{"id":652,"date":"2016-12-31T00:16:23","date_gmt":"2016-12-30T23:16:23","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=652"},"modified":"2016-12-31T00:16:23","modified_gmt":"2016-12-30T23:16:23","slug":"thomas-piketty-oekonomie-der-ungleichheit-eine-einfuehrung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=652","title":{"rendered":"Thomas Piketty &#8211; \u00d6konomie der Ungleichheit &#8211; Eine Einf\u00fchrung"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Thomas Piketty; <\/strong><\/em><strong>\u00d6konomie der Ungleichheit &#8211; Eine Einf\u00fchrung; <\/strong>Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt von Stefan Lorenzer; Verlag C.H.Beck; 2016 M\u00fcnchen; 144 Seiten; 8,95 \u20ac; ISBN 978-3-406-69846-0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-654 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/oekonomie_der_ungleichheit-98x150.png\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/oekonomie_der_ungleichheit-98x150.png 98w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2016\/12\/oekonomie_der_ungleichheit.png 200w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/><\/p>\n<p>\u201e2016 war das Jahr der Wahrheit. Wir haben etwas \u00fcber unsere Eliten gelernt. Seit Trump, Brexit, der AfD und Konsorten f\u00fcrchten sie um die liberale Gesellschaft. Aber nicht weil sie liberal sind. Sondern weil sie Angst haben. Das ist ein Unterschied. Auf einmal wird deutlich: Wenn es ihnen um das Recht ging, dann war ihr Recht gemeint. Und wenn sie f\u00fcr Gleichberechtigung k\u00e4mpften, dann war ihnen Gerechtigkeit gleichg\u00fcltig. <!--more-->Es macht keinen Spa\u00df, es zuzugeben: dass jetzt \u00fcberhaupt \u00fcber Gerechtigkeit geredet wird, verdanken wir den Rechten. [\u2026] Und auch wenn jetzt viel \u00fcber die kulturellen Wurzeln der rechten Revolution ger\u00e4tselt wird\u00a0\u2013\u00a0zu viel Political Correctness?\u00a0\u2013\u00a0in Wahrheit wei\u00df jeder, dass die Ursachen auch \u00f6konomische sind. Wie sollte es auch anders sein angesichts solcher Zahlen: Die deutsche Wirtschaftsleistung stieg zwischen 1991 und 2013 pro Kopf um 29 Prozent\u00a0\u2013 aber das reale Nettoeinkommen f\u00fcr einen mittleren Haushalt nur um zw\u00f6lf Prozent. Die unteren 30 Prozent der Haushalte verdienten 2013 netto nicht mehr als 1991. Peter Bofinger, \u00d6konomieprofessor und einer der sogenannten Wirtschaftsweisen sagt, die Anh\u00e4nger der AfD f\u00fchlten sich besonders stark von der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung abgekoppelt: \u201aDie wachsende Ungleichheit facht den Populismus an und bedroht die Welt, wie wir sie kennen.\u2018\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a><\/p>\n<p>Deutlicher als Jakob Augstein in seiner am 29. Dezember 2016 unter Spiegel Online ver\u00f6ffentlichten Kolumne \u201eLiberale L\u00fcgen\u201c kann man das Kind nicht beim Namen nennen. Das Thema Ungleichheit ist aus der aktuellen Diskussion nicht mehr wegzugedenken. Wer mitdiskutieren will, was mit Blick auf das weltweite Erstarken des Rechtspopulismus mehr als nur geboten erscheint, dem sei Thomas Pikettys \u201e\u00d6konomie der Ungleichheit\u201c empfohlen. Das Werk, das in Frankreich im Original unter dem Titel \u201eL\u2019\u00e9conomie des in\u00e9galit\u00e9s\u201c bereits in zahlreichen Auflagen erschienen ist, liegt nunmehr auch in deutscher \u00dcbersetzung vor. Piketty, Professor an der Pariser \u00c9cole d\u2019 \u00c9conomie, ist vor allem durch die englischsprachige Ausgabe seines Weltbestsellers \u201eDas Kapital im 21. Jahrhundert\u201c aus dem Jahr 2014 bekannt geworden. Zu seinen Forschungsschwerpunkten z\u00e4hlen die Einkommensverteilung, die Verm\u00f6gensverteilung sowie die soziale Ungleichheit.<\/p>\n<p>In den ersten drei Kapiteln seiner Einf\u00fchrung in die \u00d6konomie der Ungleichheit zeigt Piketty, wie Einkommensungleichheit entsteht, wie \u00d6konomen sie messen, in welchem Missverh\u00e4ltnis Arbeitseinkommen stehen und was zu der ungleichen Verteilung der Arbeitseinkommen f\u00fchrt. Besondere Aufmerksamkeit aber verdient das vierte und zugleich letzte Kapitel, in dem Piktetty die m\u00f6glichen Instrumente der Umverteilung analysiert. Ausgangspunkt seiner Darstellung ist dabei die Frage, ob man den Markt und dessen Preissystem gew\u00e4hren lassen und sich auf Umverteilung durch Steuern und Transferleistungen beschr\u00e4nken soll, oder, ob es eines strukturellen Eingriffs in die die Ungleichheit hervorbringenden Funktionsweisen des Marktes bedarf. Piketty spricht damit den \u00f6konomischen Gegensatz von reiner und effizienter Umverteilung an. Und er bleibt keine Antwort schuldig. So hei\u00dft es in seiner \u00d6konomie der Ungleichheit abschlie\u00dfend:<\/p>\n<p>\u201e[Es ist] ebenso illusorisch wir kontraproduktiv, jede Ungleichverteilung von Humankapital auf Diskriminierung zur\u00fcckzuf\u00fchren oder zu behaupten, zu niedrige L\u00f6hne seien stets die Folge einer Monopsonmacht der Arbeitgeber. Nat\u00fcrlich m\u00fcssen M\u00f6glichkeiten effizienter Umverteilung identifiziert werden, wo immer es sie gibt. Wer aber in jeder Ungleichheit den Ausdruck einer groben Marktineffizienz ausmachen will, um ihr mit irgendeinem mythischen Gewaltstreich ein Ende zu setzen, vergisst dar\u00fcber, dass die notwenigen Steuern gezahlt werden m\u00fcssen, um Fiskaltransfers zu finanzieren, die vielleicht nicht jede Ungleichheit aus der Welt schaffen, aber doch in der Lage sind, die ganz reale Ungleichheit der Lebensumst\u00e4nde zu mildern.\u201c<\/p>\n<p>Ganz gleich, ob man Pikettys Ansichten teilt oder nicht: Wer Piketty gelesen hat, wird keine Diskussionen im luftleeren Raum f\u00fchren.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> http:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/ungleichheit-das-thema-macht-der-elite-angst-kolumne-a-1127877.html.<\/p>\n<p>Rezensiert von: J\u00f6rn Olh\u00f6ft<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas Piketty; \u00d6konomie der Ungleichheit &#8211; Eine Einf\u00fchrung; Aus dem Franz\u00f6sischen \u00fcbersetzt von Stefan Lorenzer; Verlag C.H.Beck; 2016 M\u00fcnchen; 144 Seiten; 8,95 \u20ac; ISBN 978-3-406-69846-0 \u201e2016 war das Jahr der Wahrheit. 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