{"id":2154,"date":"2024-08-17T10:40:54","date_gmt":"2024-08-17T08:40:54","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2154"},"modified":"2024-08-17T10:40:54","modified_gmt":"2024-08-17T08:40:54","slug":"jan-philipp-kueppers-polizei-und-buergerbeteiligung-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2154","title":{"rendered":"Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei und B\u00fcrgerbeteiligung. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei und B\u00fcrgerbeteiligung.<\/strong> Impulse f\u00fcr mehr Vertrauen, Kooperation und Akzeptanz. SpringerGabler Wiesbaden, 2024, ISBN978-3-658-44597-3, 162 S., 44,99 Euro, e-book 9,99 Euro<\/p>\n<p>Polizeiarbeit ist ohne Mithilfe von B\u00fcrgern nicht m\u00f6glich. Schon l\u00e4nger wissen wir, dass dies nicht nur f\u00fcr <img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2155 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Unbenannt.jpg\" alt=\"\" width=\"140\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Unbenannt.jpg 461w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2024\/08\/Unbenannt-100x150.jpg 100w\" sizes=\"(max-width: 140px) 100vw, 140px\" \/>den allt\u00e4glichen Kontakt gilt, sondern auch f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung von Straftaten. Ohne die Zu- und Mitarbeit von B\u00fcrgern w\u00fcrde die Polizei kaum Straftaten aufkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Nicht nur deshalb liegt es nahe sich intensiver mit der Frage zu besch\u00e4ftigen, wie das Verh\u00e4ltnis zwischen Polizei und B\u00fcrgern verbessert werden kann.<!--more--><\/p>\n<p>In seinem Buch erkl\u00e4rt K\u00fcppers ausf\u00fchrlich, warum Beteiligungsprozesse f\u00fcr die Polizei an Bedeutung gewonnen haben und wie sie erfolgreich gestaltet werden k\u00f6nnen. Daf\u00fcr verweist er auf die Tatsache, dass in Zukunft zunehmend eine integrierte Sicherheitsstruktur notwendig ist, in der Stakeholdergruppen und betroffene B\u00fcrger eine wichtige Rolle in der polizeilichen Gefahren- und Risikobewertung und damit an der Gestaltung ihres lebensweltbezogenen Sicherheitsempfindens einnehmen.<\/p>\n<p>Wir haben diesen Ansatz bereits in den 1990er Jahren im Rahmen unserer Studien zur Kommunalen Kriminalpr\u00e4vention intensiv herausgearbeitet und empirisch mit Querschnittsbefragungen zu Verbrechensfurcht, subjektiven Wahrnehmung von Kriminalit\u00e4t und Bewertung von Polizeiarbeit belegt. Die \u201e<em>Forschungsgruppe Kommunale Kriminalpr\u00e4vention<\/em>\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> besch\u00e4ftigte sich damals vor dem Hintergrund der Idee des \u201e<a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/FELIX_5.pdf\">community policing<\/a>\u201c mit der Frage, ob und wie objektive Kriminalit\u00e4tslage und subjektives Kriminalit\u00e4tsempfinden zusammenh\u00e4ngen und wie sich Kriminalit\u00e4tsfurcht auf das Sicherheitsgef\u00fchl der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger auswirkt. In den Jahrzehnten danach wurde deutlich, welche Auswirkungen Verbrechensfurcht, Sicherheitsgef\u00fchl und die \u201e<a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/2019_01_Magazin_Feltes_bran.pdf\">German Angst<\/a>\u201c auf den Zusammenhalt in der Gesellschaft haben und wie diese Aspekte das Vertrauen in Politik und Demokratie beeinflussen. Bereits Anfang der 1990er Jahre stellen wir fest, dass Angst vor Kriminalit\u00e4t und Verbrechensfurcht eng zusammenh\u00e4ngen mit allgemeinen Lebens\u00e4ngsten. \u201e<em>Doch leider wissen das die Betroffenen nicht, und wenn sie es w\u00fc\u00dften, dann w\u00fcrde ihnen dies wohl wenig helfen &#8211; eher im Gegenteil, denn die Verbrechensfurcht ist zumindest in Teilen greifbar und auf Personen zu \u00fcbertragen, w\u00e4hrend allgemeine Lebensangst nicht personifizierbar ist und deshalb eher verdr\u00e4ngt wird<\/em>\u201c (<a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/1994_4%20buergernahe%20Polizei.pdf\">Feltes &amp; Gramkow, 1994<\/a>).<\/p>\n<p>Das hier von K\u00fcppers vorgelegte Buch verfolgt einen \u201e<em>orientierenden und handlungsleitenden Anspruch, wie praktikable Beteiligungsprozesse der B\u00fcrger*innen in Planung und Vorhaben der Polizei eingebunden werden k\u00f6nnen. Theoretische Grundlagen und praktische Anwendungsfelder f\u00fcr die Umsetzung von Beteiligungsprozessen werden ermittelt: Mitwirkung in Kooperationsgespr\u00e4chen zur diskursiven Konfliktbearbeitung im Vorfeld von Protestlagen, zur Meinungsbildung durch Information und diskursiven Austausch von Argumenten im Rahmen der kommunalen Sicherheits- und Pr\u00e4ventionsarbeit oder anlassabh\u00e4ngige \u201eRunde Tische\u201c im Wirkbereich von unabh\u00e4ngigen B\u00fcrger- und Polizeibeauftragten<\/em>\u201c (Klappentext).<\/p>\n<p>Dabei geht es sowohl um praktische Hilfestellung und besseres Verst\u00e4ndnis von Beteiligungsprozessen f\u00fcr die Polizeiarbeit als auch um die Vorteile der B\u00fcrgerbeteiligung. Drei praxisorientierte Anwendungsfelder (Kooperationsgespr\u00e4che in Protestlagen, unabh\u00e4ngige B\u00fcrger- und Polizeibeauftragte und kommunale Sicherheits- und Pr\u00e4ventionsarbeit) werden intensiver vorgestellt.<\/p>\n<p>Insgesamt ist das Buch ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr \u201e<em>mehr B\u00fcrgerbeteiligung wagen<\/em>\u201c \u2013 ein zum gegenw\u00e4rtigen Zeitpunkt, wo die Beziehungen zwischen B\u00fcrgern und Polizei so angespannt sind wie seit langem ein gleicherma\u00dfen wichtiger wie schwieriger Ansatz. Wenn sich die Polizei und B\u00fcrger gegenseitig steigende Gewaltbereitschaft vorwerfen und gleichzeitig die Zufriedenheit mit der Polizei und die Einsch\u00e4tzung der Effektivit\u00e4t der Polizeiarbeit durch die B\u00fcrger schlechter geworden ist (<a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/pdf\/veroeffentlichungen\/2019_Reiners_Feltes_MSchrKrim.pdf\">Feltes\/Reiners 2019<\/a>), dann schreit dies f\u00f6rmlich nach Erkl\u00e4rungs- und konkreten Mediationsversuchen \u2013 die aber m\u00fcssen auf kleinr\u00e4umiger, regionaler Ebene stattfinden. Das Buch von K\u00fcppers liefert daf\u00fcr nicht nur den theoretischen Unterbau, sondern auch konkrete Handlungsans\u00e4tze.<\/p>\n<p>Um noch einmal den Klappentext zu zitieren: <em>\u201eIn einer Zeit gro\u00dfer Verunsicherung angesichts gesellschaftlicher Ver\u00e4nderung und Komplexit\u00e4t er\u00f6ffnen Beteiligungsprozesse die Chance, angespannte Verh\u00e4ltnisse von Polizei und Zivilgesellschaft zu befrieden und ein gegenseitiges Vertrauensverh\u00e4ltnis aufzubauen. B\u00fcrgerbeteiligung kann kein hoheitliches Handeln ersetzen, aber mit Alltags- und Erfahrungswissen anreichern. In diesen bewegten Zeiten gibt es kein besseres Rezept, um gemeinsam Sicherheit zu gestalten und Probleme zu bearbeiten\u201c. <\/em><\/p>\n<p>Thomas Feltes, August 2024<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Der Forschungsgruppe geh\u00f6rten folgende Vertreter der Universit\u00e4ten Heidelberg und Konstanz, des Max-Plank-Institutes in Freiburg sowie der Hochschule f\u00fcr Polizei Villingen-Schwenningen an: Dieter D\u00f6lling, Thomas Feltes, Wolfgang Heinz, Dieter Hermann, Helmut Kury, Joachim Obergfell-Fuchs, Christiane Simsa und Gerhard Spie\u00df.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei und B\u00fcrgerbeteiligung. Impulse f\u00fcr mehr Vertrauen, Kooperation und Akzeptanz. SpringerGabler Wiesbaden, 2024, ISBN978-3-658-44597-3, 162 S., 44,99 Euro, e-book 9,99 Euro Polizeiarbeit ist ohne Mithilfe von B\u00fcrgern nicht m\u00f6glich. Schon l\u00e4nger wissen wir, dass dies nicht nur f\u00fcr den allt\u00e4glichen Kontakt gilt, sondern auch f\u00fcr die Aufkl\u00e4rung von Straftaten. Ohne die Zu- und &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2154\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Jan-Philipp K\u00fcppers, Polizei und B\u00fcrgerbeteiligung. 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