{"id":579,"date":"2016-11-10T17:53:19","date_gmt":"2016-11-10T16:53:19","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=579"},"modified":"2016-11-10T17:53:19","modified_gmt":"2016-11-10T16:53:19","slug":"malla-nunn-zeit-der-finsternis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=579","title":{"rendered":"Malla Nunn &#8211; Zeit der Finsternis"},"content":{"rendered":"<p><strong>Nunn, Malla; Zeit der Finsternis; <\/strong>Ariadne Kriminalroman 1217, Argument-Verlag Hamburg, 2016, ISBN 978-3-86754-217-3, 299 S., 13.- \u20ac<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-581 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/zeit_der_finsternis-96x150.png\" alt=\"zeit_der_finsternis\" width=\"96\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/zeit_der_finsternis-96x150.png 96w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/zeit_der_finsternis.png 200w\" sizes=\"(max-width: 96px) 100vw, 96px\" \/><\/strong><\/p>\n<p>\u00bbNunn ist eine Meisterin darin, die Unterdr\u00fcckung noch in der leisesten K\u00f6rpersprache darzustellen. Eine starke Schreibe, aus der der Duft des s\u00fcdlichen Afrikas aufsteigt.\u00ab Christiane M\u00fcller-Lohbeck, taz<\/p>\n<p>Nach dem \u201eTal des Schweigens\u201c (<a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=457\">hier<\/a> besprochen im newsletter : polizeiwissenschaft) handelt auch dieser Roman wieder im zutiefst korrupten Apartheidstaat S\u00fcdafrika. Das Jahr 1953 geht zu Ende, und f\u00fcnf Tage vor Weihnachten wird im Johannesburger Villenviertel ein wei\u00dfes Ehepaar \u00fcberfallen und bewusstlos gepr\u00fcgelt. Dann verschwinden die T\u00e4ter mit dem neuen Automobil der Familie. Die f\u00fcnfzehnj\u00e4hrige Tochter hatte sich versteckt und blieb unversehrt. Der Vater erliegt noch in derselben Nacht seinen Verletzungen.<!--more-->Detective Cooper hat sich nach Johannesburg versetzen lassen, um hier mit seiner heimlichen Familie ein Doppelleben zu f\u00fchren, von dem keiner seiner Kollegen etwas ahnen darf, schon gar nicht sein argw\u00f6hnischer Vorgesetzter, der sich im Laufe des Romans nicht nur zu seinem Feind, sondern auch zum M\u00f6rder entwickelt. Andernfalls droht Cooper Berufsverbot und Gef\u00e4ngnis, ganz zu schweigen von den Repressalien, die seine farbige Frau und ihre kleine Tochter zu erwarten h\u00e4tten: Die Rassentrennungsgesetze sind gnadenlos.<\/p>\n<p>Die Verlegerin schreibt zu dem Roman: \u201eDer Zyklus um Emmanuel Cooper verbindet den Reiz opulenter historischer Romane mit der sezierenden Sch\u00e4rfe meisterhafter Kriminalliteratur. 1953 war die Apartheid noch jung. Jedes Jahr, in dem die Nasionale Party S\u00fcdafrika regierte, brachte weitere \u00adSegregationsgesetze, vergr\u00f6\u00dferte die Kluft zwischen Nachkommen europ\u00e4ischer Kolonialherren und eingeborenen und eingewanderten \u00bbNichtwei\u00dfen\u00ab. In diesem d\u00fcsteren Rahmen spielt Zeit der Finsternis. Johannesburgs wei\u00dfe Villenviertel erstehen vor dem inneren Auge, so sinnesnah, dass ich sie sehen, h\u00f6ren, riechen kann, dazu in wildem Kontrast das legend\u00e4re Sophiatown, damals Wiege des afrikanischen Jazz, Slum und multikulturelles Mosaik aus schwarzafrikanischen, indischen, chinesischen und kolonialen Lebensweisen: Hier bl\u00fchten Gegenkultur, politischer Widerstand, Korruption und Gangstertum, bis die Regierung den unregier\u00adbaren Stadtteil abrei\u00dfen lie\u00df. Ein weiterer Handlungsstrang f\u00fchrt uns hinaus ins Veld, in die Trockensavannen n\u00f6rdlich von Pretoria, wo wieder andere Konflikte und N\u00f6te ins Bild r\u00fccken. Detective Sergeant Emmanuel Cooper, Detective Constable Samuel Shabalala und Dr. Daniel Zweigman sind das Dreigestirn, dem wir durch die Zeit der Finsternis folgen. Sie leuchten die Erz\u00e4hlung aus, folgen den Spuren von Unrecht, Gewalt und Gier und k\u00e4mpfen mit schr\u00e4gen Verb\u00fcndeten gegen Korruption, Hass und selbstverst\u00e4ndliche Grausamkeit an. Epische Spannungsliteratur mit kraftvollen Bildern: Malla Nunns elegante Kriminalromane weiten den Horizont und n\u00e4hren die Vorstellungskraft.\u201c<\/p>\n<p>Im Vergleich zum \u201eTal des Schweigens\u201c ist \u201eZeit der Finsternis\u201c vielleicht etwas weniger dramatisch, daf\u00fcr aber \u201edunkler\u201c, und an einigen Stellen (vor allem am Ende) fehlt es hier und da auch etwas an der inneren Logik der Geschichte. Insgesamt aber (wieder) ein Roman, der zeitgeschichtliche Aspekte mit Krimi-Spannung verbindet. Die Schilderung, wie Cooper Sophiatown sieht und erlebt, ist \u00fcberaus anschaulich und mal lebt quasi mit ihm, wenn er durch diesen Teil Johannesburgs geht.<\/p>\n<p>Sophiatown war ein Stadtteil von Johannesburg und erlangte Bekanntheit wegen seiner kulturellen Bedeutung und seines erzwungenen Abrisses zur Zeit der Apartheid. In den 1950er Jahren wurde Sophiatown zum Symbol f\u00fcr eine neue st\u00e4dtische Kultur der schwarzen Bev\u00f6lkerungsmehrheit, vergleichbar mit der Situation in Harlem in New York. Insbesondere f\u00fcr die s\u00fcdafrikanische Jazzmusik wurde Sophiatown zum Zentrum.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> Wer mehr \u00fcber das Gangstertum in Sophiatown wissen will, ist hier richtig: <a href=\"http:\/\/www.sahistory.org.za\/topic\/gangsterism\">http:\/\/www.sahistory.org.za\/topic\/gangsterism<\/a><\/p>\n<p>Sophiatown war \u00fcbrigens nie ein \u201ctownship\u201d wie andere: \u201cSophiatown was quite unlike other African locations in South Africa. And that is because it was never a location. It was a freehold township, which meant that it was one of the rare places in South African urban areas where blacks were allowed to own land. This was land that never belonged to the Johannesburg municipality, and so it never developed the form of those matchbox houses, built row upon row, with the same uniformity and lack of character.\u201d<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/p>\n<p>Malla Nunn wurde in Swasiland geboren und eingeschult, doch in den 1970ern emigrierte ihre Familie nach Australien, um der Apartheid zu entgehen. Dort graduierte Malla Nunn in Englisch und Geschichte, ging dann in die USA und machte einen Abschluss in Theaterwissenschaften. Sie schuf als Drehbuchautorin drei preisgekr\u00f6nte Dokumentarfilme, darunter Servant of The Ancestors. Malla Nunn heiratete in traditioneller Swasi-Zeremonie, ihr Brautpreis waren 18 K\u00fche. 2009 erschien ihr literarisches Deb\u00fct A Beautiful Place to Die, der Beginn des mehrfach ausgezeichneten Krimizyklus um Detective Sergeant Emmanuel Cooper. \u00bbZeit der Finsternis\u00ab ist der vierte Roman dieser Reihe. Malla Nunn lebt und arbeitet in Sydney.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophiatown\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Sophiatown<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.sahistory.org.za\/topic\/life-sophiatown\">http:\/\/www.sahistory.org.za\/topic\/life-sophiatown<\/a><\/p>\n<p>Rezensiert von: Thomas Feltes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nunn, Malla; Zeit der Finsternis; Ariadne Kriminalroman 1217, Argument-Verlag Hamburg, 2016, ISBN 978-3-86754-217-3, 299 S., 13.- \u20ac \u00bbNunn ist eine Meisterin darin, die Unterdr\u00fcckung noch in der leisesten K\u00f6rpersprache darzustellen. 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