{"id":2068,"date":"2024-01-15T10:32:14","date_gmt":"2024-01-15T09:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2068"},"modified":"2024-01-15T10:32:14","modified_gmt":"2024-01-15T09:32:14","slug":"frevel-hrsg-wer-kontrolliert-die-polizei-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2068","title":{"rendered":"Frevel (Hrsg.): Wer kontrolliert die Polizei? Rezensiert von Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong>Frevel, Bernhard<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> (Hrsg.): \u201eWer kontrolliert die Polizei? Juristische und sozialwissenschaftliche Analysen von Strukturen und Kompetenzen\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]. <\/a><\/strong>ISBN 978-3-86676-826-0, 136 Seiten, Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt a. M., Schriftenreihe Polizei &amp; Wissenschaft, 2023, 24,90 \u20ac<\/p>\n<p>Kaum eine Woche vergeht, ohne dass schwerwiegende straf- und \/ oder disziplinarrechtlich relevante Verfehlungen von Polizeibeamten und -beamtinnen \u00f6ffentlich werden. Das Spektrum der Verdachtsf\u00e4lle<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> ist breit und reicht von <img loading=\"lazy\" class=\" wp-image-2069 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Frevel.jpg\" alt=\"\" width=\"129\" height=\"183\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Frevel.jpg 248w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/01\/Frevel-106x150.jpg 106w\" sizes=\"(max-width: 129px) 100vw, 129px\" \/>unrechtm\u00e4\u00dfiger Gewaltanwendung in Aus\u00fcbung des Amtes, Korruption, Ge\u00adheimnisverrat, Strafvereitelung im Amt bis hin zur Mitgliedschaft in (Chat-) Gruppen, in welchen extremistische \/ diskriminierende Meinungen \/ Inhalte geteilt werden. Die Anzahl der F\u00e4lle ist nicht unerheblich, auch wenn sie in Relation zur Gesamtzahl der Beamtinnen und Beamten bei den Polizeien des Bundes und der L\u00e4nder insgesamt als \u201egering\u201c erscheinen mag. <!--more--><\/p>\n<p>Allerdings gilt bei einer handlungsm\u00e4chtigen Institution wie der Polizei im Besonderen der Grundsatz \u201ewehret den Anf\u00e4ngen!\u201c und man muss bei der Problemanalyse u. a. folgende Aspekte ber\u00fccksichtigen:<\/p>\n<ul>\n<li>Auch wenn \u2013 wie mitunter zu lesen \u2013 kein \u201eMuster\u201c erkennbar ist, die h\u00e4ufig strapazierte Individuali\u00adsierungs-These (\u201eEinzelfallproblematik\u201c) ist angesichts der Empirie wohl kaum noch seri\u00f6s vertretbar,<\/li>\n<li>die Polizei als wesentliche Sachwalterin des staatlichen Gewaltmonopols verf\u00fcgt \u00fcber sehr weitreichende, elementar in individuelle Rechte eingreifende Befugnisse und (Zwangs-) Mittel zur Durchsetzung derselben,<\/li>\n<li>schon deshalb muss die Polizei selbst unter dem Aspekt der Qualit\u00e4tssicherung ein elementares Interesse an um\u00adf\u00e4nglicher Transparenz ihres Handelns und einer m\u00f6glichst effektiven formellen und informellen (zivilgesellschaftlichen) Kontrolle und Aufsicht entwickeln, denn<\/li>\n<li>\u201edie Gesellschaft muss auf die Polizei, auf jede einzelne Polizistin \/ jeden einzelnen Polizisten vertrauen k\u00f6nnen\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, was soziodemographisch jeden\u00adfalls im Moment immer noch in hohem Ma\u00dfe zutrifft.<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>Die Anzahl der j\u00fcngeren Ver\u00f6ffentlichungen rund um das Thema Kontrolle der bzw. Aufsicht \u00fcber die Polizei ist beachtlich, insgesamt jedoch ungeordnet und daher recht un\u00fcbersichtlich. Der Ende 2023 von Frevel herausgegebene Sammelband unter der Fragestellung: \u201eWer kontrolliert die Polizei?\u201c versucht sich an einer themenzentrierten Systematisierung der multiperspektivischen The\u00admatik. Die Beitr\u00e4ge vereinen verwaltungs-, sozial-, rechts- und sozialwis\u00adsenschaftliche und progressive berufsst\u00e4ndische Perspektiven. Besonders inter\u00adessant ist der Umstand, dass viele bereits in der Literatur beschriebene Er\u00adkenntnisse in einem komparativen (europ\u00e4ischen) Ansatz auf Grundlage mehrerer &#8211; bislang selbst der Fach\u00f6ffentlichkeit nicht durchg\u00e4ngig en d\u00e9tail bekannter, vom <a href=\"https:\/\/www.undp.org\/\">UNDP<\/a> ausgeschriebener und von der EU gef\u00f6rderter transnationaler Untersuchungs- und Beratungsprojekte<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> &#8211; in dem Werk systematisch beschrieben und vertieft werden.<\/p>\n<p>Zu Wort kommen u. a. die dt. Projektbeteiligten Bernhard <strong>Frevel<\/strong> (multiple polizeiliche Perspektive), Frank <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/organisation\/personalverzeichnis\/eintrag\/dr-frank-braun\">Braun<\/a> (justizielle Perspektive), Vanessa <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/organisation\/personalverzeichnis\/eintrag\/dr-vanessa-salzmann\">Salzmann<\/a> (verwaltungsbeh\u00f6rdliche Perspektive) und der vergleichende Polizei\u00adforscher und europ\u00e4ische Projektkoordinator Sebastian <a href=\"https:\/\/fr.wikipedia.org\/wiki\/Sebastian_Roch\u00e9_(criminologue)\">Roch\u00e9<\/a> vom CNRS der Universit\u00e4t Grenoble. Arrondiert wird der Sammelband mit Beitr\u00e4gen des langj\u00e4hrigen MdB und derzeitigen Hochschullehrers Patrick <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/organisation\/personalverzeichnis\/eintrag\/dr-patrick-sensburg\">Sensburg<\/a> (zusammen mit Frevel zu parlamentarischen Kontrollrechten), der Darstellung zivilgesellschaftlicher Perspektiven und anhaltend diskutierter L\u00f6sungsm\u00f6g\u00adlichkeiten hierbei durch Norbert <strong>P\u00fctter<\/strong> (Institut f\u00fcr B\u00fcrgerrechte &amp; \u00f6ffentliche Sicherheit e. V., Mitherausgeber der Zeitschrift Cilip) sowie einem differen\u00adzierten, erfrischend progressiven und deshalb lesenswerten Nachwort von einer langj\u00e4hrigen (inzwischen pensionierten) polizeilichen F\u00fchrungskraft aus NRW, Udo <strong>Behrendes<\/strong>.<\/p>\n<p>In dem Sammelband unber\u00fccksichtigt (vgl. Frevel, S. 31) bleiben (leider) zwei kom\u00adplement\u00e4re Bereiche informeller Polizei-Kontrolle, n\u00e4mlich<\/p>\n<ul>\n<li>Die Rolle der Medien hierbei und<\/li>\n<li>die vertiefte Betrachtung des Beitrags der (Polizei-) Wissenschaft und -forschung.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nach einer thematischen Einordnung und der Begrenzung des Forschungsfeldes durch den Herausgeber versuchen die Projektbeteiligten an der dt. Fallstudie der europ\u00e4ischen Projekte (Fn. 6) in drei Beitr\u00e4gen bestehende Kontroll- und Aufsichtsmechanismen sowie potenzielle Defizite hierbei jeweils aus einer Teilperspektive zu skizzieren. <strong>Frevel<\/strong> (S. 13 \u2013 34) n\u00e4hert sich dabei aus multipler, im Schwerpunkt jedoch <strong>polizeilicher<\/strong> Perspektive und weist in diesem Kontext zun\u00e4chst auf h\u00f6chst unterschiedliche strukturell-organisatorische begriffliche Be\u00adsonderheiten innerhalb der f\u00f6deralen Sicherheitsarchitektur und die dadurch allenfalls bedingte Vergleichbarkeit der Voraussetzungen von Kontrolle und Aufsicht hin. Er stellt fest, dass unter den \u201eformalen Bedingungen\u201c der inner- und interbeh\u00f6rdlichen Rechts- und Fachaufsicht (Begrifflichkeiten, die in der Folge von Braun und Salzmann noch vertieft behandelt werden) bereits zahlreiche etablierte Kontrollm\u00f6glichkeiten bestehen, jedoch bei den \u201einformellen M\u00f6g\u00adlichkeiten der Kontrolle des Polizeihandelns im Rahmen eines \u201aInteragency Policing\u2018<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> (oder des) Monitorings durch zivilgesellschaftliche Akteure\u201c noch \u201eEntwicklungspotenzial\u201c erkennbar sei. Z. T. spiegelt sich hierbei m\u00f6glicherweise eine ablehnende Grundhaltung, denn f\u00fcr die Polizei in ihrer Rolle als gesellschaftliche Kontrollinstanz ist es vice versa \u201enicht immer leicht und angenehm, selbst einer externen Kontrolle ausgeliefert zu sein, auf fachliche, personale, organisationale und strukturelle Defizite hingewiesen zu werden.\u201c<\/p>\n<p><strong>Braun<\/strong> (S. 35 \u2013 58) vertieft im Anschluss im Schwerpunkt den <strong>justiziellen<\/strong> Anteil <u>formeller<\/u> Polizeikontrolle mit Exkursen zu komplement\u00e4r mittelbar wirksamen Topoi<\/p>\n<ul>\n<li>der personellen Zuordnung rechtswidrigen polizeilichen Handelns durch bestehende (und denkbare) Kennzeichnungspflichten,<\/li>\n<li>der M\u00f6glichkeiten und Grenzen des z. T. bereits vorhandenen Instituts \u201eunabh\u00e4ngiger Polizeibeauftragter\u201c im Kontext bereits laufender justi\u00adzieller Aufarbeitung,<\/li>\n<li>eines (institutionell defizit\u00e4ren) proaktiven Menschenrechtsschutzes durch unabh\u00e4ngige nationale Institutionen, etwa der \u201enationalen Stelle zur Verh\u00fctung von Folter\u201c bzw. dem \u201eDeutschen Institut f\u00fcr Menschenrechte\u201c (DIMR) und schlie\u00dflich<\/li>\n<li>einer lesenswerten Darstellung von Friktionen und dadurch verursachtem \u201eKontrollverlust\u201c durch eine weitreichende Modifikation des pr\u00e4ventiven Sicherheitsrechts und seiner verfahrenstypischen Spezifika.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Salzmann<\/strong> (S. 59 \u2013 74) besch\u00e4ftigt sich anschlie\u00dfend systematisch mit den (be\u00adkannten) Instrumenten <u>formeller<\/u> verwaltungsinterner Rechts- und Fachaufsicht, hieraus entstehenden disziplinarrechtlichen Implikationen und den Folgen z. T. defizit\u00e4rer individueller und organisationaler Leistungsdarstellung und -messung. \u201eDeutschland verf\u00fcge \u00fcber ein rechtlich ausgefeiltes Kontrollsystem der Polizei, das in seiner Dezidiertheit sicher nicht viele europ\u00e4ische Vergleichspartner finde\u201c, so ihre Feststellung (S. 73). Allerdings sei dieses System \u201e\u00fcberwiegend rechtlich determiniert (\u2026)\u201c und \u201edie Kontrollm\u00f6glichkeiten enden h\u00e4ufig in der Exekutive selbst\u201c (S. 72). \u201eDas werfe Fragen auf und provoziere permanente \u00f6ffentliche Kritik\u201c (S. 73).<\/p>\n<p><strong>Sensburg und Frevel<\/strong> (S. 75 \u2013 87) schlie\u00dfen den Teil des Buches, der sich systematisch mit den <u>formellen<\/u> Kontrollmechanismen besch\u00e4ftigt, mit ihrem Beitrag zu parlamentarischen Kontrollrechten gg\u00fc. exekutivem Handeln der Sicherheitsbeh\u00f6rden ab.<\/p>\n<p>Es folgt ein historischer Aufriss von <strong>P\u00fctter <\/strong>(S. 88 \u2013 111) \u00fcber vier Jahrzehnte der Entwicklung und des \u201eScheiterns\u201c von Initiativen zivilgesellschaftlicher <u>informeller<\/u> Kontrolle der Polizei und den zahllosen hieran beteiligten Akteuren mit z. T. heterogenen Zielvorstellungen. Auch wenn er abschlie\u00dfend mit einiger Ern\u00fcchterung den Impact dieser Bem\u00fchungen bilanziert, zarte Pfl\u00e4nzchen sind durchaus erwachsen, die ohne dieses zivilgesellschaftliche Engagement nicht gewurzelt h\u00e4tten. Sei es die weitgehende Verankerung von Polizeibeauftragten im Bund und in den L\u00e4ndern, weit verbreitete sowohl individuelle als auch gruppen- bzw. einheitsbezogene Kennzeichnungspflichten oder die verfassungsgericht\u00adliche Einhegung \/ Begrenzung sicherheitsrechtlicher Befugnisnormen auf Initiative von NGO wie bspw. der Gesellschaft f\u00fcr Freiheitsrechte (<a href=\"https:\/\/freiheitsrechte.org\/\">GFF<\/a>). G\u00e4nzlich ohne Wirkung ist das b\u00fcrgerschaftliche Engagement also beileibe nicht geblieben.<\/p>\n<p>Der Band schlie\u00dft mit zwei interessanten Beitr\u00e4gen. Zu erw\u00e4hnen ist zun\u00e4chst die komparative europ\u00e4ische Perspektive, aus der sich <strong>Roch\u00e9<\/strong> der \u00fcbergreifenden Fragestellung des Sammelbandes n\u00e4hert und als europ\u00e4ischer Projektkoordinator<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> die Festlegung, das definitorische Verst\u00e4ndnis und die Schwierigkeiten einer homogenen begrifflichen Auslegung standardisierter (Sub-) Items zur ver\u00adgleichenden transnationalen komparativen Vermessung von \u201ePolice regulation laws and mechanisms in comparative perspective. An Overview of national configurations\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a> und das hierauf begr\u00fcndete L\u00e4nderranking in unterschiedlichen Kategorien beispielhaft unter dem Oberbegriff \u201ecomparative policing\u201c<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a> sehr eing\u00e4ngig beschreibt. Dabei wird zweierlei deutlich, einerseits die strukturelle, organisationale, begriffliche und zust\u00e4ndigkeitsbezogene Heterogenit\u00e4t des Policing in den untersuchten L\u00e4ndern (Fn. 6), die einen validen itemisierten inhaltlichen Vergleich schon in der Planungs- und erst recht in der Operationaliserungs- und Auswertephase erschwert. Andererseits liegt Deut\u00adschland unter diesen (eingeschr\u00e4nkt vergleichbaren Bedingungen) in nahezu allen der untersuchten zehn Kategorien bestenfalls im Mittelfeld. Insbesondere \u201eregarding the role of independent oversight and transparency of (the) police\u201d (S. 122) liegt Deutschland in der transnationalen Vergleichsskala sogar weit zur\u00fcck. Es ist also nicht nur bei diesem Item signifikantes Ausbaupotenzial vorhanden. Trotz der von Roch\u00e9 einger\u00e4umten systemischen M\u00e4ngel beim Untersuchungs\u00addesign, insbesondere bei der vergleichenden Auslegung und Bewertung der (Sub-)Items, was die Validit\u00e4t und Reliabilit\u00e4t der Ergebnisse beeinflusst, ist der vergleichende Ansatz im Grunde \u201ebestechend\u201c. \u201eComparative policing remains an emerging sub-field of policing\u201c, so Roch\u00e9 nachvollziehbar. Dieser Aussage kann man zustimmen, obgleich die \u201e\u00fcblichen Verd\u00e4chtigen\u201c beim Studium der bislang selbst in der Fachliteratur nur vereinzelt erw\u00e4hnten key findings die Studie wahrscheinlich wie \u00fcblich als unwissenschaftlich, hinsichtlich der wissen\u00adschaftlichen G\u00fctekriterien als nicht reliabel und damit ohne substanzielle Aussagekraft bewerten werden, ohne auf den komparativen Kern der Kritik \u00fcberhaupt ernsthaft einzugehen. Der Sammelband schlie\u00dft mit einem erfrischend progressiven Nachwort von <strong>Behrendes<\/strong>, der (als inzwischen im Ruhestand befindlicher ehemaliger) leitender Polizeibeamter mit fundierter praktischer Expertise auf den Feldern \u201epolice accountability\u201c, \u201epolice transparency\u201c und \u201eprocedural justice\u201c unter Hinweis auf Art. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/gg\/art_20.html\">20 Abs. 2 und 3 GG<\/a> der Feststellung einer \u201eKontrolle als st\u00e4ndiges anlassunabh\u00e4ngiges zivilgesellschaftliches Moni\u00adtoring (\u2026) als dauerhafte Begleitung der Polizei durch ihren Auftraggeber\u201c (das Volk, S. 131) aufgeschlossen und mit eigenen Vorschl\u00e4gen auf Grundlage dogmatisch bekannter und etablierter \u201erestorative justice\u201c \u2013 Mechanismen (jedenfalls f\u00fcr einfach gelagerte F\u00e4lle) angereichert begegnet. Kontrolle und Aufsicht der Polizei seien essenzielle Anforderungen an den freiheitlich-demokratischen Rechtsstaat. Diese grunds\u00e4tzliche Feststellung decke sich im \u00dcbrigen vollst\u00e4ndig \u201emit dem verbindlich fixierten Rollen- und Selbstverst\u00e4ndnis der deutschen Polizei\u201c, wie es in der bundesweit g\u00fcltigen Polizeidienstvorschrift 100 zu F\u00fchrung und Einsatz der Polizei einleitend festgehalten ist: <em>\u201eDie Polizei ist wesentlicher Garant f\u00fcr die Innere Sicherheit und unterliegt insbesondere als Tr\u00e4gerin des Gewaltmonopols einer <u>umfassenden \u00f6ffentlichen<\/u> Kontrolle. Ihre Integrit\u00e4t ist unabdingbare Voraussetzung f\u00fcr das Vertrauen des B\u00fcrgers in seine Polizei.\u201c <\/em>Die durch die Vorschriftenkommission bewusst gew\u00e4hlte und von der IMK so beschlossene Formulierung \u201e<em>umfassende \u00f6ffentliche Kontrolle<\/em>\u201c geht klar \u00fcber die Ansicht hinaus, die Polizei habe sich lediglich der Kontrolle innerhalb der Staatsgewalt, also von Parlament, Justiz und innerhalb der Exekutive selbst zu stellen. Hier seien noch ausf\u00fcllungsbed\u00fcrftige Spielr\u00e4ume vorhanden, etwa im Rahmen von \u201eMediations- und Schlichtungsinstanzen analog den Regelungen von Vergleichsstellen im Privatklageverfahren gem. <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stpo\/__380.html\">\u00a7 380 StPO<\/a>.\u201c Es sollte f\u00fcr die Akzeptanz externer Beschwerde- und Schlichtungsstellen polizeiintern intensiv geworben werden, so Behrendes, schlie\u00dflich m\u00fcsse die deutsche Polizei \u201eim Hinblick auf ihre demokratisch-rechtsstaatliche Verankerung, ihren Ausbildungsstand und ihre Professionalit\u00e4t keinen internationalen Vergleich scheuen\u201c und k\u00f6nne von einer Offenheit gg\u00fc. derartigen kommunikativ-mediativen Elementen nur profitieren.<\/p>\n<p>Trotz der dargelegten inhaltlichen L\u00fccken (s. o.) bietet der kleine, gleichwohl recht informative Sammelband eine fundierte, thematisch gut strukturierte und inhaltlich ansprechend systematisierte Situationsbeschreibung und Problem\u00adanalyse, weitet den Blick und bietet Orientierung f\u00fcr einen vorurteilsfreien Diskurs in der Sache.<\/p>\n<p>Holger Plank (im Januar 2024)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Professor Dr. Bernhard <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/organisation\/personalverzeichnis\/eintrag\/dr-bernhard-frevel\">Frevel<\/a>, HSPV NRW und <a href=\"https:\/\/www.uni-muenster.de\/IfPol\/personen\/frevel_.html\">Universit\u00e4t M\u00fcnster<\/a>, Institut f\u00fcr Politikwis\u00adsenschaft<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Siehe <a href=\"https:\/\/www.polizeiwissenschaft.de\/schriftenreihen\/polizei-wissenschaft#top\">Verlags-Website<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Die Berichterstattung erfolgt zumeist kurz nach dem Bekanntwerden, sodass die Bezugsf\u00e4lle weder justiziell noch disziplinarrechtlich abschlie\u00dfend bewertet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> So bspw. zutreffend einleitend im Abschlussbericht der hessischen Expertenkommission \u201eVerant\u00adwortung der Polizei in einer pluralistischen Gesellschaft\u201c, <a href=\"https:\/\/innen.hessen.de\/Presse\/Abschlussbericht-der-Experten-Kommission-zur-Verantwortung-der-Polizei-vorgestellt\">2021<\/a>, S. 5, zu lesen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl. hierzu z. B. Eurobarometer der Europ\u00e4ischen Kommission, <a href=\"https:\/\/de.statista.com\/statistik\/daten\/studie\/377233\/umfrage\/umfrage-in-deutschland-zum-vertrauen-in-die-polizei\/\">2023<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> \u201cImprovement of civilian oversight of internal security sector\u201d (ICOISS), <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/forschung\/projekte\/projekt\/undpeu-projekt-icoiss-improvement-of-civilian-oversight-of-internal-security-sector\">2012-2014<\/a> (II) und <a href=\"https:\/\/www.hspv.nrw.de\/forschung\/publicationen\/publikation\/a-comparative-legal-appraisal-of-civilian-oversight-and-governance-of-internal-security-forces\">2019-2021<\/a> (III); Teilnehmerl\u00e4nder waren \u2013 neben der T\u00fcrkei \u2013 die EU-L\u00e4nder Belgien, D\u00e4nemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Niederlande, Polen, Portugal, Spanien und das UK. Das deutsche Team bildete Frevel, Braun und Salzmann (alle von der HSPV NRW), der europ\u00e4ische Projektkoordinator war Sebastian Roch\u00e9 \u2013 alle Beteiligten sind mit eigenen Beitr\u00e4gen in dem Sammelband vertreten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Zum Begriff vgl. z. B. John, \u201eKooperative Sicherheitspolitik in der Stadt. Interagency Policing \u2013 Sicherheitsstrukturen im Wandel\u201c, <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/24108073\/Interagency_Policing_Sicherheitsstrukturen_im_Wandel\">2012<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Vgl. z. B. nur seinen Abschlussbericht \u201eThe Governance and Oversight of Internal Security Vorces in Turkey &amp; 7 EU Countries\u201d, 2015<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Vgl. z. B. nur seinen Beitrag \u201eCross-national research. A new frontier for police studies\u201d, in: Policing &amp; Society (32) <a href=\"https:\/\/www.tandfonline.com\/doi\/abs\/10.1080\/10439463.2022.2037560\">2022<\/a>, 3, S 256 \u2013 270, zusammen mit Fleming.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Vgl. de Maillard &amp; Roch\u00e9, Comparative Policing, London\u00a0: Routledge, <a href=\"https:\/\/www.taylorfrancis.com\/books\/mono\/10.4324\/9781003108399\/comparative-policing-jacques-de-maillard\">2022<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Frevel, Bernhard[1] (Hrsg.): \u201eWer kontrolliert die Polizei? Juristische und sozialwissenschaftliche Analysen von Strukturen und Kompetenzen\u201c[2]. ISBN 978-3-86676-826-0, 136 Seiten, Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt a. 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