{"id":291,"date":"2016-01-11T13:13:13","date_gmt":"2016-01-11T12:13:13","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=291"},"modified":"2016-03-03T11:45:53","modified_gmt":"2016-03-03T10:45:53","slug":"accountability-of-policing-stuart-lister-michael-rowe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=291","title":{"rendered":"Accountability of Policing  &#8211; Stuart Lister, Michael Rowe"},"content":{"rendered":"<p>338)<br \/>\n<em><strong>Lister, <\/strong><strong>Stuart &amp; <\/strong><strong>Rowe, <\/strong><\/em><strong><em>Michael<\/em>; Accountability of Policing; <\/strong>Taylor &amp; Francis, London und New York 2015, 238 S., ISBN 978-0-415-71533-1<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Accountability.png\" rel=\"attachment wp-att-292\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-292 size-medium alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/01\/Accountability-200x300.png\" alt=\"Accountability\" width=\"100\" height=\"150\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Begriff \u201eaccountability\u201c im Zusammenhang mit Polizeiarbeit l\u00e4sst sich nur bedingt in die deutsche Sprache \u00fcbertragen. Am besten l\u00e4sst er sich noch mit Verantwortung, Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht \u00fcbersetzen. Inhaltlich geht es dabei um die Frage, ob und inwieweit die Polizei als Institution und einzelne Polizeibeamte als Person f\u00fcr ihr Handeln (oder Unterlassen) zur Rechenschaft gezogen werden k\u00f6nnen, und zwar nicht prim\u00e4r straf- oder zivilrechtlich, sondern im Rahmen von zivilgesellschaftlichen und\/oder polizeiinternen Mechanismen. <!--more--><\/p>\n<p>Denn auch wenn Joachim Kersten meint, dass die \u201eNicht\u00fcbersetzbarkeit\u201c von police accountability sich aus dem Unterschied zwischen \u201eden Common Law Rechtskulturen in der englischsprachigen Welt und den Civil Law Rechtssystemen kontinentaleurop\u00e4ischer Provenienz, die auf kodifiziertem Recht beruhen und einen anderen Rechtsstatus der B\u00fcrger gegen\u00fcber dem Staat und seiner Polizei mit einschlie\u00dfen\u201c beruht<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>, so geht es in der Sache doch darum, Strategien und Mechanismen zu finden, wie sich die Polizei intern so aufstellen kann, dass die Verantwortlichkeiten f\u00fcr ihr Handeln nachvollziehbar, \u00fcberpr\u00fcfbar und transparent darstellbar sind. Auf der anderen Seite geh\u00f6rt hierzu auch der schon lange schwelende Streit, ob Instrumente zur Polizeikontrolle (wie Polizeikommissionen, Polizei-Ombudsleute, B\u00fcrgerbeschwerdestellen etc.) sinnvoll und notwendig sind. Die Verbindung von \u201eaccountability\u201c und \u201eintegrity\u201c wird dabei international schon sehr lange diskutiert<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Der von den beiden Polizeiwissenschaftlern Lister und Rowe herausgegebene Band versammelt insgesamt 11 Einzelbeitr\u00e4ge, die sich alle mit der Problematik der \u201eaccountability of policing\u201c besch\u00e4ftigen. Das Buch gibt daher \u2013 wenn auch mit Perspektive auf Gro\u00dfbritannien \u2013 einen guten \u00dcberblick auf die aktuelle Diskussion in diesem Bereich. Hervorzuheben sind dabei \u2013 neben dem \u00dcberblicksbeitrag der Herausgeber selbst (S. 1 ff.) &#8211; vor allem die folgenden Beitr\u00e4ge:<\/p>\n<ul>\n<li>Richard Young (The rise and fall of \u201estop and account\u201c, S. 18 ff.) thematisiert die Problematik, dass polizeiliche Kontrollma\u00dfnahmen oftmals als unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig empfunden oder am Aussehen der Person orientiert durchgef\u00fchrt werden. Das Thema des \u201eracial profiling\u201c wird in Deutschland leider noch immer negiert, auch wenn nicht nur Gerichte (wie zuletzt das VG K\u00f6ln<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>) sich mit dem Thema befassen mussten, sondern regelm\u00e4\u00dfig Betroffene und NGOs sich \u00fcber solche Ma\u00dfnahmen beklagen. Ein Antrag des Bochumer Lehrstuhls, eine wissenschaftliche Studie zum Thema der Verdachtsgewinnung bei Polizeibeamten durchzuf\u00fchren (um herauszufinden, welche Kriterien Polizeibeamte f\u00fcr die Auswahl der zu Kontrollierenden anlegen) wurde 2015 leider vom Innenministerium NRW abgelehnt; allerdings wird eine vergleichbare Studie demn\u00e4chst in Berlin durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a><\/li>\n<li>Prenzler und Porter thematisieren in ihrem Beitrag (Improving police behaviour and police-community relations through innovative resonses to complaints, S. 49 ff.) die M\u00f6glichkeit, durch transparenten und interaktiven Umgang mit B\u00fcrgerbeschwerden die Zufriedenheit der B\u00fcrger mit der Polizei und (wichtig auch f\u00fcr die Polizei selbst) die Zusammenarbeit zwischen B\u00fcrgern und Polizei zu verbessern (dazu auch der Beitrag von Davids und Boyce, Integrity, accountability and public trust, S. 86 ff.). Sie bezeichnen Beschwerden als \u201ekey learning tool\u201c f\u00fcr polizeiliche F\u00fchrung und Fortbildung und weisen auch auf sog. \u201eproblem officers\u201c hin, also auf das, was wir z.B. unter dem Stichwort \u201eWiderstandsbeamte\u201c diskutieren.<\/li>\n<li>Rowe u.a. stellen in ihrem Beitrag (Getting behind the blue curtain, S. 69 ff.) u.a. die Ergebnisse einer Befragung vor, in der sie die Wahrscheinlichkeit der Meldung von \u201eproblematischem Verhalten\u201c bei Polizeibeamten erfragt haben, und zwar im Vergleich von Selbsteinsch\u00e4tzung und Einsch\u00e4tzung von Kollegen \u2013 mit \u00fcberaus spannenden Ergebnissen.<\/li>\n<li>Rob Reiner, wohl einer der bekanntesten Polizeiwissenschaftler weltweit, geht in seinem Beitrag (Power to the people?, S. 132 ff.) der Grundsatzfrage nach, wer denn eigentlich die Polizei kontrollieren soll und kann \u2013 da sie es ja schlie\u00dflich nicht selbst tun kann (Quis custodiet ipsos custodes?).<\/li>\n<li>Mit dem Thema \u201ePrivate security and the politics of accountability\u201c, das nicht nur aufgrund der Ereignisse Ende 2015 in Asylbewerber- und Fl\u00fcchtlingsunterk\u00fcnften auch f\u00fcr uns relevant ist, besch\u00e4ftigt sich Adam White (S. 172 ff.) und hebt hervor, dass es nicht nur f\u00fcr die staatliche Polizei, sondern auch f\u00fcr private Sicherheitsunternehmen entsprechende Kontrollmechanismen geben muss.<\/li>\n<li>Spannend zu lesen ist aber vor allem der Beitrag von Bowling und Sheptycki (Reflections on legal and political accountability for global policing, S. 214 ff.), wo es u.a. um \u201etribal affinity\u201c innerhalb der Polizei und \u201esymbolic paraphernalia\u201c auf Polizeirevieren geht.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Unterm Strich (und vor der \u201eblue line\u201c) haben Lister und Rowe einen Band vorgelegt, der in jede Polizeihochschul-Bibliothek geh\u00f6rt. Sch\u00f6n w\u00e4re es, wenn sich ein deutscher Verleger finden w\u00fcrde, der die Beitr\u00e4ge ins Deutsche \u00fcbersetzen l\u00e4sst \u2013 denn vielleicht w\u00fcrde ein solches Buch dann weiter verbreitet werden und der doch sehr deutschen, b\u00fcrokratischen Diskussion um die Verantwortlichkeit von Polizei und ihrem Handeln neuen Aufwind geben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.bmi.gv.at\/cms\/bmi_siak\/4\/2\/1\/2012\/ausgabe_1\/files\/kersten_1_2012.pdf\">http:\/\/www.bmi.gv.at\/cms\/bmi_siak\/4\/2\/1\/2012\/ausgabe_1\/files\/kersten_1_2012.pdf<\/a> S. 8<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl. meine Beitr\u00e4ge von 1999\/2000: Police Integrity and the Police Organisation &#8211; L\u00b4int\u00e9grit\u00e9 dans l\u00b4organisation de la police. In : La Deontologie Policiere, instrument de consolidation des droits de l\u00b4homme. Paris (Ministere de l\u00b4Interieure 2000, S. 10-21 (franz\u00f6sisch), S. 86-95 (englisch) und S. 234-255 (arabisch) (Kurzfassung von Police Integrity and the Police Organization. Florenz 1999.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"http:\/\/rsw.beck.de\/cms\/main?docid=374847\">http:\/\/rsw.beck.de\/cms\/main?docid=374847<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> \u00dcber die wahren Gr\u00fcnde f\u00fcr die Ablehnung unseres Antrages kann man nur spekulieren. Offiziell wurde uns mitgeteilt, dass unser Vorgehen \u201enicht repr\u00e4sentativ\u201c sei, u.a., weil wir in einem Pre-Test (!) nur NRW-Beamte befragen wollten, bevor das bundesweite roll-out geplant war. Solche Versuche, auf Inhalt und Methodik von Forschungen Einfluss zu nehmen, nehmen leider zurzeit wieder \u00fcberhand. Offensichtlich ist die politische Angst in diesem Bereich gro\u00df.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Thomas Feltes<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>338) Lister, Stuart &amp; Rowe, Michael; Accountability of Policing; Taylor &amp; Francis, London und New York 2015, 238 S., ISBN 978-0-415-71533-1 Der Begriff \u201eaccountability\u201c im Zusammenhang mit Polizeiarbeit l\u00e4sst sich nur bedingt in die deutsche Sprache \u00fcbertragen. Am besten l\u00e4sst er sich noch mit Verantwortung, Verantwortlichkeit und Rechenschaftspflicht \u00fcbersetzen. 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