Polizei : Newsletter Nr. 85, April 2006                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Analyse von Vandalismus und Einbrüchen in Schulen
 2)   Wiederholte Viktimisierung erkennen und verstehen
 3)   Partnerschaft für effektives Handeln bei Problemen im Bezirk
 4)   Polizeiliche Intervention und häusliche Gewalt
 5)   Soziale Einflüsse bei der Anzeigenerstattung
 6)   Soziale und kulturelle Bedeutung der Kriminalitätsfurcht
 7)   Motive von Selbstmordattentätern
 8)   Über die Motivation, Polizeibeamter zu werden
 9)   Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft in Bochum
10)  Polizei, Menschenrechte und Ausbildungsplan
11)  Master-Studienprogramme in USA
12)  Dynamik der Menschenmengen und "Hooliganismus" bei der Fußball-EM 2004
13)  Belastungen von Polizeivollzugsbeamten
14)  Jugendschutz bei Computerspielen soll schnellstmöglich auf den Prüfstand
15)  Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in Bayern
16)  Tagung: "Polizisten im Nationalsozialismus als Täter und Retter“
 
1) Analyse von Vandalismus und Einbrüchen in Schulen
"School Vandalism and Break-Ins" (80 S.) (NCJ 210918), ein neues COPS POP Handbuch, beschreibt das Problem und behandelt die Risikofaktoren von Schulvandalismus und –einbrüchen und geht auf die damit verbundenen Probleme ein, Einbruchsdiebstähle und Brandstiftung. Schließlich nennt es eine Reihe von Fragestellungen zur Analyse lokaler Probleme und bietet Antworten an und berichtet, was darüber aus evaluierenden Forschungen und Polizeipraxis bekannt ist. 

http://www.cops.usdoj.gov/mime/open.pdf?Item=1560
 
 
2) Wiederholte Viktimisierung erkennen und verstehen
"Analyzing Repeat Victimization" (80 S.) (NCJ 211240) ist ein Tool für die Polizei, um Muster wiederholter Viktimisierung bei einer Reihe von Verbrechen und Vergehen zu erkennen und zu verstehen. Es beschreibt die Idee der wiederholten Viktimisierung und seinen Bezug zu anderen Mustern bei Problemen mit der öffentlichen Sicherheit, z.B. Hot spots und Wiederholungstäter.
 
 
3) Partnerschaft für effektives Handeln bei Problemen im Bezirk
"Shifting and Sharing Responsibility for Public Safety Problems" (65 S.) (NCJ 211239) beschreibt detailliert die Möglichkeiten, mit der die Polizei Menschen dazu bringen kann,  auf Kriminalität und Vergehen zu reagieren, unabhängig von der Art solcher Reaktionen– vorausgesetzt sie verletzen nicht die grundlegenden Eigentums- und Rechtsstandards. http://www.ci.nyc.ny.us/html/ccrb/ New York City Civilian Complaints Board
 
 
4) Polizeiliche Intervention und häusliche Gewalt
Wir benutzen den National Crime Victimization Survey um zu untersuchen, ob sich häusliche Gewalt  mit geringerer Wahrscheinlichkeit wiederholt, wenn sie angezeigt wird und er Täter verhaftet wird. Unsere Längsschnittanalyse lässt den Schluss zu, dass eine Anzeige eine ziemlich abschreckende Wirkung hat, während die Wirkung einer Verhaftung minimal und statistisch unbedeutend ist. Wir finden keinen Anhaltspunkt für die Hypothese, dass Täter sich rächen, wenn Opfer (und nicht Dritte) die Polizei rufen oder Anzeige erstatten. Wir finden auch keinen Hinweis darauf, dass die Wirkung einer Anzeige oder Verhaftung von der Schwere der Tat, der Vorgeschichte von Gewalttaten des Täters oder sozio-demographischen Merkmalen abhängt. Unsere Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass die besten Abschreckungsstrategien die sind, die Opfer und Dritte ermutigen, Gewalt von Lebenspartnern bei der Polizei anzuzeigen. Quelle: RICHARD B. FELSON, JEFFREY M. ACKERMAN, CATHERINE A. GALLAGHER: POLICE INTERVENTION AND THE REPEAT OF DOMESTIC ASSAULT. In: Criminology 43, 3, 2005, S. 563-588
 
 
5) Soziale Einflüsse bei der Anzeigenerstattung
Bislang wurden als Faktoren für den Entschluss eines Opfers, eine Straftat bei der Polizei anzuzeigen, vor allem die Schwere der Tat sowie der durch die Tat eingetretene finanzielle Verlust. Eine Studie weißt jetzt darauf hin, dass der soziale Kontext, in dem sich die Straftat ereignet hat, eine zumindest ebenso wichtige Rolle spielt. Dazu gehören u.a. die vermutete Kompetenz der Polizei sowie weitere Faktoren. Quelle: H. Goudriaan, J.P. Lynch, P. Nieuwbeerta: Reporting to the police in western nations: A theoretical analysis of the effects of social context. In: Justice Quarterly 21, 4, 2004, S. 934-969.
 
 
6) Soziale und kulturelle Bedeutung der Kriminalitätsfurcht
Diese Studie untersucht, ob man ein oberflächliches Bild der Kriminalitätsfurcht erhält, wenn man die soziale Bedeutung, die die öffentliche Kriminalitätswahrnehmung  ausmacht, ignoriert. Vor allem die Untersuchung der symbolischen Verbindung zwischen Gemeindezugehörigkeit, Vergehen und Kriminalität führt zu dem Schluss, dass Risikowahrnehmungen im individuellen Verständnis der sozialen und baulichen Gestaltung der Wohnumgebung begründet sind, ebenso wie Verletzlichkeit/Angreifbarkeit und weitergehende soziale Einstellungen und Werte. Die vorliegenden Antworten können sowohl die Zusammenfassung „erlebter“ und möglicherweise häufiger Angstgefühle als auch die „formulierte“ Furcht oder die Einstellung gegenüber der kulturellen Bedeutung von Kriminalität, sozialer Veränderung und Beziehungen sowie kriminalitätsfördernder Bedingungen sein. Letztendlich ist das „Vorhandensein“ von Kriminalitätsfurcht gewissermaßen eine Funktion der Art der gestellten Frage. Quelle: J. Jackson, Experience and expression: Social and cultural significance in the fear of crime. In: British Journal of Criminology 44, 6, 2004, 946-966.
 
 
7) Motive von Selbstmordattentätern
Dieser Aufsatz/Überblick untersucht die Faktoren, die der Entwicklung der palästinensischen Selbstmordanschlägen zugrunde liegen und zieht dazu sowohl veröffentlichte Studien als auch Interviews mit fünf Personen, die vor der Zündung ihrer Bomben gefasst wurden, heran. Die Begleitumstände bei der Entwicklung zum Selbstmordattentäter werden mit politischen, sozialen und psychologischen Prozessen, einschließlich religiöser und ideologischer Glaubenssysteme und Persönlichkeitsmerkmale, erklärt. Es wird argumentiert, dass es nicht nur eine einzige Ursache oder Erklärung dafür gibt, dass jemand diese Rolle übernimmt, sondern dass es das Ergebnis vieler Umstände ist, die bei jeder Person anders sind. Die weitverbreitete Annahme, dass alle Selbstmordattentäter junge religiöse Fanatiker seien,  wird infrage gestellt und es wird gezeigt, dass weniger extreme Persönlichkeitsmerkmale zu der Entscheidung, sich unter anderen Umständen für eine Sache zu töten, führen können. Quelle: Soibelman. M., Palestinian suicide bombers. In: Journal of Investigative Psychology and Offender Profiling, 1, 3, 2004, p. 175-190
 
 
8) Über die Motivation, Polizeibeamter zu werden
Obwohl frühere Forschungen den Schluss zulassen, dass sowohl geschlechts- als auch rassenspezifische Unterschiede die Entscheidung für die Arbeit bei der Polizei beeinflussen, ist viel von dieser Arbeit überholt und die Ergebnisse sind nicht eindeutig. Dieser Forschung aus dem Jahr 2002 untersucht die Motivation, in die Polizei einzutreten, am Beispiel von 278 Polizei-Nachwuchskräften in New York City. Die gewonnenen Daten zeigen, dass die Gründe für die Entscheidung, Polizeibeamter zu werden, in gleichem Maße unabhängig von Rassen- wie von Geschlechtszugehörigkeit sind. Die stärksten Faktoren dabei waren altruistische und praktische Erwägungen, insbesondere die Möglichkeit, anderen Menschen zu helfen, einen guten Job zu haben, und Sicherheit. Quelle: Raganella, A. J., & White, M. D., Race, gender, and motivation for be­coming a police officer: Implications for building a representative police de­partment. In: Journal of Criminal Justice. 32, 6, 2004, S. 501-513.
 
 
9) Masterstudiengang Kriminologie und Polizeiwissenschaft in Bochum
Nachdem die ersten 26 Studierenden zum Wintersemester 2005 in Bochum ihr 2-semestriges Studium aufgenommen haben, beginnt demnächst das Auswahlverfahren für das Wintersemester 2006. Informationen zum Inhalt, den Studienbedingungen und zum Bewerbungsverfahren finden sich unter www.rub.de/kriminologie Voraussetzung für die Bewerbung ist ein abgeschlossenes (Fach-) Hochschulstudium und eine mindestens einjährige Berufserfahrung. Ebenfalls zum Oktober 2006 soll auch die Möglichkeit geboten werden, dieses weiterbildende Studium als 4-semestriges qualifiziertes Fernstudium zu absolvieren, wo bei hier vor allem auch interaktive e-learning-Modelle eingesetzt werden sollen.
 
 
10) Polizei, Menschenrechte und Ausbildungsplan
Nordirland versucht, sich vom Polizeiarbeitsmodell der geteilten Gesellschaft zu einer demokratischen Modell zu wandeln. Eine Schlüsselrolle in der Reformagenda spielt die Frage der Menschenrechte. Die Studie untersucht den neuen Ausbildungsplan der Police Service of Northern Ireland (PSNI), um festzustellen, ob und wie Menschenrechte in die Ausbildungsmodule integriert werden. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass PSNI diese Aufgabe ziemlich gut erfüllt hat. Quelle: Engel. S. T., & Burruss, G. W., Human rights in the new training cur­riculum of the Police Service of Northern Ireland. In: Policing: An International Journal of Police Strategies and A7nnagement. 27, 4, 2004, S. 498-511.
 
 
11) Master-Studienprogramme in USA
Diese Studie bietet eine grundlegende Beschreibung der Master-Studienprogramme in den USA mit ihren Struktur- und Curriculumbesonderheiten. Daten über die Programmstruktur stammen von Websites. Z.Zt. gibt es eine Unmenge von Titeln, die so gut wie nichts über den Inhalt aussagen, und viele Kursangebote, die wenig über die Zielsetzung der Strafjustiz-Ausbildung aussagen. Freiwillige Richtlinien, die seit 1984 angeboten werden und schließlich zu den Academy of Criminal Justice Sciences Minimum Standards führten, wurden entwickelt, um die Abgrenzung der Institutionen bei der Beschreibung ihrer jeweiligen Ziele zu ermöglichen, aber sie sollten auch uneindeutige Programmentwicklungen straffen und die Diskussion über Ausbildungsziele in den Blick rücken. Quelle: Bufkin, J., Criminology/criminal justice masters programs in the United States: Searching for commonalities. In: Journal of Criminal Justice Edu­cation, 15, 2, 2004, p. 239-262.
 
 
12) Dynamik der Menschenmengen und "Hooliganismus" bei der Fußball-EM 2004
Ein Forschungsprojekt des wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Forschungsrates unterstützte die von den portugiesischen Behörden bei der Fussball-Europameisterschaft 2004 getroffenen vorbeugenden Kontrollmaßnahmen.  Stichwort ist u.a. "Low impact" policing, mit dem freundlich, aber bestimmt polizeiliche Präsenz dargestellt wird. Zudem sollen Fans aufgrund ihres aktuellen Verhaltens und nicht ihrer Reputation behandelt werden.  Die Studie wurde von Clifford Stott und Otto Adang (der auch Dozent im Bochumer Masterstudiengang ist  www.rub.de/kriminologie und dort mit den Studierenden eine ähnliche Untersuchung bei der WM 2006 in Deutschland durchführt) durchgeführt und analysiert den einfluss von polizeilichen Taktiken auf das Niveau von Hooliganismus bei der Euro 2004. Der gesamte Text ist verfügbar unter http://www.esrcsocietytoday.ac.uk/ESRCInfoCentre/PO/releases/2005/october/liverpool_psychology.aspx
 
 
13) Belastungen von Polizeivollzugsbeamten
Empirische Untersuchung zur Posttraumatischen Belastungsstörung bei bayerischen Polizeivollzugsbeamten/-innen. Dissertation zum Erwerb des Dr. phil. an der Fakultät für Psychologie und Pädagogik der Ludwig-Maximilians-Universität München vorgelegt von Knut Latscha aus Ludwigshafen am Rhein München 2005 Quelle: http://edoc.ub.uni-muenchen.de/archive/00003250/
 
 
14) Jugendschutz bei Computerspielen soll schnellstmöglich auf den Prüfstand
Im Zusammenhang mit Amok-Taten (durch Jugendliche) wurden in der Vergangenheit immer wieder die Beeinflussung der Täter durch Gewalt verherrlichende Spiele diskutiert. Der Koalitionsvertrag von SPD und CDU sieht nun Änderungen im Bereich des Jugendschutzes vor. In dem Papier wird explizit ein Verbot von "Killerspielen" gefordert. So haben die beiden Parteien verabredet, die von Rot-Grün gefassten Neuregelungen im Jugendschutz schnellstmöglich auf den Prüfstand zu stellen. Dies solle noch deutlich vor dem für März 2008 verabredeten Zeitpunkt passieren. Man wolle "notwendige Konsequenzen" rechtzeitig ziehen. In diesem Rahmen soll unverzüglich ein "zielorientierter Dialog mit den Ländern" aufgenommen werden, um über die Wirksamkeit des Konstrukts "regulierte Selbstkontrolle", Altersgrenzen für die Freigabe von Filmen und Spielen und insbesondere die Alterskennzeichnung von Computerspielen diskutieren. Zudem wird ausdrücklich ein "Verbot von ‚Killerspielen’" in die Diskussion gebracht. Quelle: Golem.de
 
 
15) Vergewaltigung und sexuelle Nötigung in Bayern
Eine Studie aus der kriminologische Forschungsgruppe der Bayerischen Polizei im Bayerischen LKA (Autoren: Erich Elsner und Wiebke Steffen) beschäftigt sich mit diesen Sexualdelikten anhand einer Auswertung über drei Jahre hinweg von 1000 Akten aus Polizei und Justiz. Ein Kapitel des Buches beschäftigt sich mit sexuell motivierten Tötungsdelikten, ein weiteres mit dem bisher kaum beachteten Bereich des Vortäuschens von bzw. der falschen Verdächtigung wegen Sexualdelikten. Eine ausführliche Besprechung der Studie findet sich im Buchbesprechungsteil des Polizei-Newsletter unter http://www.polizei-newsletter.de/books_german.php
 
 
16) Tagung: "Polizisten im Nationalsozialismus als Täter und Retter“
Am 31.Mai 2006 veranstaltet die Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW in Gelsenkirchen ein Symposium zum Thema "Polizisten im Nationalsozialismus als Täter und Retter." Das Symposium ist interdisziplinär ausgerichtet und wendet sich an alle polizeiwissenschaftlich Interessierten. Neben einer historischen Analyse werden aktuelle Bezüge durch sozialpsychologische Referate hergestellt. Die Teilnahme ist kostenlos - es werden keine Tagungsgebühren erhoben. Das Tagungsprogramm sowie Anmeldeformulare finden sich unter http://www.kriminologie.com/Konferenzen.htm.