Polizei : Newsletter Nr. 133, September 2010
 1)   Rekrutierung und Vorbereitung von Polizeibeamten für Auslandseinsätze
 2)   Homepage für Polizisten: Policeone.com
 3)   Polizeibeamte und die Wahrheit
 4)   Neue Auflage des European Sourcebook of Crime and Criminal Justice Statistics erschienen
 5)   Virtuelle Dschihadisten und das Social Web
 6)   Bedingsfaktoren für die Angst vor Terrorismus
 7)   Privatisierung der Bewährungshilfe verursacht Mehrkosten in Millionenhöhe
 8)   Konstanzer Inventar für Sanktionsforschung aktualisiert
10)  Newsletter der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW
10)  Jugendkriminalität in Deutschland - Zwischen Fakten und Dramatisierung
11)  Schulabsentismus an französischen Schulen
12)  Legal Tribune jetzt als kostenloses Online-Magazin
13)  Vereinheitlichung des eidgenössischen Strafprozessrechtes
14)  Veranstaltungshinweis: „Sexuellen Missbrauch erkennen und verhindern“
15)  Rezension
 
1) Rekrutierung und Vorbereitung von Polizeibeamten für Auslandseinsätze
2009 waren insgesamt 230 deutsche Polizeibeamte bei internationalen Polizei-missionen im Ausland tätig. Eine im März 2010 veröffentlichte Untersuchung des Instituts für Migrations- und Sicherheitsstudien (IMSS) hat sich mit dem Rekrutierungs- und Auswahlverfahren der beteiligten Beamten beschäftigt und die Vorbereitungsmaßnahmen für derartige Einsätze kritisch beleuchtet. Die Autorinnen der Studie, Mechthild Baumann und Carolin Bretl haben festgestellt, dass die Vorbereitungsmaßnahmen für deutsche Beamte, im Internationalen Vergleich grundsätzlich gut sind. Ferner hat sich gezeigt, dass die Bewerberlage gut genug ist um eine ausreichende Anzahl gut qualifizierten Beamten für internationale Polizeimissionen bereitzustellen. Der Ergebnisbericht der Untersuchung, kann im Internet heruntergeladen werden: http://franziska-brantner.eu/blog/wp-content/uploads/2010/03/imss_Studie-Polizeimissionen.pdf
 
 
2) Homepage für Polizisten: Policeone.com
Auf der englischsprachigen Homepage www.policeone.com finden sich zahlreiche praktische Informationen für Polizeibeamte. Das Thema Sicherheit im aktiven Polizeidienst bildet dabei einen besonderen inhaltlichen Schwerpunkt. Daneben werden Polizeitaktik und Trainingsmaßnahmen für Beamte wie auch diverse Ausrüstungsgegenstände der Polizeiarbeit thematisiert. Neben Artikeln und Kolumnen stellt die Homepage auch viele Audio- und Videodokumente bereit. Des Weiteren wird ein Breaking-News-Channel für Polizeibeamte angeboten.
 
 
3) Polizeibeamte und die Wahrheit
Eine Untersuchung der University of South California beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Polizeibeamten zur Wahrheit. Dabei zeigte sich dass Polizeibeamte in Zusammenhang mit ihrer Arbeit häufig lügen, manipulieren oder bewusst betrügen. Darüber hinaus ergab sich, dass derartiges Verhalten von Kollegen und Vorgesetzten häufig gebilligt wird. Noble, J. and G. Alpert. (2009): Lies, True Lies, and Conscious Deception: Police Officers and the Truth. Police Quarterly, 12(2): 237 – 254. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://pqx.sagepub.com/content/12/2/237.short
 
 
4) Neue Auflage des European Sourcebook of Crime and Criminal Justice Statistics erschienen
Die Quellen- und Statistiksammlung European Sourcebook of Crime and Criminal Justice Statistics ist in der vierten Auflage erschienen und steht im Internet zum kostenlosen Download zur Verfügung. Das 382 Seiten umfassende Dokument enthält aktuelle Daten und Statistiken zu den Strafverfolgungsorganen aus ganz Europa und wird von der Forschungsstelle des niederländischen Ministeriums für Justiz herausgegeben. http://www.wodc.nl/images/ob285_full%20text_tcm44-294766.pdf
 
 
5) Virtuelle Dschihadisten und das Social Web
Eine Studie des Instituts für Human und Sozialwissensschaften der Landesverteidigungsakademie in Wien (IHSW) hat sich mit den Aktivitäten von Dschihadisten im Internet beschäftigt. Neben einer grundsätzlichen Einführung in das Thema Islamismus und Internet fokussiert die Untersuchung insbesondere die Aktivitäten von Sympathisanten des Islamismus, die sich überwiegend im Internet abspielen (virtuelle Dschihadisten). Dabei zeigte sich, dass Plattformen des Social Web wie Twitter und Facebook zunehmend als Bühne für islamistische Propaganda verwendet werden. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.bundesheer-oesterreich.info/wissen-forschung/publikationen/publikation.php?id=519
 
 
6) Bedingsfaktoren für die Angst vor Terrorismus
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) hat die Angst vor Terrorismus in der europäischen Bevölkerung untersucht. Grundlage der im Juni 2010 erschienenen Studie bilden dabei die Daten des Eurobarometers. Die Autoren Konstantinos Drakos und Cathérine Müller konnte zeigen, dass in Ländern die von terroristischen Anschlägen stärker bedroht sind, die Angst vor Terrorismus in der Bevölkerung weiter verbreitet ist. Neben der (vermeintlich objektiven) Gefahrensituation haben sich auch die berufliche Stellung, das Geschlecht und der Familienstand der Befragten als relevant erwiesen. So haben männliche Singles mit Berufen im höheren Dienstleistungsbereich deutlich seltener angegeben Angst vor terroristischen Anschlägen zu haben, als Menschen mit Kindern, die in ländlichen Gebieten leben. Der Ergebnisbericht kann im Internet heruntergeladen werden: http://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.358104.de/diw_econsec0036.pdf
 
 
7) Privatisierung der Bewährungshilfe verursacht Mehrkosten in Millionenhöhe
Der Rechnungshof Baden-Württemberg hat darauf hingewiesen, dass die Restrukturierung der Bewährungshilfe und die damit verbundene Übertragung auf die gemeinnützige GmbH Neustart bisher keine finanzielle Entlastung gebracht hat. Stattdessen hat die Reform Mehrkosten in Millionenhöhe verursacht. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.rechnungshof.baden-wuerttemberg.de/sixcms/detail.php?id=234176
 
 
8) Konstanzer Inventar für Sanktionsforschung aktualisiert
Ein zentrales Dokument des Konstanzer Inventars für Sanktionsforschung wurde aktualisiert. Der Beitrag „Das Strafrechtliche Sanktionensystem und die Sanktionierungspraxis in Deutschland“ von Wolfgang Heinz, wurde nun um die Daten von 2008 ergänzt und überabeitet. Das Dokument ermöglicht einen schnellen und vollumfänglichen Zugang zum Verständnis der Struktur und Entwicklung der Sanktionspraxis in Deutschland. Daneben enthält es zahlreiche Daten und aufbereitete Statistiken. Link zum Download des Dokumentes: http://www.ki.uni-konstanz.de/kis/
 
 
10) Newsletter der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW
Die Fachhochschule der öffentlichen Verwaltung (FHöV) NRW erstellt einen Newsletter, der unter http://www.fhoev.nrw.de/index.php?id=_newsletter heruntergeladen werden kann. In den Beiträgen werden unter anderem Studienprojekte, Veröffentlichungen und die Tätigkeiten von Gremien und Arbeitskreisen der Hochschule vorgestellt.
 
 
10) Jugendkriminalität in Deutschland - Zwischen Fakten und Dramatisierung
Eine Untersuchung von Gerhard Spiess beschäftigt sich mit dem Thema Jugendkriminalität auf der Basis von Daten der amtlichen Statistik. Der Autor setzt sich gezielt mit Aussagen auseinander, die in Diskussionen über Jugendkriminalität häufig zu hören sind, ohne dass entsprechende empirische Beweise zu deren Beleg erbracht werden. http://www.uni-konstanz.de/rtf/gs/Spiess-Jugendkriminalitaet-2010.pdf
 
 
11) Schulabsentismus an französischen Schulen
Das Centre de Recherches Sociologiques sur le Droit et les Institutions Pénales hat sich in einer multimethodischen Untersuchung dem Thema Schulabsentismus (besser bekannt als Schulschwänzen) gewidmet. Im Zentrum der Untersuchung stand dabei die Ermittlung der Wirkung möglicher Reaktionen seitens der Schulleitung auf Verspätungen oder hohe Fehlzeiten der Schüler. Die Autoren der Untersuchung – Maryse Esterle und Étienne Douat – können zeigen, dass harte und strafende Reaktionen wie Schulverweise eher dazu beitragen, dass Schüler ihre Ausbildung vollständig abbrechen. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.cesdip.fr/IMG/pdf/PI_03_2010.pdf
 
 
12) Legal Tribune jetzt als kostenloses Online-Magazin
Im Juni 2009 erschien die letzte kostenpflichtige Printausgabe der Zeitschrift Legal Tribune. Die Zeitschrift für Juristen und juristisch Interessierte wird seit Mai 2009 als kostenloses Online-Magazin angeboten. Die Zeitschrift, die in Kooperation mit SPIEGEL ONLINE täglich aktualisiert wird, setzt das tagesaktuelle Geschehen in einen juristischen Kontext. Neben den juristischen Hintergrundanalysen bietet die Legal Tribune auch redaktionell aufbereitet Rechts- und Branchennews. Webadresse der Zeitschrift: http://www.lto.de
 
 
13) Vereinheitlichung des eidgenössischen Strafprozessrechtes
Zum 1. Januar 2011 wird die neue schweizerische Strafprozessordnung (StPO) die 26 kantonalen Strafprozessordnungen und die drei Strafprozessordnungen auf Bundesebene ersetzen. Damit werden Straftaten in der Schweiz künftig nicht nur nach einem bundeseinheitlichen Strafgesetzbuch geahndet, sondern auch nach den gleichen prozessualen Regeln verfolgt und beurteilt. Die Organisation der Gerichte und Staatsanwaltschaften bleibt jedoch nach wie vor den kantonalen Gesetzgebern überlassen. Bedeutsamste Neuerung neben der Vereinheitlichung der Rechtslage ist, dass der StPO das sog. Staatsanwaltschaftsmodell zugrunde liegt. Bei diesem leitet, ähnlich wie in Deutschland, die Staatsanwaltschaft das Ermittlungsverfahren. Das in der Schweiz weit verbreitete Untersuchungsrichtermodell, in dem die Strafuntersuchung von einem, je nach Ausgestaltung mehr oder weniger von der als Anklagebehörde fungierenden Staatsanwaltschaft abhängigen, Untersuchungsrichter geführt wird, wird mit Einführung der StPO abgeschafft. Weitere Informationen finden sich im Internet: http://www.ejpd.admin.ch/ejpd/de/home/themen/sicherheit/ref_gesetzgebung/ref_strafprozess.html
 
 
14) Veranstaltungshinweis: „Sexuellen Missbrauch erkennen und verhindern“
"Wie schärfen wir unseren Blick und was können wir effektiv gegen sexuellen Missbrauch tun?" Diese Frage steht im Zentrum eines Symposiums das von der staatlich anerkannten Fachhochsule Heidelberg (SRH Heidelberg) am 22. September 2010 veranstaltet wird. Informationen zum Programm und zum Anmeldeverfahren finden sich im Internet: http://www.fh-heidelberg.de/de/news-events/events/detail/cal/event/ical/2010/09/22/symposium-sexuellen-missbrauch-erkennen-und-verhindern/
 
 
15) Rezension
Unter dem Link http://polizei-newsletter.de/books_german.php sind auf der Website des Polizei-Newsletter zahlreiche neue Rezensionen zu finden: Ingo Techmeier bespricht den Sammelband „Repräsentation von Kriminalität und öffentlicher Sicherheit“, herausgegeben von Karl Härter, Gerhard Sälter und Eva Wiebel. Thomas Feltes setzt sich kritisch mit dem Themenheft „Amok“ der Zeitschrift „Nervenheilkunde“ und dem Buch von Carola Alexandra Scheer „Hält die Polizei, was sich Polizisten von ihr versprechen?“ auseinander. Darüber hinaus sind eine Besprechung der Festschrift für Manfred Maiwald „Gerechte Strafe und legitimes Strafrecht“ sowie eine ausführliche Auseinandersetzung mit Peter-Alexis Albrechts Buch „Der Weg in die Sicherheitsgesellschaft“ erschienen.