Buchbesprechungen

Tobias Friedrich Fleißner: Fernhaltemaßnahmen. Eine Untersuchung zur polizeilichen Gefahrenabwehr bei Fußballspielen. Rezensiert von Thomas Feltes

Tobias Friedrich Fleißner: Fernhaltemaßnahmen. Eine Untersuchung zur polizeilichen Gefahrenabwehr bei Fußballspielen. Das Recht der inneren und äußeren Sicherheit (RS), Band 12, Duncker und Humblot Berlin, 2021. 299 S., 89,90 Euro, ISBN 978-3-428-18193-3

Auch wenn polizeiliche Maßnahmen gegen Fußballfans Corona-bedingt derzeit eher selten sind (sieht man von den jüngsten Ereignissen in Berlin ab), so ist doch damit zu rechnen, dass die Diskussion um Stadionverbote und andere Maßnahmen, mit denen Fans vom Besuch eines Fußballspiels durch Verein, DFB oder Polizei abgehalten werden sollen, alsbald wieder beginnen wird. Daher ist die hier vorgestellte Arbeit für Verfahren im Kontext sogenannter „Fernhaltemaßnahmen“ von Bedeutung. Sie befasst sich mit einem Bündel unterschiedlicher polizei- und ordnungsbehördlicher Maßnahmen der sog. „personenbezogenen Gefahrenabwehr“, wozu Gefährderansprache, Meldeauflage, Aufenthaltsverbot, pass- und ausweisrechtliche Maßnahmen gehören, mit denen Personen vom Aufsuchen bestimmter Örtlichkeiten abgehalten werden sollen – daher der etwas sperrige und sprachlich wenig sensible Begriff der „Fernhaltemaßnahmen“. Continue reading Tobias Friedrich Fleißner: Fernhaltemaßnahmen. Eine Untersuchung zur polizeilichen Gefahrenabwehr bei Fußballspielen. Rezensiert von Thomas Feltes

Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Rezensiert von Uli Rothfuss

Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Was mich 100 Jahre Leben gelehrt haben. Geb.,160 S. Heyne Verlag, München 2020, 17 €. ISBN 978-3-453-21808-6.

100 Jahre Leben und ein Ziel: Menschlichkeit

Von einem, der kämpft, ein Leben lang. Der nicht aufgibt, sein Ziel zu verfolgen, seinen Weg zu gehen. Der nun über ein Jahrhundert erlebt hat, und der diese Zeit nutzt, bis heute, seine Vorstellung von Gerechtigkeit durchzusetzen. Eine Vorstellung, die geschult ist an seiner vielschichtigen Lebenserfahrung, an seiner fundierten juristischen Ausbildung an der wohl besten Juraschule der Welt, Harvard, und an seiner in der Folge an seinen Zielen fokussierten Berufstätigkeit. Benjamin Ferencz, er war einer der Chefankläger in den Nürnberger Folgeprozessen nach dem Zweiten Weltkrieg, der letzte noch lebende; Continue reading Benjamin Ferencz: Sag immer deine Wahrheit. Rezensiert von Uli Rothfuss

Markus Ostermair: Der Sandler. Rezensiert von Thomas Feltes

Markus Ostermair: Der Sandler, Osburg-Verlag Hamburg 2020, ISBN: 978-3-95510-229-6, 350 Seiten, gebunden, € 22,00

Die Dschungelkönigin Désirée Nick wurde von RTL2 für das sog. „Reality-Format“ „Prominent und obdachlos“ auf die Straße geschickt. In Dortmund (ausgerechnet) sollte sie drei (!) Tage „ohne Dach über dem Kopf“ leben. Ihr aussagekräftiger Kommentar dazu: „Ist scheiße. Muss man ganz klar sagen. Ist scheiße. Ist halt scheiße“, wobei dieses Zitat wohl mehr über Désirée Nick aussagt, als über die Lage und Situation von Obdachlosen. Eines ist klar: Frau Nick gibt den Betroffenen keine Stimme, eher im Gegenteil. Sie macht sie zu Objekten ihrer Begierde, sich selbst zur Schau zu stellen. Wohltuend anders ist da der Roman von Markus Ostermair, der denen eine Stimme gibt, die im postmodernen Alltag so leicht übersehen werden. Continue reading Markus Ostermair: Der Sandler. Rezensiert von Thomas Feltes

Besprechungsaufsatz/Sammelbesprechung zum Thema „Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ von Thomas Feltes

Besprechungsaufsatz/Sammelbesprechung Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Helmut Remschmidt, Katja Becker (Hrsg.): Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie. 7. Auflage 2020; Paulina Kernberg u.a.: Persönlichkeitsstörungen bei Kindern und Jugendlichen, 2018; Tanja Göttken, Kai von Klitzing: Psychoanalytische Kurzzeittherapie mit Kindern (PaKT). 2015, Donald W. Winnicott, Vom Spiel zur Kreativität. 2020.

Corona und psychische Probleme von Kindern und Jugendlichen

Im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie berichten Kinder und Jugendliche in Deutschland vermehrt von psychischen und psychosomatischen Problemen. Betroffen sind vor allem Kinder aus sozial schwächeren Familien. In der sog. „COPSY“-Studie haben Wissenschaftler des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf die Auswirkungen und Folgen der Corona-Pandemie auf die psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland untersucht (http://www.uke.de/copsy). Für die Studie wurden im Mai und Juni 2020 mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren und mehr als 1.500 Eltern online befragt. Demnach? stieg das Risiko für psychische Auffälligkeiten von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Die Kinder und Jugendlichen zeigten häufiger Auffälligkeiten wie Hyperaktivität, emotionale Probleme und Verhaltensprobleme. Auch psychosomatische Beschwerden traten während der Corona-Pandemie vermehrt auf. Vor allem Kinder, deren Eltern einen niedrigen Bildungsabschluss beziehungsweise einen Migrationshintergrund haben, erlebten die coronabedingten Veränderungen als äußerst schwierig. Continue reading Besprechungsaufsatz/Sammelbesprechung zum Thema „Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen“ von Thomas Feltes

Melz, Joanna: Öffentlichkeitsfahndung im Internet. Rezensiert von Holger Plank

Melz, Joanna[1]: „Öffentlichkeitsfahndung im Internet. Im Spannungsfeld zwischen Recht und Praxis“[2] ISBN: 978-3-428-18028-8, 408 Seiten, Verlag Duncker & Humblot, Berlin, 2021, Reihe Internetrecht und Digitale Gesellschaft, Band 26, 109,90 € [E-Book 98,80 €])

Die Geschichte des „Steckbriefs“, so hieß der öffentliche behördliche Fahn­dungsaufruf tatsächlich noch bis zur Fortschreibung der StPO im Jahr 1999[3], ruft wahrscheinlich die unterschiedlichsten Bilder in uns allen hervor. In historischem Kontext ursprünglich der „Ladebrief eines Femegerichts“ an den Angeklagten, der – deshalb der Name – in dessen Torriegel „gesteckt“ wurde[4] und damit als zugestellt galt[5], denken wir wahrscheinlich aber zuerst an den „Outlaw“, den gesuchten „Wells Fargo-Postkutschen­räuber“ und dessen handgezeichnetes Porträt, aufgehängt im Saloon irgendeiner namenlosen Kleinstadt im mittleren Westen der USA, martialisch gestaltet mit einem einleitenden „Wanted – Dead or Alive“, im klassischen Kino-Western. Im Gedächtnis meiner Generation sind hingegen die überall präsenten Fahndungs­plakate und später regelmäßige Fahndungsaufrufe in Fernsehsendungen, z. B. in Aktenzeichen XY, vor allem aber nach den Mit­glie­dern der RAF in den 1970er und 1980er-Jahren präsent. Continue reading Melz, Joanna: Öffentlichkeitsfahndung im Internet. Rezensiert von Holger Plank