Polizei : Newsletter Nr. 31, Juli 2001                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Jugendkriminalität und was wir dagegen unternehmen können
 2)   Deutschland 2010 – Studie des BAT- Freizeitforschungsinstitutes
 3)   Neue Drogen-Präventionsinitiative: Weißes Haus arbeitet mit Lycos zusammen, um die Informationen gegen Drogenkonsum für Eltern, Kinder und Lehrer effektiver zu verbreiten
 4)   Europa geheimdienstlich
 5)   Technik: Funken in allen Bändern
 6)   Falschparker: Handynummer schützt vor Abschleppdienst
 7)   Cybercrime und Cybercops
 8)   Bürger beobachten die Polizei: Polizeikommissionen, Ombudsman und andere Methoden zur Kontrolle der Polizei
 9)   Biometrische Verfahren – Übersicht
10)  Studie „Zyklus der Gewalt“
11)  Corporate-Fitness-Boom
12)  Material für Brandermittler
13)  Lauschangriff: Telefonüberwachung nicht in Steuersachen
14)  Studien der kriminologischen Forschungsgruppe des LKA Bayern per download abrufbar
15)  sonst noch?
 
1) Jugendkriminalität und was wir dagegen unternehmen können
Ein Kolloquium des IHESI (Institut des Hautes Etudes de la Sécurite Intérieure) im November 2000 ergab : der „harte Kern“ , etwa 5% der aktivsten Jugendlichen, begehen mehr als 50% der Delikte. Verschiedene Untersuchungen in Frankreich zeigen, dass Jugendliche in immer jüngerem Alter Delikte wie Diebstähle begehen, und machen den Zusammenhang deutlich zwischen dem Fehlen von Regeln, der Größe der Familie und Stellung in der Geschwisterreihe, der sozialen und schulischen Situation sowie der Wohnsituation. Um der Gefahr, dass die Jugendlichen in die Kriminalität abgleiten, zu begegnen, ist eine Zusammenarbeit von Eltern und Lehrern hilfreich. Mehr darüber  in „Jeunes sans foi ni loi », Cahiers de la sécurité intérieure No. 42, zu erhalten bei : Documentation francaise, Tel. +33-1-40 15 70 00. Quelle : IHESI – La Lettre Nr. 21, März 2001
 
 
2) Deutschland 2010 – Studie des BAT- Freizeitforschungsinstitutes
Die Studie untersucht, wie sich Arbeitswelt und Privatleben in den nächsten 10 Jahren verändern werden. Horst Opaschowski, Deutschland 2010, Germa Press Verlag; www.bat.de, dort unter Freizeitforschung nachsehen; die erste (Werbe-)Seite der Zigarettenfirma kann man überspringen...)
 
 
3) Neue Drogen-Präventionsinitiative: Weißes Haus arbeitet mit Lycos zusammen, um die Informationen gegen Drogenkonsum für Eltern, Kinder und Lehrer effektiver zu verbreiten
Im Oktober kündigte das Office of National Drug Control Policy (ONDCP) des Weißen Hauses die Zusammenarbeit mit Lycos, Inc. (http://www.lycos.com/) an. Dadurch sollen die Informationen gegen Drogenkonsum für Lehrer, Eltern und Jugendliche noch effektiver verbreitet werden (http://www.mediacampaign.org/, http://www.freevibe.com/ und http://www.theantidrug.com/). Die gleichzeitig gestartete Initiative „What’s Your Anti-Drug?“ bietet Jugendlichen die Möglichkeit, sich über ihre Gründe für den Verzicht auf Drogen auszutauschen  (http://www.whatsyourantidrug.com/ ). Lycos wird seine hochgelobte  Kinderseite (http://www.lycoszone.com/ ) zur Verfügung stellen für den Dialog zwischen Jugendlichen über Drogenkonsum-Vorbeugung. Kürzlich veröffentlichte Studie zeigt anhaltenden Abwärts-Trend im Gesamt-Drogenkonsum bei Jugendlichen. Die Ergebnisse der Studie „Monitoring the Future“ aus dem Jahr 2000 zeigen, dass der Verbrauch der harten Drogen unverändert blieb; 2000 ist das vierte Jahr in Folge, in dem der Drogen-Verbrauch gleich blieb oder leicht sank nach dem steilen Anstieg in den frühen 90ern. Allerdings zeigte die Studie einen gewaltigen Anstieg im Verbrauch von MDMA (Ecstasy), das früher nur in Rave Clubs, in denen die ganze Nacht getanzt wird, konsumiert wurde.

( http://www.whitehousedrugpolicy.gov/whatsnew/whatsnew.html und http://www.monitoringthefuture.org/). Das ONDCP hat zudem www.theantidrug.com , die umfassendste Website der Regierung für Eltern zum Thema Drogenvorbeugung bei Jugendlichen, in Zusammenarbeit mit Oxygen Media wieder eingeführt. Auf dieser Website finden sich die neusten Informationen über Drogen-Vorsorge, Expertenratschläge für Eltern, interaktive Tools und eine Art Schwarzes Brett für den Austausch von Informationen zwischen den Eltern. (http://www.theantidrug.com/)
 
 
4) Europa geheimdienstlich
In Frankreich glich Literatur über Nachrichtendienste immer eher Spionageromanen als Aufklärungsarbeit. Francois Thuillier, Untersuchungsbeauftragter beim IHESI, befasst sich nun mit den Fragen: Wie lässt sich nationale Sicherheit mit Transparenz in der  Politik vereinbaren, Schutz der grundlegenden Interessen des Landes mit Sicherung der bürgerlichen Freiheiten? Bei dem Vergleich mit den Nachbarländern Deutschland, Spanien, Italien und Großbritannien stellt der Autor fest, dass es eine „lateinische Schule“ gibt, die die Rolle des Staates mystifiziert, und eine „angelsächsische Schule“, die mehr Transparenz fordert. Daneben sieht er jedoch in allen diesen Staaten die Tendenz, die Überwachungsmaßnahmen gegen Bedrohungen von außen auch im Inneren anzuwenden. Thuillier zeigt jedoch auch die Fortschritte auf: In Großbritannien wurde das wirksamste Instrumentarium geschaffen, indem viele Instanzen an der Kontrolle mitwirken und die Bürger in den Mittelpunkt stellen. In Frankreich dagegen werden die Nachrichtendienste weder parlamentarisch noch juristisch überwacht. Didier Bigo im Vorwort: “Dieses Werk hilft uns darüber nachzudenken, wie wir die kontrollieren, die uns kontrollieren...“(Francois Thuillier: L’Europe du Secret, La Documentation Francaise) Quelle : IHESI – La Lettre Nr. 21, März 2001
 
 
5) Technik: Funken in allen Bändern
Ein fundamentales Problem nicht nur bei Großeinsätzen stellen die verschiedenen verwendeten Funksysteme und Frequenzbänder der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben dar. Eine Forschergruppe in den USA ist nun in den letzten Testphasen eines Systems, das dieses Problem beheben können soll. Die erste Feuertaufe für ACU-1000 war die Präsidentschaftseinführung von George W. Bush. Hier wurden die Funksysteme des US-Geheimdienst, der Washingtoner Stadtpolizei, des FBI, der Metropolitan Police Abteilung und der USA Park-Polizei miteinander verbunden. Einem Bericht des Secret Service zufolge war die Bedienung und Vielseitigkeit der Schnittstellenanlage erstaunlich. Das Gateway wurde im Sommer und Herbst 2000 getestet, ausführliche Auswertungen sollen bis zum Winter 2001 vorliegen. Mehr zum System unter http://www.agileprogram.org/research/gateways.html .
 
 
6) Falschparker: Handynummer schützt vor Abschleppdienst
Handy-besitzende Falschparker können das Abschleppen ihrer Autos vermeiden, wenn sie ihre Telefonnummer deutlich sichtbar im Fahrzeug hinterlassen. Das hat das Verwaltungsgericht Hamburg (Az.: 3 VG-268/2000) jetzt entschieden. Nach Auffassung der Richter ist es ausreichend, wenn der Fahrer an der Windschutzscheibe einen Zettel anbringt. Im strittigen Fall hatte der Zettel die Aufschrift: "Bitte folgende Handy-Nummer anrufen, ich bin in zwei Minuten am Fahrzeug." Nach Auffassung des Gerichts ist es der Polizei zuzumuten, den Fahrer anzurufen, da dieser die Störung schneller beheben kann als der Abschleppdienst. Quelle: newsletter billiger-telefonieren.de
 
 
7) Cybercrime und Cybercops
Eine jetzt veröffentlichte Studie des NIJ (National Institute of Justice) beschäftigt sich mit dem neuen Brennpunktthema rund um die Informationstechnologie. Führende Vertreter berichten über Perspektiven, Arten des elektronischen Verbrechens, Bedarf der Ermittler, Systemverwundbarkeit und kritische Infrastrukturen, forensische Beweissammlung und Analyse, rechtliche Themen der Anklage sowie die Ausbildung. Ebenso werden die vorherrschendsten Ziele der Täter und Motive hinter dieser Art des Verbrechens behandelt. Die Studie ist online zu finden unter:  "Electronic Needs Assessment for State and Local Law Enforcement" (NCJ 186276) on the NCJRS Web site at http://www.ncjrs.org/txtfiles1/nij/186276.txt and http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/186276.pdf. Quelle: NCJRS-Newsletter, 15.04.2001
 
 
8) Bürger beobachten die Polizei: Polizeikommissionen, Ombudsman und andere Methoden zur Kontrolle der Polizei
Im Zusammenhang mit polizeilichen Übergriffen wird das Thema „Kontrolle der Polizei“ immer wieder kontrovers diskutiert. Eine umfangreiche Studie des National Institute of Justice stellt nun auf über 180 Seiten neun verschiedenste Modelle und Konzeptionen vor, die sich diesem Thema zuwenden. Die Studie unter dem Titel „Citizen Review of Police: Approaches and Implementations” stellt Vor- und Nachteile sowie praktische Erfahrungen mit diesen Modellen zusammen und ist als Text-File unter

http://www.ncjrs.org/txtfiles1/nij/184430.txt sowie als Adobe unter

http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/184430.pdf verfügbar.
 
 
9) Biometrische Verfahren – Übersicht
Eine Übersicht über aktuelle biometrische Verfahren vom Fingerabdruck über Handgeometrie bis hin zu Gesichts- Augen und Spracherkennung findet sich auf der neun eingerichteten (U.S.)Homepage www.biometricscatalog.org. Die Seite listet sowohl kommerziell, als auch von Universitäten vertriebene Produkte auf sowie Tests u.a.m. Schliesslich ermöglicht sie eine Suche nach Schlüsselbegriffen. Die Homepage wird bereit gestellt vom „Counterdrug Technology Information Network und als Service des National Institute of Justice der amerikanischen Regierung.
 
 
10) Studie „Zyklus der Gewalt“
Für diese Langzeitstudie wurden 1988 die Daten von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ausgewertet, die in ihrer Kindheit schwer vernachlässigt , misshandelt  oder sexuell missbraucht worden waren. Sie wurden verglichen mit den Akten einer Kontrollgruppe, die in Alter, Geschlecht, Rasse und sozio-ökonomischer Stellung übereinstimmte, aber nichts über Vernachlässigung oder Missbrauch aussagten. 1994 wurden die Daten aktualisiert. Diese Studie zeigt, dass die Gefahr, straffällig zu werden, für vernachlässigte oder misshandelte Kinder größer ist als für Menschen ohne solche negativen Erfahrungen. Die Untersuchung enthüllt darüber hinaus, dass sich diese negativen Kindheitserfahrungen bei Männern und Frauen, bei Schwarzen und Weißen unterschiedlich auswirken. Und: nicht nur körperliche Gewalt bringt jugendliche Gewalttäter hervor, sondern fast im gleichen Maße Vernachlässigung in der Kindheit – nicht jedoch sexueller Missbrauch. Dies erklärt sich auch daraus, dass hauptsächlich Mädchen Opfer sexuellen Missbrauchs sind (84%) und Frauen im allgemeinen deutlich weniger zu Gewalttaten tendieren. National Institute of Justice, Research in Brief, February 2001
 
 
11) Corporate-Fitness-Boom
Fitness und Gesundheit wird von vielen Firmen entdeckt als wichtiger Faktor in der Mitarbeiterführung. Besonders in der Schweiz führen Unternehmen massenhaft Gesundheits- und Fitnessprogramme für ihre Mitarbeiter ein, gesunde Ernährung und Fitnessstudios werden als „Bonusprogramme“ angeboten. Daneben nehmen die kulturellen Angebote der Arbeitgeber, mit denen auch die „corporate identity“ gestärkt werden soll, zu (TC TeamConsult bietet dazu eine eigene Beratungsabteilung, „KulturLink“ an (Roger Cahn, Tel. 0041-1-3855990); Quelle: Zukunftsletter 5/2001). Braucht die Polizei so was nicht auch?
 
 
12) Material für Brandermittler
Einen umfangreichen Bericht (53 Seiten) über Brände im Zusammenhang mit flüssigen Stoffen hat das amerikanische Justizministerium bereit gestellt. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie viel von welcher Flüssigkeit welche Brandspuren verursacht (mit zahlreichen Farbbildern unter http://www.ncjrs.org/txtfiles1/nij/186634.txt als Text-File oder http://www.ncjrs.org/pdffiles1/nij/186634.pdf als Adobe-File.
 
 
13) Lauschangriff: Telefonüberwachung nicht in Steuersachen
Erkenntnisse aus einer Telefonüberwachung dürfen laut einer Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) nicht in Steuerverfahren verwendet werden. Die Strafprozessordnung erlaube ausschließlich den Strafverfolgungsbehörden die Überwachung von Telefongesprächen, heißt es in der Begründung. Das Fernmeldegeheimnis müsse von Steuerbehörden selbst dann berücksichtigt werden, wenn die Erkenntnisse aus den Ermittlungen in einem Strafverfahren stammten, betonten die Richter. Im vorliegenden Fall hatte ein Amtsgericht die Überwachung und Aufzeichnung von Telefongesprächen eines Ehepaares angeordnet, das des Schmuggels von Rauschgift und Zigaretten verdächtigt wurde. Auf Grund der Erkenntnisse aus diesen Ermittlungen hatte das Hauptzollamt angeordnet, das Vermögen des Ehepaares zu sperren, um Einfuhrabgaben zu sichern. Das Finanzgericht hatte den Antrag jedoch aufgehoben. Der Bundesfinanzhof bestätigte mit seinem Urteil diese Entscheidung. (Az.: VII B 265/00) Quelle: newsletter billiger-telefonieren.de v11.8
 
 
14) Studien der kriminologischen Forschungsgruppe des LKA Bayern per download abrufbar
Die Studien „Kriminalität von Ausiedlern“ (Johannes Luff) und „Kriminalität junger Ausländer“ (Wiebke Steffen) sind nunmehr per Internet aubruf- bzw. downloadbar unter www.polizei.bayern.de unter „Forschung“.
 
 
15) sonst noch?
Neuwahl der 7 Weltwunder

nachdem von den ursprünglich sieben Weltwundern nur noch eines steht (die Pyramiden von Gizeh) hat ein Schweizer eine weltweite web-Abstimmung für sieben neue Weltwunder gestartet. Über 2 Mio. Stimmen wurden schon abgegeben unter www.new7wonders.com. Im Moment führt Chichen Itza vor dem Taj Mahal und der Chinesischen Mauer.