{"id":855,"date":"2017-12-11T07:55:48","date_gmt":"2017-12-11T06:55:48","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=855"},"modified":"2017-12-11T08:11:00","modified_gmt":"2017-12-11T07:11:00","slug":"the-sage-handbook-of-global-policing-ben-bradford-beatrice-jauregui-ian-loader-jonny-steinberg-hrsg-rezensiert-von-thomas-feltes","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=855","title":{"rendered":"The SAGE Handbook of Global Policing &#8211; Ben Bradford, Beatrice Jauregui, Ian Loader, Jonny Steinberg (Hrsg.) &#8211; Rezensiert von: Thomas Feltes"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Bradford, Ben; Jauregui, Beatrice; Loader, Ian; Steinberg, Jonny (Hrsg.);<\/em> <\/strong><strong>The SAGE Handbook of Global Policing; <\/strong>654 Seiten, Los Angeles, London u.a., SAGE Publications Ltd, 2016, ISBN 9781473906426, ca. 175.- Euro<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-858 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/handbook_policing_sage-114x150.png\" alt=\"\" width=\"114\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/handbook_policing_sage-114x150.png 114w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2017\/12\/handbook_policing_sage.png 200w\" sizes=\"(max-width: 114px) 100vw, 114px\" \/><\/p>\n<p>Das Handbuch mit dem auf den ersten Blick eindeutigen, bei n\u00e4herem Nachdenken aber etwas verwirrenden Titel \u201cGlobal Policing\u201d hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Zusammenstellung der sozialwissenschaftlich orientierten Forschung zum \u201epolicing\u201c<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> zu liefern, und zwar mit weltweiten Beispielen. Es geht also nicht \u2013 zumindest nicht prim\u00e4r \u2013 um Aspekte oder Probleme des weltweiten Polizierens \u2013 zum Beispiel iVm Cybercrime oder Organisierter Kriminalit\u00e4t. Und es geht auch nicht um \u201estudies <em>for<\/em> policing\u201c, sondern um \u201estudies <em>of<\/em> policing\u201c (S. 8), also nicht um Forschung f\u00fcr die Polizei, sondern \u00fcber die Polizei.<!--more--><\/p>\n<p>Die Herausgeber wollen die aktuellen Entwicklungen, aber auch die Geschichte der gerade einmal ein halbes Jahrhundert alte wissenschaftliche Besch\u00e4ftigung mit dem Ph\u00e4nomen des policing herausarbeiten. Gleich zu Beginn weisen sie darauf hin, dass diese Forschung vom anglo-amerikanischen Raum dominiert wird \u2013 was stimmt, aber nicht rechtfertigt, dass in dem ganzen Buch nicht nur kein einziger deutscher Wissenschaftler zu Wort kommt, sondern auch die Beitr\u00e4ge (wie, so mag man sagen, leider fast \u00fcblich) ohne Ber\u00fccksichtigung der durchaus auch hierzuladen und anderenorts in Europa stattfindenden Forschungen zum Thema verfasst sind.<\/p>\n<p>Dennoch kann es sich lohnen, die in dem Buch enthaltenen Beitr\u00e4ge zum sozialen, kulturellen und politischen Hintergrund, vor dem sich Polizeiarbeit abspielt und strukturiert, zu lesen. Denn Polizeiarbeit erfolgt nicht nur vor diesen Hintergr\u00fcnden, sondern sie strukturiert sie selbst: Polizei formt den sozialen Hintergrund, vor dem sich unsere Gesellschaft entwickelt. Es ist genau dieser Ansatz, der das Buch so wichtig macht: Die in fast allen Beitr\u00e4gen vermittelte (und belegte) Einsicht, dass Polizeiarbeit \u201eWirkung\u201c hat, dass sie Gesellschaft ver\u00e4ndert und beeinflusst \u2013 und leider nicht immer nur positiv, sondern (und dar\u00fcber mag man streiten) (zu) oft auch zum Schlechten hin. In diesem Zusammenhang spielt dann auch die Frage nach der Effektivit\u00e4t polizeilichen Handelns eine wichtige Rolle. Diese Frage, die bspw. in Deutschland fast ausschlie\u00dflich im Fokus von polizeiinterner Forschung steht, muss konterkariert werden durch die Frage, welche Risiken und Nebenwirkungen Polizeiarbeit hat, haben kann und vielleicht sogar haben muss \u2013 ungeachtet der Frage, ob sie \u201eeffektiv\u201c ist oder nicht.<\/p>\n<p>Die polizeiwissenschaftliche Literatur, darauf weisen die Herausgeber im Einleitungskapitel hin, identifiziert und besch\u00e4ftigt sich zu oft mit B\u00e4umen, was es schwermacht, den Wald zu sehen (und zu analysieren). Aber genau darum muss es bei einer sozialwissenschaftlich orientierten Polizeiforschung gehen, um \u201edas gro\u00dfe Ganze\u201c, um die Wechselwirkungen von Polizei und Gesellschaft. Aktuell kann man dies bspw. an dem NSU-Verfahren und den dort gescheiterten (oder fehlerhaften) polizeilichen Ermittlungen festmachen, aber auch an dem Thema Umgang der Polizei mit psychisch kranken Personen (8 von 10 durch Polizeisch\u00fcsse get\u00f6teten Personen sind psychisch krank oder gest\u00f6rt) und an dem (leider immer wieder aktuellen) Thema der exzessiven Polizeigewalt (Bsp. Oury Jalloh).<\/p>\n<p>Die Herausgeber kritisieren auch die Tatsache, dass sich Polizeiwissenschaft zu selten mit den politischen und kulturellen Br\u00fcchen innerhalb der Polizei und den damit Zusammenh\u00e4ngenden Fragen von Ungleichbehandlung aufgrund von Klasse, Geschlecht und Rasse besch\u00e4ftigt. Eine Kritik, die durchaus auch auf Deutschland bezogen werden kann, denn \u201eracial profiling\u201c ist zwar ein englisches Wort, als Ph\u00e4nomen aber auch in Deutschland bekannt. Tobias Singelnstein und Kollegen werden sich diesem Thema demn\u00e4chst annehmen<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<p>Der globale Blick, den dieses Handbuch will und liefert, soll Polizieren als \u201etransversalen Gegenstand\u201c (S. 4) sehen. Dadurch soll es m\u00f6glich sein, Vergleiche zu ziehen, Dinge vergleichend (besser) zu verstehen und gleichzeitig Gemeinsamkeiten zu erkennen (z.B. vor dem Hintergrund des europ\u00e4ischen Kolonialismus und Imperialismus, aaO.). Das Buch will aber auch demonstrieren, warum \u201e<em>global policing matters<\/em>\u201c (S. 5) und warum es wichtig ist, sich auf diese Art und Weise mit Polizeiarbeit zu besch\u00e4ftigen.<\/p>\n<p>Die Herausgeber woollen, dass \u201e<em>policing studies first, and perhaps most importantly, to become more intellectually global\u201c<\/em>. Dieser feine, aber deutliche Vorwurf an die akademische Zunft soll klarmachen, dass die Polizei tats\u00e4chlich schon global aufgestellt ist und arbeitet \u2013 mit welchem Erfolg, sei hier dahingestellt \u2013 dass aber die akademische Besch\u00e4ftigung damit noch rudiment\u00e4r ist. Umso wichtiger w\u00e4re es dann doch wohl gewesen, \u00fcber den anglo-amerikanischen Tellerrand hinauszuschauen. Das aber wird leider nicht gemacht. Schade. So bleibt ein Buch, das den Anspruch des Verlages sicherlich erf\u00fcllt der da lautet: \u201c<em>The SAGE Handbook of Global Policing examines and critically retraces the field of policing studies by posing and exploring a series of fundamental questions to do with the concept and institutions of policing and their relation to social and political life in today&#8217;s globalized world<\/em>.\u201d Vergessen wurde leider zu sagen, dass sich dies auf den Bereich bezieht, der noch immer glaubt, der Nabel der Welt zu sein. Dabei haben China, Afrika und in Teilen Europa (demn\u00e4chst dann ohne den \u201eAnglo-Bereich\u201c Gro\u00dfbritannien) die USA l\u00e4ngst abgeh\u00e4ngt oder sind dabei es zu tun. Auch und gerade das m\u00fcsste die Polizeiwissenschaft (besonders die sog. \u201ekritische\u201c) thematisieren.<\/p>\n<p>Er sehen will, wie die Kapitel aufgebaut sind, findet hier die Gliederung<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a>. Und ein Beispielkapitel zu \u201c<em>Police, Crime and Order: The Case of Stop and Search<\/em>\u201d von Ben Bradford und Ian Loader steht auch zum download zur Verf\u00fcgung<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Zum Begriff vgl. Reichertz, Jo; Feltes, Thomas: Polizieren und Polizeiwissenschaft. In: Policing Diversity : \u00fcber den Umgang mit gesellschaftlicher Vielfalt innerhalb und au\u00dferhalb der Polizei, hrsg. Von Schmidt, Benjamin u.a., Frankfurt a. Main 2015 (Schriftenreihe Polizieren: Polizei, Wissenschaft und Gesellschaft ; 8), S. 9 \u2013 31. Im Buch selbst wird Polizieren wie folgt definiert: \u201ePolicing denotes the general governance of people and things\u201c, S. 4)<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <a href=\"http:\/\/www.kriminologie2.rub.de\/index.php\/de\/forschung\/kvimamt\">http:\/\/www.kriminologie2.rub.de\/index.php\/de\/forschung\/kvimamt<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> <a href=\"https:\/\/in.sagepub.com\/en-in\/sas\/The-SAGE-Handbook-of-Global-Policing\/book243543#contents\">https:\/\/in.sagepub.com\/en-in\/sas\/The-SAGE-Handbook-of-Global-Policing\/book243543#contents<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> <a href=\"https:\/\/uk.sagepub.com\/sites\/default\/files\/upm-binaries\/76037_Bradford_HB_of_Global_Policing_Ch15_1PP.pdf\">https:\/\/uk.sagepub.com\/sites\/default\/files\/upm-binaries\/76037_Bradford_HB_of_Global_Policing_Ch15_1PP.pdf<\/a><\/p>\n<p>Rezensiert von: Thomas Feltes<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bradford, Ben; Jauregui, Beatrice; Loader, Ian; Steinberg, Jonny (Hrsg.); The SAGE Handbook of Global Policing; 654 Seiten, Los Angeles, London u.a., SAGE Publications Ltd, 2016, ISBN 9781473906426, ca. 175.- Euro Das Handbuch mit dem auf den ersten Blick eindeutigen, bei n\u00e4herem Nachdenken aber etwas verwirrenden Titel \u201cGlobal Policing\u201d hat sich zur Aufgabe gemacht, eine Zusammenstellung &hellip; <a href=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=855\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">The SAGE Handbook of Global Policing &#8211; Ben Bradford, Beatrice Jauregui, Ian Loader, Jonny Steinberg (Hrsg.) &#8211; Rezensiert von: Thomas Feltes<\/span> <span class=\"meta-nav\">&uarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/855"}],"collection":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=855"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/855\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":873,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/855\/revisions\/873"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=855"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=855"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=855"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}