{"id":793,"date":"2017-09-12T09:34:40","date_gmt":"2017-09-12T07:34:40","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=793"},"modified":"2017-09-12T09:38:51","modified_gmt":"2017-09-12T07:38:51","slug":"arndt-sinn-organisierte-kriminalitaet-3-0","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=793","title":{"rendered":"Arndt Sinn &#8211; Organisierte Kriminalit\u00e4t 3.0"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Sinn, Arndt\u00a0Prof. Dr.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>;<\/em> \u201eOrganisierte Kriminalit\u00e4t 3.0\u201c<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a><\/strong><strong>;<\/strong> ISBN: 978-3-662-49843-9, 84 Seiten, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2016, 29.99 \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-794 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-03-um-21.29.28-99x150.png\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-03-um-21.29.28-99x150.png 99w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/Bildschirmfoto-2017-09-03-um-21.29.28.png 440w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/><\/p>\n<p>Der Autor, der sich sehr intensiv mit dem Ph\u00e4nomen OK auseinandersetzt und zahlreichen fachspezifischen (internationalen) Expertengremien angeh\u00f6rt, hat erst am 16. Mai 2017 seine neue Studie <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/cn\/book\/9783662552681\">\u201eWirtschaftsmacht Organisierte Kriminalit\u00e4t: Illegale M\u00e4rkte und illegaler Handel\u201c<\/a><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>\u00a0 (ebenfalls bei Springer erschienen) in der Bundespressekonferenz vorgestellt.<!--more--><\/p>\n<p>Mit seiner im Jahr 2016 bei Springer herausgegebenen kompakten 79seitigen Studie <strong>\u201eOrganisierte Kriminalit\u00e4t 3.0\u201c<\/strong> hat er sich zum Ziel gesetzt, \u201enach mehr als 30 Jahren OK-Diskussion den Blick f\u00fcr die ge\u00e4nderte OK-Lage in Deutsch\u00adland und in der Europ\u00e4ischen Union zu sch\u00e4rfen.\u201c Eine Herakles-Aufgabe, die er &#8211; seiner selbstgew\u00e4hlten Chronisten-Pflicht folgend &#8211; trotz geringem Umfangs der Studie in ausreichender Pointierung darbietet. Wenngleich die Erl\u00e4uterung, was denn die \u201eFolgestufe OK 3.0\u201c<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> nun eigentlich charakterisiert (S. 61) und vor allem, was sie von den bisherigen Modellen \u201eOK 1.0\u201c und der \u201eersten Evolutionsstufe OK 2.0\u201c unterscheidet<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> (S. 77) sehr sp\u00e4t und sehr allgemein erfolgt, zeigt der der Autor komprimiert und dennoch recht anschaulich, wie sich die \u201eOrganisierte Kriminalit\u00e4t\u201c auf die Entwicklung neuer Technologien, die Etablierung neuer M\u00e4rkte, den ver\u00e4nderten Wert und Rang von Ressourcen, ver\u00e4nderte gesellschaftliche Entw\u00fcrfe in einem gr\u00f6\u00dferen, transnationalen Bezugsrahmen mit rechtlich divergierenden straf- und strafprozessrechtlichen Referenz\u00adsystemen in unglaublicher Geschwindigkeit einstellt. Hingegen gr\u00fcnden \u2013 und das ist die Kernaussage der Studie &#8211; die beh\u00f6rdlichen Bek\u00e4mpfungsstrategien nach wie vor und trotz der Einrichtung supranationaler Agenturen und damit verbundener kriminalstrategischer und -politischer Aktivit\u00e4ten und einem verbesserten Informationsaustausch auf weitgehend tradierten Mustern. So orientiert sich bspw. die deutsche fachspezifische Kriminalstrategie im Wesentlichen immer noch an einem strafrechtliche, soziologische, psycho\u00adlogische und \u00f6konomische Elemente umfassenden (relativ starren) OK-Definitionsraster aus den 1990er Jahren<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>, etwas sp\u00e4ter erg\u00e4nzt um ein Indi\u00adkatoren gest\u00fctztes (aufgenommen in einer Anlage zum Definitionsraster und grds. ver\u00e4nderbar) und damit etwas flexibler und variabler handhabbares OK-Konzept in den L\u00e4ndern<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> (derartige und nahezu inhaltsgleiche Bekannt\u00admachungen sind aufgrund der \u201ePolizeihoheit\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a> in allen Bundesl\u00e4ndern verf\u00fcgt).<\/p>\n<p>Sinn mahnt, dass die (deutsche \u2013 weltweit existieren wohl mehr als 180 unterschiedliche Definitionen!) OK-Definition kein \u201eAusschlie\u00dflichkeitsdogma\u201c (\u201aS. 7) darstellen d\u00fcrfe, da sonst Strafverfolgung und Recht f\u00fcr neue Strukturen blind blieben. Dennoch mache das Definitionsraster durchaus Sinn, wenigstens wenn es als Hilfsmittel statistische Zwecke bedient und im Rahmen eines \u201eN\u00fctzlichkeitskonzepts\u201c (S. 8) ein \u201eLegitimationsinstrument\u201c zur Abgrenzung von justiziellen und polizeilichen Zust\u00e4ndigkeiten bietet und auf beiden Seiten die Grundlage f\u00fcr Organisationsentwicklungen darstellt. Allerdings zeigt sich schon beim (eigentlich nicht statthaften) Vergleich zwischen der \u201ePolizeilichen Kriminalstatistik\u201c und der \u201eStrafverfolgungsstatistik\u201c, dass die OK-Definition weder polizeilich noch justiziell verf\u00e4ngt. Mangels eines origin\u00e4ren \u201eOK-Tatbestandes\u201c im materiellen Strafrecht und nur weniger in der PKS explizit ausgewiesener (ausschlie\u00dflich strafversch\u00e4rfender und nicht -begr\u00fcndender) banden- bzw. gewerbsm\u00e4\u00dfiger Qualifizierungstatbest\u00e4nde bilden weder die PKS noch danach die Strafverfolgungsstatistik ein ad\u00e4quates Hellfeld der OK ab. Die zusammenfassenden j\u00e4hrlichen <a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/AktuelleInformationen\/StatistikenLagebilder\/Lagebilder\/OrganisierteKriminalitaet\/organisiertekriminalitaet_node.html;jsessionid=311016D2089E5B5226FAE9F85D127CF7.live2291\">OK-Lageberichte des BKA<\/a> helfen da auch nicht weiter, denn sie bilden nur die gef\u00fchrten Verfahren, also die \u201eErgebnisse polizeilicher Strafverfolgungsaktivit\u00e4ten\u201c, die gerade auf diesem Gebiet stark von dem eingesetzten Personal und der Logistik sowie den daraus resultierenden \u201eInitiativermittlungen\u201c (zur Kl\u00e4rung des Anfangsverdachts eines OK-Bezugs im Rahmen geltenden Strafprozess- oder Gefahrenabwehrrechts) abh\u00e4ngen, ab und haben somit \u201ewiederum einen kaum wahrnehmbaren Bezug zu den Daten der PKS\u201c. Im Grunde, so Sinn, h\u00e4tten die ermittlungsf\u00fchrenden OK-Dienststellen \u201edie Macht, ein Verfahren als OK einzustufen oder nicht\u201c (OK sei damit klassische Kontrollkriminalit\u00e4t), und das obwohl hinreichend klare Aussagen zur Sachleitungsbefugnis in den Richtlinien bei Gemengelagen fehlen. Nicht nur aus diesem Umstand entsteht ein vermeidbares inhaltliches, definitorisches und prognostisches Durcheinander bei den nationalen und internationalen OK-Lageberichten und Lagebildern, wie u. a. am Beispiel des seit 2013 von Europol ver\u00f6ffentlichten und inhaltlich und definitorisch sehr weitreichenden \u201eEuropean Union Serious and Organised Crime Threat Assessment\u201c (<a href=\"https:\/\/www.europol.europa.eu\/activities-services\/main-reports\">SOCTA<\/a>) deutlich wird.<\/p>\n<p>Insbesondere bem\u00e4ngelt der Autor aber die mangelhafte empirische Forschungs\u00adlage zur OK in Deutschland und mahnt dringenden Bedarf der Fortschreibung an. Au\u00dferdem merkt er diesbez\u00fcglich sehr kritisch und weitreichend begr\u00fcndet an, dass &#8211; neben der Tatsache eines fehlenden spezifischen Straftatbestandes Organisierte Kriminalit\u00e4t (dies halte ich aber schon aus Gr\u00fcnden der erforderlichen Bestimmtheit, Art. 103 Abs. 2 GG \/ \u00a7 1 StGB, f\u00fcr nahezu ausgeschlossen) &#8211; <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/stgb\/__129.html\">\u00a7 129 StGB<\/a> \u2013 Bildung krimineller Vereinigungen \u201eaufgrund der restriktiven Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes auf kriminelle Organisationen faktisch keine Anwendung findet\u201c<a href=\"#_ftn9\" name=\"_ftnref9\">[9]<\/a>, obwohl die Mitgliedschaft in einer solchen auch im Sinne v\u00f6lkerrechtlicher Vereinbarungen, wie<\/p>\n<ul>\n<li>dem \u00dcbereinkommen der Vereinten Nationen gegen die grenz\u00fcberschreitende organisierte Kriminalit\u00e4t (UNTOC \u2013 Kurztitel \u201ePalermo-Konvention\u201c) vom 15.11.2000, dem die Bundesrepublik Deutschland im Rahmen ihrer v\u00f6lkerrechtlichen Verpflichtungen mit einem Gesetz vom 01.09.2005 (<a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&amp;jumpTo=bgbl205s0954.pdf#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl205s0954.pdf%27%5D__1504460333707\"> 2005, Teil II, Nr. 21<\/a>, ausgegeben am 08.09.2005) und in welchem in Art. 2 der Ausdruck \u201eorganisierte kriminelle Gruppe\u201c definiert ist,<\/li>\n<\/ul>\n<p>bzw. verbindlichem EU-Recht, wie z. B. dem<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/?uri=LEGISSUM%3Ajl0011\">Rahmenbeschluss 2008\/841\/JI<\/a> des Rats zur Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t vom 24.10.2008, welcher in seinem Art. 1 Nr. 1 die \u201ekriminelle Vereinigung\u201c und in der Nr. 2 den \u201eorganisierten Zusammenschluss\u201c definiert<a href=\"#_ftn10\" name=\"_ftnref10\">[10]<\/a>,<\/li>\n<\/ul>\n<p>das OK-typische Delikt sei<a href=\"#_ftn11\" name=\"_ftnref11\">[11]<\/a> aber diesbez\u00fcglich trotzdem kaum zur Anwendung gelange. Andere L\u00e4nder der EU seien dabei z. T. wesentlich weiter, so der Autor im rechtsvergleichenden Kapitel 3 seiner Studie.<\/p>\n<p>Eine (relative) Neuigkeit enth\u00e4lt die Studie mit der Feststellung, dass bei \u201ehybriden Gruppierungen die OK-Aktivit\u00e4ten auch der Finanzierung terroristischer Anschl\u00e4ge\u201c diene, dies treffe z. B. in besonderer Weise auf den Zigarettenschmuggel zu, wie z. B. das franz\u00f6sische Zentrum zur Erforschung des Terrorismus (CAT) <a href=\"http:\/\/www.deutschlandfunkkultur.de\/plakatkampagne-ich-rauche-gern-fuer-terrorcamps-ein.976.de.html?dram:article_id=356048\">beschreibt<\/a>.<a href=\"#_ftn12\" name=\"_ftnref12\">[12]<\/a><\/p>\n<p>Kurzum, OK-Strategien haben sich ver\u00e4ndert und die staatlichen Reaktions\u00admuster und Bek\u00e4mpfungsstrategien m\u00fcssten darauf verst\u00e4rkt proaktiv reagieren. Neue, zukunftsgerichtete prognostische Formate, wie z. B. der 2016er Europol-Report <a href=\"https:\/\/www.europol.europa.eu\/publications-documents\/exploring-tomorrow\u2019s-organised-crime\">\u201eExploring tomorrow\u2019s organised crime\u201c<\/a>, oder transnationale \u201eBest-practice-Modelle\u201c<a href=\"#_ftn13\" name=\"_ftnref13\">[13]<\/a> sollten helfen, die supranationale Kriminalpolitik und die einzelnen Mitgliedsstaaten zu befl\u00fcgeln, z. B. \u00fcber diverse Schl\u00fcsselfaktoren der OK-Beeinflussung nachzudenken. Vor allem m\u00fcssten die nationalen und internationalen Kooperationen (unter Einbindung der Staatsanwaltschaften) zur OK-Erkennung, -Analyse und -Verfolgung verst\u00e4rkt, die OK-Bek\u00e4mpfungs-Strategien inter\u00adnationalisiert werden.<\/p>\n<p>Der Autor bietet in seiner Studie zahlreiche rechtliche, organisatorische, kriminaltaktische und -strategische Ans\u00e4tze und Beispiele und macht daher sehr anschaulich die mannigfaltigen Problemstellungen bei der Bek\u00e4mpfung der Organisierten Kriminalit\u00e4t in Europa deutlich. Dabei stellt er heraus, dass die von ihm titelgebend apostrophierte OK 3.0 sich nicht mehr mit nationalstaatlichen Bereichsegoismen wird aufhalten lassen. Damit bereitet er aber &#8211; sicher bewusst &#8211; das Feld f\u00fcr den Einstieg in ein supranationales europ\u00e4isches Teilstraf- und -strafprozessrecht. Es wird spannend zu beobachten sein, wie die Kriminalpolitik auf derartige Reize, deren Intensit\u00e4t allerdings inhaltlich wie auch in der Wahrnehmung noch zunehmen muss, reagieren wird.<\/p>\n<p>\u201eSmall can be effective\u201c \u2013 es m\u00fcssen nicht immer hunderte Seiten fein ziselierter Argumentations- und \u00dcberzeugungskunst sein, um auf eine bedeutende Problemstellung sachgerecht hinzuweisen. Mit seiner kompakten aber gleichwohl inhaltsreichen kleinen Studie legt Sinn an vielen Stellen einen \u201esalzigen Finger in offene (kriminalpolitische) Wunden\u201c und regt damit zum Nachdenken an.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.internationales-strafrecht.uni-osnabrueck.de\/index.php?option=com_content&amp;view=article&amp;id=45&amp;Itemid=53\">Lehrstuhl<\/a> f\u00fcr Deutsches und Europ\u00e4isches Straf- und Strafprozessrecht, Internationales Strafrecht sowie Strafrechtsvergleichung am Institut f\u00fcr Wirtschaftsstrafrecht der Universit\u00e4t Osnabr\u00fcck, zuletzt abgerufen am 03.09.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Website des Springer-Verlags: <a href=\"http:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783662498439\">http:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783662498439<\/a>, zuletzt abgerufen am 03.09.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Ebenfalls bei Springer erschienen und wie die 2016er Studie vom Tabakkonzern Philip Morris GmbH finanziell unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Wesentliche Merkmale sind demnach: Profitorientierung, Machtstreben (inkl. der Anwen\u00addung von Zwang), Organisation\/Netzwerk, arbeitsteiliges Zusammenwirken der beteiligten Personen, Nutzung \u00f6konomischer Strukturen und Konzepte (<a href=\"https:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Europol-warnt-vor-Crime-as-a-Service-aus-der-Cloud-3341301.html\">\u201eCrime-as-a-service\u201c<\/a>), hohes Ma\u00df an Flexibilit\u00e4t und Verm\u00f6gen, sich dem Markt anzupassen, Tatbegehung mit Bez\u00fcgen auch zu anderen L\u00e4ndern (Internationalisierung), Nutzung des Internet sowie die zu beobachtende <strong>\u201eHybridisierung\u201c<\/strong> von einigen terroristischen Gruppierungen, bis auf die beiden letzten Merkmale und das Konzept \u201eCrime-as-a-service\u201c allerdings auch keine wesentlichen Neuigkeiten!<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> OK 1.0 sei demnach die \u201eklassische OK\u201c, die Evolutionsstufe OK 2.0 die Fortentwicklung durch eine \u201einternationalisierte, grenz\u00fcberschreitende Netzwerke bildende\u201c OK-Struktur.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.bka.de\/DE\/UnsereAufgaben\/Deliktsbereiche\/OrganisierteKriminalitaet\/organisiertekriminalitaet_node.html\">Definition der OK<\/a> der Gemeinsamen Arbeitsgruppe Justiz\/Polizei aus dem Monat Mai 1990, bei der f\u00fcr die Qualifizierung kriminellen Verhaltens als OK alle generellen und zus\u00e4tzlich mindestens eines der speziellen Merkmale der Alternativen a \u2013 c der Definition vorliegen m\u00fcssen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. z. B. nur die <a href=\"http:\/\/www.gesetze-bayern.de\/Content\/Document\/BayVwV17985\/true\">\u201eGemeinsame Bekanntmachung der Bayerischen Staatsministerien der Justiz und des Innern\u201c<\/a> vom 29.01.1991, zuletzt ge\u00e4ndert durch Bekanntmachung vom 29.10.1999 (JMBl. S. 186).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Der Begriff \u201ePolizeihoheit der L\u00e4nder\u201c bringt zum Ausdruck, dass die Zust\u00e4ndigkeit f\u00fcr das Polizeiwesen in der Bundesrepublik Deutschland grunds\u00e4tzlich den Bundesl\u00e4ndern vorbehalten ist. Diese haben nach dem Prinzip des F\u00f6deralismus neben dem Bund eine eigene Staatsqualit\u00e4t. Sowohl \u201edie Aus\u00fcbung der staatlichen Befugnisse und die Erf\u00fcllung der staatlichen Aufgaben\u201c (Art. 30 GG) als auch die Gesetzgebung (Art. 70 GG) ist nach dem Grundgesetz Sache der L\u00e4nder, soweit das Grundgesetz keine andere Regelung trifft oder zul\u00e4sst. Mithin sind die L\u00e4nder auch f\u00fcr die Gesetzgebung und die Organisation des Polizeiwesens zust\u00e4ndig, insofern es sich nicht um sonderpolizeiliche Einrichtungen des Bundes handelt (vgl. Kutscha, in Lange (Hrsg.), W\u00f6rterbuch zur Inneren Sicherheit, 2006, S. 229 \u2013 232).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref9\" name=\"_ftn9\">[9]<\/a> Der BGH r\u00fcckte zwar den Begriff der Bande in dewr Vergangenheit vermekrt in die N\u00e4he der \u201ekriminellen Vereinigung\u201c, in der Entscheidung des Gro\u00dfen Senats, Beschluss vom 22. M\u00e4rz 2001, GSSt 1\/00 (<a href=\"http:\/\/www.servat.unibe.ch\/dfr\/bs046321.html\">BGHSt 46, 321 ff.<\/a>) spricht sich der BGH allerdings dezidiert dagegen aus, im Rahmen der Bandendelikte eine wie auch immer geartete Orga\u00adnisation(sstruktur) zu verlangen (vgl. Rn. 19 ff. des Beschlusses). Mit dieser \u201eNeuausrichtung des Bandenbegriffs am Merkmal des organisatorischen Elements leistete der BGH zwar einen Beitrag zur Abgrenzung der Bande von der kriminellen Vereinigung, gleichzeitig konterkarierte er aber den Willen des Gesetzgebers, der die OK mit dem OrgKG doch gerade \u00fcber die Bandendelikte treffen wollte\u201c, stellt der Autor fest.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref10\" name=\"_ftn10\">[10]<\/a> Studien aus den Jahren 2010 (<a href=\"https:\/\/www.researchgate.net\/publication\/267625135_Organized_Crime_Legislation_in_the_European_Union_Harmonization_and_Approximation_of_Criminal_Law_National_Legislations_and_the_EU_Framework_Decision_on_the_Fight_Against_Organized_Crime\">Calderoni<\/a>) und 2015 (<a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/home-affairs\/sites\/homeaffairs\/files\/e-library\/docs\/20150312_1_amoc_report_020315_0_220_part_1_en.pdf\">Di Nicola<\/a>) kommen hingegen zu dem \u201eErgebnis, dass der Einfluss des Rahmenbeschlusses zur Bek\u00e4mpfung der organisierten Kriminalit\u00e4t auf die nationale Gesetzgebung in den Mitgliedsl\u00e4ndern eher gering war. In Deutschland werden der beabsichtigten Harmonisierung im EU-Rahmen durch die Auslegung der Fachgericht Grenzen gesetzt.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref11\" name=\"_ftn11\">[11]<\/a> Der BGH hat sich zuletzt am 03.12.2009 (<a href=\"http:\/\/www.hrr-strafrecht.de\/hrr\/3\/09\/3-277-09.php\">BGHSt 54, 216 ff.<\/a>) mit dem Rahmen\u00adbeschluss der EU zur organisierten Kriminalit\u00e4t besch\u00e4ftigt, wonach dieser nicht per se zu einer \u00c4nderung der bisherigen Auslegung des Tatbestandsmerkmals der Vereinigung im Sinne des \u00a7 129 Abs. 1 StGB f\u00fchre. Dies lasse sich auch nicht durch den \u201eGrundsatz der gemeinschaftsrechtsbezogenen Auslegung\u201c \u2013 EuGH NJW 2005, 2839 \/ Pupino \u2013 ableiten. Eine Modifizierung sei alleine Sache des Gesetzgebers.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref12\" name=\"_ftn12\">[12]<\/a> Philip Morris hat daraus im Jahr 2016 die \u201eetwas schr\u00e4ge\u201c Werbekampagne \u201eIch rauche gern f\u00fcr Terrorcamps\u201c kreiert.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref13\" name=\"_ftn13\">[13]<\/a> Vgl. z. B. <a href=\"https:\/\/book.coe.int\/eur\/en\/economy-and-crime-fight-against-corruption\/3005-combating-organised-crime-best-practice-surveys-of-the-council-of-europe.html\">https:\/\/book.coe.int\/eur\/en\/economy-and-crime-fight-against-corruption\/3005-combating-organised-crime-best-practice-surveys-of-the-council-of-europe.html<\/a>.<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sinn, Arndt\u00a0Prof. Dr.[1]; \u201eOrganisierte Kriminalit\u00e4t 3.0\u201c[2]; ISBN: 978-3-662-49843-9, 84 Seiten, Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, 2016, 29.99 \u20ac Der Autor, der sich sehr intensiv mit dem Ph\u00e4nomen OK auseinandersetzt und zahlreichen fachspezifischen (internationalen) Expertengremien angeh\u00f6rt, hat erst am 16. 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