Silvia Staubli – Trusting the Police – Comparisons across Eastern and Western Europe

Staubli Silvia; Trusting the Police – Comparisons across Eastern and Western Europe; ISBN 978-3-8376-37, transcript-Verlag Bielefeld 2017, 200 Seiten, 34,99 Euro

Die Polizei genießt großes Vertrauen bei den Bürgern. Das zeigen regelmäßige Befragungen, wie z.B. im März 2017 in einer vom stern in Auftrag gegebenen Forsa-Untersuchung. Neben der Polizei, die im Vergleich zum Vorjahr gleich um elf Prozentpunkte auf 88 Prozent zulegen konnte, vertrauen die Deutschen vor allem den eigenen Arbeitgebern (83 Prozent) und den Ärzten (80 Prozent), während Wirtschaftsmanager allgemein (15 Prozent) und die Werbeagenturen (9 Prozent) die Schlusslichter sind[1]. Die Politik rangiert bei solchen Befragungen übrigens ebenfalls ganz am Ende.

Wie wichtig dieses Vertrauen in die Polizei ist, wissen wir seit langem: Nur ein Bruchteil aller Straftaten klärt die Polizei aufgrund eigener Ermittlungen auf. Die übergroße Mehrheit (über 90%) aller Aufklärungen gehen auf die Hilfe oder Mithilfe von Bürgern zurück. Und die sind nur dann bereit mit der Polizei zu kooperieren, wenn sie ihr vertrauen. Zudem kann man in dem Vertrauen in die Polizei auch ein Spiegelbild des Vertrauens in den Staat insgesamt sehen, denn für viele Menschen verkörpert die Polizei genau dieses: den Staat und seine Autorität.

Umso wichtiger ist es, sich regelmäßig mit der Frage zu beschäftigen, wie dieses Vertrauen gestärkte oder (in Deutschland) weiter gesichert werden kann. Skandale und polizeiliches Fehlverhalten sind da kontraproduktiv, ebenso wie politische Meinungsmache: Wer ständig betont, dass die Kriminalität insgesamt oder (so aktuell) bei bestimmten Bevölkerungsgruppen und/oder Delikten steigt und die Aufklärungsquoten schlecht seien, der verunsichert die Menschen und untergräbt das Vertrauen in die Institutionen und damit auch die Polizei. So fiel in unserer Mitte 2016 in Bochum durchgeführten Befragung[2] die Bewertung der Bochumer Polizei sowohl allgemein, als auch nach einer Anzeigeerstattung schlechter aus als in der Befragung im Jahr 1998. Nur 27 % derjenigen, die eine Anzeige erstattet haben, hatten das Gefühl, dass die Polizei wirklich versuchen werde, die Tat aufzuklären. 1998 waren dies noch fast 90 %, und während 1998 noch knapp 60 % der Auffassung waren, dass die Polizei in der Bochumer Bevölkerung einen guten Ruf habe, sind es jetzt nur noch 53 %. Allerdings ist die persönliche Einschätzung deutlich positiver. Hier vergeben annähernd 50 % der Befragten der Polizei die Bestnote 1 oder 2; 1998 waren dies nur 40 %.  Auch die Bewertung der Arbeit der Polizei während oder nach einer Anzeigeerstattung fällt 2016 etwas schlechter aus als 1998. Zwar werden die Beamten nach wie vor als in den allermeisten Fällen als „höflich“ und „ausgeglichen“ beschrieben, aber in Bezug auf das Engagement und die Tatsache, ob sich die Beamten „mitfühlend“ verhalten haben, gibt es 2016 schlechtere Werte.

Das Vertrauen in die Polizei wird europaweit auch regelmäßig im „European Social Survey“ (ESS) abgefragt[3], zuletzt im Jahr 2010. Diese Daten hat die Autorin in ihrer Dissertation ausgewertet und auf europäischer Ebene verglichen, die dem hier rezensierten Buch zugrunde liegt. Im Ergebnis zeigt sie, dass das Vertrauen in die Polizei mit dem Vertrauen in andere staatliche Institutionen korreliert. Kontakte zwischen Bürgern und der Polizei beeinflussen die Bewertung der Arbeit der Polizei und das Vertrauen in sie. Damit wird deutlich, wie wichtig ein professionelles und engagiertes Auftreten von Polizeibeamten im Bürgerkontakt ist – aber auch wie wichtig bspw. Empathie ist, wenn die Polizei es mit Opfern von Straftaten zu tun hat.

Wer mit der Behandlung durch die Polizei zufrieden ist, der bewertet sie auch besser. Das, was als „social trust“ (soziales Vertrauen) umschrieben ist, hat ebenso Einfluss auf die Bewertung der Polizei und ihrer Arbeit. Wer sich also in seiner Umgebung wohl fühlt, seinen Nachbarn vertraut ist und sozialen Zusammenhalt spürt, der hat auch Vertrauen in die Polizei. Und schließlich haben die Einstellungen zur lokalen, regionalen Polizei ebenfalls Auswirkungen auf die Bewertung der Polizei allgemein.

Dies alles sind keine wirklich neuen Ergebnisse, aber es ist wichtig, sie immer wieder herauszustellen und auch empirisch zu belegen. Dann kann man auch Fragen nachgehen wie der, warum trotz guter Reputation und hohen Vertrauens in die Polizei Gewalt und Attacken gegen die Polizei ansteigen. Auch damit beschäftigt sich die Autorin, wenn auch nur knapp am Ende ihres Buches (S. 161 ff.).

Insgesamt ist dies somit eine Studie, die wichtig auch für die polizeiliche Aus- und Fortbildung ist, aber auch für die Polizeiführung, die ihre Mitarbeiter immer wieder daran erinnern sollte, dass Vertrauen nicht etwas ist, das immer und automatisch vorhanden ist, sondern etwas, das beständig gesichert und hergestellt werden muss.

[1] http://www.stern.de/politik/deutschland/polizei-geniesst-das-groesste-vertrauen—laut-stern-umfrage-7347446.html

[2] http://www.kriminologie.rub.de/index.php/de/

[3] http://www.europeansocialsurvey.org/

Rezensiert von: Thomas Feltes

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