{"id":2065,"date":"2024-01-15T10:29:06","date_gmt":"2024-01-15T09:29:06","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2065"},"modified":"2024-01-15T10:29:06","modified_gmt":"2024-01-15T09:29:06","slug":"hofmann-die-neue-sicherheitsarchitektur-des-bkag-zwischen-freiheitsrechten-und-der-sicherheitsgesetzgebung-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2065","title":{"rendered":"Hofmann: Die neue Sicherheitsarchitektur des BKAG zwischen Freiheitsrechten und der Sicherheitsgesetzgebung. Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Hofmann, Monique Maria<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>: \u201eDie neue Sicherheitsarchitektur des BKAG zwischen Freiheitsrechten und der Sicherheitsgesetzgebung. <a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> <\/strong><em>Eine Analyse anhand ausgew\u00e4hlter Befugnisnormen sowie der neuen Informationsordnung\u201c<\/em><strong>. <\/strong>ISSN: 1435-6821, 338 Seiten, Verlag Dr. Kova\u010d, Hamburg, Reihe Studien zur Rechtswissenschaft, Band 484, 2023, 99,80 \u20ac)<\/p>\n<p>Hofmann beleuchtet am Beispiel einiger ausgew\u00e4hlter Befugnisnormen die Fort\u00adschreibung der verfassungsrechtlich limitierten Zust\u00e4ndigkeit<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> des BKA auf dem Gebiet des <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2066 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Hofmann.jpg\" alt=\"\" width=\"145\" height=\"203\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Hofmann.jpg 209w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Hofmann-107x150.jpg 107w\" sizes=\"(max-width: 145px) 100vw, 145px\" \/>polizeilichen Gefahrenabwehrrechts und dessen neue zentrale Rolle als kriminalpolizeiliche Zentralstelle im Rahmen der Neuordnung der polizei\u00adlichen Bund-L\u00e4nder-Informationsordnung. Sie arbeitet dabei akribisch einige grundlegende dogmatische M\u00e4ngel heraus und erkennt signifikanten gesetzge\u00adberischen Handlungsbedarf.<!--more--><\/p>\n<p>Hierzu greift sie im ersten Hauptteil der Arbeit (Kap. 2, S. 37-182) nach einer einleitend kurzen Erl\u00e4uterung des ausle\u00adgungsbed\u00fcrftigen Terrorismusbegriffs (Kap. 1A, S. 9-20) und einer pr\u00e4gnanten Erl\u00e4uterung der Geschichte und der Entwicklung der gesetzlichen Zust\u00e4ndig\u00adkeiten des BKA seit 2008 (Kap. 1B, C, S. 21-36) auf einige wenige, tief in die Grundrechte Betroffener eingreifende <u>ver\u00addeckte<\/u> Ma\u00dfnahmen im <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/BJNR135410017.html#BJNR135410017BJNG000800000\">5. Abschnitt des BKAG<\/a> (\u00a7\u00a7 36 \u2013 62) zur\u00fcck, speziell auf<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/__45.html\"> 45<\/a> \u2013 (Kap. 2B, S. 41-93) &#8211; Besondere Mittel der Datenerhebung (Abs. 2 enth\u00e4lt insgesamt <u>f\u00fcnf Befugnisse<\/u>, n\u00e4mlich<\/li>\n<li>die \u201el\u00e4ngerfristige Observation\u201c (Nr. 1),<\/li>\n<li>den Einsatz (verdeckter) technischer Mittel <u>au\u00dferhalb von Woh\u00adnungen<\/u> (Nr. 2 a \u2013 Anfertigung von Bildaufnahmen und -aufzeich\u00adnungen von Personen und Sachen; Nr. 2 b &#8211; Abh\u00f6ren und Auf\u00adzeichnung des nicht \u00f6ffentlich gesprochenen Wortes),<\/li>\n<li>sonstige f\u00fcr Observationszwecke bestimmte technische Mittel zur Erforschung des Sachverhalts oder zur Bestimmung des Aufenthalts\u00adortes einer in Art. 5 Abs. 1 BKAG genannten Person<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> (Nr. 3),<\/li>\n<li>der Einsatz von Vertrauenspersonen (VP &#8211; Nr. 4) und<\/li>\n<li>der Einsatz von Verdeckten Ermitlern (VE \u2013 Nr. 5).<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/__49.html\"> 49<\/a> \u2013 (Kap. 2C) &#8211; Verdeckter Eingriff in informationstechnische Systeme (sog. \u201eOnline-Durchsuchung\u201c)<\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/__51.html\"> 51<\/a> \u2013 (Kap. 2C) &#8211; \u00dcberwachung der Telekommunikation\n<ul>\n<li>hier speziell die Befugnisnorm des \u00a7 51 Abs. 2, die sog. \u201eQuellen-TK\u00dc\u201c<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Im Zusammenhang mit den beiden letztgenannten Normen problematisiert Hof\u00admann zudem die m\u00f6gliche gezielte Nutzung von Sicherheitsl\u00fccken in IT-Sy\u00adstemen, deren Betriebssystem oder der Anwendungssoftware, die zur Infiltration mit dem sogenannten \u201e<strong>Staatstrojaner<\/strong>\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> (Kap. 2C, Ziff. III) geeignet sind.<\/p>\n<p>Im zweiten Hauptteil der Arbeit (Kap. 3, S. 183-266) widmet sie sich den daten\u00adschutzrechtlichen Problemstellungen der f\u00fcr das BKA als Zentralstelle im BKAG (<a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/BJNR135410017.html#BJNR135410017BJNG000600000\">3. Abschnitt<\/a>, \u00a7\u00a7 29-33b) neu normierten <strong>Informationsordnung<\/strong> (hier speziell die \u00a7\u00a7 2 Abs. 3, 29 und 30 BKAG). Aufgrund der derzeit nach wie vor im Bund-L\u00e4nder-Vergleich \u00e4u\u00dferst heterogenen IT-Landschaft der Sicherheitsbeh\u00f6rden, die in Zeiten dyna\u00admischer Entwicklung der Bedrohungslage zu ernsthaften In\u00adformationsde\u00adfiziten f\u00fchren kann und aufgrund flankierender (europarechtlich de\u00adfinierter) datenschutzrechtlicher Erfordernisse beschloss die IMK auf ihrer Herbstsitzung 2016 in Saarbr\u00fccken (\u201e<a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/2016\/saarbruecker-agenda.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=2\">Saarbr\u00fccker Agenda<\/a>\u201c) \u201edie Schaffung einer gemeinsamen, modernen, einheitlichen polizeilichen Informationsarchitektur\u201c und bestimmte das BKA auf Grund seiner kriminalpolizeilichen Zentralstellen\u00adfunktion als k\u00fcnftiges \u201eData-Warehouse im Rahmen eines neu geordneten <a href=\"https:\/\/www.bka.de\/SharedDocs\/FAQs\/DE\/Datenschutz\/Datenspeicherung02.html\">polizeilichen Informationsverbundes<\/a>\u201c. Aus diesem Beschluss der IMK erwuchs das noch andauern\u00adde polizeiliche Bund-L\u00e4nder-Projekt \u201e<a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/DE\/themen\/sicherheit\/programm-p20\/programm-p20-node.html\">Polizei 20\/20<\/a>\u201c.<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> Ein Enddatum dieses komplexen Projektes in allen seinen Projektbestandteilen<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> ist derzeit in der Literatur noch nicht erkennbar, das Projekt wird sich aber gewiss bis in das n\u00e4chste Jahrzehnt erstrecken.<\/p>\n<p>In einem kurzen vierten Kap. (S. 267-274) besch\u00e4ftigt sich Hofmann \u00fcbergreifend mit (selbst-) reflexiven (z. B. der Evaluation zur Wirksamkeit der umfassenden Be\u00adfugnisse des BKAG, etwa nach dem Muster des \u201e<a href=\"v\">Evaluationsberichts 2017<\/a>\u201c zum BKA a. F., dort \u00a7\u00a7 4a, 20j, 20k), parlamentarischen \u201eKontrollstandards\u201c und -instrumenten und thematisiert vor dem Hintergrund der weitreichenden Be\u00adfugnisse u. a. auch die Problemstellung \u201eadditiver Grundrechtseingriffe\u201c und einer \u201e\u00dcberwachungsgesamtrechnung\u201c.<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> Die Arbeit schlie\u00dft mit einer \u201eSchluss\u00adbetrachtung\u201c (Kap. 5, S. 275-284), in welcher die wesentlichen Er\u00adkenntnisse der Arbeit \u00fcber die f\u00fcr den Leser hilfreichen &#8222;Zwischenergebnisse\u201c in den Haupt\u00adteilen der Arbeit hinaus nochmals gesammelt in Thesenform zusammengetragen werden.<\/p>\n<p>Die ausf\u00fchrliche dogmatische Argumentation st\u00fctzt sich im Wesentlichen auf die Umsetzung der bundesverfassungsgerichtlichen Kritik zu verschiedenen Be\u00adstimmungen des BKAG<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> (a. F.) und in der umfassend novellierten Fassung des BKAG im Jahr 2018 und die zahlreichen hierzu erfolgten Kommentierungen und Stellungnahmen in der Fachliteratur und im politischen Raum.<\/p>\n<p>Die Themenwahl der Dissertation ist auch insofern interessant, weil weite Teile der dogmatischen Kritik der Autorin inhaltlich von einer im Moment noch anh\u00e4ngigen Verfassungsbeschwerde gegen Bestimmungen des BKAG n. F. im Auftrag der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> flankiert werden, worauf die Au\u00adtorin in ihrer dogmatischen Kritik auch immer wieder rekurriert. Da der Bearbeitungsstand der Arbeit auf Ende August 2023 terminiert ist (S. VII), konnten wesentliche Erkenntnisse aus der am <a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Termine\/DE\/2023\/Mdl.%20Verh.%20Bundeskriminalamtgesetz%20-%20Datenplattformen.html\">20.12.2023<\/a> in dieser Sache terminierten m\u00fcndlichen Anh\u00f6rung beim BVerfG nicht mehr ber\u00fccksichtigt werden. Die GFF hat kurz vor der m\u00fcndlichen Verhandlung ihre Beschwerde gegen die Ausgestaltung der polizeilichen Infiltrationsm\u00f6glichkeiten (\u201eStaats\u00adtrojaner\u201c) zur\u00fcckgezogen (vgl. S. 37 ff. der Verfassungsbeschwerde B\u00e4cker, Fn. 10), da sie den vom BVerfG geforderten zus\u00e4tzlich Sachvortrag nicht mehr zeitgerecht bis zur m\u00fcndlichen Anh\u00f6rung liefern konnte.<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a><\/p>\n<p>Im Ergebnis erkennt Hofmann in Teilen der untersuchten Vorschriften signi\u00adfikanten gesetzgeberischen Handlungsbedarf. Sie moniert insbesondere, der Ge\u00adsetzgeber sei seiner Aufgabe, verfassungsrechtliche und vor allem verfassungs\u00adgerichtliche Vorgaben (im Rahmen seiner Einsch\u00e4tzungspr\u00e4rogative) in Teilen nur unzureichend nachgekommen und habe stattdessen \u201enur dem Wortlaut, nicht aber dem Gesetz nach\u201c (S. 37) bedeutende Teile der verfassungsgerichtlichen Kritik (Fn. 9) nahezu wortgleich \u00fcbernommen. Aufgrund der erh\u00f6hten Eingriffs\u00adintensit\u00e4t verdeckter Ma\u00dfnahmen im Allgemeinen und der in der Arbeit aus\u00adgew\u00e4hlten Befugnisse im Besonderen seien Zweifel an der Verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfigkeit im engeren Sinn evident. Das betreffe u. a. die Eingriffsschwellen, die Reichweite einzelner Adressatenregelungen (v. a. in Bezug auf die \u201eKontakt- und Begleit\u00adpersonen\u201c), Ausgestaltungen der Verfahrensvorschriften (z. B. hinsichtlich not\u00adwendiger erh\u00f6hter Begr\u00fcndungserfordernisse auf Grundlage der bereits gewonnenen Erkenntnisse bei Verl\u00e4ngerungsantr\u00e4gen bzw. zu der H\u00f6chstdauer gg\u00fc. \u201eNicht-St\u00f6rern\u201c oder auch mit Blick auf die Ausgestaltung der Anordnungs\u00adkompetenz durch den Pr\u00e4sidenten des BKA und dessen V. i. A. bei Gefahr im Verzug in den \u00a7\u00a7 49 Abs. 8 und 51 Abs. 8), Dokumentationserfordernisse oder auch z. T. erweiterungsbed\u00fcrftige Verfahrensregelungen im Kernbereichs\u00adschutz. Teile der begutachteten Vorschriften seien vor dem Hintergrund ihrer Eingriffs\u00adintensit\u00e4t zudem nicht hinreichend bestimmt und normenklar formuliert. Zudem ben\u00f6tigten die weitreichenden Eingriffsnormen hinreichender legislativer und exekutiver Vorkehrungen zur Sensibilisierung hinsichtlich der Problemstellung \u201eadditiver Grundrechtseingriffe\u201c und der hieraus zu erstellenden \u201e\u00dcberwachungs\u00adgesamtrechnung\u201c. Au\u00dferdem kritisiert Hofmann, dass der Gesetzgeber mit Blick auf die zur Vorbereitung der Ma\u00dfnahmen der \u201eOnline-Durchsuchung\u201c und der \u201eQuellen-TK\u00dc\u201c erforderliche Infiltration von IT-Systemen \/ Devices aufgrund verfassungsgerichtlicher Vorgaben die staatliche Nutzung von Sicherheitsl\u00fccken umfassend gesetzlich regeln m\u00fcsse. Die angesichts der damit verbundenen erheblichen abstrakten, \u00fcber den gefahrenabwehrrechtlich gebotenen Einzelfall hinausgehenden Gefahren f\u00fcr die Allgemeinheit begr\u00fcndeten eine evidente staatliche Schutzpflicht, die nicht nur im Rahmen einer blo\u00dfen exekutiven Abw\u00e4gungsentscheidung zwischen den Interessen der Allgemeinheit und der kasuistischen Gef\u00e4hrdung bedeutender Rechtsg\u00fcter getroffen werden d\u00fcrfe. Sehr wahrscheinlich sei dies sogar mit einer gesetzlich zu definierenden Datenschutz-Folgeabsch\u00e4tzung zu verbinden.<\/p>\n<p>Hofmann \u00fcbt zudem substanzielle Kritik an der Neukonzeption der Bund-L\u00e4nder-Informationsarchitektur. Der Umfang und die Tiefe der im gemeinsamen Datenhaus BKA k\u00fcnftig gespeicherten, automatisiert verkn\u00fcpften und grds. bei Abfragen gro\u00dfz\u00fcgig jedem Berechtigten im Rahmen des abgestuften Rechte- und Rollenkonzepts zur Verf\u00fcgung stehenden Datenbestandes berge etwa die Gefahr der Erstellung von Pers\u00f6nlichkeitsprofilen. Der Gesetzgeber m\u00fcsse in allen Bereichen, der Speicherung, Nutzung, (Weiter-)Verarbeitung und v. a. der (transnationalen) \u00dcbermittlung die Schranken pr\u00e4zisieren. Zudem sei auch z\u00fcgig eine neue BKA-Datenverordnung<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> n\u00f6tig.<\/p>\n<p>Die Autorin sieht durchaus eine derzeit abstrakt hohe Gef\u00e4hrdungslage durch den internationalen Terrorismus. Sie erkennt auch die Notwendigkeit weitreichender (insbesondere auch verdeckter) Eingriffsbefugnisse zur Abwehr hinreichend kon\u00adkretisierbarer Gefahren f\u00fcr bedeutende Rechtsg\u00fcter im sensiblen Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Freiheit &#8211; auch im Rahmen der untersuchten besonders intensiven Gefahrenerforschungseingriffe. Allerdings mahnt sie durchaus signi\u00adfikanten legislativen \u00c4nderungs- bzw. Erg\u00e4nzungsbedarf an, sowohl im BKA-Gesetz selbst, als auch hinsichtlich notwendig begleitender Verordnungen, v. a. in Bezug auf den staatlichen Umgang mit den den Herstellern bislang nicht bekannten Sicherheitsl\u00fccken. Die Arbeit ist profund recherchiert, dogmatisch schl\u00fcssig entwickelt und die Ergebnisse sind argumentativ nachvollziehbar.<\/p>\n<p>Dabei hat die Autorin das nicht jedem Doktoranden \/ jeder Doktorandin beschiedene Gl\u00fcck, dass ein Gro\u00dfteil der eigenen Thesen kurz nach Erscheinen der Dissertation verfassungsgerichtlicher \u00dcberpr\u00fcfung zug\u00e4nglich wird. Ersten vorsichtigen Einsch\u00e4tzungen auf Grundlage der m\u00fcndlichen Anh\u00f6rung vor dem BVerfG Ende Dezember 2023<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> lassen wohl bei einigen der in der Arbeit beschriebenen Problemstellungen \u00c4nderungsdirektiven durch das h\u00f6chste deutsche Gericht erwarten.<\/p>\n<p>Holger Plank (im Januar 2024)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Dr. iur., <a href=\"https:\/\/www.b-tu.de\/zfrv\/team-lehrstuhl\/mitarbeiter\/dr-iur-monique-hofmann\">Wissenschaftliche Mitarbeiterin<\/a> am Zentrum f\u00fcr Rechts- und Verwaltungswissen\u00adschaften der Brandenburgischen Technischen Universit\u00e4t, Cottbus \u2013 Senftenberg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Zugleich juristische Dissertation, siehe <a href=\"https:\/\/www.verlagdrkovac.de\/978-3-339-13742-5.htm\">Verlags-Website<\/a> und <a href=\"https:\/\/d-nb.info\/1304266664\/04\">Inhaltsverzeichnis<\/a> des Werks.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Aufgrund der Regelung in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_30.html\">Art. 30 GG<\/a> liegt die Zust\u00e4ndigkeit zur Aus\u00fcbung polizeilichen Gefahrenabwehrrechts prim\u00e4r bei den L\u00e4ndern; eine der wenigen Ausnahmen von diesem Subsidiarit\u00e4tsprinzip er\u00f6ffnet der im Rahmen der F\u00f6deralismusreform im Jahr 2006 neu einge\u00adf\u00fcgte <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_73.html\">Art. 73 Abs. 1 Nr. 9a GG<\/a>, der jedoch an die enge Voraussetzung der \u201eAbwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus\u201c gekn\u00fcpft ist, aber auch nur dann, wenn \u201eeine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Gefahr vorliegt, die Zust\u00e4ndigkeit einer Landespolizeibeh\u00f6rde nicht erkennbar ist oder die oberste Landesbeh\u00f6rde um eine \u00dcbernahme ersucht\u201c; einfachgesetzlich wird die verfassungsrechtliche Vorgabe in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/__5.html\">\u00a7 5 BKAG<\/a> durch einen Verweis auf \u201eGefahren der Verwirklichung von Straftaten, die in <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__129a.html\">\u00a7 129a Abs. 1 und 2 StGB<\/a> bezeichnet sind\u201c und mit denen Angreifer eine bestimmte Zielrichtung verbinden, pr\u00e4zisiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Durch den Verweis auf <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bkag_2018\/__39.html\">\u00a7 39 Abs. 2 Nr. 2 BKAG<\/a> sind hiervon auch \u201eKontakt- und Begleit\u00adpersonen\u201c erfasst.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Seit 2017 enth\u00e4lt das BKAG die Befugnis, zur Vorbereitung einer Online-Durchsuchung oder einer Quellen-TK\u00dc staatliche \u201eSp\u00e4hsoftware\u201c auf den Rechner \/ das Device Verd\u00e4chtiger aufzuspielen (\u00a7 49 Abs. 1, 2 BKAG) und daf\u00fcr selbst solche Sicherheitsl\u00fccken in Hard- und Software auszunutzen, die den Herstellern unbekannt sind (z. B. \u201e<a href=\"https:\/\/www.proofpoint.com\/de\/threat-reference\/zero-day-exploit\">Zero-Day-Exploits<\/a>\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.bmi.bund.de\/SharedDocs\/downloads\/DE\/veroeffentlichungen\/2018\/polizei-2020-white-paper.pdf;jsessionid=5D89B36513132B2236626370B6C3667A.live862?__blob=publicationFile&amp;v=7\">BMI<\/a>, \u201eWhite-Paper Polizei 2020\u201c, o. D..<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Einzelne Teil-Projekte im Rahmen der bestehenden <a href=\"https:\/\/www.bfdi.bund.de\/DE\/Buerger\/Inhalte\/Polizei-Strafjustiz\/National\/DasPolizeilicheInformationssystem-INPOL.html\">INPOL<\/a>-Systemlandschaft (mit seinen derzeitigen wichtigen Datengruppen Kriminalaktennachweis, Personen- und Sachfahndung, Haftdatei, Erkennungsdienst und DNA-Analyse-Datei) sind bereits abgeschlossen oder jeden\u00adfalls weit gediehen, allen voran z. B. die Grundvoraussetzung relationaler Datenbanken, n\u00e4m\u00adlich ein einheitliches fachliches Datenmodell und technisches Austauschformat, genannten \u201eX-Polizei\u201c, ein gemeinsames Zugriffs- und Rechtekonzept \u201eIAM), der Polizeiliche Informa\u00adtions- und Analyseverbund (<a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/UnsereAufgaben\/Ermittlungsunterstuetzung\/ElektronischeFahndungsInformationssysteme\/polizeilicheInformationssysteme_node.html\">PIAV<\/a>) oder auch ein einheitliches Fallbearbeitungssystem (\u201eeFBS\u201c).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Im <a href=\"https:\/\/www.spd.de\/fileadmin\/Dokumente\/Koalitionsvertrag\/Koalitionsvertrag_2021-2025.pdf\">Koalitionsvertrag<\/a> 2021-2025 der Ampel-Koalition (S. 86) ist ausdr\u00fccklich eine \u201e\u00dcberwachungsgesamtrechnung\u201c als \u201eunabh\u00e4ngige wissenschaftliche Evaluation der Sicherheitsgesetze und ihrer Auswirkungen auf Freiheit und Demokratie im Lichte technischer Entwicklungen\u201c <u>bis Ende 2023<\/u> vorgesehen. Allerdings wurde nach Ausschreibung des Projektes durch das BMJ im <a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2023\/0525_Oeffentliche-Ausschreibung-Ueberwachungsgesamtrechnung.html\">Mai 2023<\/a> erst im <a href=\"https:\/\/www.bmj.de\/SharedDocs\/Pressemitteilungen\/DE\/2024\/0110_Ueberwachungsgesamtrechnung.html\">Januar 2024<\/a> der Auftrag an das Max-Planck-Institut zur Erforschung von Kriminalit\u00e4t, Sicherheit und Recht erteilt. Es ist eine Bearbeitungszeit von ca. <a href=\"https:\/\/csl.mpg.de\/600212\/sicherheitsgesetze-auf-dem-pruefstand\">einem Jahr<\/a> vorgesehen. Das Institut hatte schon 2021\/2022 eine Konzeptstudie eines \u201e<a href=\"https:\/\/csl.mpg.de\/de\/projekte\/ueberwachungsbarometer\">\u00dcberwachungsbarometers<\/a>\u201c vorgestellt. Bereits im November 2023 hatten Z\u00f6ller et al. im Auftrag des Deutschen Anwaltsvereins (DAV) eine Bilanz in Buchform (\u201e<a href=\"https:\/\/www.beck-shop.de\/zoeller-esser-voigt-gerson-niedernhuber-sicherheitsgesetzgebung-ueberwachungsgesamtrechnung\/product\/36753866\">Sicherheitsgesetzgebung und \u00dcberwachungsgesamtrechnung<\/a>\u201c, Deutscher Anwaltsverlag, 2023) in einem <a href=\"https:\/\/anwaltverein.de\/de\/der-dav\/dav-veranstaltungen\/dav-forum\/dav-forum-sicherheitsgesetzgebung-und-ueberwachungsgesamtrechnung\">DAV-Forum<\/a> vorgestellt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> BVerfGE 141, 220-378 (vom 20.04.<a href=\"https:\/\/www.bundesverfassungsgericht.de\/SharedDocs\/Entscheidungen\/DE\/2016\/04\/rs20160420_1bvr096609.html\">2016<\/a>, 1 BvR 966\/09).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. B\u00e4cker, 21.05.<a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/uploads\/documents\/Freiheit-im-digitalen-Zeitalter\/BKA-Gesetz\/Verfassungsbeschwerdeschrift-Gesellschaft_fuer_Freiheitsrechte-2019-BKA_Gesetz-Freiheit_im_digitalen_Zeitalter.pdf\">2019<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/themen\/freiheit-im-digitalen\/bka-gesetz\">Mitteilung<\/a> der GFF, o. D.; es ist jedoch geplant, diesen Verfahrensgegenstand in die ebenfalls noch beim BVerfG anh\u00e4ngige \u201eG10 Verfassungsbeschwerde\u201c vom 08.07.<a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/uploads\/documents\/G10_Verfassungsbeschwerde.pdf\">2022<\/a> einzubringen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Derzeit anwendbar ist die BKA-Daten VO vom 4. Juni 2010 (BGBl. I S. 716, zuletzt durch Art. 6 Abs. 12 des Gesetzes vom 13.04.2017 ge\u00e4ndert).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. z. B. nur <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/recht\/hintergruende\/h\/bverfg-1bvr116019-bka-gesetz-bkag-daten-plattform-polizei-verhandlung\/\">Rath<\/a>, 20.12.23 auf lto.de; <a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/ueber-die-gff\/presse\/pressemitteilungen-der-gesellschaft-fur-freiheitsrechte\/pm-bkag_bverfg\">GFF<\/a> vom 20.12.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hofmann, Monique Maria[1]: \u201eDie neue Sicherheitsarchitektur des BKAG zwischen Freiheitsrechten und der Sicherheitsgesetzgebung. [2] Eine Analyse anhand ausgew\u00e4hlter Befugnisnormen sowie der neuen Informationsordnung\u201c. ISSN: 1435-6821, 338 Seiten, Verlag Dr. Kova\u010d, Hamburg, Reihe Studien zur Rechtswissenschaft, Band 484, 2023, 99,80 \u20ac) Hofmann beleuchtet am Beispiel einiger ausgew\u00e4hlter Befugnisnormen die Fort\u00adschreibung der verfassungsrechtlich limitierten Zust\u00e4ndigkeit[3] des BKA &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2065\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Hofmann: Die neue Sicherheitsarchitektur des BKAG zwischen Freiheitsrechten und der Sicherheitsgesetzgebung. Rezensiert von Holger Plank<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2065"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2067,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2065\/revisions\/2067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2065"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2065"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2065"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}