Polizei : Newsletter Nr. 89, September 2006                                                                                             Verantwortlich: Prof. Dr. Thomas Feltes, Bochum
 1)   Technik-Anwendung in kleinen und ländlichen Dienststellen
 2)   Ermittlungstechniken bei schweren Verbrechen einschl. terroristischer Gewaltakte
 3)   Polizeiliche Intervention und Wiederholung häuslicher Übergriffe
 4)   Trends in der Gewaltbereitschaft von Mädchen: Schließt sich die Geschlechterlücke?
 5)   NIJ Report beschreibt Muster von Jugendkriminalität
 6)   Internetportal zum Thema "Graffiti"
 7)   Polizeiarbeit und Strafrechtssystem -öffentliches Vertrauen und Wahrnehmung
 8)   Partnerschaft von Polizei und Gemeinde in Sachen "Häusliche Gewalt"
 9)   Status und Bedürfnisse von gerichtsmedizinischen Diensten
10)  Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen
11)  Gutachten zu neuen Führungs- und Organisationsstrukturen in der Polizei NRW
12)  Ergebnisse des Modellprojektes zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger
13)  Internationale Studie zum Frauenstrafvollzug. Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und "best practice"
14)  Verlaufsprojekt "Kriminalität in der Modernen Stadt"
15)  Endstation Rücktritt. Warum deutsche Politiker einpacken
16)  Neuer Masterstudiengang "Konfliktmanagement und Gewaltprävention"
17)  Häusliche Gewalt und Tötung des Intimpartners
 
1) Technik-Anwendung in kleinen und ländlichen Dienststellen
" Law Enforcement Tech Guide for Small and Rural Police Agencies: A Guide for Executives, Managers, and Technologists" (94 S.) (NCJ 211995) ist auf kleine und ländliche Polizeidienststellen zugeschnitten. Es gibt ihnen Strategien, "Best-Practise", Empfehlungen und Ideen für die erfolgreiche IT-Planung und -Einrichtigung an die Hand. Dienststellen mit minimalen Personal- und Finanzmitteln erfahren, wie man IT-Projekte von der ersten Planungsidee über Entwürfe zur Technologie-Beschaffung, Einrichtung und Wartung verwirklicht.
 
 
2) Ermittlungstechniken bei schweren Verbrechen einschl. terroristischer Gewaltakte
Zur Terrorbekämpfung mussten die Strafverfolgungsbehörden ihre Ermittlungsmethoden anpassen und spezielle Ermittlungstechniken entwickeln. Diese werden so zur systematischen Informationsbeschaffung eingesetzt, dass die überwachten Personen nicht gewarnt werden. Da die Gefahr besteht, dass Persönlichkeitsrechte verletzt werden, müssen diese Techniken kontrolliert werden. Es gibt eine Veröffentlichung mit Empfehlungen des Ministerausschusses des Europarates zu diesen Techniken. Sie soll den effektiven Einsatz dieser Techniken durch Justiz- und Anklagebehörden im Rahmen ihrer Ermittlungen bei schweren Straftaten, einschl. terroristischer Gewaltakte - unter strikter Beachtung der Rechte und Freiheit des Individuums - fördern. Bestellungen (pdf Version 5.- Euro): http://book.coe.int/sysmodules/RBS_page/admin/redirect.php?id=36&lang=EN&produit_aliasid=1986
 
 
3) Polizeiliche Intervention und Wiederholung häuslicher Übergriffe
Die Autoren untersuchen mithilfe des National Crime Victimization Survey (US), ob häusliche Gewalt sich mit geringerer Wahrscheinlichkeit wiederholt, wenn sie angezeigt und der Angreifer festgenommen wird. Die Längsschnittanalysen lassen den Schluss zu, dass eine Anzeige einen starken Abschreckungseffekt hat, während eine Festnahme in ihrer Wirkung statistisch unbedeutend ist. Sie finden keine Bestätigung für die Hypothese, dass Angreifer sich rächen, wenn Opfer selbst die Polizei rufen oder wenn Opfer Anzeige erstatten. Sie finden auch keinen Hinweis darauf, dass die Wirkung einer Anzeige oder Festnahme von der Schwere der Tat, bekannter Gewalttätigkeit des Täters oder soziodemographischer Merkmale abhängt. Die Autoren meinen, dass die beste Abschreckungsstrategie darin besteht, Opfer und Dritte zu ermutigen, Gewalt durch Lebenspartner anzuzeigen. R.B. Felson, J.M. Ackerman, C.A. Gallagher: Police Intervention and the repeat of Domestic Assault In: Criminology, Volume 43, 2005, S. 563 ff.
 
 
4) Trends in der Gewaltbereitschaft von Mädchen: Schließt sich die Geschlechterlücke?
Die Autoren untersuchen die neuen Trends in der Gewaltbereitschaft von Mädchen und die Geschlechterlücke. Sie stellen fest, dass die gestiegene Gewaltbereitschaft von Mädchen in den letzten 10 bis 20 Jahren, wie sie sich in den polizeilichen Festnahmedaten der Uniform Crime Reports darstellt, nicht durch inoffizielle Längsschnittquellen bestätigt wird. Verschiedene Änderungen hin zu einer erweiterten Betrachtungsweise dieses Phänomens haben anscheinend zu einem erhöhten Festnahmerisiko für Mädchen geführt: erstens die Ausweitung der Definition von Gewalt, um auch kleinere Zwischenfälle, die eher für Mädchen typisch sind, zu erfassen; zweitens die erhöhte Aufmerksamkeit der Polizei gegenüber Gewalt unter Freunden und im privaten Bereich (z.B. Zuhause, Schule), wo von Mädchen verübte Gewalt verbreiteter ist; und drittens eine weniger tolerante familiäre und gesellschaftliche Einstellung gegenüber weiblichen Jugendlichen. Diese Entwicklungen reflektieren sowohl eine wachsende Intoleranz gegenüber Gewalt, in der Gesetzgebung und bei den Bürgern, als auch eine verstärkte Anwendung von Präventivstrafen und Risikomanagement-Strategien, die eine frühe Erkennung und erweiterte formale Kontrolle problematischer Personen oder Gruppen, vor allem problematischer Jugendlichen, betonen. Quelle: D. Steffensmeier, J. Schwartz, H. Zhong, J. Ackerman: Trends in Girl's Violence using diverse longitudinal sources. In: Criminology, Volume 43, 2005, p. 355 ff.
 
 
5) NIJ Report beschreibt Muster von Jugendkriminalität
Das National Institute of Justice (NIJ) hat " Co-Offending and Patterns of Juvenile Crime" herausgegeben. Beobachter der Jugendkriminalität bemerken seit langem das Phänomen der co-offenses, d.h. Taten, an denen mehr als ein Täter beteiligt ist. Auf der Grundlage von NIJ-geförderten Forschungen befasst sich dieser Report insbesondere mit diesem Phänomen in Bezug auf Alter der Täter, Rückfälligkeit und Gewaltanwendung und geht auf die Auswirkungen der Ergebnisse für Theorie und Praxis ein. "Co-Offending and Patterns of Juvenile Crime" unter http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/nij/210360.pdf.
 
 
6) Internetportal zum Thema "Graffiti"
Unter http://www.graffiti-info.de findet sich ein umfassendes Informationsangebot zum Thema "Graffiti" für Writer, Eltern & Lehrer sowie Geschädigte. Das vom Münsteraner Polizeibeamten Günter Kuhr zusammengestellte Angebot enthält darüber hinaus Links zu vielen regionalen Graffiti-Projekten. Behörden, Institutionen und freie Träger sind aufgerufen, Links zu ihren eigenen Graffiti-Präventions-Websites zu übermitteln, die dann kostenlos eingestellt werden.
 
 
7) Polizeiarbeit und Strafrechtssystem -öffentliches Vertrauen und Wahrnehmung
Dieser Bericht präsentiert die Ergebnisse für 2004/2005 des British Crime Survey über öffentliches Vertrauen und Wahrnehmung der Polizeiarbeit und das Strafrechtssystem. Der Bericht geht ein auf acht Ebenen und neue Trends im Hinblick auf Vertrauen ins Strafrechtssystem und Bewertungen von Strafrechtsbehörden: Wer hat Vertrauen hat ins Strafrechtssystem? Wie werden Prioritäten des Systems wahrgenommen? Welche Ansichten haben die Befragten zu Gerichten und Polizei, zu Kontakten mit der Polizei? Wie schätzen die Befragten die Leistungen der Polizei bei aufgeklärten Straftaten ein? Online-Report 07/06 Policing and the criminal justice system -public confidence and perceptions: findings from the 2004/05 British Crime Survey. http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs06/rdsolr0706.pdf
 
 
8) Partnerschaft von Polizei und Gemeinde in Sachen "Häusliche Gewalt"
Durch die Philosophie des "community policing" und ihrer Anwendung versuchen einige Strafverfolgungsbehörden, ihre Effektivität bei der Behandlung des Problems der häuslichen Gewalt zu verbessern, indem sie Polizei-Gemeinde-Partnerschaften bilden. Das Projekt PERF untersuchte die Art, Funktion und Wirkung solcher Partnerschaften und zeigt, dass Partnerschaften zwischen den Partnern Polizei und Gemeinde insofern Verbesserungen gebracht haben, als Behörden miteinander kommunizieren und ihre Energien bündeln, um die Sicherheit von Opfern häuslicher Gewalt zu verbessern. Download unter http://www.cops.usdoj.gov/Default.asp?Item=1681
 
 
9) Status und Bedürfnisse von gerichtsmedizinischen Diensten
Der Bericht aus den USA spricht die Bedürfnisse von gerichtsmedizinischen Diensten im kriminaltechnischen Labor und von Gerichtsmedizinern über die DNA-Initiative hinaus an. Er präsentiert die Empfehlungen von vier Berufsvereinigungen. Der Bericht unterstützt die Bildung einer nationalen Kriminalistik-Kommission zur Ausarbeitung der Langzeitbedürfnisse auf allen Ebenen dieses Bereichs. Er deckt vier Gebiete ab: Arbeitskraft- und Ausstattungsbedarf, Fortbildung, Professionalitäts- und Akkreditierungstandards, Zusammenarbeit zwischen Bundes-, Staats- und lokalen gerichtsmedizinischen Labors. Vollständiger Bericht unter: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/nij/213420.pdf
 
 
10) Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen
Im Rahmen des Projekts "Risiken und Chancen des Einsatzes von RFID-Systemen" (RIKCHA) wurde eine Studie im Bereich des Pervasive Computing erstellt. Das Forschungsgebiet des Pervasive oder auch Ubiquitous Computing beschäftigt sich damit, kleinste Prozessoren und Sensoren in Alltagsgegenstände zu integrieren und diese somit "smart" zu machen. Einsatzgebiete sind bzw. wären Altenheime, Psychiatrie, Maßregelvollzug, wo man mit diesen Chips jederzeit den Aufenthaltsort der Betroffenen feststellen könnte. Während bereits erste Systeme im Einsatz sind (Tieridentifikation, Kennzeichnung von Abfalltonnen etc.) und weitere Konzepte in Feldversuchen erprobt werden (Smart Labels in Kleidung, Metro Future Store etc.), sind die Auswirkungen auf den Alltag des Nutzers genauso wenig untersucht wie die Auswirkungen auf die IT-Sicherheit. Die Ergebnisse wurden auf einer Tagung in Berlin präsentiert. Alle Vorträge der Veranstaltung sind als PDF-Dokumente verfügbar: http://www.bsi.de/fachthem /rfid/studie.htm
 
 
11) Gutachten zu neuen Führungs- und Organisationsstrukturen in der Polizei NRW
Die Polizeipräsidien in Aachen und Köln arbeiten seit April 2004 in neuen Führungs- und Organisationsstrukturen. Im April 2006 wurde das Gutachten zu diesem Modellversuch vorgelegt. Die erste Sichtung hat ergeben, dass der Gutachter Vorteile für das neue Modell bei Behörden vergleichbarer Grße sieht. Daher soll das Gutachten sorgfältig analysiert werden, um die notwendigen Schlüsse für die Entwicklung der Polizei von Nordrhein-Westfalen zu ziehen. Das Gutachten steht unter http://www1.polizei-nrw.de/im/Aktuelles/article/gutachtenak.html bzw. zum download zur Verfügung.
 
 
12) Ergebnisse des Modellprojektes zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger
Das Zentrum für interdisziplinäre Suchtforschung an der Universität Hamburg betreut das bundesweite Modellprojekt zur heroingestützten Behandlung Opiatabhängiger, im Auftrag des Bundesministeriums für Gesundheit und Soziale Sicherheit. Über die erste Phase ist ein Forschungsbericht veröffentlicht worden http://www.heroinstudie.de/ Auf der Website gibt es auch sonst interessantes Material, auch zu vergleichbaren Modellversuchen / Experimenten im Ausland. (Danke an H.-J. Kerner)
 
 
13) Internationale Studie zum Frauenstrafvollzug. Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und "best practice"
An der Universität Greifswald, Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät, Lehrstuhl Kriminologie Prof. Dünkel, können Sie eine deutsche und eine englische Version des folgenden Readers herunterladen: "Internationale Studie zum Frauenstrafvollzug. Bestandsaufnahme, Bedarfsanalyse und "best practice" http://www.uni-greifswald.de/~ls3/
 
 
14) Verlaufsprojekt "Kriminalität in der Modernen Stadt"
An der Universität Münster, Institut für Kriminalwissenschaften, Abteilung Kriminologie, können Schülerinformationshefte zum Verlaufsprojekt "Kriminalität in der Modernen Stadt" herunter geladen werden: http://www.jura.uni-muenster.de/index.cfm?objectid=DF77A20A-E052-69D5-1BCAE161FA683A26
 
 
15) Endstation Rücktritt. Warum deutsche Politiker einpacken
Pascal Beuker, Korrespondent der taz, und Frank Überall, der als freier Journalist u.a. für den WDR und dpa arbeitet, haben hinter den Kulissen recherchiert. In ihrer spannenden Sittengeschichte der bundesdeutschen Politik schildert sie, warum Politiker zurücktreten oder "zurückgetreten werden" und was Parteifreunde, Medien oder die Opposition dazu beitragen. Eine ausführliche Besprechung findet sich im Buchbesprechungsteil des PNL unter http://www.polizei-newsletter.de/buecher.htm. Pascal Beuker, Frank Überall, Endstation Rücktritt. Warum deutsche Politiker einpacken. Stuttgart 2006 (Econ), 346 S., ISBN 3-430-11619-8, 18.- Euro.
 
 
16) Neuer Masterstudiengang "Konfliktmanagement und Gewaltprävention"
Dieser viersemestrige, berufsbegleitende postgraduale Masterstudiengang startet im Wintersemester 06/07 unter der Federführung der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit http://www.ev-hochschule-hh.de Das Studium kostet 240 Euro im Monat, also bei 4 Semestern insgesamt 5.760.- Euro.
 
 
17) Häusliche Gewalt und Tötung des Intimpartners
Mit Prävention und Fallmanagement beschäftigt sich eine Tagung am 26. und 27. September 2006 in Frankfurt am Main. Auf der zweitägigen Konferenz referieren namhafte Experten aus Deutschland und England über den aktuellen Wissensstand, wobei der Nutzen für die Praxis im Mittelpunkt steht. Am Tag vor der Konferenz, den 25. September 2006 findet ein Seminar zum Thema "Tötungsdelikte und schwere Gewalt durch Intimpartner"" statt. Das detaillierte Tagungsprogramm lässt sich unter folgender Adresse abrufen: http://institut-psychologie-sicherheit.de/index.php?article_id=32