Polizei : Newsletter Nr. 95, März 2007
 1)   Entwicklungslaufbahn-Gruppen: Fakt oder nützliche statistische Fiktion?
 2)   Soziales Umfeld, autoritative Eltern und Kriminalität: Eine Längsschnittuntersuchung
 3)   DNA-Nutzung bei Großunglücken
 4)   How do residential burglars select target areas? A new approach to the analysis of criminal location choice.
 5)   Änderungen und ihre Durchführung in Polizeiabteilungen
 6)   Besorgnis über Kriminalität in England und Wales: Ergebnisse des British Crime Survey 2003/04 und 2004/05
 7)   Prävention sexueller Angriffe bei jungen Frauen: mit Selbsthilfebüchern?
 8)   Ethnische Minderheiten und ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen von Kriminalität, rassistisch motivierten Verbrechen und der Polizei
 9)   Reform der Jugendgerichtsbarkeit und der Staatsanwaltschaft
10)  Funktioniert die Strafrechtspflege überhaupt?
11)  Präsentationen zur Kriminalitätsprävention
12)  FBI veröffentlicht Daten über Verbrechen an Schulen
13)  Forschungsdatenzentrum und weitere Datenbanken
14)  Bewährungshilfe in Baden-Württemberg privatisiert
15)  „Wirtschaftskriminalität und die Rolle der Strafverfolgungsorgane…
16)  Internationale Konferenz "Law and Society in the 21st Century"
 
1) Entwicklungslaufbahn-Gruppen: Fakt oder nützliche statistische Fiktion?
Die Literatur im Bereich Kriminologie und Psychologie, deren Umfang rasant zunimmt, benutzt eine gruppen-basierte Methodologie zur Identifikation und Analyse von Entwicklungslaufbahnen. Einige Verwirrung ist über die Interpretation dieser neuen Statistikmethode entstanden, und im Zusammenhang damit auch Kommentare, die zur Vorsicht mahnen. Einen Überblick über bereits existierende Literatur und methodologische Aspekte bieten A. A. J. Blokland, P. Nieuwbeerta NSCR, D. S. Nagin, Developmental trajectory groups: fact or a useful statistical fiction? in: Criminology Volume 43 Number 4 2005, 873
 
 
2) Soziales Umfeld, autoritative Eltern und Kriminalität: Eine Längsschnittuntersuchung
Die Autoren entwickeln und testen Hypothesen darüber, inwieweit autoritatives Elternverhalten und kollektive Wirksamkeit zusammen das Risiko für Kinder erhöhen, sich Altersgenossen mit abweichendem Verhalten anzuschließen oder selbst abweichendes Verhalten zu zeigen. Analysen auf der Basis von zwei Erhebungen aus mehreren Hundert afro-amerikanischer Betreuer und ihrer Kinder stützten die Vorhersagen weitgehend. Im Laufe der Zeit wurde die verstärkte kollektive Wirksamkeit innerhalb einer Gemeinde mit der Zunahme autoritativer Erziehung in Verbindung gebracht. Außerdem wirkten sowohl autoritative Erziehung als auch kollektive Wirksamkeit vorbeugend im Hinblick auf „falsche Freunde“ und Delinquenz. Quelle: A. A. J. Blokland, P. Nieuwbeerta NSCR, D. S. Nagin, Collective efficacy, authoritative parenting and delinquency: A longitudinal test of a model integrating community – and family – level processes, in: Criminology Volume 43 Number 4 2005, 989 und 1022
 
 
3) DNA-Nutzung bei Großunglücken
Lessons Learned From 9/11: DNA Identification in Mass Fatality Incidents (NCJ 214781) (142 S.) enthält Lektionen, die gelernt wurden über DNA Protokolle, Labortechnik and statistische Herangehensweisen bei der DNA Identifikation von Opfern. Dieser Bericht ist für Laborleiter in der Gerichtsmedizin und Beamte, die für die Organisation und das Management der DNA Identifikation bei Großunglücken mit sehr vielen Toten zuständig sind, gedacht und diskutiert Identifizierungsbeispiele, den Aufbau der Kommunikation, die Entwicklung von Vorgehensweisen im Labor und die Möglichkeit, Datenmaterial zu bekommen. (NIJ) Quelle: http://www.ncjrs.gov/pdffiles1/nij/214781.pdf
 
 
4) How do residential burglars select target areas? A new approach to the analysis of criminal location choice.
Diese Studie bringt die Idee der “Zielortauswahl” in die Untersuchungen über Verbrechensziele ein und benutzt sie, um einzuschätzen, ob Wohnungseinbrecher von leicht zugänglichen und schlecht bewachten Überflussobjekten angezogen werden. Daten über 548 Wohnungseinbrüche, die von 290 Einbrechern aus Den Haag, Niederlande, verübt wurden, wurden ausgewertet. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Wohngegend für Einbruchsdelikte ausgewählt wird, vergrößert sich durch ihre ethnische Heterogenität, den Prozentsatz von Einfamilienhäusern und die Nähe zum Wohnort des Täters. Im Gegensatz zu anderen Studien wurden jedoch unabhängige Auswirkungen von Wohnmobilität und Überfluss ebenso wenig gefunden wie eine signifikant positive Auswirkung der Nähe zum Stadtzentrum. Quelle: Bernasco, W., & Nieuwbeerta, P. (2005). How do residential burglars select target areas? A new approach to the analysis of criminal location choice in: BRITISH JOURNAL OF CRIMINOLOGY 45(3), 296-315
 
 
5) Änderungen und ihre Durchführung in Polizeiabteilungen
"Police Labor-Management Relations (Vol. I): Perspectives and Practical Solutions for Implementing Change, Making Reforms, and Handling Crises for Managers and Union Leaders" (NCJ 215874) (204 S.) wurde von leitenden Strafverfolgungsbeamten und leitenden Praktikern geschrieben. Es bietet der Polizeiführung und Polizeigewerkschaftsführern eine Vielzahl von Perspektiven und praktischen Lösungen für die Umsetzung von Veränderungen und Reformen. Quelle für Band 1: http://www.cops.usdoj.gov/Default.asp?Item=1856, für Band 2: http://www.cops.usdoj.gov/Default.asp?Item=1860 Vol. 2 "Police Labor-Management Relations (Vol. II): A Guide for Implementing Change, Making Reforms, and Handling Crises for Managers and Union Leaders" (NCJ 215875) (74 pp.) ist ein begleitendes Handbuch zu Band 1 und bietet einen Rahmen für den Einsatz von Methoden und Tools, die es dem Management und den Praktikern ermöglichen, effektiver zusammenzuarbeiten.
 
 
6) Besorgnis über Kriminalität in England und Wales: Ergebnisse des British Crime Survey 2003/04 und 2004/05
Der Bericht stellt Ergebnisse aus dem British Crime Survey (BCS) 2004/2005 vor. Sein Hauptaugenmerk liegt darauf, die Besorgnis der Öffentlichkeit über Kriminalität und die Sicherheitswahrnehmung zu untersuchen. Dieser Bericht beschäftigt sich mit dem Niveau und den neusten Trends bei der Besorgnis über Kriminalität, wie oft Menschen sich darüber Sorgen machen, wer sich Sorgen macht, und mit den Faktoren, die am stärksten damit in Verbindung gebracht werden sowie mit den Auswirkungen der Besorgnis auf die Kriminalität, und mit der Wahrnehmung von Sicherheit in Beziehung zu Prioritäten der Polizei. Quelle: http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs06/rdsolr1506.pdf
 
 
7) Prävention sexueller Angriffe bei jungen Frauen: mit Selbsthilfebüchern?
Diese Forschung wertet aus, inwieweit ein Training mithilfe von Büchern zur Prävention von sexuellen Angriffen bei Frauen im Studentinnenalter taugt. Eine Gruppe von 110 Teilnehmerinnen wurde 16 Wochen beobachtet. Die Selbsthilfe-Buch-Gruppe wurde mit einer anderen Gruppe anhand mehrerer Selbstberichte verglichen. Die Ergebnisse zeigten beträchtliche Unterschiede zwischen den Gruppen, wobei die Buch-Gruppe über eine verringerte Teilnahme an risikoreichen Treffen und verbesserte Strategien der Sexualkommunikation in verschiedenen Situationen berichtete. Grenzen der Studie und Leitlinien für zukünftige Forschungen werden diskutiert. Quelle: Yeater,E.A., Naugle, A. E., O’Donohue, W., et al. (2004). Sexual assault prevention with college-aged women: A bibliotherapy approach, in: VIOLENCE AND VICTIMS, 19(5), 593-612.
 
 
8) Ethnische Minderheiten und ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen von Kriminalität, rassistisch motivierten Verbrechen und der Polizei
Der Bericht stellt Ergebnisse aus dem British Crime Survey (BCS) 2004/2005 vor. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Erforschung von Erfahrungen Schwarzer und ethnischer Minderheiten mit Kriminalität und rassistisch motivierten Verbrechen und auf ihrem Vergleich mit der der weißen Bevölkerung. Der Bericht untersucht Viktimisierungsniveaus einschl. rassistisch motivierter Verbrechen und die Art dieser Verbrechen. Er enthält auch Informationen über die Einstellung des Beklagten zur Polizei und seinen Kontakt zur Polizei. Der Report ist unter http://www.homeoffice.gov.uk/rds/pdfs06/rdsolr2506.pdf erhältlich
 
 
9) Reform der Jugendgerichtsbarkeit und der Staatsanwaltschaft
Das Centre for Crime and Justice Studies am King´s College, London hat zwei Publikationen veröffentlicht, die erste zu Reformbedarf in der Jugendgerichtsbarkeit (auch bezüglich junger Schwer- oder Intensivtäter), die zweite zu Reformbedarf bei der Staatsanwaltschaft. (1) Rob Allen: "From Punishment to Problem Solving. A new Approach to children in Trouble". Eröffnungsband der neuen Serie "Whose Justice?" (2) Ken Macdonald: "Building a Modern Prosecution Authority" Beide Publikationen lassen sich auf folgender Unter-Website des CCJS auffinden und dann herunter laden: http://www.kcl.ac.uk/depsta/rel/ccjs//home.htm
 
 
10) Funktioniert die Strafrechtspflege überhaupt?
Die mit dem King´s College in London verbundene Crime and Society Foundation hat eine aktuelle Streitschrift zum großen Thema "What works?" veröffentlicht, in diesem Fall gerichtet auf die Wirksamkeit der (englischen) Strafrechtspflege überhaupt. Die Ankündigung findet sich unter http://www.crimeandsociety.org.uk/briefings/dcjw.html. (Danke an H.-J. Kerner)
 
 
11) Präsentationen zur Kriminalitätsprävention
Der National Crime Prevention Council hat zusammen mit BJA die zweite PowerPoint Präsentation zur Krimininalitätsprävention herausgegeben. Sie wurden für lokale Strafvolzugsbeamte und andere Präventionsprakter erstellt, um Kommunen über Kriminalitätsfragen und Präventionsstrategien zu informieren.
 
 
12) FBI veröffentlicht Daten über Verbrechen an Schulen
"Synopsis of Crime in Schools and Colleges: A Study of National Incident-Based Reporting System (NIBRS) Data" (NCJ 216107) (3 S.) untersucht die Charakteristika von Schul- und College-Gewalttätern auf der Basis von Daten von bundesstaatlichen und lokalen Strafvollzugsbehörden zwischen 2000 und 2004. http://www.fbi.gov/ucr/schoolviolence.pdf
 
 
13) Forschungsdatenzentrum und weitere Datenbanken
Einen Gesamtüberblick über die Arbeit des Forschungsdatenzentrums erhält man unter ttp://www.forschungsdatenzentrum.de/ Hier kann man sich auch für den Newsletter der Forschungsdatenzentren des Bundes und der Länder registrieren oder sich über das aktuelle Datenangebot informieren. Daneben finden Sie den Nutzungsantrag zum Download sowie Metadaten zu allen angebotenen Materialien. Informationen zum Rat für Sozial- und Wirtschaftsdaten findet man unter http://www.ratswd.de. Hier finden sich auch die Forschungsdaten- und Servicezentren außerhalb der amtlichen Statistik und deren Mikrodatenangebote für die Wissenschaft sowie eine aktuelle Dokumentation der Arbeit des Rates. Grundlegende, aggregierte Informationen und Produkte des Statistischen Bundesamts finden Sie im Internet unter http://www.destatis.de (Danke an H.-J.Kerner)
 
 
14) Bewährungshilfe in Baden-Württemberg privatisiert
Nach einer europaweiten Ausschreibung wird die Bewährungshilfe in BW privatisiert. Den Zuschlag bekam die Firma Neustart aus Österreich, deren website ein schwarzes und ein weißes Lamm zieren http://www.neustart.at/ . Bisher verbeamtete Bewährungshelfer sollen ihren Beamtenstatus erhalten. Neu eingestellt wird aber nur noch in regulären privatrechtlichen Arbeitsverhältnissen. Zudem will Neuland vermehrt ehrenamtliche Bewährungshelfer einsetzen. http://www.jum.baden-wuerttemberg.de/servlet/PB/menu/1203270/index.html?ROOT=1153239
 
 
15) „Wirtschaftskriminalität und die Rolle der Strafverfolgungsorgane…
… –unter besonderer Berücksichtigung des Subventionsbetruges“ ist Thema einer Veranstaltung an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) vom 20. bis 22. September 2007. Dazu ist ein „Call for Paper“ erschienen, der unter http://www.polizei.sachsen.de/fhpol eingesehen werden kann.
 
 
16) Internationale Konferenz "Law and Society in the 21st Century"
Vom 25. bis zum 28. Juli 2007 findet die internationale und interdisziplinäre Konferenz "Law and Society in the 21st century: Transformations, Resistances, Futures" an der Humboldt-Universität zu Berlin statt. Die Konferenz richtet sich an alle, die sich in Forschung, Lehre und Praxis in disziplinenübergreifender Weise mit „Recht“ als gesellschaftlichem Phänomen befassen. Programm und Anmeldung finden Sie unter http://www.lsa-berlin.org