{"id":309,"date":"2016-03-01T13:21:27","date_gmt":"2016-03-01T12:21:27","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=309"},"modified":"2016-03-03T11:44:26","modified_gmt":"2016-03-03T10:44:26","slug":"prozesse-gerichtsberichte-1967-1969-uwe-nettelbeck-herausgegeben-von-petra-nettelbeck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=309","title":{"rendered":"Prozesse. Gerichtsberichte 1967 \u2013 1969 &#8211; Uwe Nettelbeck &#8211; herausgegeben von Petra Nettelbeck"},"content":{"rendered":"<p>342)<br \/>\n<em><strong>Uwe Nettelbeck, herausgegeben von Petra Nettelbeck; <\/strong><\/em><strong>Prozesse. Gerichtsberichte 1967 \u2013 1969<\/strong><em><strong>; <\/strong><\/em>2015 Suhrkamp, Berlin, 189 Seiten, 19,95\u20ac, ISBN-13: 9783518424827; ISBN-10: 3518424823<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/prozesse_67_69.png\" rel=\"attachment wp-att-310\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignright wp-image-310 size-medium\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/prozesse_67_69-189x300.png\" alt=\"prozesse_67_69\" width=\"95\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/prozesse_67_69-189x300.png 189w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/prozesse_67_69.png 200w\" sizes=\"(max-width: 95px) 100vw, 95px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Der Band enth\u00e4lt eine Sammlung von Gerichtsreportagen, die der Journalist, Schriftsteller und Musikproduzent Uwe Nettelbeck in den sechziger Jahren f\u00fcr die Zeit verfasste. Herausgegeben wurde der Band von seiner Frau Petra Nettelbeck, nachdem der Autor im Jahre 2007 verstarb. Der Band versammelt Berichte \u00fcber spektakul\u00e4re Gerichtsverhandlungen aus einer Zeit im Umbruch, die die Bundesrepublik Deutschland bis heute nachhaltig gepr\u00e4gt hat. <!--more-->Die sp\u00e4ten sechziger Jahre markieren nicht nur den Beginn der RAF-\u00c4ra, sondern zeichnen sich durch den Wandel der kulturellen Werte und Moralvorstellungen aus. Die aufkeimenden Studentenproteste r\u00e4umen mit dem geschichtlichen Erbe ihrer Eltern auf und stellen gleicherma\u00dfen die bestehende soziale Ordnung in Frage. Das vom wirtschaftlichen Aufschwung gekennzeichnet Nachkriegsdeutschland befindet sich in Aufbruchsstimmung, die in der Musik, der Mode und dem Film ihren Ausdruck findet. Gerade die konservative Justiz bildet hierzu den denkbar deutlichsten Gegensatz. Aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden steht sie nicht an der Spitze einer solchen Bewegung, ist es doch ihre Aufgabe, die bestehende soziale Ordnung aufrechtzuerhalten und vor Angriffen zu sch\u00fctzen. Gerade deshalb verk\u00f6rpert sie aber alte und aus sp\u00e4terer Sicht m\u00f6glicherweise \u00fcberholte Wertevorstellungen besonders deutlich, die zur damaligen Zeit nach wie vor Teile der Gesellschaft bestimmen. Gerade diejenigen, die den Umschwung mit Argwohn betrachten, finden hierin Halt. Aus heutiger Sicht sind es Wertma\u00dfst\u00e4be aus einer vergangenen Zeit. Es ist aber gerade der R\u00fcckblick aus heutiger Perspektive, der uns dies so klar vor Augen f\u00fchrt. Nirgendwo sonst zeigt sich deshalb der Wandel der Zeit so deutlich, wie im Gerichtssaal. Die Berichte Nettelbecks bezeugen aus diesem Grund ein bedeutendes St\u00fcck deutscher Geschichte. Dies macht sie, fast f\u00fcnfzig Jahre nach ihrer ersten Ver\u00f6ffentlichung, zu einer spannenden Lekt\u00fcre, auch dann, wenn man dem Autor nicht in jeder Ansicht oder Wertung folgt. Mit kritischer Distanz teilt er dem Leser seine Beobachtungen mit, l\u00e4sst ihn teilhaben am Verhandlungsgeschehen und beleuchtet auch die andere Seite, die der T\u00e4ter und ihre Geschichte. Er bem\u00fcht sich, selbst abscheuliche Verbrechen anders zu betrachten und zeigt auf, dass die Wahrheit niemals eindimensional, niemals schwarz und wei\u00df, niemals einfach ist. Statt auf das Gro\u00dfe-Ganze, schaut er auf den Einzelfall, auf das Individuum. Damit ist er der Gesellschaft zur damaligen Zeit ein gutes St\u00fcck voraus. Nettelbeck zeigt so das Dilemma auf, das jeden Rechtsstaat auszeichnen muss und an dem sich bis heute im Grundsatz nichts ge\u00e4ndert hat: \u201eDas Strafgesetz ist nicht f\u00fcr einen, sondern f\u00fcr alle da. Nur trifft es eben immer einen Menschen, der keinem anderen gleicht, und richtet es stets \u00fcber einen Fall, der ohne Beispiel ist\u201c.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Rahel Weing\u00e4rtner<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>342) Uwe Nettelbeck, herausgegeben von Petra Nettelbeck; Prozesse. Gerichtsberichte 1967 \u2013 1969; 2015 Suhrkamp, Berlin, 189 Seiten, 19,95\u20ac, ISBN-13: 9783518424827; ISBN-10: 3518424823 Der Band enth\u00e4lt eine Sammlung von Gerichtsreportagen, die der Journalist, Schriftsteller und Musikproduzent Uwe Nettelbeck in den sechziger Jahren f\u00fcr die Zeit verfasste. Herausgegeben wurde der Band von seiner Frau Petra Nettelbeck, nachdem &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=309\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Prozesse. 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