Polizei : Newsletter Nr. 30, Juni 2001
 1)   Legale Heroin-Injektion in Australien
 2)   Reform der Parteienfinanzierung
 3)   Zweites Psychiatrieforum Wiesloch zum Thema "Trauma und Traumafolgen:
 4)   Fernsehen nicht für Anstieg der Tötungsdelikte verantwortlich
 5)   Neue Veröffentlichung des DJI zur Jugendkriminalität
 6)   Gemeinsame Internet-Präsenz der Polizeien von Bund- und Ländern
 7)   Lebensqualität und Sicherheit im Wohnquartier
 8)   Virtuelle Fachbibliotheken und Datenbanken Psychologie
 9)   Einfluss von Computerspielen auf die Schießfähigkeit von Polizeibeamten
10)  Bund Online 2005
11)  Polizeiliche Sondereinheiten zur Bekämpfung der Gruppen-Kriminalität – Gründe für ihre Einrichtung und für ihr Bestehen
12)  3-Monats-Übersicht über Forschungsprojekte des National Institute of Justice in Washington
13)  Futuristen und andere?
14)  Polizei von Los Angeles bekommt Disziplin-Richtlinien
15)  Sonst noch was????
 
1) Legale Heroin-Injektion in Australien
In Australien wurde vergangenen Monat die erste legale Heroin-Abgabe-Stube eröffnet nachdem ein Gericht bestätigt hatte, dass die behördliche Lizenz rechtens sei. Die Fixer-Stube liegt im Rotlichtmilieu von Sydney in der Nähe einschlägiger Bars und Clubs. Die Australische Regierung ist kein Befürworter der legalen Abgabe, dennoch werden dort täglich 150 bis 200 Abhängige mit Heroin versorgt. Ein Sprecher der "Vereinigenden Kirche", die das Zentrum führt, sagte, "dies ist nicht etwa eine Stelle, wo die Leute nur hinkommen, um sich unter Aufsicht einen Schuss zu setzen; hier finden sie auch Beratung und Hilfe". 1999 war eine illegal eingerichtete Fixerstube nach wenigen Tagen von der Polizei geschlossen worden. Im letzten Monat hat nun die "Vereinigende Kirche" eine lange Gerichtsauseinandersetzung gewonnen und darf nun legal die Süchtigen betreuen. Quelle: Calibre Press Street Survival Newsline No. 522
 
 
2) Reform der Parteienfinanzierung
Transparency International hat die Bundestagsparteien zu einer umfassenden Reform der Parteienfinanzierung noch vor der Bundestagswahl 2002 aufgerufen. Die bisherigen Reformvorschläge der im Bundestag vertretenen Parteien bezeichnete die Anti-Korruptions-Organisation als Stückwerk und lückenhaft. Die komplette Pressemitteilung von TI finden Sie unter http://www.transparency.org/documents/press-releases/2001/17.05.2001.reform_ppf_de.html . Quelle: TI homepage www.transparency.org
 
 
3) Zweites Psychiatrieforum Wiesloch zum Thema "Trauma und Traumafolgen:
Umgang mit Posttraumatischen Belastungsstörungen" Im Rahmen des Forums werden Workshops zu verschiedenen Facetten des Themas durchgeführt, so z.B. zu psychische Folgen von Verkehrsunfällen, zum Notfallmanagement, zu Mobbing und psychosozialer Stress aus der Perspektive der Posttraumatischen Belastungsstörung. Die Workshops sind so gestaltet, dass sich der erste Tag an Leitungskräfte und Mitarbeiter richtet, in deren Aufgabenbereich die Handhabung der Erstmaßnahmen fällt, der zweite Tag an Therapeuten und Berater, die sich für das jeweilige Problemfeld interessieren. Ein Informationsheft über das Forum ist als .pdf Datei unter www.akademie-im-park.de dort: Programm/Forum verfügbar.

Daniela Spring
 
 
4) Fernsehen nicht für Anstieg der Tötungsdelikte verantwortlich
Immer wieder wurde und wird die These verbreitet, dass mit der Einführung und Verbreitung des Fernsehens die Tötungsdelikte ansteigen. In einer multivariaten Zeitreihenanalyse in mehreren Ländern konnte nun nachgewiesen werden, dass diese These nicht haltbar ist. Berücksichtigt man unmittelbare soziale Faktoren wie z.B. Scheidungsraten, gibt es keinen signifikanten Zusammenhang mehr. Entscheidend sind vielmehr die Beziehungen in den primären sozialen Gruppen. Ein Ergebnis, das die Medienwirkungsforschung im übrigen schon seit Jahrzehnten immer wieder bestätigt hat. Quelle: Gary F. Jensen, The Invention of Television as a Cause of Homicide. In: Homicide Studies 5, 2, 2001, S.114-130.
 
 
5) Neue Veröffentlichung des DJI zur Jugendkriminalität
Das Deutsche Jugendinstitut in München hat unter dem Titel „Schnelle Reaktion. Tatverdächtige Kinder und Jugendliche im Spannungsfeld zwischen beschleunigtem Verfahren und pädagogischer Hilfe“ eine Studie zum aktuellen Stand der Beschäftigung mit Jugendkriminalität vorgelegt. Die Studie (142 S.) kann kostenlos bezogen werden beim Deutschen Jugendinstitut e.V., Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention, Postfach 900352, 81503 München; E-Mail: jugendkriminalitaet@dji.de www.dji.de/jugendkriminalitaet Eine weitere Veröffentlichung zu Strategien von Familien und Jugendhilfe im Umgang mit Kinderdelinquenz ist unter dem Titel „Zwischen null Toleranz und null Autorität“ (Autoren: Sabrina Hoops, Hanna Permien, Peter Rieker) erschienen (284 S., Verlag Deutsches Jugendinstitut 2001). www.dji.de/cgi-bin/projekte/output.php?projekt=27 ; E-Mail keddi@dji.de
 
 
6) Gemeinsame Internet-Präsenz der Polizeien von Bund- und Ländern
Unter www.polizei.de bzw. www.polizei-deutschland.de findet sich eine Übersichtsseite mit links zu den Internet-Präsentationen aller deutschen Polizeien (schön wäre es, wenn dies durch links zu ausländischen Polizeien ergänzt werden würde; wir arbeiten daran...). Übrigens hat auch die PFA (klammheimlich?) ihre Homepage eröffnet: www.pfa.nrw.de . Der Zusatz „nrw“ ist sicherlich kein Hinweis darauf, dass es demnächst auch eine pfa.bw oder pfa.sachsen geben wird... Mein persönlicher Hit: Die A-Klasse als Streifenwagen-Modell, entwickelt vom Polizeitechnischen Institut der PFA: http://www.pfa.nrw.de/pti/Fotos_Streifenwagen/Streifenwagen2_gross.jpg
 
 
7) Lebensqualität und Sicherheit im Wohnquartier
Im Verlag Rüegger (Zürich) (www.rueggerverlag.ch ) ist die Studie von Manuel Eisner u.a. vorgelegt worden (100 S., DM 34,70). Sie beschäftigt sich mit Lebensqualität, Opfererfahrungen, Kriminalitätsfurcht und Vermeideverhalten sowie dem Kontakt mit der Polizei anhand einer Studie, die im März 2000 in Winterthur durchgeführt wurde.
 
 
8) Virtuelle Fachbibliotheken und Datenbanken Psychologie
Die Uni Saarbrücken hat mit „FIPS“ einen Fachinformationsführer Psychologie bereit gestellt, über den man verschiedenste psychologische Recherchesysteme und Datenbanken abfragen kann: http://fips.sulb.uni-saarland.de/port.htm . Zusammen mit http://www.zpid.de des Zentrums für psychologische Information und Dokumentation der Uni Trier sehr empfehlenswert!
 
 
9) Einfluss von Computerspielen auf die Schießfähigkeit von Polizeibeamten
Im Rahmen dieses experimentellen Projektes soll überprüft werden, ob die häufige Nutzung von Computer(Baller-)Spielen Einfluss auf die Schießleistung und die Hemmschwelle, zu schießen, hat. Das Projekt ist derzeit noch in der Auswertungsphase; nähere Informationen bei

MaxHermanutz@fhpol-vs.de ; http://www.fhpol-vs.de/studium/dozenten/hermanutz/index.htm
 
 
10) Bund Online 2005
Mit Unterstützung des BMWi haben führende deutsche Anbieter unter dem Dach von TeleTrust Deutschland e.V. Internet-Sicherheitslösungen auf einem Gemeinschaftsstand der RSA-Konferenz vom 8. bis 12. April 2001 in San Francisco präsentiert. Auf der von dem US-Weltmarktführer RSA-Securities Inc. Veranstalteten Konferenz haben 10.000 Experten diskutiert, wie die Anwendungen der nächsten Generation des Internet für alle Unternehmen und Anwender sicher abgewickelt werden können. Die in dem Fachverband TeleTrust Deutschland e.V. organisierten Unternehmen der deutschen Sicherheitstechnologien haben erstmals auf der RSA-Konferenz ihre Produktpalette von digitalen Signaturen, Firewalls, sicheren Netzwerken oder der Biometrie vorgestellt. Staatssekretär Tacke hat auf der Konferenz die Fortschritte Deutschlands in E-Commerce und E-Government, besonders vor dem Hintergrund des Programms der Bundesregierung "Bund Online 2005" herausgestellt. Damit soll der Service der öffentlichen Verwaltungen bis 2005 allen Bürgern und Unternehmen über das Internet zur Verfügung gestellt werden können:

http://www.bmwi.de/Homepage/Presseforum/Pressemitteilungen/2001/1412pm2.jsp. Quelle: Newsletter "Sicherheit im Internet"
 
 
11) Polizeiliche Sondereinheiten zur Bekämpfung der Gruppen-Kriminalität – Gründe für ihre Einrichtung und für ihr Bestehen
In den USA gibt es derzeit etwa 360 sog. Police Gang Units. Mit der Frage, warum solche Sondereinheiten zur Bekämpfung der Banden-Kriminalität eingerichtet wurden, beschäftigt sich eine Studie von Charles Katz. Er weißt am Beispiel eines amerikanischen Polizeidepartments nach, dass die Einrichtung dieser Sondereinheit aufgrund massiven öffentlichen Drucks hin geschah. Einmal eingerichtet, besteht dann allerdings die Hauptaufgabe der Einheiten darin, ihre eigene Notwendigkeit beständig unter Beweis zu stellen und ihre organisatorische Legitimation zu erhalten und zu sichern. Quelle: Charles M. Katz, The Establishment of a Police Gang Unit : An Examination of Organizational and Environmental Factors. In: Criminology 39, 1, 2001, S. 37-73
 
 
12) 3-Monats-Übersicht über Forschungsprojekte des National Institute of Justice in Washington
l;bersicht mit Zusammenfassungen der wichtigsten Ergebnisse zu den Forschungsprojekten aus den Bereichen Polizei und Justiz unter folgender Adresse abrufen: www.ojp.usdoj.gov/nij/rr/index.html Aktuelle: Studien zu Gewalt in der Familie, zu Polizeikontakt und zu preisgünstigen Radar-Geschwindigkeitsmessgeräten für die Polizei.
 
 
13) Futuristen und andere?
Das FBI beschäftigt Futuristen, um sich auf die Zukunft vorzubereiten:

www.fbi.gov/programs/lefp/default.htm . Unter www.camfordpublishing.com

finden sich einzelne Beiträge, die sich mit den Entwicklungen der nächsten Jahrzehnte beschäftigen (man kann auch einen kostenlosen Newsletter per E-Mail bestellen) und „The Futurist“, das Zentralorgan der „World Future Society“, hat seine Homepage: www.wfs.org ;

www.redherring.com  liefert alles über Hightech in the Future. Quelle: 2000X, Februar 2001
 
 
14) Polizei von Los Angeles bekommt Disziplin-Richtlinien
Gemeinsam mit dem Polizeichef und den Polizeigewerkschaften hat der Bürgermeister von Los Angeles Richtlinien verabschiedet, nach denen polizeiliches Fehlverhalten intern bestraft werden soll. Diese Richtlinien waren insbesondere von Polizeibeamten gefordert worden, weil sie sich in der Vergangenheit ungerecht behandelt fühlten, weil disziplinarische Maßnahmen im Ermessen der direkten Vorgesetzen lagen und höherrangige Polizeibeamte bevorzugt worden waren. Andererseits wird erwartet, dass diese Richtlinien die „Moral“ bei der LAPD, deren Mitglieder in den letzten Jahren immer wieder in die Kritik geraten waren, verbessern. Auf insgesamt neun Seiten werden entsprechende Fehlverhaltensweisen vom Alkoholgenuss über zu spät kommen bis hin zu sexuellen Übergriffen. Von der in den Richtlinien vorgesehenen disziplinarischen Maßnahme kann der Vorgesetzte nur abweichen, wenn er dies ausdrücklich begründet. Quelle: New York Times

M.B., New York
 
 
15) Sonst noch was????
Münster ist die männerfreundlichste Stadt Deutschlands – berichtet Menshealth in der Mai-Ausgabe (www.menshealth.de ) – gefolgt von Stuttgart und Mannheim! Am Ende: Berlin, Leipzig und Magdeburg. Was wurde „gemessen“? Sonnenscheinstunden (je mehr Sonnenlicht, desto mehr Testosteron...), Anzahl der Urologen (!) und der Arbeitslosen, der über 90-jährigen sowie Diskos, Fitnessstudios und Fußballvereine (je höher in der Liga, umso mehr Punkte....). Noch Fragen?