{"id":752,"date":"2017-06-14T12:40:49","date_gmt":"2017-06-14T10:40:49","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=752"},"modified":"2017-06-14T12:40:49","modified_gmt":"2017-06-14T10:40:49","slug":"hrsg-jonas-grutzpalk-polizeiliches-wissen-formen-austausch-hierarchien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=752","title":{"rendered":"Hrsg. Jonas Grutzpalk &#8211; Polizeiliches Wissen. Formen, Austausch, Hierarchien"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Hrsg. Grutzpalk, Jonas;<\/em> Polizeiliches Wissen. Formen, Austausch, Hierarchien; <\/strong>213 Seiten, Verlag f\u00fcr Polizeiwissenschaft, Frankfurt am Main, 2016, ISBN 978-3-86676-455-2, 24,90 \u20ac<\/p>\n<p><strong><em><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-754 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/polizeiliches_wissen-105x150.png\" alt=\"\" width=\"105\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/polizeiliches_wissen-105x150.png 105w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/06\/polizeiliches_wissen.png 200w\" sizes=\"(max-width: 105px) 100vw, 105px\" \/><\/em><\/strong><\/p>\n<p>Der Sammelband vereint sieben Aufs\u00e4tze, eine Einleitung des Herausgebers sowie Autorenhinweise. Ausweislich der Einleitung umfasst die inhaltliche Struktur die drei Bereiche <em>Wissensformen<\/em>, <em>Wissensaustausch<\/em> und <em>Wissenshierarchien<\/em>. Die ersten beiden Aufs\u00e4tze von Grutzpalk und Hunold sind der Kategorie <em>Wissensformen<\/em> zuzuordnen. Grutzpalks Aufsatz, der l\u00e4ngste in diesem Sammelband, beruht auf einem Forschungsprojekt, das eine Bestandsaufnahme des polizeilichen Wissens zum Gegenstand hatte. Methodisch nahm die Untersuchung Bezug auf die Akteurs-Netzwerk-Theorie. Die Feldphase fand bei zwei Polizeidienststellen (Wach- und Wechseldienst) im Jahr 2014 in Nordrhein-Westfalen statt. <!--more-->In seinem anschaulichen und gut zu lesendem Aufsatz informiert der Autor beispielsweise \u00fcber Zuverl\u00e4ssigkeitswissen, Improvisationswissen, maschinell gespeichertes Wissen, hierarchisch gesteuertes Wissen &#8230; und erkl\u00e4rt beil\u00e4ufig den Stellenwert von Desinfektionscreme f\u00fcr die Beamtinnen und Beamten. Der folgende Beitrag von Daniela Hunold basiert auf einer quantitativen Befragung von Polizistinnen und Polizisten, die Bestandteil der Dissertation der Autorin waren (vgl. Hunold 2016). In dem Aufsatz stellen Raum, Polizei und Wissen die Schl\u00fcsselbegriffe dar, f\u00fcr die einleitend ein Grundverst\u00e4ndnis erzeugt wird, dessen Komplexit\u00e4t nicht erst mit Blick auf das bemerkenswerte Literaturverzeichnis deutlich wird. Im Vordergrund steht die Frage, wie die Polizei Raumwissen konstruiert und transportiert. Die drei folgenden Beitr\u00e4ge von Howe, Lehmann und Creemers z\u00e4hlen zur Kategorie <em>Wissensaustausch<\/em> zwischen Polizisten und Nichtpolizisten. &#8222;Flanierende Polizeiarbeit\u00a0 im Quartier&#8220; ist der Titel der Arbeit von Christiane Howe. In \u00e4hnlicher Form erschien dieser Aufsatz k\u00fcrzlich in einem weiteren Sammelband des Verlages f\u00fcr Polizeiwissenschaft (<a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=748\">Empirische Polizeiforschung XX: Polizei und Minderheiten<\/a>, hrsg. von Karlhans Liebl, Frankfurt am Main, 2017; zum Inhalt siehe dort). Die beiden Aufs\u00e4tzen zugrunde liegende Untersuchung erzielt mit der Bezugnahme auf das polizeiliche Wissen einen gr\u00f6\u00dferen Erkenntnisgewinn als bei der Schwerpunktsetzung auf das Thema Polizei und Minderheiten. Dennoch w\u00e4re interessant zu wissen, worin sich das Wissen der Milieu-<em>Fu\u00dfstreifen<\/em> von dem der im Viertel ans\u00e4ssigen H\u00e4ndler oder sonstiger Vor-Ort-Experten unterscheidet. Howe weist immer wieder auf die Bedeutung der m\u00fcndlichen Kommunikation hin und leider kann ein Aspekt nicht n\u00e4her vertieft werden, der durchaus typische Verwaltungsprozesse beschreibt, wenn Berichte zun\u00e4chst elektronisch (!) an die Kriminalpolizei \u00fcbermittelt werden, um danach f\u00fcr die eigenen Unterlagen ausgedruckt zu werden. Die Sachbearbeiter &#8222;heften sie chronologisch nach dem Aktenzeichen in einem offiziellen Ordner ab&#8220; (S. 92). Creemers widmet sich in seiner explorativen Untersuchung dem Wissen und dem Verdacht und r\u00fcckt hier die polizeilichen Datenbanken und -analysetools in der Fokus. Die Wahl des Untersuchungsgegenstandes verdient hohe Aufmerksamkeit und es verwundert nicht, dass die Bezugnahme auf Datenbanksysteme zur politischen motivierten Kriminalit\u00e4t Einschr\u00e4nkungen beim Feldzugang mit sich brachten. Die Untersuchung bleibt in weiten Teilen generalisierend und (offenbar) mangels eines breiter angelegten Feldzugangs werden einige zu kritisierende Aspekte und Defizite der polizeilichen Datenverarbeitung und -analyse nicht aufgegriffen.<\/p>\n<p>Deutschland \u00fcbernahm die F\u00fchrungsrolle beim Wiederaufbau der Polizei in Afghanistan. In der Folge begaben sich etliche Polizisten auf Auslandsmission. Daran ankn\u00fcpfend untersucht Lena Lehmann, was die Bundeswehr und die Polizei voneinander wissen. Der deskriptive Teil ist durchaus informativ, doch sind es dann die Hinweise auf verschiedene Wissensformen (S. 145 ff), beispielsweise unter Bezugnahme auf Arbeiten von Polanyi (1985), die den Aufsatz besonders lesenswert machen. Dabei ist einiges zu erahnen, was \u00fcber polizeiliches Wissen noch untersuchungswert ist. Barthel\/Heidemann, beide an der Deutschen Hochschule der Polizei (DHPol) t\u00e4tig, befassen sich auf der Grundlage der Ergebnisse einer Forschungswerkstatt mit zehn Masterstudierenden mit der Autorit\u00e4t polizeilicher F\u00fchrungskr\u00e4fte. Der Aufsatz z\u00e4hlt als einziger zu der Kategorie der <em>Wissenshierarchien<\/em> und nimmt Bezug auf Masterarbeiten der DHPol, wobei f\u00fcr den nichtpolizeilichen Leser immer (wieder einmal) unklar bleibt, ob bzw. welche dieser Arbeiten \u00fcberhaupt zug\u00e4nglich und damit auch nachvollziehbar sind. Die schm\u00e4lert nennenswert den Nutzwert dieses Aufsatzes. In einer kurzen Zusammenfassung schreiben die Autoren zudem: Soweit an dieser Stelle der \u00dcberblick hinsichtlich der <em>anspruchsvollen<\/em> [Hervorhebung durch K.L.] Forschungsarbeit, die im Zuge der Masterarbeiten an der DHPol zu gew\u00e4hrleisten war&#8220; (S. 172). Haben es die Autoren der DHPol n\u00f6tig, den Anspruchsgehalt ihrer Masterarbeiten noch hervorheben zu m\u00fcssen &#8230; und dies vor dem Hintergrund, dass dies f\u00fcr die meisten Rezipienten gar nicht nachpr\u00fcfbar ist? In dem letzten (und auch k\u00fcrzesten) Beitrag des Sammelbandes befasst sich Rainer Sch\u00fctzeichel mit Gewalt gegen Polizeibeamte. Es wird deutlich, dass es zu den &#8222;situativen Interaktionsdynamiken der Gewalt&#8220; (S. 200) noch zu wenig empirische Untersuchungen gibt. Der Beitrag steht erkennbar au\u00dferhalb der einleitend genannten drei Kategorien <em>Wissensformen<\/em>, <em>Wissensaustausch<\/em> und <em>Wissenshierarchien<\/em>, in dem er sich mit Untersuchungspotenzialen eines (die Polizei unmittelbar betreffenden)\u00a0 Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomens befasst. Der Wissensbezug steht hier im Zusammenhang mit der gewaltsoziologischen Frage, welchen Beitrag die Polizei im Rahmen ihrer Interaktion leistet.<\/p>\n<p>Da verschiedene Aufs\u00e4tze gute Ankn\u00fcpfungspunkte f\u00fcr weitere \u00dcberlegungen anbieten, h\u00e4tten sich abschlie\u00dfende Anmerkungen, z.B. des Herausgebers, angeboten. Ungeachtet dessen handelt es sich um einen vielf\u00e4ltig zusammengestellten Sammelband, der unterschiedliche Facetten polizeilichen Wissens aufzeigt und erkennen l\u00e4sst, dass noch reichlich Untersuchungspotenziale f\u00fcr die Polizeiwissenschaft zur Verf\u00fcgung stehen &#8211; beispielsweise zu der Frage, wie die Polizei ihr Wissen kriminalpolitisch verwendet. Hervorzuheben ist die Intention des Verfassers, keinen einheitlichen Wissensbegriff vorauszusetzen, so dass die Autoren dahingehend mit eigenen Begriffen argumentieren konnten. In seiner Einleitung weist Jonas Grutzpalk zudem auf eine wesentliche Verbindung zwischen dem polizeilichen Wissen und dem Vertrauen in die Polizei hin. Inwiefern dieses Vertrauen best\u00e4ndig bleibt, wenn die Polizei zunehmend Algorithmen und damit k\u00fcnstliche Intelligenz einsetzt, bleibt abzuwarten. \u00c4hnlich wie bei dem im gleichen Verlag erschienen Buch &#8222;<a href=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=748\">Polizei und Minderheiten<\/a>&#8220; ist allerdings auf M\u00e4ngel beim Korrektorat hinzuweisen.<\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Hunold, D.: Polizei im Revier &#8211; polizeiliche Handlungspraxis gegen\u00fcber Jugendlichen in der multiethnischen Stadt, Berlin, 2016<\/p>\n<p>Polanyi, M.: Implizites Wissen, Frankfurt am Main, 1985<\/p>\n<p>Rezensiert von: Karsten Lauber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hrsg. Grutzpalk, Jonas; Polizeiliches Wissen. 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