{"id":822,"date":"2017-09-19T22:36:58","date_gmt":"2017-09-19T20:36:58","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=822"},"modified":"2017-09-19T22:36:58","modified_gmt":"2017-09-19T20:36:58","slug":"konrad-schober-europaeische-polizeizusammenarbeit-zwischen-trevi-und-pruem-mehr-sicherheit-auf-kosten-von-freiheit-und-recht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=822","title":{"rendered":"Konrad Schober &#8211; Europ\u00e4ische Polizeizusammenarbeit zwischen TREVI und Pr\u00fcm. Mehr Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Recht"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Schober, Konrad Dr. <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>;<\/em> Europ\u00e4ische Polizeizusammenarbeit zwischen TREVI<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> und Pr\u00fcm. Mehr Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Recht? <a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a><\/strong>; ISBN: 978-3-8114-4258-0, 1090 Seiten, Verlag C. F. M\u00fcller Wissenschaft, Heidelberg, 2017, 129,90 \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-823 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/mehr_sicherheit_kosten_freiheit_recht-106x150.png\" alt=\"\" width=\"106\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/mehr_sicherheit_kosten_freiheit_recht-106x150.png 106w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/mehr_sicherheit_kosten_freiheit_recht.png 200w\" sizes=\"(max-width: 106px) 100vw, 106px\" \/><\/p>\n<p>Vorab, das in zwei B\u00fccher<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> und insgesamt vier Kapitel<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> gegliederte, mit fast 1100 Seiten beeindruckend umfangreiche Werk (<a href=\"http:\/\/swbplus.bsz-bw.de\/bsz481359273inh.htm\">Inhaltsverzeichnis<\/a>) setzt thematisch einen derzeit vergleichbar unerreichten Standard. Das eindrucks\u00advolle Kompendium ist die lange ausstehende und vorbildlich systematische umfas\u00adsende Analyse der langen Entwicklungslinien einer grenz\u00fcberschreitenden Polizei\u00adkooperation in Europa. <!--more-->Schon deshalb ist es als Nachschlagewerk, nicht nur (in Ausbildung und Praxis) bei Polizei- und Justiz, sondern sicher auch in den thematisch relevanten Bereichen der Rechts- und Politikwissenschaften, bestimmt f\u00fcr geraume Zeit sehr wertvoll und er\u00f6ffnet auch w\u00fcnschenswerte weitere Entwicklungs- und Forschungs\u00adperspektiven. Schobers Ausgangsfrage im Untertitel der Arbeit \u201eMehr Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Recht? kann er daher nach tiefgr\u00fcndiger Darstellung der Fakten sehr \u00fcberzeugend und mehr als sachgerecht beantworten. Doch dazu sp\u00e4ter. Auch wenn das Buch an anderer Stelle bereits zwei Mal<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a> kurz besprochen wurde, ist eine weitere Besprechung an dieser Stelle schon deshalb durchaus statthaft.<\/p>\n<p>Der Autor fokussiert, so stellt er es selbst dar, aus der Perspektive des \u201eexekutiven Praktikers\u201c (vgl. Fn. 1) im Rahmen der Studie insbesondere auch auf die \u201eexterne\u201c juristische und rechtspolitische Befassung mit der grenz\u00fcberschreitenden Polizeizusammenar\u00adbeit in Europa und weist dabei auf \u201eerstaunliche Asymmetrien und auch Defizite\u201c hin. So wundert er sich bspw. \u00fcber die einseitige Aufmerksamkeitsverteilung gerade der Rechts- und Politikwissen\u00adschaften auf diesem Gebiet. Diese h\u00e4tten ihren Fokus jahrelang und trotz schleppender Ratifizierung der diesbez\u00fcglichen Rechtsgrundlagen einseitig auf <a href=\"https:\/\/www.europol.europa.eu\/de\/about-europol\">EUROPOL<\/a>, die (deswegen im Kern aber gar nicht justiziabel ver\u00adf\u00fcgbare) \u201eStrafverfolgungsbeh\u00f6rde\u201c der EU richteten, w\u00e4hrend die \u00fcber viele Jahre hinweg auf den unterschiedlichsten einzel- und zwischenstaatlichen Ebe\u00adnen des Rechts geschlossenen zwischenstaatlichen und supranationalen Abkom\u00admen und Vertr\u00e4ge f\u00fcr eine verbesserte Polizeizusammenarbeit bei Gefahrenab\u00adwehr und Strafverfolgung, bspw. das Schengener Durchf\u00fchrungs\u00fcberein\u00adkom\u00admen (<a href=\"https:\/\/www.bka.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/DasBKA\/Aufgaben\/InternationaleFunktion\/Schengen\/schengenSDUE.html\">SD\u00dc<\/a>) oder auch diverse bi- bzw. multilaterale Polizei- und Justizko\u00adoperationsvertr\u00e4ge, die Deutschland um die Jahrtausendwende initiiert und mit \u00d6sterreich, Frankreich und Spanien geschlossen hatte,\u00a0 kaum Beachtung fanden. Er findet es dar\u00fcber hinaus nachgerade erstaunlich, dass der europ\u00e4ische Gesetzge\u00adber viele Jahre seine Handlungsspielr\u00e4ume mittels eigener Sekund\u00e4rrechtsakte nicht nutzte, obgleich die prim\u00e4rrechtlichen Regelungen zur Polizeikooperation mit jeder neuen Fassung der Europ\u00e4ischen Vertr\u00e4ge an Bedeutung gewannen. Fast zwei Jahrzehnte lang war deshalb eine Gruppe von Mitgliedsstaaten darauf angewiesen, auf v\u00f6lkerrechtlicher Ebene in Vorleistung zu gehen, bevor etwa das SD\u00dc oder die Inhalte des Pr\u00fcmer Vertrages<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a> unter das Dach der EU \u00fcberf\u00fchrt wurden. Deutliche Worte und interessante Einsichten schon zu Beginn der Studie! Respekt!<\/p>\n<p>Hauptgegenstand der Untersuchung ist die zum (am 27.05.2005 geschlossenen) \u201e<a href=\"https:\/\/www.bmjv.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/PDF\/Themenseiten\/Strafrecht\/PruemerVertrag.pdf?__blob=publicationFile&amp;v=1\">Pr\u00fcmer Vertrag<\/a>\u201c (Pr\u00fcmV) publizierte (z. T. jedoch unsachgem\u00e4\u00dfe) Kritik. Im Kern geht es dabei vorwiegend um die grund-, staats- und europarechtliche Aspekte<\/p>\n<ul>\n<li>Versto\u00df gegen das Demokratieprinzip (durch mangelhafte parlamenta\u00adrische Beteiligung bei der Erstellung und Kontrolle der Durchf\u00fchrung),<\/li>\n<li>Verletzung der Staatssouver\u00e4nit\u00e4t (jedenfalls vertraten einige Staaten der EU, bspw. hinsichtlich der zun\u00e4chst im Pr\u00fcmV statuierten \u201eMa\u00dfnahmen bei gegenw\u00e4rtiger Gefahr\u201c, diese Haltung und beteiligten sich nicht an den Verhandlungen, sodass der Plan der deutschen EU-Pr\u00e4sidentschaft misslang, 2007 den Pr\u00fcmV m\u00f6glichst vollst\u00e4ndig in den Rechtsrahmen der EU zu \u00fcberf\u00fchren),<\/li>\n<li>Verletzung des europ\u00e4ischen Integrationsgedankens (der Vertrag k\u00f6nnte als \u201eein unzul\u00e4ssiges Ausweichen ins V\u00f6lkerrecht\u201c gedeutet werden, da Kooperationsvorschriften bereits im Prim\u00e4rrecht der EU vorhanden waren),<\/li>\n<li>Verletzung des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung oder auch<\/li>\n<li>ein Versto\u00df gegen das \u00dcberma\u00dfverbot.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das <strong>erste Buch<\/strong> (alleine schon mehr als 600 Seiten stark) kl\u00e4rt in weitgehend beschreibend chronologischer (weniger in rechtlich gutachtlicher bzw. juristisch tiefenanalytischer aber dennoch in herausragender) Weise die \u201eausgesprochen un\u00fcbersichtliche, europ\u00e4isch integrative wie auch &#8211; \u00fcberschneidende bzw. parallele &#8211; klassische v\u00f6lkerrechtliche Aspekte beinhaltende Materie und die Entwicklungsgeschichte der Europ\u00e4ischen Polizeikoope\u00adration\u201c hinreichend auf. Diese Darlegung wird &#8211; dem Zeitstrahl folgend &#8211; jeweils angereichert (nicht nur) um pers\u00f6nliche Eindr\u00fccke, sondern auch um zahlreiche, durchaus schwierige vertraglich-v\u00f6lkerrechtliche Regelungs\u00adinhalte und Zweckbestim\u00admungen auf der Basis konkreter polizeilicher (Ko\u00adopera\u00adtions-)Ma\u00dfnahmen (zun\u00e4chst des SD\u00dc dann des Pr\u00fcmV), vom allgemei\u00adnen Informationsaustausch, \u00fcber den Austausch von Verbindungsbeamten, der Fahndung inklusive des Dateiverbundes <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/DE\/Themen\/Sicherheit\/Internationale-Zusammenarbeit\/Schengener-Informationssystem\/schengener-informationssystem_node.html\">\u201eSchengener Informationssystem\u201c<\/a>, die grenz\u00fcberschreitende Observationen bis hin zur grenz\u00fcberschreitenden Nacheile oder der \u201ekontrollierten Lieferung\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\">[8]<\/a>. Flankiert wird diese Darstellung jeweils um auf diesem Themengebiet bedeutsame nationale legislative Entwicklungen, wie z. B. das Legen der rechtlichen Grundlagen der DNA-Analyse (mit dem <a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?start=\/\/*%5B@attr_id=%27bgbl197s0534.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl197s0534.pdf%27%5D__1505823188477\">StV\u00c4G 1997<\/a>) und der korrespondierenden Novelle des BKA-Gesetzes (<a href=\"https:\/\/www.bgbl.de\/xaver\/bgbl\/start.xav?start=\/\/*%5B@attr_id=%27bgbl197s0534.pdf%27%5D#__bgbl__%2F%2F*%5B%40attr_id%3D%27bgbl197s1650.pdf%27%5D__1505823291122\">im gleichen Jahr<\/a>) sowie dem Start der DNA-Analysedatei (DAD) im April 1998.<\/p>\n<p>Das folgende <strong>zweite Buch<\/strong> stellt den \u201edeutsch-\u00f6sterreichischen Polizei- und Justizkooperationsvertrag\u201c (D\u00d6PJV) und den Pr\u00fcmV, jeweils in notwendig, dennoch beispielhafter kasuistischer Tiefe und praktischer Relevanz (insbesondere auch im Hinblick auf die Frage, ob der D\u00d6PJV als \u201eBefugnis- oder Kooperationsrecht\u201c wirkt und welche Rechtsstellung in diesem Zusammen\u00adhang mit den jeweiligen Hoheitstr\u00e4gern auf \u201efremdem Staatsgebiet\u201c verbunden ist, S. 752 ff.) vor. Der Autor spricht hierbei einleitend davon, dass insbesondere <em>\u201eder D\u00d6PJV im Europ\u00e4ischen Kontext hinsichtlich seiner Struktur und Regelungstiefe (nicht nur) Neuland (betrat), sondern dass ihm deshalb auch f\u00fcr die weitere Entwicklung der grenz\u00fcberschreitenden Zusam\u00admen\u00adarbeit bei der Verbrechensbek\u00e4mpfung in der Europ\u00e4ischen Rechts\u00adwirklichkeit eine Schl\u00fcssel\u00adrolle zufiel.\u201c<\/em> Als bemer\u00adkenswerte Fortentwicklung im Vergleich mit dem SD\u00dc stellt Schober dabei die unterschiedlichen zentralen Zweckbe\u00adstimmungen heraus. W\u00e4hrend bspw. <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/summary\/glossary\/schengen_agreement.html?locale=de\"><strong>Art. 39 Abs. 1 SD\u00dc<\/strong><\/a> eine \u201ePflicht zur Hilfeleistung auf Ersuchen\u201c statuiert und hierbei alleine \u201evon der vorbeugenden Bek\u00e4mpfung von Straftaten\u201c ausgeht, ersetzt <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=20004503\"><strong>Art. 1 D\u00d6PJV<\/strong><\/a> dies mit \u201edem Streben nach einer Verst\u00e4rkung der Zusammenarbeit\u201c im Allgemeinen und mit der weit umf\u00e4ng\u00adlicheren Zweckbestimmung der \u201eAbwehr von Gefahren f\u00fcr die \u00f6ffentliche Sicherheit oder Ordnung, insbesondere um die vorbeugende Bek\u00e4mpfung von Straftaten\u201c, was schon auf der Ebene der Zweckbestimmung erhebliche recht\u00adliche und praktische Auswirkungen zeitigt.<\/p>\n<p>Der Pr\u00fcmV und der D\u00d6PJV beziehen sich in ihrer repressiven Ausrichtung im Kern auf dieselben Ziele, die \u201egrenz\u00fcberschreitende Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfung\u201c, hinsichtlich der pr\u00e4ventiven Ausrichtung hat der Pr\u00fcmV allerdings keine Entsprechung zum D\u00d6PJV. Der Pr\u00fcmV ist ganz allgemein signifikant anders strukturiert als der D\u00d6PJV. Schober untersucht aber auch dessen Rege\u00adlungsinhalte mit Akribie nach Ziel- und Zweckerreichung, n\u00e4mlich die in materieller Hinsicht ausgedr\u00fcckte Absicht, \u201edie grenz\u00fcberschreitende Polizeizusammenarbeit in Europa auf eine zeitgem\u00e4\u00dfe Entwicklungsstufe zu hieven.\u201c<\/p>\n<p><strong>Die abschlie\u00dfenden Feststellungen des Autors, <\/strong>die er wiederum, schon aufgrund deren F\u00fclle (vgl. Fn. 5) in die Themengebiete<\/p>\n<ul>\n<li>Polizeikooperation in Europa: Produkt eines komplexen Mehrebenensystems (hierin geht es vorwiegend um organisatorische und logistische Fragen und um die Darstellung m\u00f6glicher \u201eVerantwortlichkeiten\u201c der Entstehung der heutigen verrechtlichten Kooperationsformen im nationalen wie auch im internationalen Verbund),<\/li>\n<li>Aspekte der Europ\u00e4ischen Intgrationspolitik,<\/li>\n<li>demokratiepolitische Aspekte,<\/li>\n<li>grundrechtliche Wirkungen sowie<\/li>\n<li>effektiver Grundrechtsschutz und Kontrolle und abschlie\u00dfend<\/li>\n<li>Souver\u00e4nit\u00e4tsaspekte<\/li>\n<\/ul>\n<p>gliedert, sind allesamt durch die akribische und valide Vorarbeit hinreichend abgesichert und daher m. E. unstrittig.<\/p>\n<p>Doch zun\u00e4chst, \u201etempora mutantur\u201c! Anders als zu (rechts- und staatstheoretisch schwierigeren) Zeiten der Entstehung von SD\u00dc, D\u00d6PJV, DNLPJV oder Pr\u00fcmV bietet nun die Europ\u00e4ische Vertragslage mit <a href=\"https:\/\/dejure.org\/gesetze\/AEUV\/73.html\">Art. 73 AEUV<\/a> den EU-Mitgliedsl\u00e4ndern f\u00fcr vielf\u00e4ltige Kooperationsformen auf dem Gebiet der \u00f6ffentlichen Sicherheit und Ordnung deutliche, ja weitreichende Handlungs\u00adspielr\u00e4ume.<\/p>\n<p>Die Entwicklung der Europ\u00e4ischen Polizeikooperation zeigt au\u00dferdem das Muster, ausschlie\u00dflich auf bew\u00e4hrte und verfassungsrechtlich abgesicherte (nationale) polizeiliche Ma\u00dfnahmen zur\u00fcckzugreifen und diese dann ggf. punktuell fortzuentwickeln. Deutschland konnte hierbei mit gefestigten konzeptionellen, rechtlichen und technischen Erfahrungen, gewonnen aus unserer in dieser Hinsicht positiven f\u00f6deralen Struktur, durchaus aber eine gewisse Vorreiterrolle einnehmen.<\/p>\n<p>Im Hinblick auf die Eingangsfrage im Untertitel der Arbeit kann man sich nach den Feststellungen Schobers ohne Bedenken der Beurteilung des Rezensenten Albrecht anschlie\u00dfen:<\/p>\n<p><em>\u201eDer gegenw\u00e4rtigen rechtlichen Konstruktion der europ\u00e4ischen Polizeizu\u00adsammenarbeit kann man eine weitreichende Konformit\u00e4t mit den rechtlichen (insbesondere auch verfassungsrechtlichen) Vorgaben und Erwartungen attestieren. Die im Untertitel der Monographie aufgeworfene Ausgangsfrage, ob der mit den Vereinbarungen \u00fcber die europ\u00e4ische Polizeizusammenarbeit angestrebte Sicherheitsgewinn nur auf Kosten von (grundrechtlich gesch\u00fctzter) Freiheit und Rechtsstaatlichkeit erreicht werden konnte, wird mithin (eindeutig) verneint. Diesbez\u00fcglich ist allerdings anzumerken, dass der gro\u00dfe Wert der Arbeit sicherlich nicht in der Auseinandersetzung mit einer (bzw. wenigen) spezifischen komplexen juristischen Problemstellung(en) zu sehen ist, sondern vielmehr in dem Umstand, dass mit \u201eEurop\u00e4ische Polizeizusammenarbeit zwischen TREVI und Pr\u00fcm\u201c ein umfassendes Handbuch \u00fcber die europ\u00e4ische Polizeizu\u00adsammenarbeit geschaffen wurde, das diese in ihren zahlreichen Facetten nachzeichnet und begreifbar macht.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Oder, um es mit Schobers eigenen Worten nochmals eindeutig zu manifestieren (Feststellung 62 \u2013 Gesamtfazit):<\/p>\n<p><em>(&#8230;) das im Laufe der Zeit generierte Mehr an Sicherheit wurde nicht auf Kosten von Freiheit und Recht erkauft, sondern stets in einem ausgewogenen Verh\u00e4ltnis mit diesen zentralen Elementen eines demokratisch verfassten Rechtsstaates geschaffen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Im Ausblick zeigt sich der Autor dennoch skeptisch, ob sich aufgrund der momentan latenten Europa-Skepsis und trotz der aktuell abstrakt bedrohlichen Sicherheitslage (und der vorhandenen Handlungsspielr\u00e4ume aus Art. 73 AEUV) Regierungen einzelner Mitgliedsstaaten in absehbarer Zeit wieder dazu veranlasst sehen k\u00f6nnten, weitere v\u00f6lkerrechtliche Vertr\u00e4ge zur grenz\u00fcber\u00adschreitenden Polizeizusammenarbeit zu kreieren oder die bestehenden Abkommen zu erg\u00e4nzen<\/p>\n<p>Kurzum, Schober ist ein mit Akribie angefertigtes und unglaublicher Tiefensch\u00e4rfe versehenes thematisches \u201eOpus Magnum\u201c gelungen. Wie man daneben noch mit Bewunderung feststellen darf, alles in nebenberuflicher (!) Arbeit, wobei der Autor meines Wissens nach seit vielen Jahren nicht gerade \u201eunterbesch\u00e4ftigt\u201c ist. Man kann sich vor dieser Leistung nur mit einem Chapeau! verneigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Jurist, \u201egelernter (und langj\u00e4hrig aktiver) Polizeivollzugsbeamter\u201c, derzeit Leitender Mi\u00adnis\u00adte\u00adrialrat im Bayerischen Staatsministerium des Innern. Promotion zum Dr. jur. im Juli 2016, zun\u00e4chst betreut von Frau <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-bremen.de\/personen\/edda-wesslau-1956-2014-\/\">Prof. Dr. Edda We\u00dflau<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht und Straf\u00adprozessrecht am Fachbereich 6 Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bremen, nach deren tragischem Tod im Jahr 2014 \u00fcbernahm Herr <a href=\"https:\/\/www.jura.uni-bremen.de\/personen\/felix-herzog\/\">Prof. Dr. Dr. Felix Herzog<\/a>, Lehrstuhl f\u00fcr Strafrecht einschlie\u00dflich Grundlagen und Nebengebiete, Strafverfahrensrecht und Rechtsphilosophie an der Juristischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Bremen die weitere Betreuung, alle Quellen zuletzt abgerufen am 18.09.2017.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Akronym f\u00fcr \u201eTerrorisme, Radicalisme, Extremisme et Violence Internationale\u201c. Bezeichnet die im Juni 1976 auf der Ebene der europ\u00e4ischen Innenminister gegr\u00fcndete Gruppe, die sich vor allem um grenz\u00fcberschreitende Kriminalit\u00e4tsbek\u00e4mpfungsaspekte auf dem Gebiet terroristischer und extremistischer Gewaltkriminalit\u00e4t. Vgl. hierzu auch die Monographie von Eva Oberloskamp, \u201eCodename TREVI\u201c, hrsg. 2017 bei Walter de Gruyter, Berlin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl. <a href=\"https:\/\/www.cfmueller.de\/Juristische-Wissenschaft\/Europarecht-auslaendisches-und-internationales-Recht-Voelkerrecht\/Recht-in-Europa\/Europaeische-Polizeizusammenarbeit-zwischen-TREVI-und-Pruem-Hardcover.html\">Website<\/a> des Verlags C. F. M\u00fcller, Heidelberg, zuletzt abgerufen am 18.09.2017. Der Autor \u201ekonzeptionierte\u201c (vgl. hierzu auch <a href=\"http:\/\/www.polizei.bayern.de\/wir\/geschichte\/index.html\/23372\">BStMI-Website<\/a>, zuletzt abgerufen am 18.09.2017) \u00fcber lange Jahre verantwortlich die rechtlichen und praktischen Herausfor\u00adderungen der grenz\u00fcberschreitenden Zusammenarbeit innerhalb der Polizeiabteilung des Bayerischen Staatsministerium des Innern und im Bundesinnen\u00administerium im Schwerpunkt mit den Aufgaben: \u201eUmsetzung und Fortentwicklung des <a href=\"http:\/\/www.eu-info.de\/europa\/schengener-abkommen\/\">Schengener Regelwerks<\/a>\u201c, \u201eKoordination der L\u00e4nderinteressen bei den Verhandlungen zum <a href=\"https:\/\/www.ris.bka.gv.at\/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&amp;Gesetzesnummer=20004503\">deutsch-\u00f6sterreichischen Polizei- und Justizkooperationsvertrag&#8220;<\/a>, \u201eL\u00e4nderansprechpartner Bayern bei der Erarbeitung des <a href=\"http:\/\/www.bmi.bund.de\/DE\/Themen\/Sicherheit\/Internationale-Zusammenarbeit\/Polizeiliche-Zusammenarbeit\/polizeiliche-zusammenarbeit_node.html\">Vertrags von Pr\u00fcm f\u00fcr eine vertiefte grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit bei der Bek\u00e4mpfung des Terrorismus und der grenz\u00fcberschreitenden Kriminalit\u00e4t<\/a>\u201c (vgl. hierzu auch das deutsche <a href=\"https:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/pr_mvtrag\/BJNR145810006.html\">Ausf\u00fchrungsG<\/a> zur \u00dcberf\u00fchrung wesentlicher [nicht aller] Inhalt des Pr\u00fcmer Vertrages in den Rechtsrahmen der EU auf der Basis des <a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/LexUriServ\/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2008:210:0001:0011:de:PDF\">Beschlusses 2008\/615\/JI des Rates vom 23.06.2008<\/a>) und zuletzt die Vertretung der Interessen der L\u00e4nder in polizeibezogenen Gremien der EU im Auftrag des Bundesrates.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Das <strong>Erste Buch<\/strong> zieht in wiederum <strong>vier Abschnitten<\/strong> eine chronologische Bilanz der Euro\u00adp\u00e4ischen Polizeizusammenarbeit von der Laufzeit der \u201e<a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/service\/glossar\/glossar\/R\/roem_vertr\/245532\">R\u00f6mischen Vertr\u00e4ge<\/a>\u201c (25.03.1957 \u2013 31.10.1993), \u00fcber den \u201e <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Lexikon\/EUGlossar\/V\/2005-11-22-vertrag-ueber-die-europaeische-union-maastricht-vertrag-.html\">Vertrag von Maastricht<\/a>\u201c (01.11.193 \u2013 30.04.1999, erstmals mit der Definition einer \u201eDritten S\u00e4ule\u201c, der Zusammenarbeit der Justiz- und Innenminister), der Epoche des \u201e <a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Lexikon\/EUGlossar\/V\/2005-11-21-vertrag-von-amsterdam.html\">Vertrags von Amsterdam<\/a>\u201c (01.05.1999 \u2013 31.01.2003, welcher im Rahmen der Gemeinsamkeiten bei der Innen- und Justizpolitik erstmals einen gemeinsamen \u201eRaum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts\u201c als <strong>Ziel<\/strong> definierte, vgl. <a href=\"http:\/\/www.sidiblume.de\/info-rom\/europa\/euv.htm\">Art. 2<\/a>; diese Zielbestimmung findet sich als im derzeit geltenden \u201e<a href=\"http:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=OJ:C:2010:083:FULL&amp;from=DE\">Vertrag von Lissabon<\/a>\u201c explizit ausformuliert in Art. 3 Abs. 2) hin zum \u201e<a href=\"https:\/\/www.bundesregierung.de\/Content\/DE\/Lexikon\/EUGlossar\/V\/2005-11-21-vertrag-von-nizza.html\">Vertrag von Nizza<\/a>\u201c bis zum Scheitern des \u201e<a href=\"http:\/\/www.europarecht.nomos.de\/fileadmin\/eur\/doc\/Aufsatz_EUR_08_02.pdf\">Vertrags \u00fcber eine Verfassung f\u00fcr Europa (EVV)<\/a> \u2013 dort S. 145 f.\u201c (01.02.2003 \u2013 01.06.2005). Das <strong>Zweite Buch<\/strong> widmet sich der Darstellung \u201eModerner Polizeiko\u00adoperations\u00advertr\u00e4ge in rechtlicher Analyse\u201c am Beispiel des \u201edeutsch-\u00f6sterreichischen Polizei- und Justizkooperationsvertrags\u201c (vg. Fn. 3) und des \u201eVertrags von Pr\u00fcm\u201c (vgl. Fn. 3).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Neben den beiden in der Fn. 4 vorgestellten B\u00fcchern neben der Einleitung noch eine \u201e<strong>Schlussbetrachtung<\/strong>\u201c mit wesentlichen Ergebnissen und Schlussfolgerungen in insgesamt <strong>62 (!) Feststellungen<\/strong>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Zum einen am <a href=\"http:\/\/www.zvr-online.com\/archiv\/2017\/august-2017\/florian-albrecht-ma-rezension-schober-europaeische-polizeizusammenarbeit-zwischen-trevi-und-pruem-2017\/\">04.08.2017<\/a> vom Mitherausgeber der Zeitschrift f\u00fcr Verwaltungsrecht (wo die Besprechung auch erschien), Dozenten an der Hochschule des Bundes f\u00fcr \u00f6ffentliche Verwaltung, <a href=\"http:\/\/albrecht-vk.de\/kurzlebenslauf\/\">Florian Albrecht, M. A.<\/a>, zum anderen am <a href=\"http:\/\/www.justament.de\/archives\/8756\">10.07.2017<\/a> von RA Matthias Wiemers.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Vgl. Fn. 3: Signatarstaaten im Jahr 2005 waren Belgien, Deutschland, Spanien, Frankreich, Luxemburg, die Niederlande und \u00d6sterreich, nachtr\u00e4glich beigetreten sind inzwischen Finnland, Slowenien, Ungarn und Norwegen, weitere Beitrittsl\u00e4nder werden Italien, Portugal, Bulgarien, Rum\u00e4nien, Schweden und Griechenland.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Hier exemplarisch am Beispiel des Art. 13 des <a href=\"https:\/\/www.jurion.de\/gesetze\/polzarbvtr_nl\/13\/\">\u201eVertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem K\u00f6nigreich der Niederlande \u00fcber die grenz\u00fcberschreitende polizeiliche Zusammenarbeit und die Zusammenarbeit in strafrechtlichen Anglegenheiten<\/a>\u201c (PolZArbVtr NL) dargestellt. Vgl. auch <a href=\"https:\/\/www.jurion.de\/gesetze\/eurehiuebk\/12\/?q=kontrollierte+lieferung&amp;sort=1\">Art. 12<\/a> des Europ\u00e4ischen Rechtshilfe\u00fcberein\u00adkommens (EUReHi\u00dcbk).<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schober, Konrad Dr. [1]; Europ\u00e4ische Polizeizusammenarbeit zwischen TREVI[2] und Pr\u00fcm. Mehr Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Recht? [3]; ISBN: 978-3-8114-4258-0, 1090 Seiten, Verlag C. F. M\u00fcller Wissenschaft, Heidelberg, 2017, 129,90 \u20ac Vorab, das in zwei B\u00fccher[4] und insgesamt vier Kapitel[5] gegliederte, mit fast 1100 Seiten beeindruckend umfangreiche Werk (Inhaltsverzeichnis) setzt thematisch einen derzeit vergleichbar &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=822\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Konrad Schober &#8211; Europ\u00e4ische Polizeizusammenarbeit zwischen TREVI und Pr\u00fcm. Mehr Sicherheit auf Kosten von Freiheit und Recht<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=822"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":824,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/822\/revisions\/824"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=822"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=822"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=822"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}