Polizei : Newsletter Nr. 26, Februar 2001                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Giuliani überträgt Polizeikontrolle auf zivile Organisation
 2)   Ama-Soft zum Probedownload
 3)   Community Policing in Chicago – neuer Bericht
 4)   Die Überwachungsgesellschaft - Orwell lässt grüßen
 5)   E-Government
 6)   Rechtsradikalismus
 7)   Neue Standards für Körperschutzausrüstung
 8)   BGH: "Auschwitz-Lüge" im Internet strafbar
 9)   gitales Doctoring
10)  Methadon-Programm erfolgreich
11)  Kriseninterventionsteam für Umgang mit psychisch Kranken
12)  Empirische Studie zur Polizeikultur
13)  Das Letzte....
 
1) Giuliani überträgt Polizeikontrolle auf zivile Organisation
Am 27. Januar 2001 hat der New Yorker Bürgermeister bekannt gegeben, dass die Kontrolle und Verfolgung von polizeilichem Fehlverhalten und Übergriffen nicht mehr in den Händen der Polizei selbst liegen soll, sondern einer „zivilen“ Einrichtung übertragen werden soll. Diese totale Kehrwende von Giuliani, der bislang als einer der schärfsten Widersacher gegen eine Kontrolle der Polizei von ausserhalb galt, ist offensichtlich die Konsequenz aus einer ganzen Reihe von Polizeiskandalen der letzten Jahre. Die Bekanntgabe der Einrichtung eines solchen „Review Board“ erfolgte ohne vorherige Konsultation mit den Polizeigewerkschaften. Daher dürften noch einige Probleme auszuräumen sein, bevor das Projekt wie geplanten in drei Monaten starten kann.

Mike Bosak, New York
 
 
2) Ama-Soft zum Probedownload
Auf der Homepage von Christoph Henssge http://home.t-online.de/home/Christoph.Henssge/t-zeit.htm liegt eine Probeversion seines Programms zur Todeszeitbestimmung zum Download bereit. Es ist in Deutscher und Englischer Sprache erhältlich. Die Probesoftware verfügt über den vollen Funktionsumfang, allerdings sind folgende Einschränkungen hinzunehmen: die Rektaltemperatur ist auf 31.3 °C festgelegt und das Untersuchungsdatum auf 1. Januar 1997. Unter angegebener Adresse findet man mehr Informationen zur Methode der Berechnung und den Programmfunktionen.
 
 
3) Community Policing in Chicago – neuer Bericht
Zu dem wohl weltweit am besten beschriebene und evaluierte Projekt bürgernaher Polizeiarbeit liegt ein neuer, aktueller Bericht vor: „Public Involvement: Community Policing in Chicago“.      tion rät: Nutzen!
 
 
4) Die Überwachungsgesellschaft - Orwell lässt grüßen
Die Diskussion um Überwachung öffentlicher Plätze ist in aller Munde, selbst auf Regierungs-Webseiten wurden hierzu schon Diskussions-Foren angeboten. In einem ausführlichen Artikel unter http://www.ix.de/tp/deutsch/inhalt/co/8988/1.html beschäftigt sich Detlef Nogala mit der modernen Überwachung, ihrer Herkunft und möglichen Tendenzen. Nogala unterscheidet in Detektionstechnologien, Identifizierung und Ortung, zieht Beispiele aus Kunst und Kultur heran (1984, Police: Every Breath You Take), um aufzuzeigen, dass es sich hier um kein neues Problem handelt. Und gerade hier liegt aus der Sicht des Autors der Knackpunkt. Er vergleicht die moderne Gesellschaft mit einem Frosch im Wasserglas, das langsam erwärmt wird. Zu spät erkennt er die Gefahr und stirbt. Unsere Gesellschaft hatte über Jahrzehnte Zeit, sich an immer mehr Überwachung zu gewöhnen. Zu viel Überwachung? Nogala zeigt auf, dass wir alle taugliche Überwachungsobjekte sind aber Überwachung ist nur "ein technokratischer Versuch Konflikte zu managen, statt sie politisch zu lösen". Unbedingt lesenswert. Quelle: Online-Magazin Telepolis. Der Beitrag von Thomas Feltes zur Videoüberwachung mit dem Titel „Videoüberwachung. Es ist erst der Anfang ... aber aller Anfang ist bekanntlich schwer. Ein futuristisch-zynisches Szenario oder eine Aufforderung zu mehr „possipullity“?“ erscheint demnächst in der Zeitschrift „Bewährungshilfe“. Wer es nicht abwarten kann, kann beim Autor das Manuskript vorab anfordern (ThomasFeltes@fhpol-vs.de).
 
 
5) E-Government
Öffentliche Verwaltung im Netz spart Kosten und bringt mehr Transparenz. Mit 20% Kosteneinsparung rechnen Anwender wie die Stadt Mannheim. Zum e-government gehört nicht nur der papierlose Schriftverkehr (z.B. zum Anmelden von Hund oder Auto) zwischen Bürger und Verwaltung, sondern z.B. auch das elektronische Einkaufen der Kommunen. Großbritannien und Australien haben bereits eine Strategie für e-government, Finnland und Irland folgen und investieren in größerem Umfang in die Informationstechnologie. Erste Projekte zum E-Policing werden in der Schweiz von TC TeamConsult (admin@tc-teamconsult.com ) betreut. Quelle: Trendletter 1/2001; M. Gisler u.a., eGovernment – Eine Standortbestimmung. Bern 2000 (Haupt Verlag); s.a. www.staat-modern, www.egov.ch
 
 
6) Rechtsradikalismus
Eine Dokumentation zu diesem Thema von Helmut M. Artus, IZ Sozialwissenschaften in Bonn, kann dort zum Preis von 20,- DM angefordert werden. Die Dokumentation steht im Internet kostenlos zur Verfügung unter

www.bonn.iz-soz.de/publications/periodicals/fokus/index.htm

Die Dokumentation stellt 182 sozialwissenschaftliche Veröffentlichungen und Forschungsprojekte aus den Jahren 1998-2000 vor, die sich mit dem aktuellen Rechtsradikalismus beschäftigen. In neun Kapiteln geht es um Erscheinungsformen und Ursachen des Rechtsradikalismus, um praktische Maßnahmen, vor allem im Bereich von Pädagogik und Jugendarbeit, aber auch um das Vordringen rechtsradikalen

Gedankenguts in Gesellschaft und Politik - nicht nur in Deutschland.  Die Dokumentation enthält auch eine Sammlung von Internet-Adressen, unter denen weiterführende Informationen zugänglich sind. Dieser Teil ist nur in der Internet-Version enthalten.
 
 
7) Neue Standards für Körperschutzausrüstung
affen zu schützen. Der Standard überprüft NIJ Körperrüstungsklassifizierungen, wie z.B. Arbeitsqualität, Rüstungsrückenstärkungsmaterial usw., und erörtert Testmethoden (z.B. Geschwindigkeitsmessausrüstung, nasse Konditionierung, Testvorbereitung usw.). Der Standard ist nur auf ballistischen Widerstand beschränkt und regelt nicht die Anforderungen gegen Angriffe von Messern oder anderen scharfen und spitzen Objekten. Hierfür  dient die zweite Veröffentlichung, die erste seiner Art in den Vereinigten Staaten. Der Standard gibt die Minimalerfordernisse für Körperrüstung an, die dafür entworfen ist, den Rumpf gegen Hieb-, Stich- und Schnittverletzungen zu schützen. Er beschreibt die Testmethoden die für die Beurteilung angewandt wurden und fokussiert in erster Linie auf Messer, die leicht verfügbar und von hoher Qualität sind. "Messer" geringerer Qualität, z.B. in Gefängnissen gefertigte Messer oder Eispickel werden nicht in diesem Bericht angesprochen. Die in diesem Standard behandelten Verletzungsbedrohungen gehen von in der Hand gehaltenen Waffen aus, deren Spitze oder Schneide nahe der Mittellinie der geballten Faust liegen, wenn sie die Waffe halten. http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/183651.pdf und http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/183652.pdf
 
 
8) BGH: "Auschwitz-Lüge" im Internet strafbar
Deutsche Gerichte können ausländische Rechtsextremisten auch dann wegen Volksverhetzung bestrafen, wenn sie die "Auschwitz-Lüge" aus dem Ausland im Internet verbreiten. Mit diesem Urteil fällte der Bundesgerichtshof (BGH) am 12. Dezember 2000 erstmals eine Entscheidung zu der umstrittenen Frage, ob eine durch einen Ausländer irgendwo auf der Welt begangene Volksverhetzung nach deutschem Recht geahndet werden darf, wenn die einzige Inlandsberührung das Internet ist. Der 1. Strafsenat des Gerichts in Karlsruhe korrigierte damit ein Urteil des Landgerichts Mannheim gegen den australischen Holocaust-Leugner Fredrick Töben. Die im Internet weltweit abrufbaren hetzerischen Schriften seien gerade in Deutschland "geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören", argumentierte der Senat. Der "Erfolg" der Handlung sei damit in Deutschland eingetreten, so dass die Tat als in Deutschland begangen gelte. Er stellte indes klar, dass er nur über die Strafbarkeit eines Autors entschieden habe, der seine eigenen Äußerungen über das Netz verbreite. (Az: 1 StR 184/00 vom 12. Dezember 2000)
 
 
9) gitales Doctoring
Die Methoden, (potentielle) Patienten rund um die Uhr und überall zu überwachen, werden zunehmend weiterentwickelt. Neben dem „Lifeshirt“, das 40 Funktionen des Körpers über 6 Sensoren misst und auf einem PDA am Körper speichert (die Daten können dann drahtlos übertragen werden) (www.Lifeshirt.com ) gibt es inzwischen den „Health Buddy“, der eine webgestützte Zwei-Wege-Kommunikation zwischen Patienten und Arzt oder Klinik ermöglicht. Kosten 30 US$ im Monat (www.healthhero.com) sowie den Air Watch Asthma Monitor, der speziell für Asthma-Patienten entwickelt wurde: der Patient bläst hinein und misst so seinen Status; auch hier werden die Daten per web weitergeleitet und verarbeitet (www.lifechart.com).Quelle: Der Zukunftsletter 10/2000
 
 
10) Methadon-Programm erfolgreich
Eine vom britischen Home Office veröffentlichten Studie zufolge gingen in einem Projekt in East-London sowohl Heroin-Gebrauch, als auch Straftaten nach Beginn der Methadon-Verabreichung massiv zurück: Heroin wurde von den Probanden um 56% weniger konsumiert, Diebstahlsdelikte gingen um 52% zurück. Nebenbei wurde auch festgestellt, dass etwa 30% der Klienten bereits einen Selbstmord-Versuch unternommen hatten. Die besten Erfolge wurden bei denjenigen erzielt, die vor Projektbeginn kriminell am aktivsten waren und die meisten Drogen nutzten. Die pro Probanden entstehenden Kosten für das Methadon-Programm liegen mit 960 Pfund im Monat dabei deutlich unter den indirekt eingesparten Kosten, die ansonsten durch illegale Aktionen der Probanden entstehen würden (zwischen 2.100 und 7.900 Pfund). Quelle: J. Coid u.a., The Impact of Methadone Treatment on Drug Misuse and Crime. Research Findings No. 120, Home Office Research, Development and Statistics Directorate; www.homeoffice.gov.uk/rds/index.htm (generelle Übersicht). Ein ausführlicher, 116-seitiger Bericht über „Opiates, Criminal Behaviour, and Methadone Treatment findet sich (nur) im Internet unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/rfpubs1.html.
 
 
11) Kriseninterventionsteam für Umgang mit psychisch Kranken
Die Polizei in Memphis, Tennessee hat seit längerer Zeit ein eigenes Kriseninterventionsteam zum Einsatz in Verbindung mit psychisch Kranken gebildet. Der Erfolg des Programms wird in einem Bericht beschrieben, der unter www.ncjrs.org/cpdocs.htm#182501 abzurufen ist.
 
 
12) Empirische Studie zur Polizeikultur
Der Frage, ob sich Polizeikultur durch Ausbildung verändern lässt, geht eine Studie aus den USA nach. Danach gibt es grosse Unterschiede bei Wertorientierungen und Verhaltensweisen zwischen einzelnen Polizeibeamten, die aber weniger durch die Arbeit selbst oder durch individuelle Faktoren wie das Geschlecht, als durch organisatorische Faktoren beeinflusst werden. Auch die Ausbildung (in diesem Fall in „Community Policing“) hat nur einen beschränkten Effekt. Quelle: E.A. Paoline, S.M. Myers, R.E. Worden, Police Culture, Individualism, And Community Policing: Evidence from two Police Departments. In: Justice Quarterly 17, 3, Sept. 2000, S. 575-605
 
 
13) Das Letzte....
Spieglein, Spieglein – im Netz

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