{"id":464,"date":"2016-04-26T21:13:46","date_gmt":"2016-04-26T19:13:46","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=464"},"modified":"2016-04-26T21:13:46","modified_gmt":"2016-04-26T19:13:46","slug":"veronika-selbach-klaus-zehner-hrsg-london-geographien-einer-global-city","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=464","title":{"rendered":"Veronika Selbach &#038; Klaus Zehner (Hrsg.) &#8211; London. Geographien einer Global City"},"content":{"rendered":"<p><em>358) <strong>Selbach, Veronika &amp; Zehner,\u00a0Klaus <\/strong><\/em><strong>(Hrsg.);<\/strong> <strong>London. Geographien einer Global City;<\/strong> transcript Bielefeld2016, 241 Seiten, 29,99\u00a0\u20ac, ISBN\u00a09783837629200<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-465 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/london_global_city-98x150.png\" alt=\"london_global_city\" width=\"98\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/london_global_city-98x150.png 98w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/london_global_city.png 200w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/><\/p>\n<p><em>Veronika Selbach<\/em> und <em>Klaus Zehser<\/em> sind am Geographischen Institut der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln t\u00e4tig und pr\u00e4sentieren im vorliegenden Werk verschiedene Beitr\u00e4ge, die sich mit dem Wandel Londons von \u201eeiner gealterten Haupt- und Industriestadt zu einer Global City der h\u00f6chsten Rangstufe\u201c befassen.<!--more--> In der Einleitung wird der Sonderstatus Londons im Vergleich zu weltweiten Gro\u00dfst\u00e4dten beschrieben. Neben dem (noch vor New York) unbestreitbaren Spitzenplatz in der Finanz- und Wirtschaftsindustrie ist London neben Paris die f\u00fchrende europ\u00e4ische Kunst- und Kulturmetropole. Diese Kombination von Wirtschafts- und Kulturmacht l\u00e4sst London zur \u201eAlpha Global City\u201c werden (S.\u00a011). Die Auswahl der Beitr\u00e4ge repr\u00e4sentiert die st\u00e4dtebaulichen und geographischen Charakteristika, die den Alltag der Bewohner Londons pr\u00e4gen und die auch dem Besucher der Stadt sofort ins Auge springen: Die in den letzten Jahren durch die zahlreichen Neubauten ver\u00e4nderte Skyline, die hohe Verdichtung des Stadtraums, die dichten Verkehrs- und Menschenstr\u00f6me und die ethnische und soziale Heterogenit\u00e4t der Stadt.<\/p>\n<p><em>Klaus<\/em> <em>Zehner<\/em> befasst sich mit der Entwicklung der Docklands in Canary Wharf vom alten Hafenumschlagplatz zum nunmehr (neben der City of London und der City of Westminster) dritten Zentrum Londons, in der die Insignien der internationalen Finanzindustrie weithin sichtbar sind (S.\u00a083\u201399). Damit im Zusammenhang steht das von <em>Marina Rico <\/em>und <em>Klaus Zehner<\/em> verfasste Kapitel \u00fcber den Hochhausbau, welches auch die damit zusammenh\u00e4ngenden gesellschaftlichen Entwicklungen beleuchtet (S.\u00a0101\u2013117). W\u00e4hrend bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein London auf Panoramaaufnahmen als \u201eflache Stadt\u201c erschien (S.\u00a0101), wird heute der Blick auf die City \u2013 vor allem vom s\u00fcdlichen Themseufer aus betrachtet \u2013 durch (fertige und unfertige) Hochh\u00e4user bestimmt. Der Leser erf\u00e4hrt, dass gegenw\u00e4rtig 236 (!) neue Hochh\u00e4user in Planung sind, die Mehrzahl von ihnen Wohnhochh\u00e4user (S.\u00a0115). Der Wandel Londons zur Global City ging dabei mit einem st\u00e4dtebaulichen Paradigmenwechsel einher. War es bis in die 1980er Jahre hinein wichtig, dass das historische Erbe der Stadt bewahrt und die Sicht auf St. Pauls Cathedral frei gehalten wird, sind nunmehr die Anforderungen der Wirtschafts- und Finanzwelt und ihr Bedarf nach repr\u00e4sentativen Bauten in den Vordergrund ger\u00fcckt (S.\u00a0114\u2013115).<\/p>\n<p>Die sozialen Auswirkungen der ver\u00e4nderten St\u00e4dtebaupolitik beschreibt <em>Jan Glatter<\/em> in einem Kapitel \u00fcber \u201eGentrification und gentrifizierte Stadtr\u00e4ume in London\u201c (S.\u00a0185\u2013200). W\u00e4hrend Gentrifizierung in Deutschland \u00fcberwiegend als junges Ph\u00e4nomen wahrgenommen wird, kam es schon in den 1950er Jahren zu Verdr\u00e4ngungsprozessen innerhalb Londons. Die Mittelschicht konnte sich das Wohnen in etablierten Quartieren wie Kensington oder Chelsea nicht mehr leisten, war aber auch nicht bereit, auf einen urbanen Lebensstil zu verzichten und in die Peripherie zu ziehen (S.\u00a0187). Politisch eher links gerichtet und daher durchaus mit dem proletarischen Leben in den Arbeiterquartieren sympathisierend, zogen die \u201ePionier-Gentrifier\u201c in Quartiere wie Camden und Notting Hill (S.\u00a0188). Heute ist dort ein von <em>Glatter<\/em> als \u201eSuper-Gentrification\u201c (S.\u00a0195) bezeichneter Prozess zu beobachten. Beliebte Quartiere erfahren erneute Aufwertungssch\u00fcbe und da London als sicherer Hafen f\u00fcr Verm\u00f6gen aus krisenanf\u00e4lligen Regionen angesehen wird, werden selbst enge Reihenmittelh\u00e4user mit wenig Wohnraum zu Preisen in Millionenh\u00f6he angeboten und auch nachgefragt (S.\u00a0195).<\/p>\n<p><em>Veronika Selbach<\/em> beschreibt schlie\u00dflich die ethnische Vielfalt in der Millionenmetropole (S.\u00a0217\u2013241). Lediglich 64\u00a0% der Einwohner Londons wurden innerhalb Gro\u00dfbritanniens geboren, hinzu kommt ein gro\u00dfer Anteil von Nachkommen fr\u00fcherer Zuwanderergenerationen (S.\u00a0227). Angesichts der aktuellen Brexit-Debatte und ihren Bez\u00fcgen zur Zuwanderung nach England ist die Tatsache interessant, dass seit den 2000er Jahren die Zahl der Arbeitsmigranten stetig ansteigt, und zwar nicht nur bei den hoch-, sondern auch bei den geringqualifizierten Kr\u00e4ften (S.\u00a0223). In geographischer und soziologischer Hinsicht ist eine von <em>Selbach <\/em>als \u201esuper diversity\u201c beschriebene Entwicklung auff\u00e4llig. Es gibt nicht <em>die <\/em>eine Einwanderergruppe, vielmehr werden Londons Bezirke insgesamt \u201ebunter\u201c und repr\u00e4sentieren eine gr\u00f6\u00dfere ethnische Vielfalt (S.\u00a0232). Abgesehen von wenigen Ausnahmen gibt es also keine \u00fcberproportionale Konzentration einzelner Nationen in bestimmen Bezirken. Schlie\u00dflich weist <em>Selbach<\/em> auf Konflikte zwischen verschiedenen Migrantengenerationen hin, die sich auch in der aktuellen Zuwanderungs- und Fl\u00fcchtlingsdebatte in Deutschland beobachten lassen. Zwischen \u00e4lteren Migranten der Nachkriegsgeneration und \u201eden Neuen\u201c entstehe ein Konfliktpotential, da beide Gruppen mittlerweile um Arbeitspl\u00e4tze konkurrieren (S.\u00a0238).<\/p>\n<p>Mit \u201eLondon. Geographien einer globalen City\u201c ist ein Sammelband entstanden, der auch f\u00fcr fachfremde Disziplinen spannende Perspektiven auf die bedeutsamste europ\u00e4ische Wirtschafts- und Kulturmetropole enth\u00e4lt. Auch au\u00dferhalb des wissenschaftlichen Erkenntnisinteresses enthalten die Beitr\u00e4ge wertvolle Informationen und Analysen, die es Besuchern Londons erlauben, eigene Beobachtungen und Erfahrungen einzuordnen und zu erkl\u00e4ren. Dar\u00fcber hinaus ist das Buch insgesamt sehr sorgf\u00e4ltig aufbereitet und enth\u00e4lt neben eigens angefertigten Kartenmaterialien und Diagrammen zahlreiche farbige Abbildungen und Fotografien.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Andreas Ruch<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>358) Selbach, Veronika &amp; Zehner,\u00a0Klaus (Hrsg.); London. Geographien einer Global City; transcript Bielefeld2016, 241 Seiten, 29,99\u00a0\u20ac, ISBN\u00a09783837629200 Veronika Selbach und Klaus Zehser sind am Geographischen Institut der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln t\u00e4tig und pr\u00e4sentieren im vorliegenden Werk verschiedene Beitr\u00e4ge, die sich mit dem Wandel Londons von \u201eeiner gealterten Haupt- und Industriestadt zu einer Global City der &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=464\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Veronika Selbach &#038; Klaus Zehner (Hrsg.) &#8211; London. 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