{"id":763,"date":"2017-08-05T13:57:43","date_gmt":"2017-08-05T11:57:43","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=763"},"modified":"2017-08-05T13:57:43","modified_gmt":"2017-08-05T11:57:43","slug":"hanna-nora-ziegert-die-schuldigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=763","title":{"rendered":"Hanna &#038; Nora Ziegert &#8211; Die Schuldigen"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Ziegert, Hanna &amp; Nora<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>;<\/em> \u201eDie Schuldigen.\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/strong><strong>;<\/strong> ISBN: 978-3-328-10104-8, 271 Seiten, Penguin Verlag (Verlagsgruppe Random House), M\u00fcnchen, 2017, 13.&#8211; \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-764 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/die_schuldigen-98x150.png\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/die_schuldigen-98x150.png 98w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/die_schuldigen.png 200w\" sizes=\"(max-width: 98px) 100vw, 98px\" \/><\/p>\n<p><em>\u201eScheinbar unvorstellbare Taten\u00a0begreiflich machen; in die K\u00f6pfe und die Seelen derjenigen hineinschauen, die ein Verbrechen begangen haben.\u201c <\/em>In einer schon aufgrund der jeweiligen beruflichen Provenienz recht interessanten Co-Autorenschaft (vgl. Fn. 1) haben Mutter und Tochter, Hanna und Nora Ziegert, ein Buch geschrieben, <em>\u201edas die M\u00f6glichkeit geben soll, Kriminalf\u00e4lle aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Was geht in einer Frau vor, die ihr Kind verhungern l\u00e4sst? Warum vergewaltigt ein junger Mann seine Mutter? Die Ziegerts nehmen ihren Leser mit auf die Suche nach den Ausl\u00f6sern f\u00fcr solche Taten. Das ist nicht immer ganz einleuchtend, das ist manchmal literarisch ein wenig \u00fcberambitioniert \u2013 aber auf jeder Seite sehr lehrreich und unbedingt lesenswert,\u201c<\/em> schreibt Heribert Prantl von der S\u00fcddeutschen Zeitung in der Buchempfehlung in seiner neuen Online-Reihe \u201ePrantls Blick \u2013 Die politische Wochenvorschau\u201c vom 09. Juli 2017.<!--more--><\/p>\n<p>Es handelt sich allerdings mitnichten um ein wissenschaftliches Fachbuch. Das Werk entwickelt seinen Reiz auf den Leser vielmehr aus der inhaltlich und sprachlich \u201ebodenst\u00e4ndig\u201c gehaltenen, prosaischen Verkn\u00fcpfung zwischen realen Krimi\u00adnal\u00adgeschichten und dem Versuch, diese mit Hilfe forensischer Expertise aus dem Blickwinkel der T\u00e4ter alltagstauglich einzuordnen. Der Verlag spricht in seiner Produktwerbung zu den insgesamt acht in dem Buch verarbeiteten Geschichten daher auch nach der Anlage durchaus zurecht von \u201epackenden Kurzkrimis\u201c. Das nach zutreffender Apostrophierung des Verlages als \u201eTrue-Crime-Buch\u201c bezeichnete Werk spielt jedenfalls in der Werbung daher durchaus mit einer &#8211; wie wir nicht nur durch einem Blick auf das abendliche Fernsehprogramm wissen &#8211; \u201evom Verbrechen faszinierten \u00d6ffentlichkeit\u201c. Schon \u00fcber hierbei verwendete Antonyme wie z. B. \u201eSchuld\u201c \u2013 \u201eUnschuld\u201c bzw. \u201egut\u201c &#8211; \u201eb\u00f6se\u201c entsteht dieser zun\u00e4chst den kriminologisch interessierten Leser prim\u00e4r eher \u201eabsto\u00dfende\u201c, wenn auch auf dem umk\u00e4mpften Buchmarkt zul\u00e4ssige und sicher bewusst gef\u00f6rderte Eindruck. Die Autorinnen machen sich derartige Stilmittel inhaltlich aber nicht zu eigen, denken und schreiben in anderen, professionellen, mitunter durchaus wissenschaftlich erl\u00e4uterten Kategorien \u00fcber \u201eSchuld im strafrechtlichen Sinne\u201c. Sie versuchen transparent zu machen, dass die gutachterlich dem Gericht vorzutragende Einsch\u00e4tzung, ob der \/ die zu Beurteilende zum Tatzeitpunkt individuell in der Lage war, das Unrecht seiner \/ ihrer Tat zu erkennen und er \/ sie dementsprechend anders h\u00e4tte handeln k\u00f6nnen, dem deutschen Strafprozess \u2013 jedenfalls bei schwerwiegender Kriminalit\u00e4t gegen\u00fcber den Rechtsg\u00fctern Leib, Leben und k\u00f6rperliche Unversehrtheit \u2013 unverzichtbar eigen ist und sie beschreiben, mit welchen professionellen Methoden und Stilmitteln sie diese Einsichten zu gewinnen versuchen. Sie w\u00e4gen in ihren Geschichten, die in den Jahren 1992 bis 2010 spielen, aber insbesondere auch die entwick\u00adlungsf\u00f6rdernde, die Bed\u00fcrfnisse des Kindes ad\u00e4quat ber\u00fccksichtigende \u201eVerant\u00adwortung\u201c &#8211; ein im Gegensatz zur \u201eSchuld\u201c dem Strafrecht fernerer Begriff \u2013 gerade der Mutter eines Straft\u00e4ters bei der Beurteilung der \u201elife-course-deviancy\u201c der T\u00e4ter(innen) ab<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Es werden also n\u00fcchterne, disziplin- und sparten\u00fcbergreifende forensisch strafrechtliche und psychoanalytische Katego\u00adrien verarbeitet, allerdings sind diese idiomatisch durchwegs \u201ealltagstauglich verpackt\u201c.<\/p>\n<p>Das Werk l\u00e4sst sich aufgrund der verfremdeten Nacherz\u00e4hlung realer Dialoge mit T\u00e4tern und Opfern aus der beruflichen Praxis von Dr. Hanna Ziegert, sehr \u201esachte\u201c juristisch eingeordnet von Dr. Nora Ziegert, nicht nur fl\u00fcssig lesen. Es er\u00f6ffnet am Beispiel sicher bewusst und nicht repr\u00e4sentativ ausgesuchter F\u00e4lle aus der beruflichen Praxis von Hanna Ziegert auch eine etwas andere \u201ekrimino\u00adlogische Perspektive\u201c auf die Rolle der Frau, auf die sich im Speziellen die Geschichten fokussieren. \u201eAlle Geschichten verbindet, dass auf irgendeine Art und Weise eine Frau erheblichen Einfluss auf das Geschehen aus\u00fcbt\u201c, auch wenn sie sich dabei nicht immer zwingend strafbar gemacht haben muss, so die Autorinnen in ihrem Vorwort. Es handelt sich auch um ein Pl\u00e4doyer, sich im Strafprozess intensiver mit der Psyche des \/ der betroffenen Menschen zu besch\u00e4ftigen. Aus dem Blickwinkel des Richters mag hierbei der Einwand gelten, <em>\u201edass er einen T\u00e4ter, dem er nahe genug gekommen ist, um ihn wirklich zu verstehen, nicht mehr objektiv verurteilen kann. Andererseits, so die Autorinnen, lie\u00dfe sich vertreten, kann ein Richter, der die Beweggr\u00fcnde des T\u00e4ters und die Entstehungsgeschichte der Tat durchdrungen hat, Art und Ausma\u00df der Strafe an diese Erkenntnisse anpassen und so dem Zweck der Bestrafung besser gerecht werden.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Das lesenswerte Buch wirft unter dem einpr\u00e4gsamen, gleicherma\u00dfen einfach aber sprachlich etwas pr\u00e4ziseren Leitmotto des Klappeninnentextes: \u201eWahre Verbrechen \u2013 Echte T\u00e4terinnen \u2013 Und das, was sie menschlich macht\u201c, einen etwas tieferen, nicht nur auf eine kurzzeitige Momentaufnahme fokussierten, weitgehend unverstellten Blick auf m\u00f6gliche aber lang zur\u00fcckliegende, fr\u00fchkindliche Kausal- bzw. Ursache-Wirkungsbeziehungen oder wenigstens offenkundigen Korrelationen bei der Entstehung von Kriminalit\u00e4t. Bei dem Buch stimmt nicht nur das Preis-Leistungsverh\u00e4ltnis, es erf\u00fcllt auch aus einem anderen Grund seinen Zweck. Es versucht auf alternative Weise aber durchaus gelungen, weil eben \u201ealltagstauglich\u201c angelegt, den Blick auf etwas andere Tat-T\u00e4ter-Kriminalit\u00e4tsentstehungs-Kategorien zu lenken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.br.de\/fernsehen\/ard-alpha\/sendungen\/alpha-forum\/hanna-ziegert-sendung-100.html\">Dr. Hanna Ziegert<\/a>, Fach\u00e4rztin f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie, Psychoanalytikerin in M\u00fcnchen, zudem seit drei\u00dfig Jahren als forensische Gutachterin t\u00e4tig; ihre Tochter, <a href=\"http:\/\/www.notare.bayern.de\/hp\/notare-forchheim\/startseite.html\">Dr. Nora Ziegert<\/a>, ist promovierte Juristin (mit einer 2013 am <a href=\"http:\/\/www.zaar.uni-muenchen.de\/studium\/promotion\/abgeschl_promotionen\/abgeschl_promo_rieb\/index.html\">Zentrum f\u00fcr Arbeitsbeziehungen und Arbeitsrecht \/ ZAAR<\/a>\u00a0 der Ludwigs-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen \/ LMU abge\u00adschlossenen und bei Nomos herausgegebenen Arbeit zur <a href=\"http:\/\/www.nomos-shop.de\/trefferListe.aspx?q=ziegert&amp;action=search&amp;page=0\">\u201eRechtsbeziehung des Headhunters zum Kandidaten\u201c<\/a> sowie angehende Notarin, derzeit als Notarassessorin in Forchheim (Oberfranken) t\u00e4tig, zuletzt abgerufen am 17.07.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hrsg. im Penguin Verlag, M\u00fcnchen, vgl.: <a href=\"https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Die-Schuldigen\/Hanna-Ziegert\/Penguin\/e511071.rhd#info\">https:\/\/www.randomhouse.de\/Paperback\/Die-Schuldigen\/Hanna-Ziegert\/Penguin\/e511071.rhd#info<\/a>, zuletzt abgerufen am 17.07.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Dieser Ansatz wird gerade in einem Interview mit den beiden Autorinnen, erschienen am 12.06.2017 im <a href=\"https:\/\/www.merkur.de\/kultur\/buch-schuldigen-von-hanna-ziegert-darum-werden-meschen-zu-moerdern-8395849.html\">M\u00fcnchner Merkur<\/a>, deutlich, zuletzt abgerufen am 17.07.2017.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziegert, Hanna &amp; Nora[1]; \u201eDie Schuldigen.\u201c[2]; ISBN: 978-3-328-10104-8, 271 Seiten, Penguin Verlag (Verlagsgruppe Random House), M\u00fcnchen, 2017, 13.&#8211; \u20ac \u201eScheinbar unvorstellbare Taten\u00a0begreiflich machen; in die K\u00f6pfe und die Seelen derjenigen hineinschauen, die ein Verbrechen begangen haben.\u201c In einer schon aufgrund der jeweiligen beruflichen Provenienz recht interessanten Co-Autorenschaft (vgl. 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