Polizei : Newsletter Nr. 173, April 2014
 1)   Wenn die Staatsanwälte die Unschuldsvermutung vergessen
 2)   Sadisten – auch im Alltag findet man sie
 3)   Macht Berufsschule kriminell?
 4)   Sich der Programmierung des Denkens widersetzen
 5)   Mobbing an Schulen
 6)   Ungeliebte Roma
 7)   Abschreckung durch Entdeckung
 9)   Werden Frauen seltener angezeigt als Männer?
10)  Campus-Sexualstraftaten und die Uni-Finanzen
11)  Demokratische Vision von „Policing“
12)  Bündnis gegen Menschenhandel
13)  IIDH-Studientage: Sport und die Menschenrechte
14)  Forschungssymposium und Jahrestagung für „Empirische Polizeiforschung“
15)  Prof. Dr. Michael Walter gestorben
16)  Buchrezension: Kommentar zum Polizeigesetz NRW
 
1) Wenn die Staatsanwälte die Unschuldsvermutung vergessen
Warum es immer gut ist, sich der Unschuldsvermutung zu erinnern. Ein leidenschaftlicher Appell von Robert Leicht in der ZEIT angesichts der „Fälle“ Wulff und Edathy: http://www.zeit.de/politik/deutschland/2014-03/wulff-edathy-staatsanwaltschaft-medien
 
 
2) Sadisten – auch im Alltag findet man sie
Forscher der University of British Columbia haben den “alltäglichen Sadismus” untersucht und dazu 71 Studenten in einen Test geschickt, in dem sie u.a. Käfer vernichten sollten (natürlich nicht wirklich). Dabei waren die Sadisten unter den Studenten bereit, auch langweilige Aufgaben zu lösen. Die Forscher kommen zu dem Ergebnis, dass Psychopathen und Narzissten nur dann misshandeln, wenn es ihnen keine Nachteile, sondern Vorteile bringt. Sadisten tun dies aus reiner Freude. Quelle: Buckels/Jones/Paulhus,  Behavioral confirmation of everyday sadism. In: In: Psychological Science November 2013, 24, S. 2201-2209. doi: 10.1177/0956797613490749.
 
 
3) Macht Berufsschule kriminell?
Berufsschulen in Finnland verdoppeln bis verdreifachen das Risiko der Schüler, straffällig zu werden. Dieses Ergebnis ihrer Studie begründen die Autoren u.a. damit, dass es sich (in Finnland) bei der Berufsschule um ein Sammelbecken für Jugendliche mit schlechten Noten und schlechten Berufsaussichten handelt. J. Savolainen u.a.: Does vocational schooling facilitate criminal offending? A study of educational tracking in Finland. In: European Journal of Criminology, 2013, 10, 5, S. 606-622.
 
 
4) Sich der Programmierung des Denkens widersetzen
Frank Schirrmacher macht immer wieder mit gewagten und aufrüttelnden Thesen auf sich aufmerksam – wie jetzt in einem analytischen Artikel über die Überwachung, veröffentlicht in der FAZ. Er stellt, mit einen Rückgriff auf Habermas’ Frage nach den Phantasien der technisch-operativen Gesellschaften, die zentrale Frage: Wollen wir, dass Normen durch selbstregulierte technische Systeme gleichsam instinkthaft eingeübt werden? Lesenswert auch die Diskussionsbeiträge. http://www.faz.net/aktuell/frank-schirrmacher-12826199.html
 
 
5) Mobbing an Schulen
In der Januar-Ausgabe der Zeitschrift Kriminalistik gibt Susanne Steudten einen Überblick über Akteure und Erscheinungsformen von Mobbing an Schulen. Dabei werden die Bedeutung der Prävention wie die Möglichkeiten der Polizeiarbeit thematisiert. In: Kriminalistik, Januar 2014, S. 56-57.
 
 
6) Ungeliebte Roma
Der Februar-Schwerpunkt der Zeitschrift „Kriminalistik“ befasst sich u.a. mit dem Thema Migration, hier wird auch die Situation der Roma in Europa beschrieben, in seinem Artikel beleuchtet Manfred Paulus die Schwierigkeiten rund um Diskriminierung im Herkunftsland und die Überforderung von Kommunen und Polizei in Deutschland. In: Kriminalistik, Februar 2014, S. 81-87.
 
 
7) Abschreckung durch Entdeckung
Ob der Abschreckungseffekt der Entdeckungswahrscheinlichkeit vom Ausmaß der Normakzeptanz abhängt, untersuchen Hirtenlehner u.a. am Beispiel des Ladendiebstahls anhand einer österreichischen Schülerbefragung. Sie kommen zum (wenn auch vorsichtig formulierten) Schluss, dass der Abschreckungseffekt des wahrgenommenen Entdeckungsrisikos steigt, wenn die Normakzeptanz sinkt. Quelle: Hirtenlehner, H., Leitgöb, H. & Bacher, J. (2013). Hängen Abschreckungseffekte vom Ausmaß der Normbindung ab? Das Fallbeispiel Ladendiebstahlsdelinquenz. In: MSchrKrim 96(4), S. 293-313.
 
 
9) Werden Frauen seltener angezeigt als Männer?
Die unterschiedliche Kriminalitätsbelastung von Männern und Frauen stellt in der Kriminologie eine lange bekannte, aber nicht hinreichend erklärte Konstante dar. In einer Untersuchung an der Universität Thessaloniki, der Universität zu Köln und von Kölner Berufsschülern versuchten Michael Stroh u.a. die Bedeutung von Schwereeinschätzung, Anzeigeverhalten und Kriminalitätserfahrungen für den Gender Gap zu klären. In: Monatsschrift für Kriminologie und Strafrechtsreform (2013), Heft 5, S. 382-399.
 
 
10) Campus-Sexualstraftaten und die Uni-Finanzen
Warum bemühen sich Universitätspräsidenten und –verwaltungen, Sexualstraftaten auf ihren Campussen zu verheimlichen, anstatt die Opfer zu schützen? Angesichts 80 bekannt gewordener Fälle an der University of Montana, die entweder ignoriert oder nicht angezeigt worden waren, zeigt ein Bericht an das US Department of Justice, dass Vergewaltigung das auf amerikanischen Universitätscampuses verbreitetste Gewaltverbrechen überhaupt ist. Ein wichtiger Grund sei die Reorganisation und Unterordnung von Universitätsadministrationen unter ökonomische Leitungen. http://truth-out.org/news/item/22173-the-rise-of-the-academic-industrial-complex-and-campus-sexual-assault 
 
12) Bündnis gegen Menschenhandel
Das Bündnis gegen Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung (BMGA) will Zwang und Ausbeutung in Deutschland sichtbar machen, es wird koordiniert von Arbeit und Leben e.V. in Berlin mit Partnern in den Bundesländern. http://www.buendnis-gegen-menschenhandel.de
 
 
13) IIDH-Studientage: Sport und die Menschenrechte
Mit dem Thema „Sport und das Internationale Recht der Menschenrechte“ befasst sich die 45. Jahresstudientagung des Internationalen Instituts für die Menschenrechte vom 7.-25. Juli 2014 in Strasbourg.  Mehr unter http://www.iidh.org
 
 
14) Forschungssymposium und Jahrestagung für „Empirische Polizeiforschung“
Mit dem Thema „Gesellschaftliche Dimensionen der polizeilichen Sicherheitsforschung“ befasst sich in einem Forschungssymposium die Deutsche Hochschule für Polizei am 24./25.4.2014 in Münster-Hiltrup, mit dem Thema „Die kritisierte Polizei“ die Jahrestagung „Empirische Polizeiforschung“ am Fachhochschulbereich der Akademie der Polizei Hamburg auf einer Tagung vom 3.-5.7.2014. Infos und Anmeldungen unter: http://www.empirische-polizeiforschung.de/tagungen-z.php
 
 
15) Prof. Dr. Michael Walter gestorben
Professor Dr. Michael Walter, der ehemalige Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität zu Köln und, ist am 7. März 2014 im Alter von 69 Jahren verstorben. Er hatte sich vor allem in den Bereichen des Jugendstrafrechts und des (Jugend-)Strafvollzugs engagiert und dort bis September 2013 als Justizvollzugsbeauftragter des Landes NRW gewirkt. Einen Nachruf finden Sie unter folgendem Link: http://www.kriminologie.uni-koeln.de/fileadmin/sites/kriminologie/Dokumente/Nachruf_M._Walter.pdf.
 
 
16) Buchrezension: Kommentar zum Polizeigesetz NRW
Andreas Ruch von der Ruhr-Universität Bochum stellt den in der 11. Auflage erschienenen Kommentar zum Polizeigesetz NRW, der von Henning Tegtmeyer und Jürgen Vahle fortgeführt wurde, als „inhaltlich und formal überzeugenden Kommentar“ vor, „bei dem die fehlenden sozialen und polizeiwissenschaftlichen Bezüge den einzigen Kritikpunkt darstellen.“ Siehe unter: http://www.polizei-newsletter.de/books/2014_Rezension%20_egtmeyer_Vahle_Polizeigesetz_NRW.pdf