{"id":727,"date":"2017-05-22T13:18:47","date_gmt":"2017-05-22T11:18:47","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=727"},"modified":"2017-05-22T13:18:47","modified_gmt":"2017-05-22T11:18:47","slug":"hrsg-joachim-haefele-fritz-sack-volker-eick-hergen-hillen-sicherheit-und-kriminalpraevention-in-urbanen-raeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=727","title":{"rendered":"Hrsg: Joachim H\u00e4fele, Fritz Sack, Volker Eick, Hergen Hillen &#8211; Sicherheit und Kriminalpr\u00e4vention in urbanen R\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p><em><strong>Hrsg: H\u00e4fele, <\/strong><strong>Joachim;<\/strong><strong> Sack, <\/strong><strong>Fritz;<\/strong><strong> Eick, <\/strong><strong>Volker;<\/strong><\/em><strong><em> Hillen, Hergen;<\/em>\u00a0Sicherheit und Kriminalpr\u00e4vention in urbanen R\u00e4umen;<\/strong> 262 Seiten, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 2017, ISBN 978-3-658-16314-3, 39,99 \u20ac (Softcover), 29,99 \u20ac (E-Book)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-729 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sicherheit_urbane_raeume-106x150.png\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sicherheit_urbane_raeume-106x150.png 106w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/05\/sicherheit_urbane_raeume.png 200w\" sizes=\"(max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/p>\n<p>Der Sammelband beinhaltet 12 Aufs\u00e4tze, eine Einf\u00fchrung von Joachim H\u00e4fele sowie abschlie\u00dfende \u00dcberlegungen von Fritz Sack. Eine der wesentlichen Aussagen des Sammelbandes formuliert der Mitherausgeber Joachim H\u00e4fele in seiner kurzen Einf\u00fchrung. Dort entlarvt er die urbanen Disorder-Ph\u00e4nomen im Wesentlichen als &#8222;Erscheinungsformen der Armut&#8220; (S. 7), die allerdings aufgrund ihrer Kriminalisierung als Treibstoff f\u00fcr die Debatten um die kommunale Sicherheit und die Kriminalit\u00e4tsfurcht wirken. Die darin beinhaltete Broken Windows-These ist folglich auch der rote Faden bzw. ein Leitthema, an dem sich einige der Autoren abarbeiten.<!--more--><\/p>\n<p>Aldo Legnaro greift den Begriff des Nicht-Ortes von Marc Aug\u00e9 auf, um die Entwicklungspotenziale einer Stadt im Gesamten als Nicht-Ort auszuloten. Der Clou dabei ist, dass sich die Stadt als Nicht-Ort nicht an Aug\u00e9s Idee orientiert, sondern es sich um &#8222;nicht-Orte eigener Art&#8220; (S. 23) handelt, Orte der Marginalisierung, Ausgrenzung oder der erzwungenen Segregation. Was Legnaro beschreibt, ist zun\u00e4chst nicht neu: In den konsumfreundlichen Innenst\u00e4dten (also den Nicht-Orten im Sinne von Aug\u00e9) erfolgt eine zunehmende Trennung nach erw\u00fcnschen und unerw\u00fcnschten Personen. Dort &#8211; wie in den hot spots &#8211; erfolgen raumbezogene Interventionen, Racial und Social Profiling. Der Verdr\u00e4ngungswettbewerb, den die St\u00e4dte im Zuge ihrer Metamorphose in Kul-tur-, Event- und Festivalst\u00e4dte initiieren, zwingt die nicht vorzeigbaren Bewohner\/-innen in die &#8222;urbane Peripherie&#8220; (S. 18), in denen sich die sozialen Problemlagen zunehmend verdichten. Offen bleibt, wer sich f\u00fcr diese Stadtentwicklungspolitik noch verantwortlich f\u00fchlt. Die Stadtverwaltungen selbst sind es nach dem massenhaften Verkauf des kommunalen Wohnungsbestandes und des Ausbleibens sozialen Wohnungsbaus nur noch bedingt. Die Quartiere &#8222;mit hoher Problemkonzentration&#8220; verwandeln sich nach Legnaro in die genannten &#8222;Nicht-Orte eigener Art&#8220;. Legnaro verdeutlicht, dass dies ein Entwicklungstrend sein kann. Das dies jedoch keine Dystopie darstellt, zeigen die banlieus, Parallelgesellschaften mitten in Europa. Doch schaffen es diese europ\u00e4ischen Quartiere fast weniger ins Bewusstsein der urbanen Konsumenten zu gelangen, als beispielsweise die brasilianischen Favelas<a href=\"#_edn1\" name=\"_ednref1\">[1]<\/a> oder die Arbeiterslums in China, die mit ihrer eigenen \u00c4sthetik von Gewalt und Kriminalit\u00e4t in Hochglanzqualit\u00e4t \u00fcber die Feuilleton-Magazinen Eingang in die Alltagswahrnehmung finden.<\/p>\n<p>Bernd Belinas Beitrag ist der zentrale Text zu Broken Windows und Zero Tolerance in diesem Band. Zudem nimmt er Fritz Sacks Kritik an der Kriminologie (am Ende des Buches) vorweg, beispielsweise wenn sich die Kriminologie die unr\u00fchmliche Frage stellen lassen muss, weshalb beide Ans\u00e4tze zu pr\u00e4genden Instrumenten in Deutschland werden konnten und in verk\u00fcrzten Darstellungen noch immer als Dauerbrenner in der Kriminalpr\u00e4vention und der Kriminalpolitik Verwendung finden. Gef\u00e4hrdete Gebiete werden zu gef\u00e4hrlichen Gebieten, in denen nicht die sozialen Prozesse (die nach Belina &#8222;immer auch sozial<em>r\u00e4umliche<\/em> sind&#8220;) in den Vordergrund ger\u00fcckt werden (S. 30). Vor diesem Hintergrund sind die weiter forcierten Kartierungsans\u00e4tze, nun in Form des Predictive Policing, eher als R\u00fcckschritt zu sehen. Nach Belina werden &#8222;tendenziell immer dieselben Raumtypen&#8220; gefunden (S. 30); aus der weiteren Beschreibung wird deutlich, dass dieser Raum weniger gefunden wird, als dass es vielmehr eine Best\u00e4tigung f\u00fcr die Gegenden mit bekannten Mulitproblemlagen darstellt. Es bleibt zu hoffen, dass Bernd Belinas kurze Vorstellung der Broken Windows-These (S. 38 f) z\u00fcgig Aufnahme in ein kriminologisches Lehrbuch findet und zur empfohlenen Lekt\u00fcre wird. Dirk Schubert befasst sich in &#8222;Open City&#8220; mit der US-Journalistin Jane Jacobs und ihrem 1961 ver\u00f6ffentlichten Werk &#8222;The Death and Life of Great American Cities&#8220;. Schubert ver\u00f6ffentlichte in den letzten Jahren bereits zwei wohlwollend aufgenommene B\u00fccher<a href=\"#_edn2\" name=\"_ednref2\">[2]<\/a> \u00fcber Jacobs. Jane Jacobs, &#8222;Ikone der Stadtplanung&#8220; (Kunze 2014, 55), hatte weder Architektur noch Stadtplanung studiert und arbeitete als freie Journalistin (vgl. Bartels 2015, 59). Ihre Kritik richtete sich gegen die New Yorker Stadtplanung, der sie als Gegenmodell die Entwicklung guter Nachbarschaften und der damit einhergehenden informellen Sozialkontrolle, Partizipation, soziale Mischung und Nutzungsvielfalt (contra Monostrukturen) gegen\u00fcberstellte. Schubert bietet einen anschaulichen ersten Einstieg in das Werk von Jacob, den er mit einer treffenden Analyse verbindet. Die Umkehr des Bottom-up-Prinzips im Sinne von Jane Jacobs beinhaltet der Aufsatz von Andrew Wallace, der sich darin auf Untersuchungen in der nordenglischen Stadt Salford bezieht. Der zu Zeiten von New Labour praktizierte Top-Down-Ansatz beinhaltet &#8222;neue Formen gemeindenaher Polizeiarbeit&#8220; (S. 69), die im Sinne eines kommunitaristischen Modells in der &#8222;Community&#8220; etabliert werden soll. Die Idee beinhaltet den Wunsch nach L\u00f6sung kleinr\u00e4umiger sicherheits- und ordnungspolitischer Probleme durch Aktivierung von b\u00fcrgerschaftlichem Engagement. Der aus dem Englischen \u00fcbersetzte Aufsatz bezieht sich dabei nicht auf das Community Policing bzw. die bundesdeutsche kommunale Kriminalpr\u00e4vention und ist damit auch nicht zu vergleichen. Die Unterschiede werden sp\u00e4testens deutlich, wenn man einen Blick auf die &#8222;gemeindenahe[n]&#8220; Interventionsmethoden wirft. Neben den <em>\u00fcblichen Verd\u00e4chtigten<\/em> wie Video\u00fcberwachung, mehr Polizeipr\u00e4senz und mehr Polizeibefugnissen kommen &#8222;Vertr\u00e4ge \u00fcber akzeptables Verhalten&#8220;, &#8222;Abkommen \u00fcber Nachbarschaftlichkeit&#8220; oder &#8222;neue \u00dcberwachungsbefugnisse f\u00fcr Nachbarschaftsaufseher&#8220; (S. 82) in Betracht. Damit erweist sich die informelle Sozialkontrolle nicht mehr als informell; sie mutiert zur Unterst\u00fctzungsleistung f\u00fcr die formellen Kontrollinstanzen auf &#8222;quasipolizeiliche Weise&#8220; (S. 82), die beispielsweise bei niedrigschwelligen Ordnungsst\u00f6rungen oder deviantem Verhalten von Jugendlichen (S. 83) wirkt. Neben der staatlichen \u00dcberwachung, die sich auf die Berechtigung zum Leistungsbezug oder die Bem\u00fchungen um eine Arbeitsplatzsuche bezieht, tritt nun die soziale Kontrolle der &#8222;Armen als Eltern, Nachbarn&#8220; (S. 80) hinzu. Briken\/Eick geben einen anschaulichen und informativen \u00dcberblick \u00fcber die Entwicklung und den aktuellen Stand kommerzieller Sicherheitsdienste, die etwas aus der \u00f6ffentlichen Diskussion verschwunden sind, obwohl sie in den letzten Jahren sukzessive ihr Produktportfolio erweitert haben &#8211; zuletzt beispielsweise durch die Bewachung von Erstaufnahmeeinrichtungen oder Gemeinschaftsunterk\u00fcnften. Aufmerksamkeit verdienen die von Briken\/Eick genannten Trends f\u00fcr das Sicherheitsgewerbe. Gleichwohl eignen sich die Themen gated community, Bahnh\u00f6fe oder shopping malls als &#8222;Nicht-Orte&#8220; (Legnaro\/Birenheide 2005) nur noch eingeschr\u00e4nkt zur Formulierung von Trends. Wo die Autorin bzw. der Autor den &#8222;gegenw\u00e4rtigen Boom innerst\u00e4dtischer <em>gated communities<\/em>&#8220; festgestellt haben, w\u00e4re interessant zu erfahren gewesen. Auf alle F\u00e4lle ein Beitrag, an dem man sich leidlich reiben kann. Beispielsweise in der auf &#8222;die deutschen Polizeien&#8220; bezogene Feststellung, wonach diese &#8222;ein manifestes Problem mit institutionellen Rassismus haben&#8220;. Leider leidet der Beitrag etwas darunter, dass es sich offenbar um eine gek\u00fcrzte Version einer anderweitigen Publikation handelt. Das betrifft insbesondere den zweiten Teil des Aufsatzes. Der Beitrag von Ann Rodenstedt schildert kriminalpr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen in dem als Problem-Ort beschriebenen Rinkeby (Schweden); die Stadt gilt als stigmatisierter und ausgegrenzter Ort. Als Ausgangspunkt der ergriffenen Ma\u00dfnahmen dient (wieder einmal) die Kriminalit\u00e4tsfurcht. Rodenstedt verdeutlicht als Ergebnis ihrer Interviews, dass Ordnungsst\u00f6rungen als das gr\u00f6\u00dfte &#8222;Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomen&#8220; (S. 121) bewertet werden. Gleichwohl berichten zwei Interviewte \u00fcber das Zuhause als eigentlich unsicheren Ort (h\u00e4usliche Gewalt, Missbrauch). Im Ergebnis wird auch hier versucht, sozialen Problemen mit Ordnungs- und Kontrollinstrumenten zu begegnen. Mit der Wegweisung (Platzverweis) in Schweizer St\u00e4dten befasst sich Monika Litscher. Waren es vormals Alkoholiker\/-innen und sonstige Drogenabh\u00e4ngige, geraten inzwischen Ordnungsst\u00f6rende, oft &#8222;die&#8220; Jugendlichen in den Fokus. Litscher schildert in einer &#8222;kulturpessimistischen Diagnose&#8220; (S. 148) die Auswirkungen auf das Stadtleben und beklagt in diesem Zusammenhang u.\u00a0a. dessen zunehmende Homogenisierung &#8211; mit der Gefahr, den \u00f6ffentlichen Raum als &#8222;\u00dcbungsfeld der Demokratie&#8220; (S. 146) zu verlieren. Dem Ordnungsbegriff n\u00e4hert sich G\u00fcnter Stummvoll zun\u00e4chst \u00fcber das Europ\u00e4ische Normungskomitee und dem Wesen der Norm als Instrument zur Vereinheitlichung von Sicherheitsstandards. Die &#8222;Planungsempfehlungen zur Kriminalpr\u00e4vention im St\u00e4dtebau&#8220; m\u00fcnden in der Rational Choice Theory, der Routine Activity Theory und Newmans Defensible Space. Mit dem Zitat, wonach [d]ie beste Kriminalpr\u00e4vention [jene ist], die man als Laie lediglich als r\u00e4umliche Attraktivit\u00e4t und folglich als hohe Lebensqualit\u00e4t wahrnimmt&#8220;, entfernt sich der Autor von der bisherigen &#8211; durchaus kritischen &#8211; Linie in dem Sammelband. Insofern verwundert auch die positive Bewertung der Broken Windows-These als normverdeutlichendes und -stabilisierendes Element nicht. Stummvoll steht im Gegensatz zum vorherigen Aufsatz von Litscher, sofern er f\u00fcr eine &#8222;helle, freundliche, gepflegte und \u00fcbersichtliche&#8220; Stadt pl\u00e4diert und im Ergebnis f\u00fcr eine Homogenisierung des Stadtbildes. Auch wenn die Umsetzung vorhandener Qualit\u00e4tsnormen noch zu w\u00fcnschen \u00fcbrig l\u00e4sst, so erinnert er an das Projektmanagement bei der Implementierung kriminalpr\u00e4ventiver Ma\u00dfnahmen. Broken Windows tauchen in dem Beitrag von Hirtenlehner\/Sessar in Form einer Operationalisierung (incivility) auf (S. 178), anhand derer die Autoren in zwei Hamburger Stadtteilen die Bew\u00e4hrung der Generalisierungsthese und des erweiterten &#8222;community concern&#8220;-Modells (S. 174 ff) untersuchten. Die Existenz\u00e4ngste der Mittelklasse f\u00fchren zu einem &#8222;Auseinanderfallen von objektiver und subjektiver Sicherheitslage&#8220;; ist das Kriminalit\u00e4tsfurchtparadox \u00e4lterer Menschen nun allgemein in der Mitte der Gesellschaft angekommen? Sofern sich die sozialen \u00c4ngste und die wahrgenommenen Existenz\u00e4ngste als Kriminalit\u00e4tsfurcht auspr\u00e4gen, kommt die auf immerw\u00e4hrende Versch\u00e4rfung des Strafrechts ausgerichteten Kriminalpolitik in Erkl\u00e4rungsn\u00f6te (vgl. S. 185). Der Mit-Herausgeber Joachim H\u00e4fele berichtet \u00fcber seine Untersuchung in Hamburg zum Einfluss wahrgenommener und systematisch beobachteter Incivilities und anderer Pr\u00e4diktoren auf die Dimensionen der personalen Kriminalit\u00e4tsfurcht, der Sozialkontrolle und der kollektiven Wirksamkeit. Das Ergebnis \u00e4hnelt dem Befund von Hirthenlehner\/Sessar, wonach kriminalpolitisch gepr\u00e4gte Programme nur bedingt geeignet sind, Kriminalit\u00e4tsfurcht zu reduzieren. Bemerkenswert ist die Kritik von Volker Eick an den polizeilichen Schulunterrichten, die sich &#8222;schillernd zwischen blauer Uniform und schwarzer P\u00e4dagogik&#8220; (S. 237) bewegen und die,&#8220;[w]er mag, [&#8230;] Kriminalpr\u00e4vention nennen [soll]&#8220; (S. 237). In seinem historischen R\u00fcckblick erl\u00e4utert der Autor, dass die &#8222;Durchpolizeilichung der Schulen&#8220; (S. 236 f) kein neues Ph\u00e4nomen darstellt, sondern sich \u00fcber Jahrhunderte entwickelt hat. Die gegenl\u00e4ufigen Tendenzen, hier am Beispiel des Landes Brandenburg aufgezeigt, finden sich bislang nur in einer Fu\u00dfnote wieder. Inwiefern sich der R\u00fcckzug vor allem in den Bundesl\u00e4ndern verst\u00e4rkt, die eine als Stellenabbau maskierte Polizeireform (vgl. Sachsen) umsetzen, die sich insbesondere auf die Pr\u00e4ventionsdienststellen auswirken, bleibt abzuwarten. Der letzte (und sehr empfehlenswerte) Beitrag befasst sich mit der Konsumgesellschaft und den Alltags- und Zukunfts\u00e4ngsten der Deutschen und schl\u00e4gt damit auch die Br\u00fccke zur Zuwanderung. Ingrid Breckners Aufsatz wird dadurch zu einem zuwanderungs- und wohnungspolitischem Pl\u00e4doyer auf der Grundlage einer kurzen, aber pr\u00e4zise analysierten Zustandsbeschreibung. Selten, dass in einem kriminologischen Sammelband die (Nicht-)Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen in Wohngebieten der Reichen skandalisiert wird. Breckner beschreibt die Perfidit\u00e4t des Verhaltens derjenigen, &#8222;die in ihrem wirtschaftlichen Handeln von Globalisierungsprozessen profitieren&#8220;. Die Folge ist, dass in den bereits jetzt schwierigen Quartieren die Problemlagen verdichtet werden. Die zw\u00f6lf Beitr\u00e4ge kommentiert abschlie\u00dfend Fritz Sack, nicht ohne dabei mit Kritik an der deutschen Kriminologie (und auch der kritischen Kriminologie) zu sparen. Fritz Sack nimmt dabei nicht nur Broken Windows und Zero Tolerance ins Visier, sondern greift die fr\u00fcheren kriminalpolitischen Arbeiten des Politikwissenschaftlers James Q. Wilson auf. Seine abschlie\u00dfende \u00dcberlegungen sind auch ein Appell an Kriminologen, in ihrer Arbeit nicht die Kriminalsoziologie als auch die \u00d6konomie au\u00dfer Acht zu lassen. Das Buch ist mit seinen 262 Seiten kein dicker Schm\u00f6ker, doch sehr verdichtet, so dass es den Leser durchaus in Anspruch nimmt. Gut so. Ebenso gut, dass die Autoren kontroverse Standpunkte vertreten und damit an eine der wesentlichen Aufgaben der Wissenschaft erinnern. Eine Erinnerung, die vor allem einigen Kriminologen gut tun wird. Hervorzuheben sind vor allem die Beitr\u00e4ge von Belina, Eick und Breckner. Leider fehlen die Autorenhinweise; angesichts drei leerer Seiten am Ende des Buches w\u00e4re das unproblematisch gewesen.<\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"121\"><em>Kunze, R.<\/em><\/td>\n<td width=\"493\">Rezension von Dirk Schubert: Jane Jacobs und die Zukunft der Stadt, in RaumPlanung, 6\/2014, S. 55 &#8211; 56<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"121\"><em>Bartels, O.<\/em><\/td>\n<td width=\"493\">Rezension von Dirk Schubert: Jane Jacobs und die Zukunft der Stadt, in werk, bauen + wohnen, 3\/2015, S. 59<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"121\"><em>Legnaro, A.; Birenheide, A.<\/em><\/td>\n<td width=\"493\">St\u00e4tten der sp\u00e4ten Moderne. Reisef\u00fchrer durch Bahnh\u00f6fe, shopping malls, Disneyland Paris, Wiesbaden, 2005<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><a href=\"#_ednref1\" name=\"_edn1\">[1]<\/a> Vgl. https:\/\/www.vice.com\/de\/article\/sieben-monate-in-brasiliens-beruechtigtstem-rotlichtbezirk. Abgerufen am: 17.03.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref2\" name=\"_edn2\">[2]<\/a> Vgl. Schubert, D.: Jane Jacobs und die Zukunft der Stadt: Diskurse &#8211; Perspektiven &#8211; Paradigmenwechsel und Contemporary Perspectives on Jane Jacobs. Reassessing the Impacts of an Urban Visionary<\/p>\n<p>Rezensiert von: Karsten Lauber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hrsg: H\u00e4fele, Joachim; Sack, Fritz; Eick, Volker; Hillen, Hergen;\u00a0Sicherheit und Kriminalpr\u00e4vention in urbanen R\u00e4umen; 262 Seiten, Springer Fachmedien, Wiesbaden, 2017, ISBN 978-3-658-16314-3, 39,99 \u20ac (Softcover), 29,99 \u20ac (E-Book) Der Sammelband beinhaltet 12 Aufs\u00e4tze, eine Einf\u00fchrung von Joachim H\u00e4fele sowie abschlie\u00dfende \u00dcberlegungen von Fritz Sack. 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