{"id":2279,"date":"2025-06-29T17:03:11","date_gmt":"2025-06-29T15:03:11","guid":{"rendered":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2279"},"modified":"2025-08-13T09:20:16","modified_gmt":"2025-08-13T07:20:16","slug":"mike-sandbothe-reyk-albrecht-hg-achtsame-hochschulen-in-der-digitalen-gesellschaft-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=2279","title":{"rendered":"Mike Sandbothe \/ Reyk Albrecht (Hg.), Achtsame Hochschulen in der digitalen Gesellschaft. Rezensiert von Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mike Sandbothe \/ Reyk Albrecht (Hg.), Achtsame Hochschulen in der digitalen Gesellschaft.<\/strong> Transcript-Verlag Bielefeld, 460 Seiten, ISBN: 978-3-8394-5188-5, Print 24.- Euro, pdf kostenlos.<\/p>\n<p>Auf den ersten Blick denkt man bei dem Titel (und dem Ort dieser Rezension) vielleicht an die <a href=\"https:\/\/www.buchserien.de\/products\/karsten-dusse-achtsam-morden-reihe-band-1-3-1-exklusives-postkartenset?srsltid=AfmBOopYTig4a1ULnIBoeFmv3vx9smPSpqnqIKsWbQI8SVBFPJOXLpMY\">Buchreihe \u201eAchtsames Morden\u201c,<\/a> in der ein Rechtsanwalt unter dem Druck seiner Arbeit leidet und einen Achtsamkeitscoach konsultiert\u00a0<img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-2280 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"190\" height=\"285\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-scaled.jpg 1707w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-100x150.jpg 100w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-683x1024.jpg 683w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-1024x1536.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/97838376518813SydpRjNs1Jcj-1365x2048.jpg 1365w\" sizes=\"(max-width: 190px) 100vw, 190px\" \/>\u2013 und der dann, nach einigen Zwischenschritten \u2013 einen seiner Klienten ermordet und zers\u00e4gt, um ihn mit einem Gartenh\u00e4cksler zu zerst\u00fcckeln und im See zu entsorgen. \u00a0Aber es geht hier um etwas weitaus weniger Skurriles, aber dennoch Dramatisches: Die Entwicklung unserer Hochschulen, die immer mehr den einzelnen Studierenden aus den Augen verlieren und auf institutionelle Effizienz und m\u00f6glichst viel Forschungsgelder setzen. Das Buch zeigt einen Weg aus dieser Spirale der gegenseitigen Entfremdung auf, in dem es das weltweit erste Programmpaket zur Implementierung von Achtsamkeitstrainings in die bzw. an den Hochschulen darstellt.<!--more--><\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge in dem Buch f\u00fchren die Begriffe Achtsamkeit, Digitalisierung und Transformation zusammen. Das von mehr als 10.000 Studierenden, Lehrenden, Mitarbeitenden und F\u00fchrenden an Hochschulen und Universit\u00e4ten erprobte Modell adaptiert und verbindet \u00dcbungen aus den international anerkannten Achtsamkeitstrainings Mindfulness-based Stress Reduction, Dyadentraining und Social Presencing Theater. Die Herausgeber und Projektentwickler beschreiben die Erfolgsgeschichte ihrer Arbeit, ordnen sie kulturpolitisch ein und lassen Fachwissenschaftler aus den Human-, Ingenieur-, Medizin- und Wirtschaftswissenschaften zu Wort kommen. In <strong>beeindruckenden Erfahrungsberichten und praxisnahen Detailstudien<\/strong> richten sie sich nicht nur an das akademische Fachpublikum, sondern an alle, die wissen m\u00f6chten, wie sich Bildung in der digitalen Gesellschaft auf achtsame Weise gestalten l\u00e4sst.<\/p>\n<p>Das umfangreiche Buch steht in einer gedruckten Version (24.- Euro) und <a href=\"https:\/\/www.transcript-verlag.de\/978-3-8376-5188-1\/achtsame-hochschulen-in-der-digitalen-gesellschaft\/?number=978-3-8394-5188-5\">kostenlos als pdf-Version<\/a> zur Verf\u00fcgung. <strong>Letzteres sollte zumindest ein Anreiz sein, einmal durch das Buch zu bl\u00e4ttern und dabei festzustellen, dass es nicht nur \u201e<em>Achtsames Morden<\/em>\u201c gibt, sondern dass wir \u201eachtsame Hochschulen\u201c brauchen \u2013 auch, aber nicht nur im digitalen Bereich. <\/strong><\/p>\n<p>Und es gibt dazu auch eine <a href=\"https:\/\/achtsamehochschulen.de\/\">sehr gut gestaltete Website<\/a>, die alle Aspekte der achtsamen Hochschule darstellt und Kontakt- sowie Informationen \u00fcber die Protogonisten des Projektes bereitstellt. Dort findet man auch Videovortr\u00e4ge, Kurzfilme und weitere Publikationen sowie einen Blog mit aktuellen Hinweisen auf Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Wer, wie der Rezensent, sein Studium Anfang der 1970er Jahre begonnen hat, als statistische Berechnungen noch mit Lochkarten durchgef\u00fchrt wurden, die man zum Rechenzentrum bringen musste und (bei viel Gl\u00fcck) am kommenden Tag, meist aber 2-3 Tage sp\u00e4ter die volumin\u00f6sen Auswertungen (nat\u00fcrlich auf Papier im endlos-Format mit \u2013 gef\u00fchlten \u2013 50 cm Breite!) bekam und wer in Bibliotheken in Zettelk\u00e4sten suchte, f\u00fcr den war und ist die Digitalisierung ein Segen. Ganz zu Schweigen von den Unmengen von Fernleihbestellungen f\u00fcr Aufs\u00e4tze, die man z.T. sogar bezahlen musste und auch die man Wochen, wenn nicht sogar Monate gewartet hat. Achtsames Forschen war damals selbstverst\u00e4ndlich, man hatte die n\u00f6tige Zeit dazu \u2013 gezwungenerma\u00dfen.<\/p>\n<p>Sicherlich gab es auch damals schon Stress, aber keine Internetabh\u00e4ngigkeit. Mit beiden Aspekten besch\u00e4ftigt sich der Sammelband, der aber auch auf Zen-Meditation und Achtsamkeitstraining oder \u201eMindful experience trainig\u201c eingeht. Die Verantwortung, die Hochschulen, vor allem aber auch alle (!) Lehrenden in diesem Bereich \u00fcbernehmen m\u00fcssen, schwebt quasi als Metamessage \u00fcber den Beitr\u00e4gen. So ist zu hoffen, dass dem Buch und den dort beschriebenen Projekten die notwendige Aufmerksamkeit \u2013 oder besser: Achtsamkeit zukommt.<\/p>\n<p>Als \u201e<em>Inspirationsquelle f\u00fcr die Hochschulen des 21. Jahrhunderts<\/em>\u201c ist am Ende des Bandes u.a. ein Essay von Aldous Huxley aus dem Jahr 1956 enthalten (\u201e<em>Bildung f\u00fcr Amphibien<\/em>\u201c). Er skizziert darin die Grundlagen dessen, was er \u201e<em>nonverbale Humanwissenschaften<\/em>\u201c nennt. 1956 wohlgemerkt, dabei noch heute so aktuell wie damals \u2013 oder besser gesagt: gerade heute aktuell.<\/p>\n<p>Ein weiterer Beitrag am Ende thematisiert die Notwendigkeit einer \u201e<em>vertikalen Bildung<\/em>\u201c, in der der Mensch als Ganzes und \u201e<em>tiefes Lernen<\/em>\u201c eine wesentliche Rolle spielen. In Zeiten wie diesen, wo Lernen oftmals das flache Display eines Handys nicht verl\u00e4sst, ein dringend notwendiger Aspekt.<img loading=\"lazy\" class=\"alignnone wp-image-2281\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-scaled.jpg\" alt=\"\" width=\"374\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-scaled.jpg 2560w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-150x134.jpg 150w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-1024x916.jpg 1024w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-1536x1374.jpg 1536w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2025\/06\/20250629_161940-2048x1832.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 374px) 100vw, 374px\" \/><\/p>\n<p>Und, ach ja, weil wir uns hier im Buch-Blog des Polizei-Newsletter befinden: <strong>Auch und besonders Polizeihochschulen sollten sich Achtsamkeit auf die Fahnen (und in die \u2013 digitalen \u2013 Lehrpl\u00e4ne) schreiben<\/strong>. Die so erreichbare Stressreduktion und das Erlernen von Achtsamkeit k\u00f6nnen beides wichtige Faktoren f\u00fcr die sp\u00e4tere Polizeipraxis darstellen. \u00a0Wenn ich mich in <a href=\"https:\/\/www.thomasfeltes.de\/index.php\/blog\">meinem Juli-Blog<\/a> mit \u201e<em>Tugend und Polizei<\/em>\u201c und der \u201e<strong><em>moralisch-ethischen Ausrichtung und Legitimit\u00e4t von polizeilicher T\u00e4tigkeit<\/em><\/strong>\u201c besch\u00e4ftige, dann geht dies in die gleiche Richtung: Wir brauchen mehr Achtsamkeit und mehr Empathie, ja mehr Tugend im polizeilichen Handeln; das reduziert nicht nur den zunehmend als belastend empfundenen Stress bei den Beamten, sondern kommt dem sog. \u201epolizeilichen Gegen\u00fcber\u201c zugute \u2013 nicht nur, aber auch in Ausnahmesituationen und hilft so, das Image der Polizei, das in den letzten Jahren gelitten hat, zu verbessern. <strong>Eine achtsame Polizei<\/strong>? Bislang wurde dieser Aspekt nur als \u201eAufpassen auf Gefahren\u201c gelehrt; vielleicht verborgt sich hinter einer achtsamen Polizei aber weit mehr: R\u00fccksichtnahme auf sich selbst und auf den Menschen, dem man dient.<\/p>\n<p><strong>Also: Lehrende an Polizeihochschulen aufgepasst: Auch wenn der Titel des Buches nicht so klingt: Der Inhalt ist auch und gerade f\u00fcr Sie von Interesse!<\/strong><\/p>\n<p>Thomas Feltes, Juli 2025<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mike Sandbothe \/ Reyk Albrecht (Hg.), Achtsame Hochschulen in der digitalen Gesellschaft. Transcript-Verlag Bielefeld, 460 Seiten, ISBN: 978-3-8394-5188-5, Print 24.- Euro, pdf kostenlos. 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