkl\u00e4ren kann, ist insgesamt zufriedener im Job und auch \u2013 ein gesamtgesellschaftlich betrachtet nicht ganz unwesentlicher Nebeneffekt \u2013 weniger anf\u00e4llig f\u00fcr gef\u00e4hrliche rechte Tendenzen.<\/p>\n<p>In der Gesamtbewertung muss man konstatieren, dass man genau das bekommt, was das Buch verspricht: ein Basislehrbuch der Kriminologie. Den Autorinnen ist es gelungen, ein modernes, leicht lesbares und verst\u00e4ndliches Werk geschaffen zu haben. Ein Wermutstropfen, der den Gesamteindruck leider etwas tr\u00fcbt, ist der Umstand, dass das Buch trotz seines Umfangs im Teil 2 bei der Betrachtung besonderer Kriminalit\u00e4tsfelder teilweise recht oberfl\u00e4chlich bleibt. Das ist f\u00fcr ein Basiswerk zwar nicht ungew\u00f6hnlich, denn ein Basislehrbuch will einen ersten \u00dcberblick verschaffen und diejenigen, die sich einer wissenschaftlichen Materie erstmalig n\u00e4hern, dabei nicht gleich \u00fcberfordern. Wenn man sich aber mit einzelnen Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomenen intensiver besch\u00e4ftigen m\u00f6chte, kommt man trotz der Verweise auf Links zu Online-Quellen am Ende jedes Kapitels nicht umhin, sich mit weitergehender Literatur \u2013 auch aus dem Bereich der Kriminalistik \u2013 auseinanderzusetzen. Besonders deutlich wird dieser Umstand im Kapitel 14 \u201eOrganisierte Kriminalit\u00e4t und Wirtschaftskriminalit\u00e4t\u201c, welches auf knapp 16 Seiten abgehandelt wird. Dem Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomen \u201eWirtschaftskriminalit\u00e4t\u201c werden dabei ganze zwei Seiten gewidmet. Hier g\u00e4be es aus kriminologischer Sicht deutlich mehr darzustellen, gerade auch zum Thema T\u00e4tertypologien. Inhalt und Umfang m\u00f6gen f\u00fcr die Ausbildung der Schutzpolizei des \u201emittleren Dienstes\u201c gerade noch ausreichend sein, f\u00fcr das Studium von Kommissaranw\u00e4rtern und -anw\u00e4rterinnen der Kriminalpolizei ist es aber deutlich zu wenig. Auch wenn man fairerweise anmerken muss, dass diese beiden Themenbereiche in den meisten Standardwerken recht stiefm\u00fctterlich behandelt werden, sollte das Kapitel f\u00fcr die n\u00e4chste Auflage nochmals \u00fcberarbeitet und erg\u00e4nzt werden.<\/p>\n<p>Fazit: Man darf die Herausgeberinnen und Autorinnen zu ihrem Werk begl\u00fcckw\u00fcnschen. Das Basislehrbuch Kriminologie wird mit einiger Sicherheit das kriminologische Standardwerk f\u00fcr die Ausbildung und das Studium der Polizei werden. Auch wenn das Lehrbuch trotz der \u201ePolizeiperspektive\u201c grunds\u00e4tzlich f\u00fcr alle Einsteigenden geeignet ist, sich einen ersten \u00dcberblick \u00fcber die wissenschaftliche Kriminologie zu verschaffen, ist f\u00fcr Interessierte au\u00dferhalb der Polizei andere Literatur, wie die empfehlenswerten Standardwerke \u201eKriminologie \u2013 Eine Grundlegung\u201c von Singelnstein\/Kunz, <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=1912\">\u201eKriminologie \u2013 Ein Grundriss\u201c von D\u00f6lling\/Hermann\/Laue<\/a> und auch immer noch \u201eKriminologie und Kriminalpolitik\u201c von Schwind\/Schwind, aber sicher passender.<\/p>\n<p>Andr\u00e9 Schulz November 2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eva Gro\u00df, Stefanie Kemme (Hrsg.), Basislehrbuch Kriminologie. Verlag Deutsche Polizeiliteratur, Hilden 223, 488 S., ISBN 978-3-8011-0924-0, 35.- Euro Der Markt der Kriminologie-Publikationen ist um ein Werk reicher. 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