{"id":780,"date":"2017-08-31T11:37:47","date_gmt":"2017-08-31T09:37:47","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=780"},"modified":"2017-08-31T11:37:47","modified_gmt":"2017-08-31T09:37:47","slug":"guido-limmer-ueberfuehrt-spektakulaere-faelle-der-kriminaltechnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=780","title":{"rendered":"Guido Limmer &#8211; \u00dcberf\u00fchrt \u2013 Spektakul\u00e4re F\u00e4lle der Kriminaltechnik"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Limmer, Guido<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>;<\/em> \u00dcberf\u00fchrt \u2013 Spektakul\u00e4re F\u00e4lle der Kriminaltechnik<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/strong><strong>;<\/strong> ISBN: 978-3-86883-164-1, 236 Seiten, riva Verlag, M\u00fcnchen, 2017, 19,99 \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-781 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ueberfuehrt-107x150.png\" alt=\"\" width=\"107\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ueberfuehrt-107x150.png 107w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/ueberfuehrt.png 200w\" sizes=\"(max-width: 107px) 100vw, 107px\" \/><\/p>\n<p>Limmer legt eine (aus Datenschutzgr\u00fcnden verfremdete) kasuistische Sammlung unterschiedlicher Kriminalf\u00e4lle vor. Dabei sind ihm weniger chronologische oder biografische Details, sondern vielmehr die gutachterliche kriminal\u00adtechnische Bewertung der Spuren und die Darstellung der Bez\u00fcge zur naturwissenschaftlichen Forensik wichtig. Das unterscheidet das Buch in angenehmer Weise von den inzwischen zuhauf auf den Markt \u201egeworfenen\u201c Autobiografien ehemaliger Kriminalisten, die mit unterschiedlicher Motivation ihr berufliches Lebenswerk zu reflektieren versuchen. <!--more-->Der Autor will auch kein fachwissenschaftliches Werk vorlegen, weshalb er diesbez\u00fcglich, jedenfalls hinsichtlich der beschriebenen forensischen Methoden und Werkzeuge, vereinzelt ein wenig <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/rezension\/buchkritik-zu-ueberfuehrt\/1453543\">kritisiert<\/a> wurde. Andererseits, so die Kritik, <em>\u201el\u00e4sst das Buch einen mitfiebern, bietet einen Blick hinter die Kulissen der Kriminaltechnik und zeigt, wie die beteiligten Wissenschaftler wirklich arbeiten. Lieber(innen) der Serie &#8222;CSI&#8220; d\u00fcrften hier und dort ern\u00fcchtert werden\u00a0\u2013 und realistischere Vorstellungen bekommen, als die Serie sie vermittelt.\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><strong>[3]<\/strong><\/a> <\/em><\/p>\n<p>Limmer legt gleichzeitig eine episodenhaft gestaltete \u201epopul\u00e4r\u00adwissen\u00adschaftliche\u201c Sammlung j\u00fcngerer Kriminalf\u00e4lle und ihrer Aufkl\u00e4rung mittels moderner naturwissenschaftlicher Forensik, gleichsam eine Fortsetzung des <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/1967\/47\/morde-am-laufenden-band\">\u201eNeuen Pitaval\u201c<\/a><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>, wie auch eine \u201eessayistische\u201c Abwandlung klassischer Detektivgeschichten, Hauptdarsteller allerdings nicht Sherlock Holmes oder seine zahlreichen romanesken Kollegen, sondern eine (gewollt) namenlose Schar hochspezialisierter, ausschlie\u00dflich der strengen wissenschaftlichen Logik folgender, vorbildlich interdisziplin\u00e4r im gut bestellten \u201eKrimi\u00adnaltechnischen Institut\u201c des Bayerischen Landeskriminalamtes zusammenar\u00adbeitender, wissen\u00adschaftlich ausgebildeter Forensiker und verbeamteter Kriminaltechniker, vor. Dabei bemerkt man seinen durchaus berechtigten Stolz auf die von ihm acht Jahre geleitete Abteilung und seine ann\u00e4hernd 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in insgesamt elf forensischen Sachgebieten p. a. durchschnittlich rund 30.000 Untersuchungsantr\u00e4ge gutachtlich spurentechnisch forensisch bewerten. Das ist wahrscheinlich auch der Umstand, auf den die o. g. Kritikerin (vgl. Fn. 3) mit den Worten: <em>\u201eLimmers Sprachstil wirkt gelegentlich pathetisch bis gestelzt: \u201aEs ist ein ungleicher Kampf, will man meinen, insbesondere wenn man nach der Lekt\u00fcre dieses Buchs erkannt hat, mit welcher Macht, Ausdauer und geballter Kraft die Exekutive zu agieren vermag.\u2019 Hier d\u00fcrfte dem Autor die Leidenschaft f\u00fcrs Thema durchgegangen sein\u201c<\/em> hingewiesen hat \u2013 wer will es ihm verdenken?).<\/p>\n<p>Der Autor bietet aber auch ein Kompendium, ein m. E. empfehlenswertes, bewusst einfach gehaltenes aber anwendungsbezogen durchaus wertvolles kasuistisches \u201eLehrbuch\u201c krimina\u00adlistischer Heuristik und Syllogistik und der forensischen Methodik der Verifizierung bzw. Falsifizierung derartig erzeugter Hypothesen als Grundlagenwerk f\u00fcr angehende Kriminalisten an. Fallbezogen wagt er dabei einen wie ich meine gelungenen \u201eParforceritt\u201c durch die forensische Landschaft der Physik, Chemie, Biologie, Medizin, Mathematik, Phonetik und ihrer kriminaltechnischen Derivate \u201eSerologie, Toxikologie, Daktyloskopie, Formspuren, Urkunden und Handschriften sowie der forensischen Informations- und Kommunikationstechnik.\u201c Dabei hinterfragt er mitunter durchaus berechtigt und kritisch strafprozessual bedeutsame Umst\u00e4nde, wie die der Unabh\u00e4ngigkeit und Objektivit\u00e4t staatlich besch\u00e4ftigter Gutachter und deren m\u00f6glicher Befangenheiten, bspw. im Zusammenhang mit der staatlichen Aufkl\u00e4rungs\u00adpflicht bei Straftaten, und verweist hierbei auch auf unterschiedliche Erfahrungen anderer L\u00e4nder (z. B. nach der Aufl\u00f6sung des staatlichen \u201eForensic Science Service\u201c in GB im Jahr 2011 \u2013 dort bearbeiten inzwischen zahlreiche privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen die Spurenauftr\u00e4ge mit unterschiedlichem Erfolg). Verpackt sind die forensischen Lektionen in anonymisierte, veranschaulichende Kurzgeschichten \u00fcber tats\u00e4chliche Kriminalf\u00e4lle, die jedoch im Einzelnen hier nicht der Vorstellung bed\u00fcrfen, da sie nur das \u201eFluidum\u201c f\u00fcr die Forensik \/ Kriminaltechnik bieten.<\/p>\n<p>Kurzum, ein kurzweiliges kriminalistisches (\u201eFach\u201c-)Buch mit angemessenem Preis-Leistungs-Verh\u00e4ltnis, das schnell, ggf. auch nebenbei gelesen werden kann (der Rezensent hat es bspw. auf meinem Nachttisch liegend in drei oder vier Tagen \u201ekonsumiert\u201c). Inhaltlich ist es trotz seines allgemein gehaltenen, popul\u00e4rwissenschaftlichen Charakters und gelegentlicher Unsch\u00e4rfen dennoch nicht zu untersch\u00e4tzen, es gilt hierbei auch f\u00fcr scheinbar erfahrene Kriminalisten fachlich vor allem der zweite Halbsatz des alten von Bacon \u00fcberlieferten und auf Plutarch zur\u00fcckzuf\u00fchrenden Grundsatzes \u201eaudacter calumniare, semper aliquid haeret!\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.polizei.bayern.de\/content\/2\/5\/0\/5\/5\/8\/2016-10-28_limmer_werdegang.pdf\">Guido Limmer<\/a>, Rechtswissenschaftler, <a href=\"http:\/\/www.polizei.bayern.de\/schwaben_sw\/news\/presse\/aktuell\/index.html\/250558\">Polizeivizepr\u00e4sident<\/a> beim Polizeipr\u00e4sidium Schwa\u00adben S\u00fcd-West in Kempten im Allg\u00e4u, Bayern, langj\u00e4hriger Leiter (2009 \u2013 2016) der <a href=\"https:\/\/www.polizei.bayern.de\/content\/1\/8\/7\/1\/organisationsplan.pdf\">Abteilung II<\/a>, <a href=\"http:\/\/www.polizei.bayern.de\/kriminalitaet\/technik\/index.html\/525\">Kriminaltechnisches Institut<\/a>, des Bayerischen Landeskriminalamtes.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Hrsg. bei <a href=\"https:\/\/www.m-vg.de\/riva\/shop\/article\/2671-ueberfuehrt\/\">riva<\/a> , M\u00fcnchener Verlagsgruppe GmbH, zuletzt abgerufen am 19.08.2017. Unterst\u00fctzt wurde Limmer hierbei durch den M\u00fcnchener Journalisten, Gerichtsreporter und Autor Michael G\u00f6sele<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Spektrum der Wissenschaft, Rezension von <a href=\"http:\/\/www.spektrum.de\/rezension\/buchkritik-zu-ueberfuehrt\/1453543\">Katharina Schmitz<\/a>, 26.04.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Begriff zur\u00fcckzuf\u00fchren auf <u>Fran\u00e7ois Gayot de Pitaval<\/u> (* 1673, + 1743, franz\u00f6sischer Jurist und Autor) und dessen 1738 erstmals herausgegebener, insgesamt zwanzigb\u00e4ndiger Sammlung <a href=\"http:\/\/reader.digitale-sammlungen.de\/de\/fs1\/object\/display\/bsb10396553_00005.html\">\u201eCauses Celebres et interessantes, avec Les Jugements qui les ont decid\u00e9es\u201c<\/a>, die damals zun\u00e4chst als juristische Fach-, sp\u00e4ter auch als allgemeine Publikumslekt\u00fcre diente und in dieser Literaturform und -gattung \u00fcber viele Jahre als sogenannte \u201ePitaval\u00adgeschichten\u201c gro\u00dfen Anklang in der Gesellschaft fand. Der <a href=\"http:\/\/gutenberg.spiegel.de\/buch\/der-neue-pitaval-4838\/1\"><strong>\u201eNeue Pitaval\u201c<\/strong><\/a>, in Stil, Inhalt und Aufmachung an das Original angelehnt, in den Jahren 1842 &#8211; 1890 von Julius Eduard Hitzig und Wilhelm H\u00e4ring, fortgef\u00fchrt von Willibald Alexis, in insgesamt sechzig B\u00e4nden herausgegeben, enthielt 600 dokumentarerz\u00e4hlerische Darstellungen von Kriminalf\u00e4llen, die <em>\u201enach Justizakten oder anderen \u00dcberlieferungen f\u00fcr ein Publikum bearbeitet wurden, das sich weniger f\u00fcr die Aspekte der juristischen Verfahren als vielmehr f\u00fcr die Biografien der T\u00e4ter(innen) sowie f\u00fcr die psychologischen, sozialen und historischen Umst\u00e4nde ihrer Taten interessierte und dabei vor allem auch spannend-lehrreiche Lekt\u00fcre anzubieten versuchte\u201c<\/em> (Quelle: Wikipedia, Stichwort: \u201eDer neue Pitaval\u201c). Auch in der Neuzeit gab es noch einige weitere, minder erfolgreiche Versuche, diese Literaturgattung des \u201ePitaval\u201c fortzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Limmer, Guido[1]; \u00dcberf\u00fchrt \u2013 Spektakul\u00e4re F\u00e4lle der Kriminaltechnik[2]; ISBN: 978-3-86883-164-1, 236 Seiten, riva Verlag, M\u00fcnchen, 2017, 19,99 \u20ac Limmer legt eine (aus Datenschutzgr\u00fcnden verfremdete) kasuistische Sammlung unterschiedlicher Kriminalf\u00e4lle vor. Dabei sind ihm weniger chronologische oder biografische Details, sondern vielmehr die gutachterliche kriminal\u00adtechnische Bewertung der Spuren und die Darstellung der Bez\u00fcge zur naturwissenschaftlichen Forensik wichtig. 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