Polizei : Newsletter Nr. 217, April 2018                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Gewalt gegen Rettungskräfte – aktuelle Studie der RUB
 2)   Polizeihaft – kritische Beobachtungen aus England
 3)   Polizeibeamte mit mehr Beschwerdevorgängen schießen häufiger
 4)   Auswertung des Taser-Einsatzes bei der niederländischen Polizei
 5)   Polizei und psychisch kranke Personen
 6)   Darknet
 7)   What Works? Neue Liste mit Meta-Studien
 8)   Proactive Policing: Auswirkungen auf Kriminalität und Gesellschaft
 9)   Relevanz von sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Ergebnissen für die innere Sicherheit
10)  Website cop2020.eu
11)  Erfolg der Einführung von „Police and Crime Commissioners“ (PCCs) in England
12)  Offensichtliche Verhaftungen erhöhen die Verbrechensfurcht
13)  Drogenberichte
14)  Menschenrechtsbericht
15)  Studie zur Kriminalität von Zwillingen
 
1) Gewalt gegen Rettungskräfte – aktuelle Studie der RUB
Im Mai und Juni 2017 hat der Lehrstuhl für Kriminologie, Kriminalpolitik und Polizeiwissenschaft 4500 Einsatzkräfte der Feuerwehren und Rettungsdienste Nordrhein-Westfalens zu ihren Gewalterfahrungen befragt. Die Ergebnisse der Untersuchung, welche Handlungsbedarf in den Bereichen der Aus- und Fortbildung sowie der Erfassung von Übergriffen offenbarte, wurden Anfang 2018 vorgestellt. Abschlussbericht und Präsentationfolien finden Sie hier:  http://www.kriminologie.rub.de/index.php/de/
 
 
2) Polizeihaft – kritische Beobachtungen aus England
Mit dem Besuchen im Rahmen des sog. „Independent Custody Visiting Scheme“ in Polizeihafträumen beschäftigt sich eine Studie in England und kommt zu dem Ergebnis, dass die Haft dort, obwohl sie jährlich hunderttausende Personen betrifft, kaum überprüft wird und oftmals nicht den gesetzlichen Vorgaben entspricht. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=499
 
 
3) Polizeibeamte mit mehr Beschwerdevorgängen schießen häufiger
Eine Studie in den USA hat Fälle, in denen die Beamten die Schusswaffe gezogen, aber nicht geschossen haben, mit solchen verglichen, bei denen auch geschossen wurde. Im Gegensatz zur Erwartung spielte der Faktor, dass es sich um einen farbigen Verdächtigen handelte, keine Rolle. Ebenso gibt es keine Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Polizeibeamten, beim Dienstalter und der schulischen Ausbildung (College). Neben der Tatsache, dass der Verdächtige aggressiv war und/oder eine Waffe zeigte, spielte die Tatsache vorheriger Beschwerden gegen die Beamten eine wichtige Rolle: Gegen Beamte, die häufiger von der Schusswaffe Gebrauch machen, lagen auch häufiger vorherige Beschwerden vor. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/0011128718756038
 
 
4) Auswertung des Taser-Einsatzes bei der niederländischen Polizei
Unter dem Titel „A Failed Experiment“ (ein fehlgeschlagenes Experiment) berichtet Amnesty International Niederlande über die Erfahrungen mit der Taser-Einführung dort. Danach wurde der Taser in der Erprobungsphase in 80 % der Fälle gegen unbewaffnete Personen eingesetzt – also nicht als Ersatz für Schusswaffeneinsatz genutzt. Zudem wurden in 44% der Fälle der Taser direkt auf dem Körper der Person eingesetzt und nicht als Distanzwaffe genutzt – auch dies ein Hinweis darauf, dass es primär darum ging, dem Gegenüber Schmerzen zuzufügen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=500
 
 
5) Polizei und psychisch kranke Personen
Bei etwa 10% aller Notrufe in den USA geht es um psychische Probleme, die eigentlich von entsprechenden Ärzten oder Psychologen und nicht von der Polizei behandelt werden müssten. Eine neue Möglichkeit, um auf Zwangsmaßnahmen zu verzichten, hat man in den USA entwickelt. Über einen Tablet-PC und eine eigene Software („Cloud911“) können psychisch gestörte Personen mit einem Psychologen oder Psychiater sprechen. In der Testphase dieser „Telepsychiatrie“) haben fast alle Personen, denen die Möglichkeit angeboten wurde, dieses Gespräch gesucht. Die Gespräche dauerten etwa 20 Minuten. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=501
 
 
6) Darknet
Eine Publikation der Bundeszentrale für politische Bildung stellt Hintergründe und Konsequenzen des sog. „Darknet“ vor: http://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/259149/darknet
 
 
7) What Works? Neue Liste mit Meta-Studien
In einer aktuelle Auflistung von 170 Meta-Studien zur Wirksamkeit von “Situational crime prevention”, Policing und “Criminal justice interventions“ lassen sich die einzelnen Studien über eingefügte Internet-Links direkt abrufen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=502
 
 
8) Proactive Policing: Auswirkungen auf Kriminalität und Gesellschaft
In einem über 400 Seiten starken Bericht fassen David Weisburd und andere den aktuellen Wissenstand zu den Erfolgen von proaktiver Polizeiarbeit zusammen (kostenloser download). http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=503
 
 
9) Relevanz von sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Ergebnissen für die innere Sicherheit
Unter dem Titel „Social and Behavioral Sciences for National Security” hat die National Academy of Sciences, Engineering, Medicine der USA die Ergebnisse eines Wissenschaftler-Gipfels veröffentlicht, der sich u.a. auch mit neurowissenschaftlichen Studien beschäftigt, die Relevanz für den Bereich der inneren Sicherheit haben (kostenloser download). http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=504
 
 
10) Website cop2020.eu
Auf einer neuen Website werden die Ergebnisse des EU-Projektes „Information Communication Technologies for Community Oriented Policing (ICT4COP)“ vorgestellt. Die Website dient dazu, vor allem in den Ländern, in denen das Projekt tätig ist (Bosnien-Herzegowina, Kosovo, Serbien) die Aktivitäten in dem Bereich von Community Policing zu bündeln und zu unterstützen. http://www.cop2020.eu
 
 
11) Erfolg der Einführung von „Police and Crime Commissioners“ (PCCs) in England
Eine Studie hat die Auswirkungen der Einführung von PCCs in England untersucht und kommt zu dem Ergebnis, dass nach einer Gerichtsentscheidung wonach die PCCs verantwortlich sind für alle operativen polizeilichen Maßnahmen, zukünftig erfolglose Ermittlungen vermieden werden können. http://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/1461355717748974
 
 
12) Offensichtliche Verhaftungen erhöhen die Verbrechensfurcht
Eine Studie in den USA hat gezeigt, dass dort, wo mehr öffentlich wahrnehmbare Verhaftungen durchgeführt werden (erkennbar z.B. an Streifenwagen mit Blaulicht), die Verbrechensfurcht steigt. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=505
 
 
13) Drogenberichte
Diverse Berichte der Deutschen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht sind auf der Website der Stelle zu finden. Im aktuellen Kurzbericht finden sich auch Angaben zur Lebenszeitprävalenz illegaler Drogen, zur Zahl der Heroinabhängigen und zum (deutlich gestiegenen) Wirkstoffgehalt von Cannabis und Amphetaminen (hier hat er sich vervierfacht). Knapp 80.000 Opioidabhängige sind derzeit in Substitutionsbehandlung. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=506
 
 
14) Menschenrechtsbericht
Seit Dezember 2016 legt das Deutsche Institut für Menschenrechte dem Deutschen Bundestag jährlich einen Bericht über die Entwicklung der Menschenrechtssituation in Deutschland vor. Der Bericht 2017 ist hier verfügbar: http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=507
 
 
15) Studie zur Kriminalität von Zwillingen
In einer Untersuchung mit über 1.000 gleichgeschlechtlichen Zwillingen konnten Forscher eine moderate bis große genetische Übereinstimmung zwischen Drogenmissbrauch und Kriminalität bei Männern feststellen. Während die Übereinstimmungen bei Alkoholmissbrauch wesentlich mit Umweltfaktoren erklärt werden können, waren es bei Marihuana vornehmlich genetische Faktoren.  http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=508