{"id":987,"date":"2018-06-30T14:15:18","date_gmt":"2018-06-30T12:15:18","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=987"},"modified":"2018-06-30T14:19:46","modified_gmt":"2018-06-30T12:19:46","slug":"holger-wilcke-illegal-und-unsichtbar-papierlose-migrantinnen-als-politische-subjekte-rezensiert-von-karsten-lauber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=987","title":{"rendered":"Holger Wilcke &#8211;  Illegal und unsichtbar? &#8211;  Papierlose Migrant*innen als politische Subjekte &#8211; Rezensiert von: Karsten Lauber"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>Wilcke, Holger (2018): Illegal und unsichtbar?;<\/em> Papierlose Migrant*innen als politische Subjekte;<\/strong> 280 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-4197-4 (Print), 29,99 \u20ac , 978-3-8394-4197-8 (pdf), 26,99 \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-989 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/illegal_unsichtbar-99x150.png\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/illegal_unsichtbar-99x150.png 99w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/illegal_unsichtbar.png 200w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/><\/p>\n<h1>1.\u00a0\u00a0\u00a0 Thema<\/h1>\n<p>Das Buch befasst sich mit dem Leben von Menschen, die sich ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland aufhalten. Die Bezugnahme auf Politik im Untertitel resultiert aus der theoretischen Rahmung, den Politikbegriff von Ranci\u00e8re f\u00fcr die \u201eAnalyse der Lebensbedingungen von Illegalisierten\u201c (S. 32) zu verwenden. Das Buch erscheint treffenderweise im Bielefelder Verlag transcript. W\u00e4hrend der Verlagssitz Gegenstand der sog. Bielefeldverschw\u00f6rung<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> ist und damit als nicht existent erscheint, sind die unsichtbaren Illegalen Realit\u00e4t.<!--more--><\/p>\n<h1>2.\u00a0\u00a0\u00a0 Autor<\/h1>\n<p>Der Autor ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Berliner Institut f\u00fcr empirische Integrations- und Migrationsforschung und Mitglied im Netzwerk <em>Kritische Migrations- und Grenzregimeforschung<\/em>. Holger Wilcke promovierte mit der vorliegenden Arbeit zum Thema illegalisierte Migration und untersuchte die gesellschaftstransformatorischen Potentiale migrantischer K\u00e4mpfe<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<h1>3.\u00a0\u00a0\u00a0 Aufbau<\/h1>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/d-nb.info\/114170174X\">Inhaltsverzeichnis<\/a> kann dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek entnommen werden.<\/p>\n<h1>4.\u00a0\u00a0\u00a0 Inhalt<\/h1>\n<p>Die Einleitung der Arbeit beinhaltet bereits eine Zusammenstellung des Forschungsstandes. Nach Einsch\u00e4tzung des Autors lassen sich die dort genannten Arbeiten in zwei Bereiche aufteilen. (1) Arbeiten, die \u201edas Themenfeld aus einer humanitaristischen Perspektive betrachten\u201c (S. 13) und (2) Studien mit kontrollpolitischer Orientierung. Das zweite Kapitel beinhaltet den theoretisch-methodischen Rahmen. Die Untersuchung basiert auf 28 Experteninterviews, teilnehmenden Beobachtungen und Dokumentenanalysen. Bemerkenswert ist, dass Interviews mit vormals Illegalisierten auch in deren Herkunftsl\u00e4ndern gef\u00fchrt wurden, nachdem diese zur\u00fcckgekehrt sind bzw. zur\u00fcckkehren mussten (S. 65). Das dritte Kapitel beschreibt, wie die Belange der Illegalisierten in die Gewerkschaften hineingetragen wurden und ber\u00fccksichtigt dabei auch den Konflikt f\u00fcr die Gewerkschaften, die sich bis dahin vehement gegen Schwarzarbeit positionierten. Ma\u00dfgeblich f\u00fcr die Einrichtung der gewerkschaftlichen Beratungsstellen f\u00fcr Illegalisierte war die Intervention auf dem Bundeskongress von ver.di im Jahr 2003. Ungeachtet der seitdem erreichten Verbesserungen (so k\u00f6nnen Illegalisierte inzwischen der Gewerkschaft beitreten) werden die bislang erzielten Erfolge als \u00fcberschaubar beschrieben (S. 94). Kapitel 4 beinhaltet die empirischen Ergebnisse der Untersuchung. Im ersten Unterkapitel beschreibt der Autor verschiedene Aspekte der allt\u00e4glichen Lebenswirklichkeit, insbesondere die Kontakte zu Freunden und Familienangeh\u00f6rigen in den Herkunftsl\u00e4ndern. Dabei wird immer wieder deutlich, welche Schicksale mit der Einwanderung nach Deutschland f\u00fcr getrennte Familien etc. verbunden sind, beispielsweise wenn versucht wird, sich \u00fcber Skype in den famili\u00e4ren Alltag in einem afrikanischen Land <em>einzuloggen<\/em>. Das zweite Unterkapitel befasst sich mit Rassismus- und Sexismuserfahrungen in der Illegalit\u00e4t und verdeutlich anhand des Begriffs der \u201eDeportability\u201c (S. 134 f) die Schwierigkeiten der \u201eUmgangsstrategien\u201c (S. 132) und die eingeschr\u00e4nkte Beschwerdemacht aufgrund der fehlenden Papiere. \u201eDeportability beschreibt die st\u00e4ndige Gefahr, \u201eaus dem derzeitigen Leben gerissen zu werden\u201c (S. 135). Bereits eine Identit\u00e4tsfeststellung als Zeuge oder eine anlassunabh\u00e4ngige Kontrolle, die nicht selten auf selektiven Kontrollentscheidungen der Polizei beruht, kann das illegalisierte Leben auffliegen lassen. Passend dazu beinhaltet dieses Unterkapitel Ausf\u00fchrungen zu den sog. gef\u00e4hrlichen Orten und Racial Profiling und deren Auswirkungen auf die Bewegungsfreiheit Illegalisierter. Das dritte Unterkapitel mit dem Titel \u201eArbeiten\u201c zeigt auf, wo und unter welchen Bedingungen Personen ohne Papiere t\u00e4tig werden. Dazu z\u00e4hlen auch die Ma\u00dfnahmen zum Schutz vor Arbeitskontrollen und M\u00f6glichkeiten des Widerstandes bei Konflikten mit den Arbeitgebern. Die Wohnsituation ist Inhalt des vierten Unterkapitels. Neben den rechtlichen Aspekten liegt ein Schwerpunkt in der Beschreibung der allt\u00e4glichen Wohnsituation, also dem Bem\u00fchen der Illegalisierten, beispielsweise gegen\u00fcber den Nachbarn nicht aufzufallen. Auch dieses Kapitel beinhaltet Formen des Widerstandes durch Illegalisierte in Bezug auf die Verhinderung von Mieterh\u00f6hungen. Die Bedeutung der medizinischen Versorgung im f\u00fcnften Kapitel l\u00e4sst sich mit dem ersten Abschnitt \u201eNicht krank werden!\u201c treffend beschreiben, doch die Bandbreite reicht weit dar\u00fcber hinaus, wenn es um Schwangerschaften in der Illegalit\u00e4t oder verpflichtende \u00e4rztliche Untersuchungen f\u00fcr den Zugang zu Kindertagesst\u00e4tten geht. Nach der Analyse der Bildungssituation, also der (vor-)schulischen Bildung, schlie\u00dft das siebte Unterkapitel mit der Bedeutung migrantischer Solidarit\u00e4t das Kapitel ab. Das f\u00fcnfte und damit letzte Kapitel analysiert die Handlungen der Illegalisierten auf der Grundlage des Politikverst\u00e4ndnisses von Ranci\u00e8re und dem Konzept der \u201e<em>Imperceptibel Politics<\/em>\u201c (S.236).<\/p>\n<h1>5.\u00a0\u00a0\u00a0 Diskussion<\/h1>\n<p>Die Untersuchung l\u00e4sst sich als kritische wissenschaftliche Arbeit einordnen. Eine wesentliche These des Autors ist es, die Illegalisierten nicht als Opfer ihrer Lebenssituation darzustellen, \u201esondern als aktiv handelnde Subjekte\u201c (S. 102), wobei als Handlung auch verstanden werden kann, \u201enicht auf Sichtbarkeit [zu] setzen\u201c (S. 236). Der Autor entschloss sich, die Interviews der Illegalisierten als Experteninterviews zu f\u00fchren, da \u201esie als Expert*innen ihrer Situation zu den Erz\u00e4hler*innen von Gesellschaft\u201c (S. 61) geh\u00f6ren. Wilcke entscheidet sich damit f\u00fcr einen voluntaristischen Expertenbegriff (vgl. Bogner et al. 2009, 67 f).<\/p>\n<p>F\u00fcr seine Untersuchung legt der Autor den Politikbegriff von Ranci\u00e8re zugrunde (S. 32 ff). Als \u201eAkt des Aufbegehrens\u201c (S. 33) wird die bestehende Ordnung in Frage gestellt und ggf. neu verhandelt. Dies bedeutet, dass die bestehende gesellschaftliche Ordnung ver\u00e4nderbar ist (S. 235). Als \u201eradikale Erweiterung\u201c (S. 236) dieses Politikverst\u00e4ndnisses bezieht Wilcke das Konzept der \u201e<em>Imperceptibel Politics<\/em>\u201c mit ein, d.\u00a0h. Politik wird nicht nur als unmittelbar wahrnehmbare Handlung verstanden, sondern auch als Strategie, \u201edie nicht auf Sichtbarkeit\u201c (S. 236) setzt. Allt\u00e4gliche Handlungen wie die Begr\u00fc\u00dfung der Nachbarn oder das Trennen von M\u00fcll sind demnach politisch. Diese Handlungen sind f\u00fcr den Autor weniger als Assimilation zu verstehen (bzw. zu missinterpretieren, S. 239), sondern als Aspekt der St\u00f6rung der herrschenden Ordnung einzustufen. Kurzum: Erst die Einhaltung gesellschaftlicher Regeln erm\u00f6glicht es, die gesellschaftliche Ordnung, insbesondere das sog. Ausl\u00e4nderrecht, zu unterwandern. Eine zwar paradoxe, doch durchaus bemerkenswerte Idee des Autors. Ob dieses omnipr\u00e4sente Politikverst\u00e4ndnis, nach dem fast alles <em>politisch<\/em> ist, einen empirischen Mehrwert erzeugt, darf jedoch bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Aus methodischer Sicht kann wenig \u00fcberzeugen, dass aus den Ergebnissen der Experteninterviews \u201eein Abbild der sexistischen und rassistischen Verh\u00e4ltnisse in der Gesellschaft insgesamt\u201c resultiert, auch wenn dies alltagswirklich plausibel erscheint. Der Vorwurf, bei der Polizei g\u00e4be es einen \u201einstitutionelle[n] Rassismus\u201c (S. 129) ist nicht neu und wird in der Polizeiwissenschaft vs. der kritischen Polizeiforschung kontrovers diskutiert (vgl. Belina 2016, 134 ff; Behr 2017), d.h. in einer Dissertationsschrift w\u00e4re es zu begr\u00fc\u00dfen, wenn auf die unterschiedlichen Positionen hingewiesen werden w\u00fcrde. Immerhin schl\u00e4gt der Autor mit dieser Generalisierung in seiner rassismus- und sexismuskritischen Arbeit eine Projektion vor, die in Bezug auf andere Gruppen vorzugsweise als Diskriminierung bezeichnet wird (vgl. Lauber\/M\u00fchler 2017, 93).<\/p>\n<p>Die interviewten Personen standen durchwegs in (denknotwendig illegalen) Arbeitsverh\u00e4ltnissen. Bei der an einer Stelle erw\u00e4hnten T\u00e4tigkeit als Sexarbeiterin (S. 155 ff) erf\u00e4hrt der Leser<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> wenig \u00fcber das dortige Milieu, mittelbar ist jedoch zu vermuten, dass die Interviewte nicht \u201eOpfer krimineller Schleuser*innen und Zuh\u00e4lter*innen\u201c war. Die Stichprobe, die der Untersuchung zugrunde liegt, umfasst demnach ausschlie\u00dflich Werkt\u00e4tige, die in Berufen t\u00e4tig sind, die nicht kriminalisiert werden. Es fehlen damit beispielsweise Personen, die (nicht nur tempor\u00e4r) nicht werkt\u00e4tig sind oder ihren Lebensunterhalt durch als kriminell definierte Handlungen bestreiten. Vor diesem Hintergrund ist die Ziehung der Stichprobe zu kritisieren, unabh\u00e4ngig davon, dass \u2013 wie oben genannt \u2013 repr\u00e4sentative Schl\u00fcsse gezogen werden.<\/p>\n<p>Im Kapitel 2 stellt der Autor, indem er auf eine Arbeit von Ravenstein aus dem 19. Jahrhundert Bezug nimmt, fest, dass (damals) Grenzen und Grenzkontrollen \u201ewenig relevant\u201c (S. 21) waren. Diese Behauptung soll mit Hinweis auf den lesenswerten Bericht von Gottlieb Mittelberger \u00fcber einen deutschen Wirtschaftsfl\u00fcchtling aus dem 18. Jahrhundert in Frage gestellt werden, denn Mittelberger beschreibt bereits f\u00fcr das Jahr 1750 sowohl 36 Zollstationen zwischen Baden-W\u00fcrttemberg und Rotterdam als auch Einreisemodalit\u00e4ten in Amerika, die diese Aussage nicht best\u00e4tigen (vgl. Mittelberger 2017). Vor allem das zweite Kapitel ist ideologisch aufgeladen. Die Diskussion um die sog. Ausl\u00e4nderfrage in den 1980er, die sicherlich im Kontext mit dem damaligen Bundesinnenminister Zimmermann zu sehen ist (vgl. SPIEGEL 1985, 107 f), beinhaltet einen (weiterhin) unkommentierten Hinweis auf das \u201eehemalige[n] NSDAP-Mitglied Friedrich Zimmermann\u201c (S. 54). Eine wissenschaftliche Arbeit sollte an dieser Stelle einen begr\u00fcndeten Zusammenhang zwischen einer (durchaus kritikw\u00fcrdigen Politik) in den 1980er Jahren und dem Beitritt in die NSDAP 1943 im Alter von 18 Jahren<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> herstellen. Bei der Asyldebatte der 1990er Jahre und der damit einhergehenden Grundgesetz\u00e4nderung sind es \u201eNeonazis, \u201aunbescholtene\u2018 B\u00fcrger*innen und die etablierten Parteien\u201c, die an einem Strang ziehen (Wilcke 2018, 55). Auch an dieser Stelle \u00fcberzeugt die unkommentierte Generalisierung nicht.<\/p>\n<p>Im Kapitel 4 werden unterschiedliche allt\u00e4gliche Bew\u00e4ltigungsstrategien durch Illegalisierte beschrieben. F\u00fcr den Leser ist dabei immer wieder zu ber\u00fccksichtigen, dass den Illegalisierten viele Methoden zur Konfliktl\u00f6sung nicht zur Verf\u00fcgung stehen, da sie mit beh\u00f6rdlichen bzw. polizeilichen Kontakten im Zusammenhang stehen. Bereits die Inanspruchnahme als polizeilicher Zeuge kann dazu f\u00fchren, dass der Aufenthalt ohne Papiere auffliegt, also die Ausweisung droht.<\/p>\n<p>Leider beschr\u00e4nken sich die Analysen zur Solidarit\u00e4t (228 ff, 242 f), ohne die eine Bewerkstelligung von Wohnen, Arbeiten, medizinischer Versorgung und Alltagsleben nicht m\u00f6glich w\u00e4re, ausschlie\u00dflich auf die migrantischen Netzwerke. Dabei wurde im vierten Kapitel deutlich, dass hier auch die Solidarit\u00e4t einer Vielzahl engagierter Unterst\u00fctzer (z.\u00a0B. im schulischen Kontext oder \u00c4rzte) vorhanden ist. In der ideologischen Ausrichtung des Autors ist hier offenbar nur Platz f\u00fcr die Beschreibung alltagsrassistischer und -sexistischer Erlebnisse, verursacht durch das Verhalten von Mitgliedern der \u201eDominanzgesellschaft\u201c. Die Kritik des Autors bezieht an anderer Stelle jedoch auch das Verhalten migrantischer Illegalisierter mit ein, beispielsweise, wenn ein cis-Mann<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a> auf seine k\u00f6rperlich sehr anstrengende Arbeit hinweist und damit verdeutlicht, dass es sich um einen \u201eMen\u2019s job\u201c (S. 161) handelt. \u201eDarin spiegeln sich auf einer bipolaren Geschlechterordnung beruhende gesellschaftliche Vorstellungen, die in \u201aM\u00e4nner-\u201a und \u201aFrauenberufe\u2018 differenziert ist\u201c, so das Ergebnis des Autors. Der \u201eMen\u2019s job\u201c ist nicht als Zitat des Illegalisierten gekennzeichnet, so dass durchaus zu fragen ist, ob nicht der Autor selbst die dem Illegalisierten zugeschriebene gesellschaftliche Vorstellung erst konstruiert.<\/p>\n<h1>6.\u00a0\u00a0\u00a0 Fazit<\/h1>\n<p>Der Autor bewegt sich in seiner Untersuchung in einem schwer zug\u00e4nglichen Feld und hat vor allem durch seine Interviews in den Herkunftsl\u00e4ndern einen hohen Aufwand betrieben. Im Ergebnisteil (Kapitel 4) erf\u00e4hrt der Leser detailreich \u00fcber oftmals wenig beachtete Einzelaspekte eines Lebens in der Illegalit\u00e4t. \u00dcber diese Detailaspekte hinaus beinhaltet das Buch nur wenig Informationen \u00fcber das grunds\u00e4tzliche Leben in der Illegalit\u00e4t in Deutschland und die gesellschaftliche (und damit nat\u00fcrlich auch die wirtschaftliche) Bedeutung illegalisierter Menschen, deren Arbeitskraft beispielsweise im Niedriglohnsektor unentbehrlich erscheint. Die gesellschaftliche Komponente ist umso bemerkenswerter, als die Untersuchung versucht, den \u201egesellschaftsver\u00e4ndernden Kr\u00e4ften [\u2026] auf den Grund zu gehen\u201c (S. 17).<\/p>\n<p>Schw\u00e4chen der Arbeit liegen in der ideologischen \u00dcberhitzung, die in der Folge auch zu methodischer Kritik Anlass bietet. Die reduzierte Einbeziehung ergebniskritischer Positionen schr\u00e4nkt damit auch die Ergebnisse der eigenen Untersuchung ein. Da die Arbeit auch Aspekte der Transnationalit\u00e4t und Solidarit\u00e4t beschreibt, w\u00e4re die st\u00e4rkere Ber\u00fccksichtigung soziologischer Aspekte, beispielsweise aus den Bereichen Sozialkapital und Netzwerktheorie, w\u00fcnschenswert gewesen. M\u00f6glicherweise h\u00e4tte die These, Migranten nicht als Opfer ihrer Situation darzustellen, als zu pr\u00fcfende Hypothese mehr Erkenntnisgewinn erzielt. Aus Verlagssicht ist auf ein qualitativ gut hergestelltes Buch hinzuweisen. Die Empfehlung f\u00fcr diese Arbeit kann jedoch nur unter Vorbehalt erfolgen, wobei es Interessierte am Thema aufgrund der bislang unzureichenden Literatur zwangsl\u00e4ufig ber\u00fccksichtigen werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Behr, R.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">\u201eKameradenverrat ist eine Tods\u00fcnde\u201c, in: jetzt.de vom 30.09.2017. Verf\u00fcgbar unter: http:\/\/www.jetzt.de\/politik\/rassismus-in-der-polizei-interview-mit-dem-polizeiwissenschaftler-rafael-behr. Abgerufen am: 19.03.2018.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Belina, B.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Der Alltag der Anderen: Racial Profiling in Deutschland?, in: Sicherer Alltag? Politiken und Mechanismen der Sicherheitskonstruktion im Alltag, hrsg. von Bernd Dollinger, Henning Schmidt-Semisch, Wiesbaden, 2016, S. 125 \u2013 146<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Bogner, A.; Littig, B.; Menz, W. (Hrsg.)<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Experteninterviews. Theorien, Methoden, Anwendungsfelder, 3. Auflage, Wiesbaden, 2009<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>DER SPIEGEL (Hrsg.)<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Hartes Feilschen, in: DER SPIEGEL, 36\/1985, S. 107 \u2013 108<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Lauber, K.; M\u00fchler, K.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Ist das Vertrauen in die Institution Polizei eine Folge politischer Orientierungen?, in: Monatsschrift f\u00fcr Kriminologie und Strafrechtsreform, 2\/2017, S. 87 \u2013 102<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Mittelberger, G.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Reise in ein neues Leben, Berlin, 2017<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> Verf\u00fcgbar unter: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bielefeldverschw\u00f6rung. Abgerufen am: 05.03.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Verf\u00fcgbar unter: \u00a0https:\/\/www.bim.hu-berlin.de\/de\/personen\/holger-wilcke\/. Abgerufen am: 05.03.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Aus Gr\u00fcnden der besseren Lesbarkeit wird das genetische Maskulinum verwendet. S\u00e4mtliche Personenbezeichnungen gelten geschlechtsunabh\u00e4ngig.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Unter Ber\u00fccksichtigung von Wikipedia als Quelle trat Zimmermann 1943 im Alter von 18 Jahren in die NSDAP ein. Verf\u00fcgbar unter: <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Friedrich_Zimmermann&amp;oldid=173406575\">https:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Friedrich_Zimmermann&amp;oldid=173406575<\/a>. Abgerufen am: 18.03.2018.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Offenbleiben muss, ob wissenschaftliche Arbeiten k\u00fcnftig \u00fcberhaupt noch lesbar bleiben, wenn neben rechtschreibkritischem <em>gendern<\/em> zunehmend auch Geschlechtszeichnungen ausdifferenziert werden. So wird aus dem <em>Mann<\/em> eine cis-m\u00e4nnliche Person, also eine Person, \u201ederen Geschlechtsidentit\u00e4t mit dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht \u00fcbereinstimmt\u201c (S. 22).<\/p>\n<p>Rezensiert von: Karsten Lauber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wilcke, Holger (2018): Illegal und unsichtbar?; Papierlose Migrant*innen als politische Subjekte; 280 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-4197-4 (Print), 29,99 \u20ac , 978-3-8394-4197-8 (pdf), 26,99 \u20ac 1.\u00a0\u00a0\u00a0 Thema Das Buch befasst sich mit dem Leben von Menschen, die sich ohne legalen Aufenthaltsstatus in Deutschland aufhalten. 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