{"id":518,"date":"2016-07-08T10:05:53","date_gmt":"2016-07-08T08:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=518"},"modified":"2016-07-08T10:05:53","modified_gmt":"2016-07-08T08:05:53","slug":"niklas-luhmann-der-neue-chef","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=518","title":{"rendered":"Niklas Luhmann &#8211; Der neue Chef"},"content":{"rendered":"<p>367) <strong><em>Luhmann, Niklas;<\/em> Der neue Chef; <\/strong>Herausgegeben und mit einem Nachwort von J\u00fcrgen Kaube; Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, 120 Seiten, 10,00 \u20ac, ISBN 978-3-518-58682-2<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-520 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/der_neue_chef-101x150.png\" alt=\"der_neue_chef\" width=\"101\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/der_neue_chef-101x150.png 101w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/07\/der_neue_chef.png 200w\" sizes=\"(max-width: 101px) 100vw, 101px\" \/><\/p>\n<p>Welche Probleme bringt der Wechsel von Vorgesetzten mit sich? Und wer hat die Macht in einem Unternehmen, einer Organisation? Der Chef oder vielleicht die Untergebenen? \u201eDer neue Chef\u201c, herausgegeben und mit einem Nachwort von J\u00fcrgen Kaube, vereint drei Aufs\u00e4tze von <em>Niklas Luhmann<\/em>. S\u00e4mtlich in den 1960er Jahren entstanden zeigen sie \u2013 teils unterhaltsam, ganz \u00fcberwiegend aber streng analytisch \u2013 auf, wie komplex die Beziehungen zwischen Vorgesetzen und Untergebenen sind.<!--more-->Dabei bedient sich <em>Luhmann<\/em> nicht nur der organisationssoziologischen Erkenntnisse der damaligen Zeit, sondern auch seiner eigenen Erfahrungen, die er als Verwaltungsbeamter (1954\u00a0bis\u00a01962) sammeln konnte, bevor ihn sein Berufsweg in das \u201enahezu vorgesetztenlose[\u2026] Dasein\u201c eines Universit\u00e4tsprofessors f\u00fchrte. Es ist eine Zeit, in der <em>Luhmann<\/em> wahrnimmt, wie Vorgesetzte Ungleichheit demonstrieren, indem sie Mitarbeiter mit der unter Kollegen nicht \u00fcblichen Anrede \u201eHerr Kollege\u201c ansprechen, oder in der er \u201edie Nervosit\u00e4t auf den Fluren der Ministerien [beobachtet], wenn die Wahlresultate bekanntwerden und ein neues Regime in Aussicht steht\u201c.<\/p>\n<p>Der neue Chef aber ist nicht minder nerv\u00f6s, kann er doch seinem Vorg\u00e4nger zun\u00e4chst nur formal im Amt nachfolgen, w\u00e4hrend ihm die in jeder Organisation existierende informale Ordnung mit ihren eigenen Regeln, pers\u00f6nlichen Erwartungen und Cliquen verborgen bleibt. \u201eFremdheit und m\u00f6gliche Gegnerschaft beschr\u00e4nken seine Kontakte zun\u00e4chst aufs formal Vorgeschriebene und dienstlich Notwendige.\u201c Entstammt der neue Chef hingegen der Organisation, fehlen ihm die Freiheiten, \u201edie die Rolle als Fremder gew\u00e4hrt\u201c. Erwartungen, die mit seiner alten Position verbunden sind, muss er zun\u00e4chst entt\u00e4uschen, um der neuen Position gerecht zu werden. Und so sehen nicht nur die Untergebenen, sondern auch der Vorgesetzte einer \u201ePeriode der Unsicherheit\u201c entgegen, bis sich eine neue informale Ordnung herausgebildet hat.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Frage des Machtverh\u00e4ltnisses zwischen Vorgesetztem und Untergebenen ist jedoch nach <em>Luhmann<\/em> die formale Ordnung ma\u00dfgeblich. Keineswegs liegt die Macht einseitig bei dem Vorgesetzten: W\u00e4hrend die Macht des Vorgesetzten darin besteht Konflikte f\u00f6rmlich zu entscheiden, etwa durch disziplinarische Ma\u00dfnahmen, beruht die Macht des Untergebenen auf \u201eder Komplexit\u00e4t der Entscheidungslage des Vorgesetzten. Dieser braucht Entscheidungshilfen, ist auf Vorsortierung angewiesen.\u201c<\/p>\n<p><em>Luhmann<\/em> gibt Vorgesetzten und Untergebenen keine Gebrauchsanleitung f\u00fcr ein gedeihliches Miteinander an die Hand. Vielmehr \u00fcberl\u00e4sst er es dem Leser, aus den Aufs\u00e4tzen Schlussfolgerungen f\u00fcr seine individuelle Situation zu ziehen. Dies gelingt dem Leser aber nur dann, wenn er sich von S\u00e4tzen wie \u201eEinem Unbekannten und besonders einem unbekannten Vorgesetzten gegen\u00fcber kann man nur formal-legitime Situationsdefinitionen und Erwartungen zur Schau stellen\u201c nicht abschrecken l\u00e4sst. Nicht unerw\u00e4hnt bleiben darf, dass dem Werk eine Arbeitswelt zu Grunde liegt, in der es weder Startups mit ihren flachen Hierarchien und weiten Entscheidungsspielr\u00e4umen, noch Homeoffice, noch atypische Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse gab. In der Folge erscheinen <em>Luhmanns<\/em> Ausf\u00fchrungen aus heutiger Sicht bisweilen verzerrt. An ihrer grunds\u00e4tzlichen G\u00fcltigkeit \u00e4ndert dies jedoch nichts.<\/p>\n<p>Rezensiert von:J\u00f6rn Olh\u00f6ft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>367) Luhmann, Niklas; Der neue Chef; Herausgegeben und mit einem Nachwort von J\u00fcrgen Kaube; Suhrkamp Verlag, Berlin 2016, 120 Seiten, 10,00 \u20ac, ISBN 978-3-518-58682-2 Welche Probleme bringt der Wechsel von Vorgesetzten mit sich? Und wer hat die Macht in einem Unternehmen, einer Organisation? Der Chef oder vielleicht die Untergebenen? \u201eDer neue Chef\u201c, herausgegeben und mit &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=518\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Niklas Luhmann &#8211; Der neue Chef<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=518"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":521,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/518\/revisions\/521"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=518"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=518"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=518"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}