{"id":895,"date":"2018-02-14T10:30:17","date_gmt":"2018-02-14T09:30:17","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=895"},"modified":"2018-02-14T10:30:17","modified_gmt":"2018-02-14T09:30:17","slug":"digitale-polizeiarbeit-herausforderungen-und-chancen-thomas-gabriel-ruediger-petra-saskia-bayerl-rezensiert-von-holger-plank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=895","title":{"rendered":"Digitale Polizeiarbeit. Herausforderungen und Chancen &#8211; Thomas-Gabriel R\u00fcdiger \/ Petra Saskia Bayerl &#8211; Rezensiert von: Holger Plank"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Thomas-Gabriel R\u00fcdiger, M. A.<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> \/ Dr. Petra Saskia Bayerl<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> (Hrsg.); <\/em><\/strong><strong>\u201eDigitale Polizeiarbeit. Herausforderungen und Chancen\u201c; <\/strong>(ISBN: 978-3-658-19755-1, 301 Seiten, Springer VS Verlag, Wiesbaden, Erscheinungsjahr 2018, 44,99 \u20ac)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-896 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/digitale_polizeiarbeit-104x150.png\" alt=\"\" width=\"104\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/digitale_polizeiarbeit-104x150.png 104w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/digitale_polizeiarbeit.png 200w\" sizes=\"(max-width: 104px) 100vw, 104px\" \/><\/p>\n<p>Die beiden Herausgeber (diese genderneutrale Bemerkung sei angesichts der Mitherausgeber<strong><u>in<\/u><\/strong> erlaubt, ich verwende hier nur aus Gr\u00fcnden der besseren Lesbarkeit das Maskulinum) richten in dem Sammelband, der neben deren gemeinsamen Vorwort 13 Beitr\u00e4ge von insgesamt 18 Autoren beinhaltet und in vier \u201eThemenfelder\u201c<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> gruppiert ist, einen umfassenden Blick auf die zahllosen Facetten und Herausforderungen der Polizeiarbeit im Zeitalter der Digitali\u00adsierung. <!--more-->Ihr Vorwort, in leichter Abwandlung des Buchtitels mit semantisch positiver Aufladung und mit folgerichtigem Entwicklungsziel getitelt mit \u201eDigitale Herausforderungen: <u>Von<\/u> Herausfor\u00adderungen <u>zu<\/u> Chancen\u201c beginnt dann auch angesichts der Umst\u00e4nde nachvollziehbar mit der Feststellung:<\/p>\n<p><em>\u201eDie Sicherheitsbeh\u00f6rden in Deutschland stehen in einem ihrer bisher vermutlich umfangreichsten und tiefgehendsten Reform- und Wandlungs\u00adprozesse: Der Neuverortung in einem grenzenlosen, alters\u00fcbergreifenden, digitalen Raum ohne einheitliches Werte- und Normenkonstrukt, in dem Menschen jeglichen Alters und kultureller Herkunft statistisch gesehen mehr Zeit verbringen als im \u00f6ffentlichen Stra\u00dfenverkehr. (&#8230;) so w\u00fcrden nicht nur wirtschaftliche und soziale Zusammenh\u00e4nge, sondern auch die Umgebung, in der Polizei agiere und ihren Aufgaben gerecht werden m\u00fcsse (massiv) beeinflusst.\u201c <\/em><\/p>\n<p>Die Herausgeber mahnen daher eine grundlegende gesellschaftliche Debatte zum Umgang mit der Sicherheit im digitalen Raum und der dortigen Rolle der Polizei an und wollen mit dem Sammelband einen Ansto\u00df dazu leisten.<\/p>\n<p>In einer notwendig kurzen Besprechung eines Sammelbandes kann der Rezensent unter Verweis auf den weit umf\u00e4nglicheren <a href=\"https:\/\/www.springer.com\/de\/book\/9783658197551\">Gesamtinhalt des Buches<\/a> immer nur einzelne Beitr\u00e4ge und Argumentationslinien herausgreifen. Die Auswahl bleibt dabei den individuellen thematischen Vorlieben \u00fcberlassen und bedeutet keine Geringsch\u00e4tzung der anderen Beitr\u00e4ge, im Gegenteil! Dennoch versuche ich diese \u201eVorauswahl\u201c ein wenig zu objektivieren, indem ich unter (best\u00e4ndiger) Bezugnahme auf das Vorwort je einen Beitrag aus den vier Themenfeldern (zugegeben aber trotzdem nach eigenem Gusto) herausgreife und in den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang der Digitalisierung und ihrer sicherheits\u00adbeh\u00f6rdlichen <em>Herausforderungen und Chancen<\/em> einzuordnen versuche.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hsbund.de\/SharedDocs\/Kontaktdaten\/4_Dozenten\/Dozenten_BPOL\/Moellers.html\"><strong>M\u00f6llers<\/strong><\/a> (S. 39 \u2013 62) betrachtet bspw. im ersten Themenfeld die derzeitigen institutionalisierten, serviceorientierten <strong>Interaktionsprozesse zwischen B\u00fcrgern und Verwaltung<\/strong> und betrachtet hierbei das derzeitige Engagement der Sicherheitsbeh\u00f6rden, v. a. der Polizei fast durchwegs kritisch. Die Polizei m\u00fcsse sich \u201egesamtgesellschaftlich integrieren und d\u00fcrfe kein verwaltungsm\u00e4\u00dfiges Einzeldasein f\u00fchren. (&#8230;) sie m\u00fcsse sich (zu diesem Zweck z. B.) in regionale Netze und Stadtportale (auch digital) eingliedern\u201c und als Dienstleistungsunter\u00adnehmen \u00fcber die Notrufnummer 110 hinaus, etwa durch eine bundes-, landesweite oder mindestens in regionale Netzwerke eingebettete \u201eRatgeber-Hotline\u201c, verstehen und f\u00fcr den B\u00fcrger leicht zu erkennen und erreichbar sein. Ein wohlgemeinter Hinweis, der schon wegen der engagierten Absichts\u00aderkl\u00e4rung im <a href=\"https:\/\/www.cdu.de\/system\/tdf\/media\/dokumente\/koalitionsvertrag_2018.pdf?file=1\">Koalitionsvertrag<\/a> zwischen CDU, CSU und SPD vom 07.02.2018 unter der Rubrik \u201eAuf dem Weg in die digitale Verwaltung\u201c (vgl.\u00a0 S. 45 f., Z. 2004 ff.) und des 2016 anl. der Herbstsitzung der IMK in Saarbr\u00fccken akklamierten Programms <a href=\"https:\/\/www.bundestag.de\/presse\/hib\/2017_02\/-\/494428\">&#8222;Polizei 2020&#8220;<\/a> mit dem Prim\u00e4rziel einer umf\u00e4nglichen digitalen Vernetzung der Polizeibeh\u00f6rden untereinander und der m\u00f6glichst z\u00fcgi\u00adgen Aufgabe von Insell\u00f6sungen (vielleicht bis hin zu einem Prozessmanagement i. S. qualit\u00e4tsgesicherten \u201ee-Governments\u201c) zur rechten Zeit kommt. Hierzu bedarf es aber neben der n\u00f6tigen Infrastruktur zahlreicher im Rahmen der Aus- und Fortbildung zu vermittelnder \u201eneuer\u201c (nicht nur digitaler) F\u00e4higkeiten, z. B. den Erwerb umf\u00e4nglicher \u201eMedienkompetenz\u201c unter \u201eDienstleistungs\u00adaspekten\u201c. Digitalisierung werde somit auch zum sozialwissenschaftlichen Feld und damit automatisch zum Gegenstand polizeilich-institutioneller Selbstre\u00adflexion, sowohl im \u201eTheorie-Praxis\u201c- wie auch im \u201ePraxis-Theorie\u201c-Transfer.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.idacon.de\/referent\/dr-aleksandra-sowa\/\"><strong>Sowa<\/strong><\/a><strong> und <\/strong><a href=\"http:\/\/www.bnpparibas.de\/de\/2016\/11\/28\/there-wont-be-a-world-without-cybercrime-and-thats-fact\/\"><strong>Silberbach<\/strong><\/a> (S. 109 \u2013 128) propagieren im zweiten Themenfeld \u201eKollaborative Ans\u00e4tze gegen Cyber- und Computerkriminalit\u00e4t\u201c und versuchen diese in einem \u00fcbergreifenden Ansatz einer \u201e<strong>Cyber Security Intelligence<\/strong>\u201c zu verbinden. Dies ist schon deshalb interessant, weil beide diesen \u201ekollaborativen Ansatz\u201c durch ihre unterschiedliche berufliche Provenienz in einem gemein\u00adsamen \u201ePublic-Privat-Partnership\u201c-Beitrag verk\u00f6rpern. Cybersicherheit, so die Autoren zusammenfassend, sei f\u00fcr Politik und Wirtschaft inzwischen zum strategischen Thema geworden. Es werde inzwischen intensiv \u2013 und zwar im interdependenten Austausch \u2013 nach Erfolg versprechenden Ans\u00e4tzen und Mo\u00addellen gesucht. \u201eSecurity Intelligence\u201c sei eines davon und ein wichtiger Bestandteil dieses \u00fcbergreifenden strategischen Ansatzes sei die \u201ekollaborative\u201c Zusammenarbeit und der Aufbau kollektiven Wissens \u00fcber Unternehmens- und Beh\u00f6rdengrenzen hinweg. Dieser Ansatz sei in Facetten bereits jetzt erfolgreich und durchaus im Ausbau begriffen. Dies sei auch auf die klare Haltung der Bundesregierung im Rahmen der Cyber-Sicherheitsstrategie 2016 und zur\u00fcck\u00adzuf\u00fchren und korrespondiere im \u00dcbrigen mit den Erfahrungen in den USA nach Erlass von Obamas erfolgreicher\u00a0 <a href=\"https:\/\/obamawhitehouse.archives.gov\/the-press-office\/2015\/01\/13\/securing-cyberspace-president-obama-announces-new-cybersecurity-legislat\">&#8222;Cybersecurity-Durchf\u00fchrungsverordnung&#8220;<\/a> aus dem Jahr 2015.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.health3punkt0.com\/wp-content\/uploads\/2017\/10\/Kunze-Dirk.pdf\"><strong>Kunze<\/strong><\/a> (S. 161 \u2013 181) besch\u00e4ftigt sich in einem Beitrag eingangs des dritten Themenbereichs mit dem Erfordernis der Entwicklung von \u201e<strong>Basiskompe\u00adtenzen im Bereich Cybercrime und digitale Spuren<\/strong>\u201c bei der Polizei \u2013 und zwar unabh\u00e4ngig von der aktuellen Verwendung der betreffenden Beamtinnen und Beamten. Dabei macht er sich komplement\u00e4r nat\u00fcrlich auch Gedanken zur erforderlichen (beh\u00f6rdlichen) Qualifizierung. W\u00e4hrend er die Notwendigkeit dieser Basiskompetenzen in allen Bereichen schutz- und kriminalpolizeilicher Sachbearbeitung und Einsatzbew\u00e4ltigung uneingeschr\u00e4nkt bejaht, stellt er hierbei allerdings fest, dass sich Umfang und Intensit\u00e4t der Kompetenzschulung und -fortentwicklung gerade in diesem Bereich in den polizeilichen Curricula zu jeglichem Erfordernis zueinander umgekehrt proportional verhalten, obgleich doch \u201edigitale Spuren die DNA der Zukunft\u201c seien. Was sind aber \u00fcberhaupt Cyber-Basiskompetenzen? Um dies bereichs\u00fcbergreifend zu erheben, f\u00fchrte der Autor 2015 eine Fokus\u00adgruppendiskussion an der DHPol nach der <a href=\"https:\/\/edudoc.ch\/static\/infopartner\/mediothek_fs\/1999\/004054.pdf\">DACUM-Methode<\/a> durch und erfasste die in diesem Workshop in den identifizierten T\u00e4tigkeiten f\u00fcr notwendig erachteten F\u00e4higkeiten und Kenntnisse in einem DaCUM-Panel (Abb. S. 177) als fachstrategische \u201eMinimalkompetenzen\u201c. Die nordrhein-westf\u00e4lische Polizei habe ab dem Jahr 2017 daraus wenigstens im Bereich der kriminalistischen Einf\u00fchrungsfortbildung bereits f\u00fcnf Modulbausteine eingef\u00fchrt. F\u00fcr den gesamten Personalk\u00f6rper der Landespolizei m\u00fcsse man eine derartige Entwicklung aber zun\u00e4chst in eine noch zu entwickelnde Gesamtstrategie \u201everpacken\u201c.<\/p>\n<p>Im vierten Themenbereich fiel meine Artikelauswahl auf den Mitherausgeber <strong>R\u00fcdiger<\/strong> selbst (S. 259 \u2013 299), der sich im Rahmen des von ihm kreierten Begriffs \u201e<strong>Broken Web<\/strong>\u201c in \u201eTransmission\u201c der \u201eanalogen Broken-Windows-Theorie\u201c in den Cyberraum Gedanken zu den \u201eHerausforderungen f\u00fcr die Polizeipr\u00e4senz (eben in diesem) digitalen Raum\u201c macht. Nicht nur aufgrund des exorbitant zu nennenden Dunkelfeldes, welches in unter\u00adschiedlichen Studien immer wieder, wenn auch mitunter aufgrund wenig valider oder gar g\u00e4nzlich fehlender Dunkelfelduntersuchungen kryptisch umrissen wird, muss man sich nicht nur die Frage stellen, ob die Sicherheitsbeh\u00f6rden den Kampf gegen die vielgestaltige Kriminalit\u00e4t im Cyberraum (in den Kategorien \u201eTatmittel Internet\u201c, \u201eComputerkriminalit\u00e4t\u201c jeweils mit den Attributen \u201eim engeren\u201c bzw. im \u201eweiteren Sinn\u201c versehen, etc.) bereits verloren haben, bevor sie ihn \u00fcberhaupt richtig aufnehmen konnten? Au\u00dferdem muss man sich fragen, welche Auswirkungen dies auf die Durchsetzung des staatlichen Gewaltmonopols, das \u201eRechtssicher\u00adheitsparadigma\u201c, als tragende S\u00e4ule gesellschaftlicher Stabilit\u00e4t und b\u00fcrgerlichen Zusammenhalts insgesamt haben wird? Angesichts der ubiquit\u00e4r zu nennenden Erfahrungen mit Betrugs- oder Sabotageversuchen weiter Teile der Nutzergemeinde im Internet kann man auch nicht mehr von der zwar in die Jahre gekommenen aber durchaus immer noch interessanten Popitz\u00b4schen Theorie der <a href=\"http:\/\/www.zfs-online.org\/index.php\/zfs\/article\/view\/3059\">&#8222;Pr\u00e4ventivwirkung des Nichtwissens&#8220;<\/a> ausgehen, nach der es \u2013 vereinfacht ausgedr\u00fcckt \u2013 ausreichend w\u00e4re, wenigstens ab und zu \u201e<u>ein<\/u> (ermitteltes) schwarzes Schaf\u201c (stellvertretend) in \u00f6ffentlicher Haupt\u00adverhandlung lege artis zu sanktionieren. Die Folge, wenn auf erkennbare Normverst\u00f6\u00dfe nicht oder nicht angemessen reagiert wird (was er an zahlreichen Beispielen in seinem Beitrag eindr\u00fccklich nachweist) bzw. den Ordnungsbeh\u00f6rden ggf. sogar nicht einmal mehr die Kompetenz zu einem ad\u00e4quaten Vorgehen zugeschrieben wird, k\u00f6nnte, so R\u00fcdiger, ein \u00e4hnlicher \u201eKausalverlauf\u201c wie bei der (im \u00dcbrigen nicht unumstrittenen, vgl. nur <a href=\"http:\/\/journals.sagepub.com\/doi\/abs\/10.1177\/1043463114561749\">Keuschnigg und Wolbring, 2015<\/a><a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a>) \u201eBroken Windows Theorie\u201c von Wilson und Kelling (1982) sein. Ob die Einw\u00e4nde der Kritiker auch im digitalen Raum gelten, der m. E. durchaus eigenen Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten unterworfen ist, wie so manche Studie (wie z. B. die des BKA im Rahmen einer knappen T\u00e4tertypologie im Bereich <a href=\"https:\/\/www.bka.de\/SharedDocs\/Downloads\/DE\/Publikationen\/Publikationsreihen\/Forschungsergebnisse\/2016HacktivistenqAbschlussbericht.html\">&#8222;Hacktivism&#8220;<\/a>) aussagt, m\u00fcsste erst noch bewiesen werden. So transferiert R\u00fcdiger im Rahmen seiner \u201eBroken Web These\u201c zun\u00e4chst \u201enormstabilisierende\u201c Faktoren zur Erzeu\u00adgung einer Grundform von \u201edigitaler Sicherheit\u201c einfach vom \u201eanalogen\u201c in den \u201edigitalen Raum\u201c. Dazu geh\u00f6ren z. B. a) die Vermittlung von Regeln und Erfahrungen, b) die Kodierung dieser Regeln, c) ein von jedermann erkennbares Konstrukt der Normdurch\u00adsetzung, unabh\u00e4ngig vom analogen oder digitalen Tatort oder -mittel zur d) Erh\u00f6hung der Entdeckungs- und Sanktionswahrscheinlichkeit durch eben jene offene und verdeckte Pr\u00e4senz. Gerade dort sei offene Pr\u00e4senz schon angesichts des v. a. in sozialen Netzwerken weit verbreiteten und schamlos ausgelebten \u201edigitalen Narzissmus\u201c aber noch erheblich ausbaubed\u00fcrftig. R\u00fcdiger misst also unter Verweis auf den erg\u00e4nzenden \u00e4tiolo\u00adgischen Ansatz des \u201eRoutine Activity Approach\u201c<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> insbesondere der sichtbaren Pr\u00e4senz, z. B. mit dem Fokus auf die Strategie des \u201edigital community policing\u201c (hier ist im \u00dcbrigen eine gewisse Parallele zu M\u00f6llers, s. o., erkennbar), der Sicher\u00adheitsbeh\u00f6rden im digitalen Raum, neben der Sachbe\u00adarbeitungskompetenz \u201eCybercrime\u201c, eine zentrale Funktion f\u00fcr eine schl\u00fcssige Strategie \u201edigitaler Sicherheit\u201c bei. Im Kern entwirft er also, durchaus folgerichtig. ein \u201eraumbezogenes\u201c Konzept, wohingegen man\u00adche Kriminologen (vgl. z. B. Meier, 2012) dem Cyberraum eine eigenst\u00e4ndige Raumqualit\u00e4t absprechen und damit das \u201eZwei-Welten-Problem\u201c negieren. Abschlie\u00dfend entwirft er noch eine wenn auch kurze Vision einer zuk\u00fcnftigen digitalen Polizeiarbeit, bei der er nicht nur einfach analoge Konzepte in den digitalen Raum transferiert, sondern die passende Frage stellt, wie eine Sicherheitsstruktur eigentlich von den Mechanismen des digitalen Raums selbst profitieren, ja sich sogar k\u00fcnftig in diesen integrieren k\u00f6nne \/ m\u00fcsse? Hierzu sei jedoch eine gesamtgesellschaftliche Debatte n\u00f6tig, die an diesem Punkt noch nicht einmal begonnen habe. An dieser Stelle, wie angek\u00fcndigt, eine kurze R\u00fcckblende zum Vorwort: Die Sicherheitsbeh\u00f6rden k\u00f6nnen dazu durchaus einen Ansto\u00df leisten und sei es nur durch kritische Selbstreflexion ihrer praktischen Erfahrungen und die Spiegelung der dabei evidenten Erkenntnisse in die Kriminalpolitik. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!<\/p>\n<p>Der Sammelband ist thematisch vielgestaltig und in seinem inneren Aufbau grds. strukturell schl\u00fcssig. Die interdisziplin\u00e4ren, bereichs\u00fcbergreifenden Beitr\u00e4ge er\u00f6ffnen einen multidimensionalen Blick auf das Feld der Digitalisierung und der darin verborgenen Chancen f\u00fcr die Sicherheitsbeh\u00f6rden, wenngleich einem angesichts der aktuellen Herausforderungen die praktische Ausgangslage und die strategischen Planungen mancher Organisationseinheiten ein wenig dabei irritieren m\u00f6gen, ja mitunter sogar einen \u201eDrehnystagmus\u201c (angesichts der visuellen Er\u00f6ffnung dieser Passage hielt ich, um im Bild zu bleiben, einen derart erzeugten \u201eAugenschwindel\u201c f\u00fcr eine angemessene Symbolik) hervorrufen. Ich k\u00f6nnte mir also gut vorstellen, dass aus diesem ersten, inhaltlich ansprechenden Sammelband sogar ein thematisch fortzu\u00adentwickelndes Periodikum, eine Reihe \u201edigitale Polizeiarbeit\u201c werden k\u00f6nnte \u2013 die Verkaufszahlen werden es sicher weisen. An relevanten Themenstellungen mangelt es jedenfalls mitnichten, die Herausgeber\u00adgemeinschaft steht und ein institutionen\u00fcbergreifender \u201eRedaktionsbeirat\u201c sollte sich bei dieser progres\u00adsiven Thematik unkompliziert finden lassen.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <strong>Thomas-Gabriel R\u00fcdiger, M. A., <\/strong>Kriminologe an der Fachhochschule Polizei des Landes Brandenburg, <a href=\"https:\/\/www.fhpolbb.de\/thomas-gabriel-r\u00fcdiger\">Institut f\u00fcr Polizeiwissenschaft (IfP)<\/a>. R\u00fcdiger, der den Sammelband zusam\u00admen mit Saskia Bayerl herausgibt, steuert selbst auch als Autor einen interessanten Beitrag unter dem Titel \u201eBroken Web\u201c bei. Er ist einer der wenigen deutschen Kriminologen (u. a. neben Mischkowitz und Meier), die die Notwendigkeit einer (bislang noch nicht institutionell verorteten) eigenst\u00e4ndigen krimino\u00adlogischen Subdisziplin \u201eCyber\u00adkrimino\u00adlogie\u201c offensiv vertreten.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> <strong>Dr. Petra Saskia Bayerl, <\/strong>Associate Professor an der Erasmus University Rotterdam, <a href=\"https:\/\/www.rsm.nl\/people\/petra-saskia-bayerl\/\">Rotterdam School of Management<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> 1. \u201eKommunikation und Interaktion mit B\u00fcrgern\u201c; 2. \u201eKriminalit\u00e4tspr\u00e4vention und -bek\u00e4mpfung\u201c; 3. \u201eOrganisationale Voraussetzungen\u201c; 4. \u201eRechtliche Fragen\u201c.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Die nach einem Experimentalverlauf in M\u00fcnchen, in Anlehnung an Keizer et al., 2008, sogar zu der Feststellung kommen, die \u201eBroken-Windows-Theorie\u201c sei wissenschaftlich\u00a0 kaum haltbar, vgl. PM der Universit\u00e4t Mannheim vom <a href=\"https:\/\/www2.uni-mannheim.de\/1\/presse_uni_medien\/pressemitteilungen\/2015\/April\/Broken-Windows-Theorie%20wissenschaftlich%20kaum%20haltbar\/\">23.04.2015<\/a>.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Unter den theoretischen Bedingungen (verk\u00fcrzt dargestellt): \u201eRoutine activity approach states that when a crime occurs, three things happen at the same time: a) a suitable target is available, b) there is the lack of a suitable guardian to prevent the crime from happening and c) a likely and motivated offender is present\u201d (Cohen \/ Felson, 1979)<\/p>\n<p>Rezensiert von: Holger Plank<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thomas-Gabriel R\u00fcdiger, M. A.[1] \/ Dr. Petra Saskia Bayerl[2] (Hrsg.); \u201eDigitale Polizeiarbeit. 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