Malla Nunn – Tal des Schweigens

357) Nunn, Malla; Tal des Schweigens; Ariadne Kriminalroman 1195, Argument-Verlag Hamburg, 2013, ISBN 978-3-86754-195-4, 285 S., 12.- €

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Die spannende Geschichte spielt in Südafrika Anfang der 1950er Jahre. In den Drakensbergen zwischen Durban und Johannesburg ist ein anonym gemeldeter Todesfall zu untersuchen. Der weiße Ermittler Cooper und der Zulu-Detective Shabalala, der ihn als Übersetzer und „Fährtenleser“ begleiten soll, begeben sich auf Spurensuche. Sie treffen überall auf Misstrauen und Argwohn. Jeder im Tal scheint Dreck am Stecken zu haben. Und je tiefer Detektive Cooper bohrt (und es zeichnet nun mal gute Ermittler in Fiktion und in Realität aus, dass sie dies tun, auch wenn das – von wem auch immer – nicht gewünscht wird),  desto grimmiger wird das Schweigen, das ihm entgegenschlägt.

Die Autorin Malla Nunn wurde in Swasiland geboren und besuchte dort eine gemischtrassige christliche Schule. In den 70ern emigrierte sie mit ihrer Familie nach Westaustralien, wo sie Englisch und Geschichte studierte. Sie drehte mehrfach ausgezeichnete kurze Dokumentarfilme und Videos. Ein interessantes Interview mit ihr findet sich hier[1]. Ihre Kenntnisse nicht nur der Mentalität und der Zeitgeschichte, sondern auch der Region, in der die Geschichte spielt, machen den Roman so realistisch.

Diese Geschichte führt den Leser in die Mitte der repressiven, zutiefst patriarchalen Kolonialgesellschaft Südafrikas der 1950er Jahre – gleichzeitig aber kann man erahnen, dass diese Vergangenheit des Landes auch heute noch verfolgt und prägt. Dazu muss man sich nur die aktuellen Entwicklungen rund um den Staatspräsidenten Jacob Zuma ansehen: Z.B. in der ZEIT („Zuma und sein Hochsicherheitshühnerstall“[2]) oder den Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung[3]. Die Autorin vermittelt tiefe Einsichten über die Art, wie Menschen sich in Gesellschaft positionieren, worauf sie mit Angst, mit Anpassung, mit Aggression oder mit gesteigerter Kompetenzbildung reagieren.

„Die Konflikte der Figuren zeigen viel mehr als das Südafrika der 1950er: Sie zeigen, wie Unterdrückung und Ausbeutung, Hierarchie und Abgrenzung sich in Verhaltensweisen der Einzelnen reproduzieren. Das ist große Literatur, mitten im Genre. In ihrer Mischung aus historischer Genauigkeit, stringenter Plotführung und mitreißend geschilderten Auseinandersetzungen erlebe ich Malla Nunn als eine hochpolitische Dorothy Sayers der südlichen Hemisphäre … so erzählt Malla Nunn hier durch ­Emmanuel Coopers innere Kämpfe von einem kolonial geprägten Männer- und Menschenbild, das die Politik, die Weltkriege und die Identitätsbildung des ganzen 20. Jahrhunderts berührt“.[4]

Wieder einmal ein Krimi in der „Südafrika-Reihe“ von ariadne[5], der einerseits spannend zu lesen ist, andererseits aber – und das ganz nebenbei“ sozialgeschichtliche Erkenntnisse vermittelt, die man sich sicherlich auch in trockenen wissenschaftlichen Ausarbeitungen anlesen kann. Hier aber ist es viel (ent)spannender.

[1] http://authors.simonandschuster.com/Malla-Nunn/47143405/author_revealed

[2] http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-03/jacob-zuma-praesident-suedafrika-sanierung-villa-steuern-verfassungsgericht

[3] http://www.kas.de/wf/de/33.44858/

[4] Kommentar der Verlegerin auf http://www.argument.de/belle_index_reload.html?ak/1207.html

[5] S. dazu meine Besprechung des Buches von Charlotte Otter http://polizei-newsletter.de/wordpress/?p=170

Rezensiert von: Thomas Feltes

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