{"id":991,"date":"2018-06-30T14:19:02","date_gmt":"2018-06-30T12:19:02","guid":{"rendered":"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=991"},"modified":"2018-06-30T14:19:32","modified_gmt":"2018-06-30T12:19:32","slug":"stephan-guenzel-raum-eine-kulturwissenschaftliche-einfuehrung-rezensiert-von-karsten-lauber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/?p=991","title":{"rendered":"Stephan  G\u00fcnzel &#8211;  Raum. Eine kulturwissenschaftliche Einf\u00fchrung &#8211; Rezensiert von: Karsten Lauber"},"content":{"rendered":"<p><strong><em>G\u00fcnzel, Stephan (2017);<\/em> Raum. Eine kulturwissenschaftliche Einf\u00fchrung; <\/strong>156 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-3972-8 (Print), 14,99 \u20ac, ISBN 978-3-8394-3972-2 (pdf), 12,99 \u20ac<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-992 alignright\" src=\"http:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/raum-99x150.png\" alt=\"\" width=\"99\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/raum-99x150.png 99w, https:\/\/polizei-newsletter.de\/wordpress\/wp-content\/uploads\/2018\/06\/raum.png 200w\" sizes=\"(max-width: 99px) 100vw, 99px\" \/><\/p>\n<h1>1.\u00a0\u00a0\u00a0 Thema<\/h1>\n<p>Kaum ein Beitrag zur Raumforschung kommt derzeit ohne Hinweis auf den Spatial Turn aus. Die kulturwissenschaftliche Einf\u00fchrung von Stephan G\u00fcnzel zielt darauf ab, einen systematischen \u00dcberblick \u00fcber den Spatial Turn sowie verschiedene Raumtheorien vorzustellen.<!--more--><\/p>\n<h1>2.\u00a0\u00a0\u00a0 Autor<\/h1>\n<p>Der Autor ist Professor f\u00fcr Medientheorie an der Berliner University of Applied Sciences Europe und seit 2016 Leiter des Instituts f\u00fcr gestalterisches Forschen. Seine Lehrgebiete umfassen u.a. Game Design, Kunst- und Designgeschichte, Medientheorie und Philosophie. Etliche Publikationen und Herausgeberschaften zur Raumtheorie, z. B. die Sammelb\u00e4nde \u201eTexte zur Theorie des Raums\u201c (G\u00fcnzel 2013) im Reclam-Verlag und \u201eRaumtheorie\u201c (D\u00fcnne\/G\u00fcnzel 2006) im Suhrkamp-Verlag, weisen auf eine langj\u00e4hrige Untersuchungst\u00e4tigkeit hin.<\/p>\n<h1>3.\u00a0\u00a0\u00a0 Aufbau<\/h1>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/d-nb.info\/1130165345\">Inhaltsverzeichnis<\/a> kann dem Katalog der Deutschen Nationalbibliothek entnommen werden.<\/p>\n<h1>4.\u00a0\u00a0\u00a0 Inhalt<\/h1>\n<p>Das (l\u00e4ngste) Kapitel 1 befasst sich mit drei Antinomien des Raumes und zwar dem Verschwinden von Raum, dem deterministischen vs. dem possibilistischen Raumverst\u00e4ndnis sowie dem Gegensatz von Raum und Ort. Im Vordergrund des Beitrags zum Verschwinden von Raum stehen Arbeiten von Paul Virilio, David Harvey und Nigel Thrift. Die kulturwissenschaftlichen und technologischen Ans\u00e4tze r\u00fccken den Beschleunigungsbegriff und das \u201eindividuelle Erleben\u201c (S. 33) von Raum in den Vordergrund (vgl. dazu auch Rosa 2005; Schivelbusch 2015). Die Antinomie Determinismus vs. Possibilismus beschreibt die \u201eWirkungsverh\u00e4ltnisse von Raum und Gesellschaft\u201c (S. 35), insbesondere unter Bezugnahme auf Friedrich Ratzel, Georg Simmel und\u00a0Paul Vidal de la Blache. Aus kriminologischer Sicht sind an dieser Stelle die Ausf\u00fchrungen zum Klimadeterminismus (S. 38 f) bedeutsam. Dem dritten Widerspruch (Raum und Ort) n\u00e4hert sich der Autor aus der zentralperspektivischen Beobachtung und im Anschluss daran \u00fcber den \u201eph\u00e4nomenologischen \u201aTurn\u2018\u201c Heideggers. Der Ort als \u201ebestimmte, angebbare Stelle auf der Erde\u201c (S. 57) wird dann Ausgangspunkt f\u00fcr Ausf\u00fchrungen zu den Begriffen <em>Heimat<\/em> und <em>Wohnen<\/em>, die nicht nur zu einer blo\u00dfen Gegen\u00fcberstellung von Raum und Ort, sondern weitergehend auf die Kontroverse von Fremde und Heimat f\u00fchrt. Zwei Unterkapitel schlie\u00dfen die Ausf\u00fchrungen zu den drei Antinomien ab, die ihren Fokus nochmals auf Raum und Ort legen. Zun\u00e4chst ein (zumindest aus sozialwissenschaftlicher Sicht) durchaus streitbarer Beitrag zur Containervorstellung und im Anschluss daran Konkretisierungen zu dem (je) von Husserl und Heidegger proklamierten \u201eTurn\u201c (S.\u00a069). Kapitel 2 widmet sich der Raumproduktion und f\u00fchrt die seit einigen Jahren verst\u00e4rkte (Re-)Publikation von\/\u00fcber Henri Lefebvre fort (vgl. Lefebvre 2016, Belina 2017). In der Abgrenzung zu Lefebvres Konzept des Drittraumes stellt der Autor zudem Ortskonzepte wie die dritten Orte nach Ray Oldenburg, die Nicht-Orte von Marc Aug\u00e9 sowie etwas exponierter die Heterotopien von Michel Foucault<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a> vor. Treffend kritisiert G\u00fcnzel die inflation\u00e4re Verwendung<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> des Heterotopie-Konzeptes (S. 102). Im letzten Kapitel 3 befasst sich der Autor mit verschiedenen r\u00e4umlichen Turns, namentlich dem Spatial Turn, dem Topographical Turn und dem Topological Turn sowie mit methodischen Konsequenzen f\u00fcr die Raumforschung.<\/p>\n<h1>5.\u00a0\u00a0\u00a0 Fazit<\/h1>\n<p>Mit seinem 158-seitigen Buch legt Stephan G\u00fcnzel eine kurze und verdichtete Einf\u00fchrung vor, die es Lesern ohne fundiertem Vorverst\u00e4ndnis oder ausgepr\u00e4gtem Forschungsinteresse nicht immer leicht macht, den roten Faden zu behalten. Wie die Umschlagbeschreibung treffend ank\u00fcndigt, soll der Band einen \u00dcberblick gew\u00e4hren. Dieses Versprechen l\u00f6st der Autor durchaus ein. Sozialwissenschaftlich Interessierte werden in der <em>kulturwissenschaftlichen<\/em> Einf\u00fchrung m\u00f6glicherweise nicht in dem gew\u00fcnschten Umfang f\u00fcndig werden. Dennoch fungiert der Band als guter Stichwortgeber f\u00fcr weitergehende eigene Analysen der vielf\u00e4ltig aufgezeigten Raumtheorien. Viele der von G\u00fcnzel herangezogenen Werke lassen sich (auszugsweise) in seinen Sammelb\u00e4nden nachlesen, die als Begleitlekt\u00fcre empfohlen werden (vgl. G\u00fcnzel 2013; D\u00fcnne\/G\u00fcnzel 2015). Losgel\u00f6st davon ist auch weiterhin auf die ansprechende Gestaltung und Herstellungsqualit\u00e4t der B\u00fccher aus dem transcript-Verlag hinzuweisen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Verwendete Literatur<\/strong><\/p>\n<table>\n<tbody>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Aug\u00e9, M.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Nicht-Orte, 4. Auflage, M\u00fcnchen, 2014<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Belina, B.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Raum. Zu den Grundlagen eines historisch-geographischen Materialismus, 2. Auflage, M\u00fcnster, 2017<\/p>\n<p>&nbsp;<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>D\u00fcnne, J.; G\u00fcnzel, S. (Hrsg.)<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, 8. Auflage, Frankfurt am Main, 2015<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Foucault, M.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Die Heterotopien, in: Die Heterotopien. Der utopische K\u00f6rper. Zwei Radiovortr\u00e4ge, 2. Auflage, Berlin, 2014<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Foucault, M.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Von anderen R\u00e4umen, in: Raumtheorie. Grundlagentexte aus Philosophie und Kulturwissenschaften, 8. Auflage, Frankfurt am Main, 2015, S. 317 \u2013 329<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>G\u00fcnzel, S. (Hrsg.)<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Texte zur Theorie des Raums, Stuttgart, 2013<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Lefebvre, H.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Das Recht auf Stadt, Hamburg, 2016<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Rosa, H.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Beschleunigung. Die Ver\u00e4nderung der Zeitstrukturen in der Moderne, Frankfurt am Main, 2005.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td width=\"179\"><em>Schivelbusch, W.<\/em><\/td>\n<td width=\"424\">Geschichte der Eisenbahnreise. Zur Industrialisierung von Raum und Zeit im 19. Jahrhundert, Frankfurt am Main, 2015<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> G\u00fcnzel nimmt dabei Bezug auf die <em>sechs<\/em> Grunds\u00e4tze, die Foucault in dem Aufsatz \u201eVon anderen R\u00e4umen\u201c beschreibt (vgl. Foucault 2015). In einem fr\u00fcheren Beitrag nennt Foucault zun\u00e4chst noch <em>f\u00fcnf<\/em> Grunds\u00e4tze (vgl. Foucault 2014, 18).<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Dies gilt umso mehr f\u00fcr die Nicht-Orte in Anlehnung an Aug\u00e9 (vgl. Aug\u00e9 2014).<\/p>\n<p>Rezensiert von: Karsten Lauber<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>G\u00fcnzel, Stephan (2017); Raum. Eine kulturwissenschaftliche Einf\u00fchrung; 156 Seiten, transcript Verlag, Bielefeld, ISBN 978-3-8376-3972-8 (Print), 14,99 \u20ac, ISBN 978-3-8394-3972-2 (pdf), 12,99 \u20ac 1.\u00a0\u00a0\u00a0 Thema Kaum ein Beitrag zur Raumforschung kommt derzeit ohne Hinweis auf den Spatial Turn aus. 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