{"id":472,"date":"2016-05-09T01:10:00","date_gmt":"2016-05-08T23:10:00","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=472"},"modified":"2016-05-09T01:10:00","modified_gmt":"2016-05-08T23:10:00","slug":"arnd-koch-martin-loehnig-hrsg-die-schule-franz-von-liszts-sozialpraeventive-kriminalpolitik-und-die-entstehung-des-modernen-strafrechts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=472","title":{"rendered":"Arnd Koch \/ Martin L\u00f6hnig (Hrsg.) &#8211; Die Schule Franz von Liszts \u2013 Sozialpr\u00e4ventive Kriminalpolitik und die Entstehung des modernen Strafrechts?"},"content":{"rendered":"<p>360) <strong><em>Koch, Arnd \/ L\u00f6hnig, Martin (Hrsg.);<\/em> \u201eDie Schule Franz von Liszts \u2013 Sozialpr\u00e4ventive Kriminalpolitik und die Entstehung des modernen Strafrechts?\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"><strong>[1]<\/strong><\/a>;<\/strong> (ISBN: 978-3-16-154148-3, 246 Seiten, Verlag Mohr Siebeck, T\u00fcbingen, 2016, 74.- \u20ac)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-474 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/die_schule_liszt-100x150.png\" alt=\"die_schule_liszt\" width=\"100\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/die_schule_liszt-100x150.png 100w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/05\/die_schule_liszt.png 200w\" sizes=\"(max-width: 100px) 100vw, 100px\" \/><\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Arnd Koch<\/strong><a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und<strong> Prof. Dr. Martin L\u00f6hnig<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a><\/strong> dokumentieren in dem gemeinsam herausgegebenen Sammelband zehn der insgesamt elf Beitr\u00e4ge namhafter Strafrechtswissenschaftler<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> f\u00fcr eine vom Augsburger Center f\u00fcr Glo\u00adbal Economic Law and Regulation (ACELR) gef\u00f6rderte Tagung an der Uni\u00adversit\u00e4t Augsburg am 25. \/ 26. September 2014, <!--more-->die unter dem Leitthema\u00a0 <a href=\"http:\/\/www.uni-regensburg.de\/rechtswissenschaft\/buergerliches-recht\/loehnig\/medien\/folder_tagung_liszt.pdf\">&#8222;v. Liszt-Schule und die Entstehung des modernen Strafrechts&#8220;<\/a> dem gro\u00dfen Straf\u00adrechtslehrer, Kriminalpolitiker (und Kriminologen?) <a href=\"http:\/\/www.deutsche-biographie.de\/sfz51942.html\"><strong>Franz von Liszt<\/strong><\/a> und des\u00adsen ([un]mittelbaren)Verdiensten, (nicht nur) \u00fcber seine zahlreichen Sch\u00fcler<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> und Absolventen seines \u201e<strong>Kriminalistischen Seminars<\/strong>\u201c<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> weitervermittelt, ge\u00adwid\u00admet ist.<\/p>\n<p>Franz von Liszt und seinen Einfluss auf die Strafrechtswissenschaft sowie seine tragende Rolle als fr\u00fcher Kriminalpolitiker in einem weiteren Band zu w\u00fcrdigen hie\u00dfe \u201eEulen nach Athen zu tragen\u201c, w\u00fcrde man prinzipiell vermuten. Seine zahlreichen nicht nur f\u00fcr seine Epoche progressiv anmutenden Dikta, wie zum Beispiel \u201eStaat und Recht (seien) um der Menschen Willen da \u2013 nicht etwa umgekehrt\u201c (ders. in: \u201eDas Deutsche Reichsstrafrecht\u201c, 1881, S. 2 f.) oder der gerade in Zeiten \u201esozialer K\u00e4lte und Exklusion\u201c bedeutsame Ausspruch \u201edie beste Kriminalpolitik ist eine gute Sozialpolitik\u201c (ders. in: \u201eDas Verbrechen als sozial-pathologische Erscheinung\u201c, AuV, Band 2, S. 230 ff., 246) sind nach wie vor hochaktuell. Dennoch werden in den nun in einem Sammelband ver\u00ad\u00f6ffentlichten Tagungsbeitr\u00e4gen (durchaus) neue Facetten des Wissen\u00adschaftlers \u201efreigelegt\u201c bzw. in neuem Licht betrachtet:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Wolfgang Frisch<\/strong> \u2013 Franz von Liszt \u2013 Werk und Wirkung (S. 1 \u2013 26)<\/li>\n<li><strong>Arnd Koch<\/strong> \u2013 \u201ev. Liszt-Schule\u201c \u2013 Personen, Institutionen, Gegner (S. 27 \u2013 56)<\/li>\n<li><strong>Michael Pawlik<\/strong> \u2013 v. Liszt im Kontext zeitgen\u00f6ssischer philosophischer Str\u00f6mungen (S. 57 \u2013 86)<\/li>\n<li><strong>Benno Zabel<\/strong> \u2013 Fran von Liszt und die Reformbewegung des Strafrechts (S. 87 \u2013 118)<\/li>\n<li><strong>Johannes Kaspar<\/strong> \u2013 Die \u201eUnsch\u00e4dlichmachung der Unverbesserlichen\u201c \u2013 die v. Liszt \u2013Schule und der Umgang mit gef\u00e4hrlichen Gewohnheitsverbrechern (S. 119 \u2013 134)<\/li>\n<li><strong>Franz Streng<\/strong> \u2013 Franz von Liszt als Kriminologie und seine Schule (S. 135 \u2013 152)<\/li>\n<li><strong>Carl-Friedrich Stuckenberg<\/strong> \u2013 Die v. Liszt-Schule und die Reform des Strafprozessrechts (S. 153 \u2013 184)<\/li>\n<li><strong>Martin L\u00f6hnig<\/strong> \u2013 Die v. Liszt-Schule im totalit\u00e4ren Kontext (S. 185 \u2013 206)<\/li>\n<li><strong>Richard F. Wetzell<\/strong> \u2013 Franz von Liszt und die internationale Strafrechtsreformbewegung (S. 207 \u2013 228)<\/li>\n<li><strong>Michael Kubiciel<\/strong> \u2013 Franz v. Liszt und das Europ\u00e4ische Strafrecht (S. 229 \u2013 246)<\/li>\n<\/ol>\n<p>Diese h\u00f6chst unter\u00adschiedlichen Aspekte des komplexen Wirkens bzw. des Verm\u00e4chtnisses v. Listzts, die in den Beitr\u00e4gen zum Ausdruck kommen, machen den geneigten Leser neugierig und man wird, soviel schon an dieser Stelle bemerkt, am Ende nicht entt\u00e4uscht. Ich will nur einige Beitr\u00e4ge hieraus, eigenen Interessen folgend in nicht-chronologischer Abfolge, kurz darstellen.<\/p>\n<p>Der Erlanger Strafrechtswissenschaftler und Kriminologe, <a href=\"http:\/\/www.fk.rw.uni-erlangen.de\/Vita\/microsoft-word-vita-2015.doc.pdf\"><strong>Prof. (em.) Dr. Franz Streng<\/strong><\/a> geht in seinem Beitrag (vgl. oben 6., S. 135 \u2013 152) bspw. der Frage nach, welche Rolle von Liszt (als Kriminologe) f\u00fcr die Entwicklung der Kriminologie als Wissenschaftsdisziplin einnahm. Von Liszt hat \u201eselbst keine empirische kriminologische Forschung\u201c betrieben<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>, dennoch in seinem \u201eKrimi\u00adnalistischen Seminar\u201c empirisch-kriminologische Arbeiten angeregt und namhafte Krimino\u00adlogen gef\u00f6rdert. Typisch f\u00fcr die Vorgehensweise von Liszts, so Streng, sei \u201e<strong>die Verkn\u00fcpfung von kriminalpolitischen Anliegen mit hierf\u00fcr grundlegenden kriminologischen Ausf\u00fchrungen<\/strong>\u201c, wie er sie bspw. im Rahmen seiner gro\u00dfen abschnittsweisen Abhandlung unter dem Titel \u201eKriminalpolitische Aufgaben\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> in den ersten drei Jahrg\u00e4ngen der von ihm mitherausgegebenen \u201eZeitschrift f\u00fcr die Gesamte Strafrechtswissenschaft\u201c (ZStW) 1889 \u2013 1892 vornahm. Obwohl v. Liszt sich den von Garofalo mit dem Titel seines 1885 erschienen Lehrbuchs eingef\u00fchrten Begriff \u201eKriminologie\u201c nicht zu eigen machte<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>, gilt er als einer der ersten kriminalpolitisch motivierten Kriminal\u00adsoziologen. Insbesondere seine kontinuierliche Nutzung der zur Verf\u00fcgung stehenden Daten der damaligen Kriminalstatistik f\u00fcr seine eigenst\u00e4ndigen kriminalpolitischen Anliegen weise ihn deshalb als \u201egenuinen, selbst for\u00adschenden Kriminologen\u201c aus, so Streng<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>. Er fokussierte vor allem auf die damals zahlreichen gesellschaftlichen Problem\u00adlagen, die er zu diesen krimi\u00adnalstatistischen Befunden in Beziehung setzte, obgleich er nie eine dar\u00fcber hinausreichende eigenst\u00e4ndige Kriminalit\u00e4tstheorie entwarf. Daneben war es ihm ein besonderes Anliegen, die Auswirkungen von Strafe zu messen und somit \u00fcber eine \u201eT\u00e4tertypologie\u201c die Entwicklung eines \u201eZweckgedankens im Strafrecht\u201c<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> herauszuarbeiten, den er allerdings fast aus\u00adschlie\u00dflich spezial\u00adpr\u00e4ventiv interpretierte. Streng geht sogar soweit, von einer \u201eLiszt`schen Schule &#8230; von gro\u00dfer Bedeutung f\u00fcr die Kriminologieentwicklung in Deutschland\u201c zu sprechen.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a> Unstrittig ist in jedem Fall aber die \u201eOffenheit des Liszt`schen Ansatzes f\u00fcr Befunde aus allen human- und sozial\u00adwissenschaftlichen Dis\u00adziplinen\u201c zur Befruchtung und Weiterentwicklung der dogmatischen Straf\u00adrechtswissenschaft, f\u00fcr sich alleine eine anerkennenswerte und weitreichende Leistung!<\/p>\n<p>Dem Gedanken einer <strong>v. Liszt-Schule<\/strong> (auf v. Liszt selbst, vgl. ZStW 20 \/ 1900, S. 295, ist im \u00dcbrigen die Bezeichnung <strong>\u201ejungdeutsche Kriminalistenschule\u201c<\/strong> zur\u00fcckzuf\u00fchren) geht auch der Mitherausgeber <strong>Arnd Koch<\/strong> in seinem Beitrag (vgl. oben 2., S. 27 \u2013 56) zeitgeschichtlich am Beispiel zweier fr\u00fcher Liszt`scher Programmschriften<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> intensiver nach, in denen von Liszt mit \u201eelementar\u201c anmutender Kritik auf den \u201eschroffen Gegensatz zwischen universit\u00e4rem Betrieb und den praktischen Bed\u00fcrfnissen\u201c hinwies und dabei insbe\u00adsondere auch auf eine curriculare Aufwer\u00adtung des Strafrechts, einschlie\u00dflich der Psychiatrie, der Psychologie und der Gef\u00e4ngniswissenschaft in der universit\u00e4ren juristischen Ausbildung dr\u00e4ngte.<a href=\"#_ftn14\" name=\"_ftnref14\">[14]<\/a> V. Liszt betrachtete in radikalem Bruch mit dem tradierten Wissenschaftsverst\u00e4ndnis die Strafrechtswissenschaft in progressiver Weise als \u201eLehrmeisterin des Strafgesetzgebers\u201c und \u201ezuverl\u00e4ssige Beraterin und F\u00fchrerin im Kampf gegen das Verbrechen\u201c und schuf hierzu mit der Absicht einer Operationalisierung auch die passenden und fortschrittlichen (Diskurs-) Formate.<a href=\"#_ftn15\" name=\"_ftnref15\">[15]<\/a> Vor allem in seinem bis zu seinem Tode im Jahr 1919 in 22. Auflage erschienenen (und sp\u00e4ter von seinem Sch\u00fcler Eberhard Schmidt fortgef\u00fchrten) fortschrittlichen \u201eLehrbuch des Deutschen Strafrechts\u201c entfaltete er das \u201e<strong>Konzept der gesamten Strafrechtswissenschaft unter Einbeziehung der Krimi\u00adnal\u00adpolitik<\/strong>\u201c, denn ohne letztere versinke das Strafrecht \u201eals hervor\u00adragend praktische Wissenschaft &#8230; in lebensfremdes, \u00f6d-unfruchtbares Formel\u00adspiel\u201c. In Anlehnung an eine Studie Hilgendorfs (vgl. Titel 2, Fn. 108 m. w. N.) zu den Wesensmerkmalen (rechts-) wissenschaftlicher \u201eSchulen\u201c gelangt Koch zu der Feststellung, es g\u00e4be eine \u201eLiszt-Schule\u201c, freilich nicht in dem Sinne einer einheitlichen Bewegung mit einem festen \u201eProgramm\u201c, aber mit einem Fundus gemeinsamer Grund\u00fcberzeugungen, wie z. B. einer \u201e\u00d6ffnung des Strafrechts gegen\u00fcber den Erfahrungswissenschaften und der Kriminalpolitik\u201c und dem Eintreten f\u00fcr \u201eabsolut bzw. relativ unbestimmte Strafurteile\u201c etc.. Liszts Gegner<a href=\"#_ftn16\" name=\"_ftnref16\">[16]<\/a>, die \u201eKlassiker\u201c als Antonym seiner \u201emodernen Schule\u201c,\u00a0 kaprizierten daher insbesondere auf das \u201eKonzept einer gesamten Strafrechts\u00adwissenschaft\u201c und die \u201eInstrumentalisierung des Strafrechts f\u00fcr die Erreichung sozialpolitischer Zwecke\u201c und \u00fcberpointierten durchaus vorhandene Wider\u00adspr\u00fcche im Liszt`schen Programm, v. a. aber das Fehlen handhabbarer Indika\u00adtoren \/ Kriterien f\u00fcr die Einordnung Auff\u00e4lliger in eine der Liszt`schen T\u00e4ter\u00adtypenkategorien<a href=\"#_ftn17\" name=\"_ftnref17\">[17]<\/a>. Nach Kochs \u00dcberzeugung unterlagen die \u201eKlassiker\u201c angesichts gelegentlichen Kokettierens v. Liszts mit Grenz\u00fcberschreitungen allerdings selbst einer Fehldeutung. Sie interpretierten die Texte von Liszts als Beitr\u00e4ge zu dogmatischen Fragen. Liszt schrieb jedoch aus \u00dcberzeugung weniger als Dogmatiker, denn als Politiker. \u201eIhm ging es (so Koch) um die Durchsetzung kriminalpolitischer Ziele, die Begr\u00fcndungen konnten wechseln.\u201c<a href=\"#_ftn18\" name=\"_ftnref18\">[18]<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.jura.uni-bonn.de\/lehrstuhl-prof-dr-stuckenberg\/lehrstuhlinhaber\/\"><strong>Prof. Dr. Stuckenberg<\/strong><\/a><a href=\"#_ftn19\" name=\"_ftnref19\"><strong><strong>[19]<\/strong><\/strong><\/a> widmet sich in seinem Beitrag (vgl. oben 7., S. 153 \u2013 184) dem Zusammenhang der v. Liszt-Schule mit der Reform des Straf\u00adprozessrechts. Er bilanziert, dass v. Liszt und die zu seiner \u201eSchule\u201c oder seinem Umkreis z\u00e4hlenden und zugleich in der IKV aktiven Wissenschaftler sich in der Tat oft und intensiv mit einer Strafprozessreform befasst h\u00e4tten. Allerdings sei das Proprium der Liszt-Schule, \u201eKurzer Prozess\u201c oder \u201eSoziales Strafrecht \u2013 liberaler Strafprozess\u201c von Liszt und seinen \u201eSch\u00fclern\u201c nicht mit gleicher Verve wie die Reform des materiellen Strafrechts und nur wenig einheitlich verfolgt worden. F\u00fcr v. Liszt selbst war tats\u00e4chlich die Reform des Strafgesetzbuches stets logisch vorrangig. Eine Reform des Strafverfahrens kam f\u00fcr ihn erst danach in Frage. Die Stimmen der v. Liszt-Schule zur Straf\u00adverfahrensreform, so Stuckenberg, seien so unterschiedlich wie die Personen selbst, woraus er auf dem immer noch sp\u00e4rlich beackerten Feld einer dogmatisch nachhaltigen Strafprozessrechtsreform<a href=\"#_ftn20\" name=\"_ftnref20\">[20]<\/a> schlie\u00dft, dass das strafprozessuale Pro\u00adfil der v. Lisztianer weit weniger markant erscheine als das materiell-rechtliche.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/kubiciel.jura.uni-koeln.de\/8835.html?&amp;no_cache=1\"><strong>Prof. Dr. Kubiciel<\/strong><\/a> von der Rechtswissenschaftlichen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t zu K\u00f6ln nimmt sich in seinem Beitrag (siehe oben Nr. 10, S. 229 \u2013 246) einer heute kriminalpolitisch eminent bedeutsamen Facette Liszt`scher Aktivit\u00e4ten an, n\u00e4mlich den (denkbaren) <strong>Eckpunkten europ\u00e4ischer (Kriminal-) und Strafrechts\u00adpolitik<\/strong>. Zu Zeiten v. Liszts galt das Strafrecht als \u201edomaine r\u00e9serv\u00e9\u201c des Nationalstaates, sodass seine erstmals 1894 ver\u00f6ffentlichten Gedanken zu einem gemeinsamen Strafrecht der Staaten Europas als \u201ebeinahe revolution\u00e4r\u201c gelten mussten. Zwei Jahrzehnte sp\u00e4ter wurde dieser Gedanke mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges Gegenstand einer ernstzunehmenden kriminal\u00adpolitischen De\u00adbatte, u. a. mit dem Ziel einer Friedenssicherung nach dem Krieg mit Hilfe einer (Straf-)Rechtsangleichung. Liszt hielt dabei das Strafrecht f\u00fcr ein Mittel zur Nivellierung von Kulturunterschieden und damit zur Schaffung eines (mitteleurop\u00e4ischen) Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchls. Strafrecht sei nicht nur ein \u201eKulturprodukt\u201c sondern auch ein \u201eKulturhebel\u201c. Damit griff er einer sp\u00e4ter vor allem unter <a href=\"https:\/\/www.mpicc.de\/de\/forschung\/forschungsarbeit\/strafrecht.html\">Jescheck und Kaiser initiierten und aktuell am MPI in Freiburg<\/a>\u00a0\u00a0 nach wie vor &#8211; schon vor dem denominativen Hintergrund der Forschungseinrichtung notwendigerweise &#8211; intensiv betriebenen \/ fortgef\u00fchrten internationalen Strafrechtsvergleichung vor. Mansd\u00f6rfer<a href=\"#_ftn21\" name=\"_ftnref21\">[21]<\/a> stellt hierzu aus aktueller Sicht fest: Europ\u00e4ische Kriminal\u00adpolitik thematisiert (auch und nicht ausschlie\u00dflich seit der Ratifizierung des \u201eLissabon-Vertrags\u201c<a href=\"#_ftn22\" name=\"_ftnref22\">[22]<\/a>) die Zwecke und die Ziele des Ein\u00adsatzes des Strafrechts auf Euro\u00adp\u00e4ischer Ebene. Die zentralen Fragen, in welchen Bereichen es auf europ\u00e4ischer Ebene notwendig erscheint, mit den Mitteln des Strafrechts steuernd ein\u00adzugreifen, wo diese Eingriffe eher im Wege einer Mindestharmonisierung und wo im Wege einer verbesserten Koordination der nationalen Rechte erfolgen soll, wurden im Vertrag von Lissabon klar beant\u00adwortet. <strong>Die Ausgestaltung des europ\u00e4ischen Strafrechts nach Lissabon orientiert sich in Art.\u00a0<\/strong><a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/67.html\"><strong>67<\/strong><\/a><strong> AEUV in erster Linie an dem Ans\u00adpruch der Union, den B\u00fcrgern der Union einen Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts zu bieten<\/strong>. Im neuen EUV wird der einheitliche Rechts- und Freiheitsraum &#8211; anders als bisher in Art.\u00a029, S.\u00a01, 4.\u00a0Spiegelstrich EUV a.\u00a0F. &#8211; weniger deutlich als Ziel, sondern st\u00e4rker faktisch formuliert. Der einheitliche Rechts- und Freiheitsraum wird nun in Art.\u00a03 Abs.\u00a02 EUV noch vor dem Europ\u00e4ischen Binnenmarkt in Art.\u00a03 Abs.\u00a03 EUV genannt. Die Union hat sich damit von einem einheitlichen Wirtschafts\u00adraum zu einem supranationalen Lebensraum entwickelt. F\u00fcr eine europ\u00e4ische Strafrechts\u00adintegration ist das Ziel des einheitlichen Freiheits- und Sicher\u00adheitsraumes von zentraler Bedeutung: Die Politik der inneren Sicherheit ist zwar seit jeher Kern staatlicher Souver\u00e4nit\u00e4t. Bereits im Vertrag von Maastricht wurde aber im Jahr 1992 die Notwendigkeit staaten\u00fcbergreifenden Handelns anerkannt; sie blieb freilich stark intergouvernemental gepr\u00e4gt und wurde in Art.\u00a029 \u00a0ff. EUV geregelt. Der Lissabon-Vertrag schlie\u00dft die Entwicklung insoweit ab, als er diesen Bereich nunmehr in Teil\u00a03, Titel V AEUV verankert und gem. Art.\u00a0<a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/67.html\">67<\/a>, <a href=\"http:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/82.html\">82<\/a>\u00a0ff. AEUV zu <strong>einer von vierundzwanzig internen<\/strong> (intensiv diskutierten<a href=\"#_ftn23\" name=\"_ftnref23\">[23]<\/a>) <strong>Politiken<\/strong> der Union erkl\u00e4rt. Eine Pauschalerm\u00e4chtigung zu einer globalen Strafrechts\u00adharmonisierung ist damit freilich nicht verbunden. Nach wie vor wird gerade dieser Politikbereich, bezeichnen wir ihn in Anlehnung an v. Liszt als \u201eEinsatz des Strafrechts als \u201eKulturhebel\u201c, mit guten Gr\u00fcnden sehr kritisch diskutiert. Kubiciel r\u00e4t abschlie\u00dfend dazu, \u201eam (europ\u00e4ischen) Geb\u00e4ude des Strafrechts nur behutsam zu bauen und es im \u00dcbrigen bei der Pflege des wissenschaftlichen, kulturellen und pers\u00f6nlichen Austauschs zu belassen.\u201c<\/p>\n<p>Von Liszt geb\u00fchrt, so <a href=\"http:\/\/www.strafrecht.uni-freiburg.de\/personen\/Emeriti\/frischwo\/\"><strong>Prof. (em.) Dr. Wolfgang Frisch<\/strong><\/a> in seinem Beitrag (vgl. oben 1., S. 1 \u2013 26) der Verdienst, dem (heutigen) Selbstverst\u00e4ndnis des Strafrechts das Bewusstsein einer \u201e<strong>interdisziplin\u00e4ren, international zu betrei\u00adbenden Wissenschaft<\/strong>\u201c eingehaucht zu haben. Neben der Analyse der Rechts\u00ads\u00e4tze des materiellen Rechts und des Verfahrensrechts, deren Auslegung und der Erarbeitung von Grundbegriffen und Prinzipien sowie die Ordnung all dessen in einem System, stehe die Strafrechtswissenschaft \u201edezidiert im <strong>Kontext einer gediegenen Ausbildung des k\u00fcnftigen Praktikers \u2013 was dieser ben\u00f6tige, gebe das Ma\u00df<\/strong>!\u201c Dieser Einsch\u00e4tzung ist nur wenig entgegenzuhalten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.strafrecht.uni-freiburg.de\/personen\/pawlik01\"><strong>Prof. Dr. Michael Pawlik<\/strong>[24] <\/a>\u00a0kommt (vgl. den Hinweise auf seinen Beitrag oben Nr. 3, S. 57 \u2013 86) das Fazit in Bezug auf den Akademiker v. Liszt zu: \u201eLiszt war kein Rechtsphilosoph! Er war ein bedeutender Rechtsreformer und ein begnadeter Didaktiker des Strafrechts \u2013 ein gro\u00dfer Strafrechtsdenker war er hingegen nicht.\u201c<\/p>\n<p>Gleichwohl bleiben seine Leistungen f\u00fcr die Anlage und die Gestaltung der (gesamten) Strafrechtswissenschaft auch knapp 100 Jahre nach seinem Tod im Jahr 1919 nach wie vor bemerkenswert. Er hat mit seinen bekannten aber auch, wie an vielen Stellen in dem vorliegenden, von Koch und L\u00f6hnig herausge\u00adgebenen Kompendium nachlesbaren unbekannteren Schriften nachweisbar zahlreiche bedeutende Strafrechtsdenker befruchtet und damit auch mittelbar dazu beigetragen, die Strafrechtsdogmatik fortzuentwickeln. Er war stets unbequem und hat dabei bewusst den salzigen Finger sehr fr\u00fchzeitig in z. T. noch heute offene Wunden juristischer strafrechtlich-dogmatischer und zugleich (erforderlicher) praxisorientierter Lehre gelegt.<\/p>\n<p>Die Veranstalter haben sehr namhafte Referenten f\u00fcr die Tagung gewonnen. Daraus musste ein sehr gut lesbarer Band \u00fcber einen bedeutenden fr\u00fchen Kriminalpolitiker und Strafrechtslehrer entstehen. Bedauerlich ist (r\u00fcckblickend) nur, dass man nicht selbst auf die zugrundeliegende und sicher hochinteressante Tagung im Jahr 2014 an der Universit\u00e4t Augsburg aufmerksam geworden ist. Diesen Umstand vermag der nun erschienene Sammelband aber wenigstens partiell zu heilen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Siehe Hinweis auf der <a href=\"https:\/\/www.mohr.de\/buch\/die-schule-franz-von-liszts-9783161541483\">\u00a0Verlags-Website von Mohr Siebeck<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-augsburg.de\/lehrende\/professoren\/koch\/team\/koch_arnd\/\">Prof. Dr. Arnd Koch<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht, Strafprozessrecht, Risiko- und Pr\u00e4ven\u00adtionsstrafrecht sowie Juristische Zeitgeschichte, Direktor des Instituts f\u00fcr die gesamte Strafrechtswissenschaft an der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Augsburg.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.uni-regensburg.de\/rechtswissenschaft\/buergerliches-recht\/loehnig\/team\/martin-loehnig\/\">Prof. Dr. Martin L\u00f6hnig<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr B\u00fcrgerliches Recht, Deutsche und Europ\u00e4ische Rechts\u00adgeschichte sowie Kirchenrecht an der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Regensburg, Veranstalter zahlreicher Tagungen und Ringvorlesungen zur Rechtsgeschichte und zur Juristischen Zeitgeschichte.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. <a href=\"http:\/\/www.uni-regensburg.de\/rechtswissenschaft\/buergerliches-recht\/loehnig\/medien\/folder_tagung_liszt.pdf\">Tagungsflyer<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Obgleich nach Koch nicht alle als ihm und seiner \u201eSchule\u201c nahestehende \u201eSch\u00fcler\u201c von Liszt im engeren Sinne bezeichnet werden d\u00fcrfen, ergab seine Suche, alleine auf deutschsprachige Universit\u00e4ten beschr\u00e4nkt, (Beitrag 2, Kapitel IV, S. 40 f.), 23 Seminarteilnehmer, die in den nachfolgenden Jahrzehnten, mehr oder weniger exponiert, universit\u00e4r Strafrecht lehrten. Zu nennen sind hier unter anderem solch bedeutende (Straf-) Rechtswissenschaftler wie Robert von Hippel, Alexander Graf zu Dohna, Ernst Delaquis, Gustav Radbruch, Herbert Engelhardt, Ernst Rosenfeld, Eberhard Schmidt, Eduard Kohlrausch, Moritz Liepmann, Franz Exner, Hans von Hentig, Hermann Kantorowicz et al. (vgl. erg\u00e4nzend nur Therese St\u00e4cker, 2012, \u201eDie Franz von Liszt-Schule und ihre Auswirkungen auf die deutsche Strafrechtsentwicklung).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Die Erkenntnisse des zun\u00e4chst w\u00e4hrend des Liszt`schen Aufenthalts in Marburg ins Leben gerufene und sp\u00e4ter in Halle und zuletzt in Berlin fortgef\u00fchrten Seminars wurden seit 1889 in loser Folge als <a href=\"https:\/\/archive.org\/details\/bub_gb_n3ArAQAAMAAJ\">Abhandlungen des Kriminalistischen Seminars<\/a> (vgl. hier bspw. nur den 4. Band, 1. Heft im Volltext) bei der Berliner Verlags\u00adbuchhandlungen Guttentag heraus\u00adgegeben.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> So z. B. G\u00f6ppinger, in: \u201eDie gegenw\u00e4rtige Situation der Kriminologie\u201c, 1964, S. 5 (zugleich Ver\u00f6ffentlichung seiner Antrittsvorlesung an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen vom 03. Dezember 1963).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Dieser Zyklus findet sich zusammengefasst im ersten Band seiner Strafrechtlichen Aufs\u00e4tze und Vortr\u00e4ge (AuV, 1905, S. 290 \u2013 467).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Er unterschied vielmehr zun\u00e4chst die \u201eKriminal-Biologie (Anthropologie)\u201c von der \u201eKriminal-Soziologie (Statistik)\u201c, vgl. AuV, 1. Band, 1905, S. 290 ff., 291,<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a>\u00a0 Wenngleich er dies \u201eganz sicher nur im `Nebenfach` neben Strafrecht und Kriminalpolitik war und wohl auch sein wollte\u201c, so Streng an anderer Stelle.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a>\u00a0 Vgl. hierzu auch seine Marburger Antrittsvorlesung von 1882, \u201eDer Zweckgedanke im Strafrecht\u201c, AuV, 1. Band, 1905, S. 126 ff..<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Diese \u00dcberzeugung ist in der Lehre allerdings zumindest umstritten, vgl. z. B. nur Frommel, in: Neue Kriminalpolitik (NK), Ausgabe 4 \/ 2012, S. 152 \u2013 159, die es explizit ablehnt, von einer eigenst\u00e4ndigen (strafrechtlich-kriminologische), bis heute fortwirkenden Liszt`schen Schule zu sprechen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a>\u00a0 Vgl. Marburger Antrittsvorlesung (Fn. 11), die als \u201eMarburger Programm\u201c bekannt ist und bis heute als \u201eSchl\u00fcsseltext der Strafrechtsgeschichte\u201c bezeichnet wird und seine Mar\u00adburger Rektorats-Antrittslese \u201eDie Reform des Juristischen Studiums in Preu\u00dfen\u201c aus dem Jahr 1886 (vgl. Dernburg, v. Liszt et. al., <a href=\"http:\/\/dlib-zs.mpier.mpg.de\/pdf\/2085182\/10\/1887\/20851821018870536.pdf\">Zusammenfassung<\/a> der Thesen in der Zeitschrift f\u00fcr deutschen Zivilproze\u00df, Bd. 10, 1887, S. 524 \u2013 531, dokumentiert in der <a href=\"http:\/\/dlib-zs.mpier.mpg.de\/mj\/kleioc\/0010MFER\/exec\/search\">Digitalen Bibliothek<\/a> Juristischer Zeitschriften des 19. Jahrhunderts des Max-Planck-Instituts f\u00fcr europ\u00e4ische Rechtsgeschichte).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref14\" name=\"_ftn14\">[14]<\/a>\u00a0 Eine Kritik, die (zwar in g\u00e4nzlich anderen institutionellen universit\u00e4ren und wissen\u00adschaft\u00adlichen Zusammenh\u00e4ngen, aber dennoch) heute am Beispiel weitgehend fehlender kriminalistischer Inhalte in der juristischen (im \u00dcbrigen <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunk.de\/masterstudiengang-kriminalistik-von-cyber-crime-bis.680.de.html?dram:article_id=353064\">wie auch in der polizeilichen<\/a>) Ausbildung, wie sie ebenfalls von v. Liszt schon in seiner Berliner Antrittsvorlesung \u201eDie Aufgaben und die Methode der Strafrechtswissenschaft\u201c im Jahr 1899 (vgl. AuV. 2. Band, S. 284 ff., 296) bem\u00e4ngelt wurde, nach wie vor v. a. im Zusammenhang mit der strafprozessrechtlichen Kompetenz des juristischen Nachwuchses, gerade im Rahmen der sachgerechten Beweisw\u00fcrdigung in der Haupt\u00adverhandlung, virulent ist. Es gibt im Moment neben dem \u201ekriminalistischen Angebot\u201c an der privaten <a href=\"http:\/\/www.school-grc.de\/presse\/pressemitteilungen\/2016\/08-maerz-2016.html\">Steinbeis-Hochschule<\/a> in Berlin nur eine staatliche Universit\u00e4t (Juristische Fakult\u00e4t der Ruhr-Universit\u00e4t Bochum, ab der zw\u00f6lften Auflage 2016 des Masterstudiengangs \u201eKriminologie, <a href=\"http:\/\/aktuell.ruhr-uni-bochum.de\/pm2016\/pm00028.html.de\">Kriminalistik<\/a>\u00a0 und Polizeiwissenschaft\u201c am Lehrstuhl von Prof. Dr. Feltes), an der in nennenswertem Umfang (dort insgesamt 900 Stunden spezifischer Workload Kriminalistik) die Disziplin Krimi\u00adnalistik gelehrt wird.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref15\" name=\"_ftn15\">[15]<\/a> Z. B. die dezidiert wissenschaftlich ausgerichtete Zeitschrift f\u00fcr die Gesamte Strafrechtswissenschaft, die Mitbegr\u00fcndung der <a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/Meyers-1905\/A\/Kriminalistische+Vereinigung\">Internationalen Kriminalistischen Vereinigung (IKV)<\/a>, in deren Statuten explizit zum Ausdruck kam (Art. 1), dass \u201eVerbrechen und Strafe ebenso sehr vom anthropologischen und soziologischen wie vom juristischen Standpunkt aus ins Auge gefasst werden m\u00fcssen\u201c und die sich deutlich gegen\u00fcber \u201ejener (damals aktuellen) Richtung der Strafrechtswissenschaft (abgrenzen wollte), welche &#8230; den theoretischen und praktischen Kriminalisten grunds\u00e4tzlich auf die formal-juristische Begriffsbildung beschr\u00e4nken\u201c wollte (vgl. von Liszt, ZStW 9 \/ 1889, S. 367) oder aber des \u201eKriminalistischen Seminars\u201c, dessen h\u00f6chste Aufgabe, so von Liszt, in der \u201eAusbildung k\u00fcnftiger Lehrer des Strafrechts\u201c bestand.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref16\" name=\"_ftn16\">[16]<\/a>\u00a0 V. a. Karl Binding, Karl Birkmeyer, Friedrich Oetker und Johannes Nagler<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref17\" name=\"_ftn17\">[17]<\/a> Die dem Sicherungsgedanken unterfallenden \u201eUnverbesserlichen\u201c (\u201eGewohnheitsver\u00adbrecher\u201c, die unsch\u00e4dlich gemacht werden m\u00fcssten), den \u201eAbschreckbaren\u201c und den \u201eBesserungsf\u00e4higen\u201c. Fortschrittliche kriminalpolitische Gedanken von Liszts und der IKV, wie jene zu einer Jugendgerichtsbewegung, zu bedingten Strafaussetzungen und zum Institut einer Geldstrafe und im damaligen Kontext hoch missverst\u00e4ndliche Aussagen von Sch\u00fclern von Liszts, wie etwa Radbruch, von einer \u201e\u00dcberwindung des Strafrechts\u201c und dessen Ersetzung durch etwas \u2013 nicht n\u00e4her definiertes \u2013 \u201eBesseres\u201c, verunsicherten konservative Strafrecht\u00adler und erzeugten deren (unerbittliche) Reaktanz.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref18\" name=\"_ftn18\">[18]<\/a> Als beredtes Beispiel f\u00fcr v. Liszts \u201eundogmatisches Verh\u00e4ltnis gegen\u00fcber theoretischen Fundierungen\u201c zitiert Koch eine (symptomatische) \u00c4u\u00dferung desselben w\u00e4hrend der Br\u00fcsseler Hauptversammlung der IKV im Jahr 1910 zum Themenkomplex \u201eSicherungsstrafe v. Ma\u00dfregel\u201c: \u201eIch bin der festen \u00dcberzeugung, da\u00df, wenn eine Einigung \u00fcber die praktische Seite der Frage erfolgt, die theoretische Konstruktion schon nachfolgen wird.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref19\" name=\"_ftn19\">[19]<\/a>\u00a0 Lehrstuhl f\u00fcr deutsches und internationales Strafrecht und Strafprozessrecht, Strafrechts\u00advergleichung sowie Strafrechtsgeschichte an der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bonn.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref20\" name=\"_ftn20\">[20]<\/a> Insofern darf man gespannt sein, ob und ggf. welche (dogmatischen \/ praktischen) Folgen das vielgestaltige <a href=\"https:\/\/www.bmjv.de\/SharedDocs\/Artikel\/DE\/2015\/10132015_Abschlussbericht_Reform_Strafprozessrecht.html\">Gutachten der Expertenkommission <\/a>\u00a0zur Reform des Strafprozessrechts vom 13. Oktober 2015 in der 18. Legislaturperiode zeitigt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref21\" name=\"_ftn21\">[21]<\/a> Mansd\u00f6rfer, HRRS 1 \/ 2010, S. 11 ff.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref22\" name=\"_ftn22\">[22]<\/a> Vertrag von Lissabon zur \u00c4nderung des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union und des Ver\u00adtrags \u00fcber die Gr\u00fcndung der Europ\u00e4ischen Gemeinschaft&#8220; (ABl. EU 2007 Nr.\u00a0C 306\/1)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref23\" name=\"_ftn23\">[23]<\/a>\u00a0 Vgl. nur <a href=\"http:\/\/www.crimpol.eu\">die Aktivit\u00e4ten der &#8222;European Criminal Policy Initiative&#8220;<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref24\" name=\"_ftn24\">[24]<\/a>\u00a0 Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht, Strafprozessrecht und Rechtsphilosophie an der Albert-Ludwigs-Universit\u00e4t Freiburg, Institut f\u00fcr Strafrecht und Strafprozessrecht, Abteilung 1.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>360) Koch, Arnd \/ L\u00f6hnig, Martin (Hrsg.); \u201eDie Schule Franz von Liszts \u2013 Sozialpr\u00e4ventive Kriminalpolitik und die Entstehung des modernen Strafrechts?\u201c[1]; (ISBN: 978-3-16-154148-3, 246 Seiten, Verlag Mohr Siebeck, T\u00fcbingen, 2016, 74.- \u20ac) Prof. Dr. Arnd Koch[2] und Prof. Dr. Martin L\u00f6hnig[3] dokumentieren in dem gemeinsam herausgegebenen Sammelband zehn der insgesamt elf Beitr\u00e4ge namhafter Strafrechtswissenschaftler[4] f\u00fcr &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=472\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Arnd Koch \/ Martin L\u00f6hnig (Hrsg.) &#8211; Die Schule Franz von Liszts \u2013 Sozialpr\u00e4ventive Kriminalpolitik und die Entstehung des modernen Strafrechts?<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=472"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":475,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/472\/revisions\/475"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=472"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=472"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=472"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}