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Bert Lingnau, Singende Barsche. Lustige und bewegende Kriminalfälle aus Mecklenburg und Vorpommern. Rezensiert von Thomas Feltes

Bert Lingnau, Singende Barsche. Lustige und bewegende Kriminalfälle aus Mecklenburg und Vorpommern. Klatschmohn Verlag Bentwisch, ISBN 978-3-941064-89-8, Taschenbuch, 212 Seiten, 11,80 Euro

Das Buch mit dem für das Thema „Kriminalfälle“ ungewöhnlichen Titel beschreibt 62 authentische Kriminalfälle aus Mecklenburg und Vorpommern. Der Verlag wirbt dafür mit der Aussage: „Sie werden Tränen lachen über die Kreativität der Ganoven, ihre Zechgelage und den originellen Charme des Bösen. Einige Übeltäter schließen Sie vielleicht sogar in Ihr Herz“ – letzteres wäre dann nicht unbedingt politisch korrekt… Continue reading Bert Lingnau, Singende Barsche. Lustige und bewegende Kriminalfälle aus Mecklenburg und Vorpommern. Rezensiert von Thomas Feltes

Nadine Jukschat , Katharina Leimbach, Carolin Neubert (Hrsg.): Qualitative Kriminologie, quo vadis? Rezensiert von Ruth Sapelza

Nadine Jukschat , Katharina Leimbach, Carolin Neubert (Hrsg.): Qualitative Kriminologie, quo vadis? Stand, Herausforderungen und Perspektiven qualitativer Forschung in der Kriminologie. Beltz Juventa, Weinheim Basel, 2022. 239 Seiten, 29,95 €. Print ISBN 978-3-7799-6449-0; E-Book (PDF) ISBN 978-3-7799-5764-5

Motiviert von ihren wissenschaftsbiographischen Erfahrungen ist es der Autorinnen – Nadine Jukschat, Katarina Leimbach, Carolin Neubert – Anliegen, mithilfe dieses Sammelbandes die „qualitative Kriminologie“, vor allem in der Forschungslandschaft Deutschland, zu konturieren, sie folglich in einem Konzept zu verorten, damit sie „(…) in ihrer historischen und aktuellen Bedeutung sichtbar und auch präsenter (…)“ (S. 11) und damit unweigerlich auch gestärkt wird. Die Autorinnen wollen Begriffsarbeit leisten (vgl. S. 20) sowie für die Herausforderungen einer qualitativen Kriminologie sensibilisieren, indem sie „einen vertieften methodologischen Diskurs und Auseinandersetzungen mit den für qualitativ-kriminologische Forschung spezifischen Herausforderungen anstoßen“ (S. 19). So organisierten sie eine gleichlautende Tagung am KFN, starteten einen Publikationsaufruf und veröffentlichten diesen Sammelband, den sie selbst als „(…) Versuch einer Rekonstruktion des qualitativ-kriminologisch forschenden (Wissenschafts-)Feldes lesen – mit zentralen Forschungsgegenständen, Debatten und methodologischen Positionen im Sinne von Feldkonzepten.“ (S. 20). Continue reading Nadine Jukschat , Katharina Leimbach, Carolin Neubert (Hrsg.): Qualitative Kriminologie, quo vadis? Rezensiert von Ruth Sapelza

Matthias Jahn, Michael Tsambikakis, Zeugen der Verteidigung. Rezensiert von Leif Artkämper

Matthias Jahn, Michael Tsambikakis, Zeugen der Verteidigung, Wolters Kluwer, Hürth 2022, 302 S., 79,00 Euro,  ISBN 978-3-452-29888-1

„Strafverteidigung ist Kampf. Kampf um die Rechte des Beschuldigten im Widerstreit mit den Organen des Staates, die dem Auftrag zur Verfolgung von Straftaten zu genügen haben.“ Diese – jedenfalls partiell – häufig zitierten Worte von Hans Dahs sen. nimmt die Veröffentlichung auf und gibt anhand von alphabetisch geordneten Interviews die Entwicklung der modernen Strafverteidigung Deutschlands – aus der Sicht von 25 höchst unterschiedlichen, aber sicherlich renommierten Strafverteidigern aus den vergangenen fünf Dekaden – wieder. Dass deren Auswahl weder willkürlich noch abschließend, aber zwingend beschränkt ist, versteht sich von selbst. Es handelt sich um eine Festschrift zum 40. Geburtstag der Zeitschrift Strafverteidiger im Jahre 2021, die die beiden Herausgeber in Interviewform gestaltet haben. Continue reading Matthias Jahn, Michael Tsambikakis, Zeugen der Verteidigung. Rezensiert von Leif Artkämper

Oliver von Dobrowolski: »Ich kämpfe für eine bessere Polizei«. Rezensiert von Thomas Feltes

Oliver von Dobrowolski, »Ich kämpfe für eine bessere Polizei« – #Better Police. S. Fischer-Verlage Frankfurt 2022, ISBN: 978-3-10-397140-8, 240 S., 18.- EUR

Mit dem Hashtag #BetterPolice, der sich auch auf dem Buchcover findet, will Oliver von Dobrowolski, der seit 23 Jahren bei der Polizei in Berlin arbeitet, „ein leidenschaftliches Plädoyer für eine bessere Polizei“ vorlegen. Er beobachte, so der Verlag in seiner Ankündigung des Buches, „mit Sorge die Entwicklungen innerhalb der Polizei, rechtsextreme Chatgruppen, rassistisches Verhalten, Gewalt und Diskriminierungen“. Dies kenne er nur zu gut aus seinem Berufsalltag. Ist hier ein Nestbeschmutzer, ein „Gutmensch“ oder ein Sisyphus unterwegs, der nicht müde wird, den Stein, der immer wieder nach unten rollt, wieder hinaufzubefördern? Denn dass es (auch massive) Probleme in und mit der Polizei gibt, kann man nicht (mehr) leugnen. Continue reading Oliver von Dobrowolski: »Ich kämpfe für eine bessere Polizei«. Rezensiert von Thomas Feltes

Nahlah Saimeh: Das liebe Böse. Warum wir gut sein wollen und nicht können. Rezensiert von Thomas Feltes

Nahlah Saimeh: Das liebe Böse. Warum wir gut sein wollen und nicht können. Verlag Fischer & Gann, Bielefeld 2022, 128 S., ISBN 9783958835627, 15.- Euro

Wer will nicht „gut“ sein? Und wem geling das „immer und überall“? Der Song „Das Böse ist immer und überall“ der österreichischen Band „Erste allgemeine Verunsicherung“ war 1986 ein Hit. Ein geplanter Banküberfall geht gründlich schief. Danach sollen in München die Banküberfälle um das doppelte angestiegen sein[1]. Das Böse scheint tatsächlich immer und überall zu sein. Aber was genau ist „das Böse“, woher kommt es, wie entsteht es? Es ist, wie Nahlah Saimeh am Ende ihres Buches schreibt „nicht un-menschlich, sondern es ist zutiefst menschlich in dem Sinne, dass es der Natur den Menschen innewohnt“ (S. 108). Auf der anderen Seite wird durch dämonisierendes Denken und die damit einhergehende Negation des Menschseins „systematisch am Zusammenbruch der Empathie gearbeitet“ (S. 109) – der Empathie, auf der unsere Gesellschaft aufgebaut ist und (nur) mit der sie funktionieren kann. Oder mit den Worten von Saimeh: „Der Zusammenbruch grundlegenden Mitgefühls entsteht dadurch, dass man nicht mehr Willens oder in der Lage ist, in dem anderen eben auch sich selbst zu sehen – und zwar zuweilen durchaus mit den Anteilen, die man bei sich selbst ausblendet“ (S. 117). Ein wahrlich spannendes Buch für jede*n der dem Bösen auf den Grund gehen und die Ursache der eigenen schlechten Gedanken finden möchte. Continue reading Nahlah Saimeh: Das liebe Böse. Warum wir gut sein wollen und nicht können. Rezensiert von Thomas Feltes