{"id":2123,"date":"2024-07-08T11:47:57","date_gmt":"2024-07-08T09:47:57","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2123"},"modified":"2024-07-08T11:47:57","modified_gmt":"2024-07-08T09:47:57","slug":"clemens-lorei-u-a-kodiak-modell-zur-kommunikativen-deeskalation-in-alltaeglichen-konfliktsituationen-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2123","title":{"rendered":"Clemens Lorei u.a.: KODIAK Modell zur kommunikativen Deeskalation in allt\u00e4glichen Konfliktsituationen. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: left;\"><strong>Clemens Lorei, Kerstin Kocab, Tim Haini, Kristina Menzel, Hermann Gro\u00df, Rainer Bachmann &amp; Thomas Greis: KODIAK Modell zur kommunikativen Deeskalation in <\/strong><strong>allt<\/strong><strong>\u00e4glichen Konfliktsituationen.<\/strong> Schriften des Instituts f\u00fcr Kriminologie und Pr\u00e4ventionsforschung der Hessischen Hochschule f\u00fcr \u00d6ffentliches Management und Sicherheit (H\u00d6MS), Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Band 1, 152 S., Frankfurt 2024, 19,80 Euro.<\/p>\n<p>Gewalt zu vermeiden und zu verhindern ist ebenso wichtig wie schwierig \u2013 nicht nur, aber auch und besonders f\u00fcr Polizeibeamte. Gewalt zu vermeiden oder nur mit geringer <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2124 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2000015095484.jpg\" alt=\"\" width=\"133\" height=\"189\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2000015095484.jpg 299w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/07\/2000015095484-105x150.jpg 105w\" sizes=\"(max-width: 133px) 100vw, 133px\" \/>Intensit\u00e4t einzusetzen, muss gelernt werden. Dieses Lernen soll durch das an der Hessischen Hochschule der Polizei entwickeltes Modell kommunikativer Deeskalation in allt\u00e4glichen Konfliktsituationen (KODIAK) unterst\u00fctzt werden. Polizeibeamten sollen Fertigkeiten zu entwickeln, um Konflikte in allt\u00e4glichen Eins\u00e4tzen zu bew\u00e4ltigen und zielgerichtet zu deeskalieren. Der hier besprochene Band f\u00fchrt in das Modell und sein wissenschaftliches Fundament ein, liefert aber auch Hinweise und Beispiele zur Umsetzung.<!--more--><\/p>\n<p>Das Modell mit dem Namen KODIAK (angelehnt an den Namen eine Stadt im \u00f6stlichen Teil der gleichnamigen Insel Kodiak im US-Bundesstaat Alaska<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>) soll Orientierung bei der systematischen und zielgerichteten Deeskalation in Alltagseins\u00e4tzen geben (Orientierungsfunktion). Dabei soll es die Komplexit\u00e4t solcher Eins\u00e4tze reduzieren und die Situation strukturieren (Transparenzfunktion).<\/p>\n<p>Es erhebt den Anspruch, sowohl empirisch-evidenzbasiert, als auch theoriefundiert Optionen anzubieten und damit Handlungsfreiheit zu gew\u00e4hrleisten. Letztlich bedeutet dies nichts anderes, als dass dem Einsatzbeamten (und dem Einsatztrainer) empirisch belegte Hinweise daf\u00fcr gegeben werden, wie er sich in bestimmten Einsatzsituationen verhalten sollte, um sich und sein sog. \u201eGegen\u00fcber\u201c bestm\u00f6glich zu sch\u00fctzen und gleichzeitig seinen Auftrag (Durchsetzung von Ordnung, Recht und Gesetz) auszuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Dabei wird die Eigensicherung (Sicherheitsgarantie) ber\u00fccksichtigt und der \u00dcbergang von Deeskalation zu unmittelbarem Zwang behandelt, d.h. was ist zu tun, wenn die Situationen, in denen deeskalatives Handeln nicht erfolgreich ist, umschwenkt? Es soll kontinuierliches Lernen erm\u00f6glicht werden, indem Handlungsanleitung gegeben werden. Buch und Modell sollen aber auch zur Reflektion genutzt werden. Entsprechende Beispiele werden in dem Buch (ab S. 118) und auf der Website (s.u.) geliefert.<\/p>\n<p>Die Autoren und Autorinnen des Buches weisen darauf hin, dass KODIAK speziell f\u00fcr die polizeiliche Deeskalation in allt\u00e4glichen Einsatzsituationen entwickelt wurde, aber Erweiterungen des Modells auf weniger allt\u00e4gliche Konfliktsituationen, spezifische Erfordernisse und besondere Zielgruppen derzeit erarbeitet werden. Man darf darauf gespannt sein.<\/p>\n<p>Auf der Website \u201e<a href=\"https:\/\/www.kodiak-revier.de\/\">kodiak-revier<\/a>\u201c findet man eine Kurzfassung des Modells sowie weitere Materialien, darunter auch Informationen zu den Axiomen zur Deeskalation mit KODIAK (im Buch S. 43-47) und zum Stufenmodell (S. 67-84), das durch die einzelnen Schritte eines Einsatzes f\u00fchrt. Ein Kapitel besch\u00e4ftigt sich auch mit dem Thema \u201eZwang\u201c und damit, welche Faktoren bei der Anwendung von unmittelbarem Zwang eine Rolle spielen (k\u00f6nnen).<\/p>\n<p>Die Materialien auf der Website erg\u00e4nzen das hier vorgestellte Buch, ersetzen es aber nicht, denn im Buch werden die Axiome sowie das Stufenmodell werden umfassender beschrieben und im ersten und zweiten Kapitel (S. 11-40) die Ziele sowie die theoretischen Grundlagen und die empirische Basis des Modells dargestellt. Besonders diese Kapitel sind f\u00fcr alle Einsatztrainer und Psychologen, die in der polizeilichen Aus- und Fortbildung t\u00e4tig sind, von besonderer Bedeutung. Denn die Anwendung oder Umsetzung des Stufenmodells oder der in dem Buch beschriebenen Strategien, Taktiken oder Techniken (S. 85 \u2013 103) l\u00e4uft unter Umst\u00e4nden ins Leere, wenn man sich nicht der theoretischen Begr\u00fcndung bewusst ist und die empirischen Belege daf\u00fcr kennt, was warum gemacht und gedacht werden soll.<\/p>\n<p>Daher ist auch das Kapitel, das sich mit der Umsetzung des Modells in Aus- und Fortbildung besch\u00e4ftigt (S. 114-116) wichtig, auch wenn es etwas knapp ausf\u00e4llt. Hier h\u00e4tte man sich mehr Informationen zur Problematik gew\u00fcnscht, wie die bei der Anwendung des Modells unter Praxisbedingungen auftretenden Probleme in der Aus- und Fortbildung vorausschauend behandelt werden k\u00f6nnen (und m\u00fcssen) und welche individuellen Merkmale bei den zu trainierenden Einsatzbeamten m\u00f6glicherweise eine Rolle spielen. Gewaltanwendung durch Polizei ist bekanntlich nicht nur eine Frage des Wissens und des Kennens von Handlungsalternativen, sondern auch von der individuellen Verfasstheit der Beamten zum Einsatzzeitpunkt abh\u00e4ngig. Unter dem Titel <a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/2007_FeltesKlukkertOhlemacher.pdf\">&#8222;\u2026, dann habe ich ihm auch schon eine geschmiert<\/a>&#8220; haben wir uns vor einigen Jahren mit dem Thema Autorit\u00e4tserhalt und Eskalationsangst als Ursachen polizeilicher Gewaltaus\u00fcbung besch\u00e4ftigt und anhand von Szenarien herausgearbeitet, welche individuellen und strukturellen Faktoren in konkreten Einsatzsituationen eine Rolle spielen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Es bleibt abzuwarten, ob und wie das Modell Eingang in die Polizeiausbildung und Polizeipraxis findet, wobei besonders auch die Fortbildung in diesem Bereich nicht vernachl\u00e4ssigt werden darf, da sie am n\u00e4chsten zur Praxis ist und auch \u201eerfahrene\u201c Beamte erreicht \u2013 oder zumindest erreichen sollte. Daher ist es zu begr\u00fc\u00dfen, dass eine (unabh\u00e4ngige?) Evaluation des Modells geplant ist (S. 132). Man darf darauf sehr gespannt sein.<\/p>\n<p>Hilfreich f\u00fcr die Rezeption in der Praxis w\u00e4re, wenn die Website f\u00fcr mobile Endger\u00e4te optimiert werden w\u00fcrde (derzeit ist sie nur an einem Desktop mit gr\u00f6\u00dferem Bildschirm wirklich verwendbar), oder besser noch, wenn eine App entwickelt werden w\u00fcrde, die von Ausbildern in der Praxis angewendet werden kann. Das w\u00fcrde dann vielleicht auch die gedruckte Version \u00fcberfl\u00fcssig machen, die leider nicht sehr haltbar ist. Zumindest l\u00f6ste sich mein Rezensionsexemplar bereits nach der ersten Durchsicht auf, und lose Bl\u00e4tter sind f\u00fcr den Einsatz unter Trainingsbedingungen eher weniger geeignet.<\/p>\n<p>Insgesamt aber wird mit dem Buch ein Modell vorgestellt dem im Interesse aller Beamten und der von Polizeima\u00dfnahmen Betroffenen eine weite Verbreitung zu w\u00fcnschen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Thomas Feltes Juli 2024<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Ob der Name wirklich mit Bedacht gew\u00e4hlt wurde? \u201eKodiak\u201c ist auch ein <a href=\"https:\/\/www.rheinmetall.com\/de\/produkte\/kettenfahrzeuge\/gepanzerte-kettenfahrzeuge\/kodiak-pionierpanzer\">Pionierpanzer von Rheinmetall<\/a>. Nicht unbedingt passend zu einem Deeskalationstraining.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Clemens Lorei, Kerstin Kocab, Tim Haini, Kristina Menzel, Hermann Gro\u00df, Rainer Bachmann &amp; Thomas Greis: KODIAK Modell zur kommunikativen Deeskalation in allt\u00e4glichen Konfliktsituationen. Schriften des Instituts f\u00fcr Kriminologie und Pr\u00e4ventionsforschung der Hessischen Hochschule f\u00fcr \u00d6ffentliches Management und Sicherheit (H\u00d6MS), Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Band 1, 152 S., Frankfurt 2024, 19,80 Euro. Gewalt zu vermeiden und zu &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2123\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Clemens Lorei u.a.: KODIAK Modell zur kommunikativen Deeskalation in allt\u00e4glichen Konfliktsituationen. Rezensiert von Thomas Feltes<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2123"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2123"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2123\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2126,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2123\/revisions\/2126"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}