{"id":786,"date":"2017-08-31T11:45:31","date_gmt":"2017-08-31T09:45:31","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=786"},"modified":"2017-08-31T11:45:31","modified_gmt":"2017-08-31T09:45:31","slug":"thomas-kruchem-am-tropf-von-big-food-wie-die-lebensmittelkonzerne-den-sueden-erobern-und-arme-menschen-krank-machen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=786","title":{"rendered":"Thomas Kruchem &#8211; Am Tropf von Big Food. Wie die Lebensmittelkonzerne den S\u00fcden erobern und arme Menschen krank machen."},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Kruchem, Thomas;<\/em> Am Tropf von Big Food. Wie die Lebensmittelkonzerne den S\u00fcden erobern und arme Menschen krank machen.; <\/strong>Transkript-Verlag Bielefeld, 2017, 214 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8376-3965-0<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-787 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/am_tropf-99x150.png\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/am_tropf-99x150.png 99w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/08\/am_tropf.png 200w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/><\/p>\n<p>\u201eWeltweit bedroht heute eine Pandemie der Fettleibigkeit und ihrer Folgeerkrankungen Industrie- wie Entwicklungsl\u00e4nder. Und dieser Pandemie zu begegnen ist schwer: Den Kampf gegen Hunger und Unterern\u00e4hrung haben Regierungen, soziale Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen gef\u00fchrt, indem sie gemeinsam die \u00f6ffentliche Versorgung mit Nahrungsmitteln verbesserten. Im Kampf gegen krank machende Fettleibigkeit aber m\u00fcssen sich nun B\u00fcrger und Regierungen m\u00e4chtigen Konzernen entgegenstellen, die ihr Geld mit dem Verkauf ungesunder Nahrungsmittel verdienen.\u201c<!--more--><\/p>\n<p>Mit diesen S\u00e4tzen leitet Thomas Kruchem sein Buch ein, das gleicherma\u00dfen deprimiert wie aufr\u00fcttelt.<\/p>\n<p>Wir wissen alle, dass es um die Gesundheit und Ern\u00e4hrung in weiten Schichten unserer Bev\u00f6lkerung nicht gut steht. Erst langsam aber dringt es in unser Bewusstsein, dass die Lage in den sog. \u201eEntwicklungsl\u00e4ndern\u201c noch wesentlich dramatischer ist. \u00c4hnlich wie bei der \u201eFl\u00fcchtlingswelle\u201c, die ja so pl\u00f6tzlich \u00fcber uns kam (in Wirklichkeit haben Wissenschaftler wie NGOs seit Jahren darauf hingewiesen, dass Hunger, Durst und Krieg dazu f\u00fchren werden, dass immer mehr Menschen von Afrika nach Europa fl\u00fcchten), verschlie\u00dfen wir die Augen vor etwas, was in den kommenden Jahren und Jahrzehnten unseren Globus ebenso negativ beeinflussen wird wie Kriege: Die massenweise Produktion und Vermarktung von ungesunden Lebensmitteln und Getr\u00e4nken.<\/p>\n<p>Dies allein ist, so k\u00f6nnte man sagen, nur ein Problem von Markt und Nachfrage \u2013 und damit auch von Aufkl\u00e4rung. Uns ist aber nicht bewusst, dass tagt\u00e4glich Millionen von Menschen abh\u00e4ngig von diesen ungesunden Lebensmitteln sind und von Firmen wie Coca-Cola, Nestl\u00e9, Danone und anderen weiter gemacht werden. Ebenso wissen wir nicht (oder wollen es nicht wissen?) von dem erfolgreichen Versuch dieser multinationalen Konzerne, ihre Kritiker mundtot zu machen oder zu korrumpieren.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich schl\u00e4gt inzwischen auch die Weltgesundheitsorganisation Alarm. \u201eBig Food\u201c, die multinationale Nahrungsmittelindustrie, ist noch gef\u00e4hrlicher als die Tabak- und Alkoholindustrie. Aggressiv erobern die Konzerne arme L\u00e4nder und dr\u00e4ngen mangelern\u00e4hrten M\u00fcttern und ihren Kindern krankmachendes Junkfood auf \u2013 Instantnudeln, Kekse, Chips, \u00fcberzuckerte Drinks. Die Folge: eine Pandemie der Fettleibigkeit \u2013 allein in China starben 2016 1,3 Millionen Menschen an Diabetes. \u201eBig Food\u201c macht Riesen-Profite auf dem R\u00fccken der \u00c4rmsten.<\/p>\n<p>Der Autor deckt in seinem Buch auf, wie \u201eBig Food\u201c Nothilfe-Organisationen vor seinen Karren spannt und Kritiker mundtot macht; wie die Konzerne UN-Organisationen, Hilfswerke wie Oxfam oder \u201eSave the Children\u201c sowie Wissenschaftler mit Millionen finanzieren, um auf sie Einfluss zu nehmen. Gegen diese Praktiken schl\u00e4gt Thomas Kruchem am Ende zehn konkrete politische Ma\u00dfnahmen vor. Zuvor aber schildert er anschaulich an Beispielen aus vielen L\u00e4ndern, welchen Schaden diese T\u00e4ter anrichten, wie sie Menschen t\u00e4uschen und wen sie wie vor ihren Karren spannen. Die kriminelle Vereinigung der Lebensmittelkonzerne kennt nur eines: ihren Profit und den der Aktion\u00e4re. Ethik? Unbekannt. Rechtliche Vorschriften? Sind da, um umgangen zu werden. \u201eBig Food\u201c macht Menschen krank, verdr\u00e4ngt lokale Ern\u00e4hrungssysteme, die (wenn auch oftmals mehr schlecht als recht) die Menschen \u00fcber Jahrhunderte gelernt haben, und konterkariert nicht nur die internationale Entwicklungshilfe, sondern verdient auch noch daran mit, in dem man auch dorthin seine Kunstprodukte verkauft.<\/p>\n<p>Vor allem die \u201eErschlie\u00dfung der Armen als Konsumenten\u201c (S. 60 ff.) macht w\u00fctend und hilflos gleichzeitig. Nicht genug, dass ungesunde Produkte an zahlungskr\u00e4ftige Konsumenten in Amerika und Europa gebracht werden; nachdem hier das Bewusstsein f\u00fcr gesunde Ern\u00e4hrung steigt und die M\u00e4rkte einzubrechen drohen, sucht man sich neue Opfer, die man mit kleinen und kleinsten (und dann doch \u00fcberteuerten) Portionen bedient, quasi \u201eanf\u00fcttert\u201c und ihnen zudem (im wahrsten Sinn des Wortes) das Wasser abgr\u00e4bt um es dann, mit Zucker \u201eangereichert\u201c, wieder teuer an sie zu verkaufen.<\/p>\n<p>Das Buch l\u00e4sst einen am Ende ratlos und w\u00fctend zur\u00fcck. Aber Wut kann nicht nur zerst\u00f6rerisch, sondern auch produktiv sein. Wenn sie sich beispielsweise gegen die gro\u00dfen Konzerne und die dort herrschenden kriminellen Vereinigungen richtet und sich vielleicht sogar mal ein Staatsanwalt \u00fcberlegt, ob denn hier nicht der Tatbestand der fahrl\u00e4ssigen T\u00f6tung erf\u00fcllt ist. Aber wenn man nicht mal den AUDI-Vorstand vor ein Strafgericht bekommt, der fein untereinander und mit anderen Firmen abgestimmt serienm\u00e4\u00dfigen Betrug begangen hat, wie soll man denn dann den internationalen Lebensmittelkonzernen beikommen?<\/p>\n<p>Rezensiert von: Thomas Feltes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kruchem, Thomas; Am Tropf von Big Food. Wie die Lebensmittelkonzerne den S\u00fcden erobern und arme Menschen krank machen.; Transkript-Verlag Bielefeld, 2017, 214 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-8376-3965-0 \u201eWeltweit bedroht heute eine Pandemie der Fettleibigkeit und ihrer Folgeerkrankungen Industrie- wie Entwicklungsl\u00e4nder. Und dieser Pandemie zu begegnen ist schwer: Den Kampf gegen Hunger und Unterern\u00e4hrung haben Regierungen, &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=786\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Thomas Kruchem &#8211; Am Tropf von Big Food. 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