Polizei : Newsletter Nr. 283, März 2024

 1)   Geld alleine macht Polizeiarbeit nicht effektiver
 2)   Kriminalitätsfurcht, Beleuchtung und „Watching Eyes“
 3)   Familienkonflikte und Arbeitsstress bei Polizeibeamten
 4)   Korruptionsvorwürfe gegen die Waffen-Lobby in den USA
 5)   Demokratie weltweit auf dem Rückzug
 6)   Was passiert, wenn sich die Polizei zurückzieht?
 7)   Lasso als neues polizeiliches Mittel zur Fesselung von Verdächtigen
 8)   Rechtsfragen beim Bodycam-Einsatz
 9)   „Spit Hoods“ können Ursache für Todesfälle sein.
10)  Kriminalität und „Problemimmobilien“
11)  Gewalt geht in den USA zurück – die Bürger glauben aber, dass sie steigt
12)  Notwendigkeit einer Befristung und Verhältnismäßigkeit der Speicherung biometrischer und genetischer Daten durch die Polizei – lebenslange Speicherung verstößt gegen EU-Recht
13)  Fehlverhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft verantwortlich für Fehlurteile
14)  Analyse der Entwicklung der Tötungsdelikte in sieben europäischen Ländern
15)  Räumliche Verteilung von Notrufen – eine Meta-Studie
16)  Polizei teste Künstliche Intelligenz bei Notrufen
 
1) Geld alleine macht Polizeiarbeit nicht effektiver
Obwohl die kalifornische Polizei immer mehr Geld bekommt (zuletzt mehr als 25 Milliarden Dollar im Jahr 2022), klärt sie nur 13 Prozent aller Straftaten auf. Trotz steigender Finanzmittel sinkt die Aufklärungsrate. Eine interaktive Karte zeigt die regionalen Ergebnisse. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1079
 
 
2) Kriminalitätsfurcht, Beleuchtung und „Watching Eyes“
Maßnahmen zur Bekämpfung von Kriminalität wie zum Beispiel eine helle Straßenbeleuchtung, können dazu führen, dass weniger Straftaten begangen werden. Sie helfen allerdings nicht dabei, den Menschen die Angst vor Kriminalität zu nehmen. Im Gegenteil können sie manchmal sogar kontraproduktiv sein. Das ist das Ergebnis einer wissenschaftlichen Virtual-Reality-Studie. Frühere Untersuchungen haben ebenfalls gezeigt, dass das Anbringen von Bildern von Augenpaaren, die dazu führen, dass sich Menschen beobachtet fühlen, diese von Straftaten abhalten kann – man spricht in der Kriminologie vom sogenannten Watching-Eyes-Effekt. Jetzt zeigt sich, dass dies sogar die Verbrechensfurcht erhöhen kann. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0264275124000374
 
 
3) Familienkonflikte und Arbeitsstress bei Polizeibeamten
Eine Studie zeigt, dass sowohl Konflikte zwischen Familie und Beruf als auch Konflikte zwischen Arbeit und Familie bei Polizeibeamten zu Arbeitsstress führen (und Arbeitsstress hat bekanntlich verschiedenste negative Auswirkungen). Bei den Polizeibeamten mildert die Unterstützung durch den Vorgesetzten diese Auswirkungen. https://journals.sagepub.com/doi/abs/10.1177/10986111211034777
 
 
4) Korruptionsvorwürfe gegen die Waffen-Lobby in den USA
Die National Rifle Association (NRA) und ihre Top-Führungskräfte haben sich an massiver Korruption beteiligt und sollen Millionen von Dollar zurückzahlen, die sie für persönliche Ausgaben ausgegeben haben, so die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft in dem Korruptionsprozess. Eine entscheidende Rolle dabei spielt Oliver North, der Präsident der NRA war und durch die Iran-Contra-Affäre des damaligen Präsidenten Reagan bekannt wurde. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1080
 
 
5) Demokratie weltweit auf dem Rückzug
Der Zustand der Demokratie auf der Welt hat sich einer aktuellen Studie zufolge verschlechtert. Als Grund dafür wird das zunehmende Auftreten gewaltsamer Konflikte genannt. Zwar lebt fast die Hälfte der Weltbevölkerung in einer Form der Demokratie, jedoch befinden sich davon nur 7,8 Prozent in einer »vollständigen Demokratie«, deutlich mehr als ein Drittel (39,4 Prozent) hingegen unter autoritärer Herrschaft. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1081
 
 
6) Was passiert, wenn sich die Polizei zurückzieht?
Eine empirische Studie hat die Auswirkungen einer plötzlichen und anhaltenden Verringerung der Polizeiarbeit auf die Kriminalität in der Nachbarschaft von Denver, Colorado, untersucht. Der Rückzug der Polizei aus dem öffentlichen Raum (bedingt durch COVID-19 und die Unruhen nach dem Mord an George Floyd) hat einen starken Rückgang der Zahl der Polizeikontrollen und der Festnahmen im Zusammenhang mit Drogen zur Folge und ist mit einem deutlichen Anstieg der Gewalt- und Eigentumsdelikte verbunden. Andererseits hatten weniger Festnahmen wegen Ruhestörung keinen Einfluss auf die Kriminalität. Es gibt jedoch regionale Unterschiede. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1082
 
 
7) Lasso als neues polizeiliches Mittel zur Fesselung von Verdächtigen
Auf Knopfdruck feuert ein Gerät, das nicht viel größer als ein Handy ist, eine wirbelnde Kevlar-Schnur ab, die das menschliche Ziel an den Beinen und am Oberkörper einwickelt. Der Hersteller wirbt damit, dass damit die Polizei widerspenstige Verdächtige mit minimalem Schaden überwältigen könne. Bereits mehr als 1.000 Polizeidienststellen in den USA sollen diese Geräte erworben haben. Pilotprogramme wurden in Los Angeles, Detroit und Seattle durchgeführt. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1083
 
 
8) Rechtsfragen beim Bodycam-Einsatz
Beim Einsatz von Bodycams durch die Polizei werden mehr Rechtsfragen aufgeworfen als oftmals gedacht (u.a. das Verbot der Selbstbelastung von Polizeibeamten beim Einschalten der Kamera). Eine etwas ältere, aber immer noch relevante Übersicht über die Rechtslage in verschiedenen Ländern findet sich hier. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1084
 
 
9) „Spit Hoods“ können Ursache für Todesfälle sein.
Die sog. „Spit Hoods“, Kapuzen oder Säcke, mit denen sich Vollzugsbeamte gegen Spucken durch Verhaftete schützen, sollen sicher sein. Experten aber sagen, dass die Studien, auf die sich die Polizei in den USA beruft, fehlerhaft sind und Todesfälle in Gewahrsam beunruhigende Fragen aufwerfen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1085
 
 
10) Kriminalität und „Problemimmobilien“
Kriminalität konzentriert sich auf bestimmte Orte. Als Reaktion darauf haben zahlreiche Städte auch in den USA Maßnahmen zur Beseitigung von Problemimmobilien ergriffen. Grundstückseigentümer werden unter Druck gesetzt, ihre Immobilien besser zu verwalten. Eine Studie zeigt nun, dass die Eingriffe in Problemimmobilien zu einer Verringerung von Kriminalität und Unordnung auch in anderen Immobilien in derselben Straße führen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1086
 
 
11) Gewalt geht in den USA zurück – die Bürger glauben aber, dass sie steigt
Ende 2022 begann die Gewalt in den USA zu sinken und sie sinkt weiter. Daten aus über 200 Städten zeigen einen Rückgang von 12,2 %. Die Menschen glauben jedoch, dass die Kriminalität angestiegen ist. Eine Umfrage ergab, dass 77 % der Amerikaner der Meinung sind, dass es im Land mehr Verbrechen gibt als im Jahr zuvor. Und 63 % waren der Meinung, dass es entweder ein "sehr" oder "äußerst" schwerwiegendes Kriminalitätsproblem gibt - der höchste Wert in der Geschichte der Umfrage, die bis ins Jahr 2000 zurückreicht. Ein Phänomen, das wir auch aus Deutschland kennen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1087
 
 
12) Notwendigkeit einer Befristung und Verhältnismäßigkeit der Speicherung biometrischer und genetischer Daten durch die Polizei – lebenslange Speicherung verstößt gegen EU-Recht
Gespeicherte personenbezogene Daten, wie Fingerabdrücke, Lichtbilder oder DNA-Proben können unerlässlich sein, um zu prüfen, ob Personen in andere Straftaten verwickelt sind. Allerdings, so der EuGH, sei nicht bei allen Personen das Risiko gleich hoch, was eine einheitliche Dauer der Datenspeicherung nicht rechtfertigt. Faktoren wie Art und Schwere der begangenen Straftat oder fehlende Rückfälligkeit müssen berücksichtigt werden. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1088
 
 
13) Fehlverhalten von Polizei und Staatsanwaltschaft verantwortlich für Fehlurteile
Von den fast 3.500 Personen, die in den USA seit 1989 nachträglich von schweren Verbrechen freigesprochen wurden, wurden mehr als die Hälfte durch Fehlverhalten von Polizei oder Staatsanwaltschaft belastet, wie aus einer nationalen Datenbank hervorgeht. Experten sagen, dass nur selten jemand für den Schaden zur Rechenschaft gezogen wird - für erzwungene Geständnisse, versteckte Beweise, falsche Zeugenaussagen und andere zweifelhafte Arbeiten, die zu fehlerhaften Verurteilungen beitragen. https://www.law.umich.edu/special/exoneration/Pages/about.aspx
 
 
14) Analyse der Entwicklung der Tötungsdelikte in sieben europäischen Ländern
Eine Studie untersucht die Entwicklung der Tötungsdelikte in sieben europäischen Ländern, die alle zwischen 1990 und 2016 einen erheblichen Rückgang der Tötungsdelikte zu verzeichnen hatten. In den meisten der untersuchten Länder betraf der rückläufige Trend alle Arten von Tötungsdelikten. Der Gesamtrückgang der Tötungsdelikte ist vor allem auf den Rückgang der Straftaten von Männern zurückzuführen. In den meisten Ländern änderte sich die Geschlechterverteilung von Opfern und Tätern während des Untersuchungszeitraums nur geringfügig, während die Entwicklung der Verteilung der Tötungsarten eine größere Vielfalt aufwies. https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/14773708221103799
 
 
15) Räumliche Verteilung von Notrufen – eine Meta-Studie
Eine Auswertung von 79 Studien, die die räumliche Strukturierung polizeilicher Notrufe untersucht haben stellt fest, dass sich die meisten Studien auf kriminalitätsbezogene Anrufarten konzentrieren, unter Verwendung von räumlichen Maßstäben auf Mesoebene (z. B. Nachbarschaft). Die beschreibenden Methoden zeigen die nicht-zufällige Verteilung von Anrufen, unabhängig von der Art der Anrufe, während die Ergebnisse der Korrelationsstudien gemischt sind und nur Theorien wie die Theorie der sozialen Desorganisation unterstützen. http://www.polizei-newsletter.de/links.php?L_ID=1089
 
 
16) Polizei teste Künstliche Intelligenz bei Notrufen
Die Polizei von Humberside in England hat eine Notrufsoftware mit künstlicher Intelligenz getestet. Die KI soll die Bearbeitung der Tausenden von Anrufen, die jeden Tag eingehen, effizienter machen. Das KI-Modell analysiert viele Informationen, das Transkript und den Ton des Anrufs, und erstellt eine Bewertung, die niedrig, mittel oder hoch sein kann. Ein hoher Wert bedeutet, dass innerhalb von fünf oder 10 Minuten ein Polizeibeamter vor Ort sein muss. Die Software könnte den Einsatzkräften sowohl während als auch nach dem Anruf fast ein Drittel ihrer Zeit ersparen. https://www.bbc.com/news/business-68067081