{"id":587,"date":"2016-11-14T18:52:49","date_gmt":"2016-11-14T17:52:49","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=587"},"modified":"2016-11-14T18:52:49","modified_gmt":"2016-11-14T17:52:49","slug":"maria-do-mar-castro-varela-paul-mecheril-hg-die-daemonisierung-der-anderen-rassismuskritik-der-gegenwart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=587","title":{"rendered":"Maria do Mar Castro Varela, Paul Mecheril (Hg.) &#8211; Die D\u00e4monisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart."},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Varela, Maria do Mar Castro, Mecheril,\u00a0Paul (Hg.) (2016);<\/em> Die D\u00e4monisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart.; <\/strong>2016, Transcript Verlag Bielefeld, 204 Seiten.<\/p>\n<p><strong><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-589 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/die_daemonisierung-98x150.png\" alt=\"die_daemonisierung\" width=\"98\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/die_daemonisierung-98x150.png 98w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/die_daemonisierung.png 200w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Die Behauptung, mittels Schweigegeboten und Tabus wie der Political Correctness, belogen und betrogen zu werden,\u00a0 bef\u00f6rdert \u201eberechtigte Sorge\u201c, Ressentiments und populistische Gegenbehauptungen im \u201eVolk\u201c. Das betrifft nicht ausschlie\u00dflich konservativ bzw. recht sozialisierte Bev\u00f6lkerungsgruppen, misstrauen beide Richtungen doch, wenngleich aus unterschiedlichen Perspektiven,\u00a0 staatlichen Institutionen hinsichtlich ihres Umgangs mit\u00a0 Migranten und Fl\u00fcchtlingen.<!--more--><\/p>\n<p>Der vorliegende Band versucht in vierzehn Beitr\u00e4gen von Wissenschafter_innen insbesondere der Sozial- und Erziehungswissenschaften, darunter ein Drittel mit pers\u00f6nlichem Migrationshintergrund, die historische Kontinuit\u00e4t, die Annahme einer gesellschaftlichen, christlich definierten Normalit\u00e4t sowie einem exaltierten westeurop\u00e4ischen Sicherheitsbed\u00fcrfnis offenzulegen, um die Herkunft des Affekts gegen Andere zur Bewahrung des vermeintlichen Vorrangs des Eigenen als einem \u201egef\u00e4hrdeten Wir\u201c zu analysieren. Damit scheint die Zeit von \u201eDiversity\u201c vorbei zu sein, wohingegen sich eine \u201eschleichende und schrittweise Totalisierung\u201c und \u201efortschreitende Normalisierung rassistischer Praxis\u201c in Europa mittels Ausgrenzung, Homogenisierung und brutaler Simplizit\u00e4t der Argumente Bahn bricht. Die D\u00e4monisierungen der natio-ethno-kulturell \u201eAnderen\u201c mit deren unver\u00e4nderlicher, negativ besetzter Natur im Kontext von Risiko-, Gef\u00e4hrdungs- und Bedrohungsdiskursen, die vermeintlich europ\u00e4ische Werte bedrohen und Ausdruck insbesondere in Rassismus- und Sexualit\u00e4tszuschreibungen finden, kolportieren koloniale Zivilisierungsideen und (f\u00fcr Deutschland) als \u00fcberwunden angenommene faschistisches Gedankengut in einer fatalen Geschichtsvergessenheit. Insbesondere der anti-muslimische Rassismus spielt mit \u00dcberflutungs- und \u00dcberfremdungsnarrativen, die nationale \u00c4ngste bedienen und soziale \u00c4ngste dominieren, eine ma\u00dfgebliche Rolle. \u00a0Tats\u00e4chlich aber scheinen sich gro\u00dfe Teile der deutschen Bev\u00f6lkerung, die sich de facto zu einer Migrationsgesellschaft transformiert hat, im Zuge der Globalisierung desintegriert zu f\u00fchlen und aus dem gesellschaftlich-politischen Fokus geraten zu sein. Die nationale H\u00f6herstellung, die die Rechtspopulisten mit den obsessiven antimuslimischen und antimigratischen Feindbildern anbieten, kompensiert das Gef\u00fchl des Abgeh\u00e4ngt-Seins. In diesem Zusammenhang brechen sich \u00a0u.a. inkorporierte Aversionen gegen\u00fcber islamisch konnotierten K\u00f6rperpraktiken Bahn, die z. B. den verh\u00fcllten K\u00f6rper zum Kompaktsymbol f\u00fcr Unterdr\u00fcckung erkl\u00e4rt und damit westlich-liberale Konventionen von Sichtbarkeit, Transparenz und Kontrolle des (weiblichen) K\u00f6rpers als normproduzierend versteht. Insbesondere die Sexualit\u00e4t und Geschlechtergleichheit werden im Sinne des Rassismus instrumentalisiert. Die Autor_innen werfen die Frage auf, wof\u00fcr die \u201emuslimische Frage\u201c indikativ ist und welche anderen Fragen hiermit nicht mehr gestellt werden m\u00fcssen bzw. vermieden werden (wie etwa strukturelle, globale soziale Ungleichheit, institutionalisierte Formen des Ausschlusses, allgemeiner Sexismus und Antifeminismus). Die Gegen\u00fcberstellung einer imaginierten Gemeinschaft (\u201edas Volk\u201c oder \u201eEuropa\u201c) gegen\u00fcber den \u201eAnderen\u201c transportiert Normalit\u00e4ts- und Reinheitsvorstellungen, die im sogenannten Sicherheit-Terror-Dispositiv (aus einer westlichen Perspektive), das grunds\u00e4tzlich von der Aus\u00fcbung extrastaatlichen Terrors durch die \u201eAnderen\u201c ausgeht, lieber demokratische Grundwerte zur Disposition stellt als hegemoniale Diskurse, in denen sich \u201edie Europ\u00e4er_innen nach wie vor als ethische Subjekte in der Gestalt von Rettenden der \u201ezur\u00fcckgebliebenen\u201c V\u00f6lker und Verteiler_innen von Freiheit, Rechten und Gerechtigkeit\u201c verstehen.<\/p>\n<p>Die Beitr\u00e4ge des Bandes bieten einen hinsichtlich ihrer Brandbreite der thematisierten Aspekten von der Interdependenz von Staat, Nation und Religion \u00fcber Eurozentrismus und historischer Amnesie bis hin zur historischen Kontextualisierung von Sex(ualit\u00e4t) interessanten Einblick in die aktuelle Rassismuskritik. Auf einem anspruchsvollen akademischen Niveau geschrieben, stellen die Beitr\u00e4ge nicht geringe Anspr\u00fcche an den\/die interessierte_n Leser_in. Zugleich bilden sie ob ihrer Aktualit\u00e4t eine spannende Grundlage f\u00fcr die Diskussion der Erfolge rechtspopulistischer Bewegungen in der globalisierten Welt und etwaige L\u00f6sungswege. Trotz des Fokus der Beitr\u00e4ge auf die europ\u00e4ische Entwicklung k\u00f6nnen viele der Aspekte auch bezogen auf den Erfolg von Trump in den USA als relevant eingestuft werden.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Katrin List<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Varela, Maria do Mar Castro, Mecheril,\u00a0Paul (Hg.) (2016); Die D\u00e4monisierung der Anderen. Rassismuskritik der Gegenwart.; 2016, Transcript Verlag Bielefeld, 204 Seiten. 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