{"id":777,"date":"2017-08-31T11:30:51","date_gmt":"2017-08-31T09:30:51","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=777"},"modified":"2017-08-31T11:30:51","modified_gmt":"2017-08-31T09:30:51","slug":"hrsg-stephan-voss-erich-marks-25-jahre-gewaltpraevention-im-vereinten-deutschland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=777","title":{"rendered":"Hrsg.: Stephan Vo\u00df, Erich Marks &#8211; 25 Jahre Gewaltpr\u00e4vention im vereinten Deutschland"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Hrsg.: Vo\u00df,\u00a0Stephan, Marks, Erich;<\/em> .;<\/strong> Dokumentation des Symposiums an der Alice Salomon Hochschule in Berlin am 18. und 19. Februar 2016 in zwei B\u00e4nden, Berlin, 2016, ISBN 978-3-86460-575-8, 35.80 EUR<\/p>\n<p><strong><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-778 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gewaltpraevention_25jahre-106x150.png\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gewaltpraevention_25jahre-106x150.png 106w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/gewaltpraevention_25jahre.png 200w\" sizes=\"(max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/strong><\/p>\n<ol>\n<li><strong> Thema<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die zwei B\u00e4nde beinhalten die umfangreiche Dokumentation des Symposiums &#8222;25 Jahre Gewaltpr\u00e4vention im vereinten Deutschland. Bestandsaufnahme und Perspektiven&#8220;, das am 18.\/19. Februar 2016 in Berlin stattfand. Die Veranstaltung widmete sich den breit gef\u00e4cherten Gewaltph\u00e4nomenen.<!--more--><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Inhalt<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>In den drei Monaten vor Er\u00f6ffnung des Symposiums wurden bundesweit 21.000 neue kleine Waffenscheine ausgestellt. Mit diesem kurzen Hinweis in seinem Gru\u00dfwort gelingt es Ralf Kleindiek, den Leser sofort mitten in das Thema hineinzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>Mit 550 Seiten (Band I) und 526 Seiten (Band II) legen die beiden Herausgeber eine umfangreiche Tagungsdokumentation vor, die \u00fcber die Internetseite http:\/\/gewalt-praevention.info\/nano.cms\/dokumentation auch (frei verf\u00fcgbar) online abgerufen und im pdf-Format artikelweise heruntergeladen werden kann. Die Online-Version weist allerdings eine andere Systematik bei der Seitennummerierung auf, was bei Zitationen zu ber\u00fccksichtigen ist. Mit rund 250 Teilnehmern war es Ziel des Symposiums, die Zukunft der Gewaltpr\u00e4vention in Deutschland zu diskutieren (vgl. Vo\u00df\/Marks 2017, 295). Im Zuge des 2-t\u00e4gigen Symposiums richtete der Veranstalter 19 Arbeitsgruppen f\u00fcr unterschiedliche Arbeitsfelder ein, in denen die Teilnehmer\/-innen eine Bestandsaufnahme durchf\u00fchrten und hier\u00fcber diskutierten. Am zweiten Tag folgten arbeitsfeld\u00fcbergreifende Diskussionen und Bewertungen dieser Ergebnisse mit dem Ziel, Thesenpapiere f\u00fcr die k\u00fcnftige Gewaltpr\u00e4vention zu entwickeln. Auf dieser Grundlage beinhaltet Band I Beitr\u00e4ge zu den ersten zehn Arbeitsfeldern und Band II die verbleibenden neun Arbeitsfelder sowie die Thesenpapiere zu 18 Arbeitsfeldern (ohne das Arbeitsfeld <em>Rechte Gewalt<\/em>).<\/p>\n<p>Bei den Beitr\u00e4gen in Band I und II zu den 19 Arbeitsfeldern handelt es sich um die Texte, die den Arbeitsgruppen vorab zur Verf\u00fcgung gestellt wurden und in denen Wissenschaftler oder Praktiker die jeweiligen Entwicklungen, Diskussionen und Handlungsbedarfe aufzeigen sollten. Diese gut gew\u00e4hlte Methode kommt auch dem Leser zugute, dem dadurch ein komprimierter Einstieg in folgende facettenreichen Gewaltph\u00e4nomene erm\u00f6glicht wird:<\/p>\n<p>Partnergewalt (H\u00e4usliche und sexualisierte Gewalt), Gewalt von Erwachsenen gegen Kinder und Jugendliche (Gewalt in der Erziehung), Kinderschutz, Gewalt in der Kita, Gewalt in der Schule, Gewalt im Sport am Beispiel Fu\u00dfball, Gewalt im \u00f6ffentlichen Raum, Gewalt und Medien, Vielfach auff\u00e4llige straff\u00e4llige junge Menschen, Gewalt gegen alte Menschen, Vorurteilsmotivierte Gewalt, Rechte Gewalt, (De)Radikalisierung junger Menschen, Polizeiliche Intervention und Pr\u00e4vention, Jugendstrafrechtspflege, Opfer von Gewalt, Kommunale Pr\u00e4vention, Pr\u00e4vention auf der Landes- und auf der Bundesebene, Gewaltpr\u00e4vention und Gesundheitswissenschaften (Public Health). Hervorzuheben ist das letzte Arbeitsfeld &#8222;Evaluation und Qualit\u00e4tsentwicklung in der Gewaltpr\u00e4vention und -intervention&#8220;.<\/p>\n<p>Die zwei B\u00e4nde bieten einen sch\u00f6nen Service, da die in den Arbeitsgruppen entwickelten Forderungen in einem gesonderten Beitrag in Band II nochmals zusammengefasst werden und dar\u00fcber hinaus die am 22. Juli 2017 leider verstorbene Wiebke Steffen diese Forderungen in ihrem Tagungsfazit zu einer gro\u00dfen Linie zusammenfasst. Zus\u00e4tzlich dazu beinhaltet der Band I einen R\u00fcckblick des Herausgebers auf das Symposium.<\/p>\n<p>Bemerkenswert sind Hinweise an etlichen Stellen des Doppelbandes auf die Arbeit der Gewaltkommission (vgl. Schwind et al. 1989; Eckert\/Willems 2004, 535 ff), die vielerorts schon in Vergessenheit geraten ist. Auch vor diesem Hintergrund ist das Veranstaltungsfazit von Wiebke Steffen zu betrachten, wenn sie darauf hinweist, dass dem &#8222;Transfer der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die Praxis&#8220; mehr Bedeutung zukommen sollte. &#8222;Kommt das Wissen an, wie kommt es an und (wie) wird es umgesetzt?&#8220; Neben dem Er\u00f6ffnungsvortrag m\u00fcssen ebenfalls die zwei Aufs\u00e4tze von Rafael Behr \u00fcber &#8222;Pr\u00e4ventionsstrategie(n) der deutschen Polizei im Wandel der letzten 25 Jahre&#8220; und &#8222;<a href=\"http:\/\/www.gewalt-praevention.info\/html\/download.cms?id=64&amp;datei=Behr+III.pdf\">Polizeiliche Pr\u00e4ventionsarbeit der Zukunft<\/a>&#8220; hervorgehoben werden, der zwei wesentliche Entwicklungsmomente der Pr\u00e4vention aufgreift: Die Vorverlagerung des Verdachts bzw. des Gefahrenbegriffs und die zunehmende Verwendung von Pr\u00e4ventionstechnik. Diese zwei Beitr\u00e4ge z\u00e4hlen sicherlich zu den H\u00f6hepunkten des mehr als 1.000 Seiten starken Werkes. Dieter Hermann bietet eine weitere Beschreibung der kommunalen Kriminalpr\u00e4vention; daran mangelt es zwar inzwischen nicht mehr, dennoch gibt er einen guten \u00dcberblick \u00fcber bekannte Defizite und weiterhin ungel\u00f6ste Probleme. Es w\u00e4re jedoch w\u00fcnschenswert, wenn sich derartige Aufs\u00e4tze kritischer mit der Broken Windows-<em>These<\/em> auseinandersetzen w\u00fcrden, denn viele der in den zwei Tagungsb\u00e4nden beschriebenen Gewaltph\u00e4nomene werden in den kommunalen Gremien nur bedingt behandelt &#8211; zugunsten einer diffusen und oft auf Sauberkeit und Ordnung ausgerichteten Pr\u00e4ventionsstrategie. Broken Windows war nicht nur Schrittmacher des Booms der Kriminalpr\u00e4ventiven R\u00e4te, sondern pr\u00e4gt bis heute vielerorts lokale Aktivit\u00e4ten. Roland Eckert beschreibt in seinem zu empfehlenden Aufsatz Einflussfaktoren auf Radikalisierungen und richtet seinen Blick auf makrostrukturelle Faktoren. Demnach beginnt die Gewaltpr\u00e4vention bereits mit der Annahme vorhandener gesellschaftlicher und kultureller Konflikte. Auf diesen Aspekt weist auch Michael Kohlstruck (S. 48, Band II) hin. Andreas Mayer, den das Autorenverzeichnis der ProPK zuschreibt, verfasste in \u00a0seinem Beitrag &#8220; 25 Jahre Polizeiliche &#8222;Intervention und Praxis&#8220; von Gewalt&#8220; (Band II) &#8211; wen wundert es &#8211; eine mehr als wohlwollende Beschreibung der ProPK-Arbeit. Hier w\u00e4re entweder mehr Distanz zum Thema oder eine kritischere Reflektion w\u00fcnschenswert gewesen. \u00c4rgerlich zudem, dass zwei von drei in den Fu\u00dfnoten angegebene Links ins Leere laufen. Andreas Klose schildert umfangreich und lesenswert die Entwicklung der Fu\u00dfball-Fanprojekte und des Nationalen Konzeptes Sport und Sicherheit. Auf Seite 351 (Band I) zitiert er aus der Schriftenreihe der (ehemaligen) PFA Hiltrup:<\/p>\n<p>Der Berliner Fu\u00dfballfan Mike Polley wurde am Samstag, den 3. November 1990 von einem Polizeibeamten bei Auseinandersetzungen zwischen (Ost) Berliner Fans\/Hooligans und der Leipziger Polizei im Rande des Fu\u00dfballspiels zwischen Lok Leipzig und dem DFC Dynamo Berlin erschossen.<\/p>\n<p>Davon ausgehend, dass Klose richtig zitiert hat, h\u00e4tte es hier dringend einer Korrekturanmerkung bedurft, denn es handelt sich quasi um ein Schalke 05-Syndrom. Zun\u00e4chst geht es bei diesem Vorkommnis um den <strong>B<\/strong>FC Dynamo. Das Spiel fand zwar in Leipzig statt, doch Gegner war nicht Lok Leipzig, sondern der FC Sachsen Leipzig; der Vorg\u00e4ngerverein des FC Sachsen war die BSG Chemie Leipzig und damit der \u00e4rgste Rivale (bereits zu DDR-Zeiten) von Lok.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Fazit<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die 19 behandelten Arbeitsfelder verdeutlichen den differenzierten Blick auf das weite Feld der Gewaltpr\u00e4vention, ohne sich in Definitionsfragen zu verlieren. Mit den Grundlagentexten stehen in der Gesamtbetrachtung gute Texte zur Verf\u00fcgung, die nicht nur einen thematischen Einstieg gew\u00e4hren, sondern Handlungsbedarfe aufzeigen und Denkimpulse setzen. Zu diskutieren ist lediglich, ob die zwei Arbeitsfelder &#8222;Vorurteilsmotivierte Gewalt&#8220; und &#8222;Rechte Gewalt&#8220; ausgewogen genug gew\u00e4hlt wurden. Positiv hervorzuheben ist zudem, dass die in beiden B\u00e4nden beinhalteten (Gesamt-) Inhaltsverzeichnisse (die auf den jeweiligen Band zugeschnitten sind) eine gute Navigation durch die rund 1.000 Seiten erm\u00f6glichen. Das Autorenverzeichnis weist lediglich auf deren institutionelle Herkunft hin. Hier w\u00e4ren n\u00e4here Angaben w\u00fcnschenswert gewesen. Die Produktion des Buches erfolgte \u00fcber book-on-demand. Bereits beim ersten Eindruck f\u00e4llt die Qualit\u00e4t des Papiers auf. Der Leser erh\u00e4lt f\u00fcr g\u00fcnstige 35,80 EUR also auch ein qualitativ gut hergestelltes Produkt, das sich sowohl f\u00fcr Praktiker also auch f\u00fcr Wissenschaftler eignet.<\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Eckert, R.; Willems, H.: Gewaltforschung und Politikberatung. Die Kommissionen, in: Gewalt, hrsg. von Wilhelm Heitmeyer, Hans-Georg Soeffner, Frankfurt am Main, 2004, S. 525 &#8211; 544<\/p>\n<p>Schwind, H.D. et al.: Ursachen, Pr\u00e4vention und Kontrolle von Gewalt. Analysen und Vorschl\u00e4ge der Unabh\u00e4ngigen Regierungskommission zur Verhinderung und Bek\u00e4mpfung von Gewalt (Gewaltkommission), Band I: Endgutachten und Zwischengutachten der Arbeitsgruppen, Berlin, 1989<\/p>\n<p>Vo\u00df, S.; Marks, E.: Bestandsaufnahme und Perspektiven zur Pr\u00e4vention von Gewalt, in: Kriminalistik 5\/2017, S. 295 &#8211; 299<\/p>\n<p>Rezensiert von: Karsten Lauber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hrsg.: Vo\u00df,\u00a0Stephan, Marks, Erich; .; Dokumentation des Symposiums an der Alice Salomon Hochschule in Berlin am 18. und 19. 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