Buchbesprechungen

Britta Rutert: Contested Properties. Peoples, Plants, and Politics in Post-Apartheid South Africa. Rezensiert von Thomas Feltes

Britta Rutert: Contested Properties. Peoples, Plants, and Politics in Post-Apartheid South Africa. Bielefeld, transcript-Verlag 2020, 354 Seiten, ISBN: 978-3-8376-4794-5, 39.99 Euro

„Contested Properties“ – „Umstrittenes Eigentum“. In dem Buch geht es um Menschen, Pflanzen und Politik in Südafrika, aber auch um dem Kampf um natürliche medizinische Ressourcen und Versuche, den Menschen, die diese Ressourcen entdeckt haben, zu deren Geschichte sie gehören und die sie anwenden, wegzunehmen. Diese Form von „Kriminalität“ ist nicht oder nur teilweise im nationalen und schon gar nicht im internationalen Strafrecht geregelt – aus verschiedenen Gründen, auf die noch einzugehen sein wird. Sie hat aber massiven Einfluss auf das Leben der indigenen Bevölkerung in Südafrika. Da diese Kriminalität (auch) von Deutschland ausgeht (Stichwort „Biopiraterie“), ist dieses Buch auch hierzulande von kriminologischem Interesse. Continue reading Britta Rutert: Contested Properties. Peoples, Plants, and Politics in Post-Apartheid South Africa. Rezensiert von Thomas Feltes

Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Rezensiert von Thomas Feltes

Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Argument-Verlag Hamburg, 304 Seiten, Hardcover mit Lesebändchen. ISBN 978-3-86754-109-1, 36,00 Euro

Wenn die Autobiografie eines Soziologen hier vorgestellt wird, der sich zwar auch mit Kriminalität und Polizei beschäftigt hat[1], dessen Schwerpunkt dies aber nicht war, so bedarf dies einer Begründung. Da genügt es nicht darauf zu verweisen, dass Stuart Halls Impulse unverzichtbar für postkoloniale Kritik, für Medien- und Kulturanalysen wie auch für Perspektiven eines undogmatischen Marxismus sind. Dies interessiert diejenigen, der sich im Bereich von Kriminalität, Kriminologie und Polizei(wissenschaft) bewegen, in der Regel (mit wenigen Ausnahmen) nicht, es sei denn, er oder sie gehören zur ausgestorbenen (oder aussterbenden?) „Rasse“ der marxistischen Kriminologen[2]. Und damit wären wir genau beim Thema, das auch Kriminologen und Polizei(wissenschaftler) interessieren muss: Die Begrifflichkeit von „Rasse“, Ethnie, Herkunft, oder welche Begrifflichkeit auch immer verwendet wird für Menschen, die nicht zu den „Eingeborenen“ gehören, die Fremde im eigenen Land sind und die vor allem in jüngster Zeit wieder darum kämpfen müssen, als Bürger dieses Landes gesehen[3] und akzeptiert zu werden. Continue reading Stuart Hall: Vertrauter Fremder. Ein Leben zwischen zwei Inseln. Rezensiert von Thomas Feltes

Hans Woller: Gerd Müller oder Wie das große Geld in den Fußball kam. Rezensiert von Thomas Feltes

Hans Woller: Gerd Müller oder Wie das große Geld in den Fußball kam. C.H. Beck Verlag, München 2019, ISBN 9783406741517, 352 Seiten, 22,95 Euro (3. Auflage 2020)

Was hat eine Fußballer-Biografie im Buch-Blog des Polizei-Newsletter verloren? Eigentlich natürlich nichts, es sei denn es geht um Steuerhinterziehung in großem Umfang (die dazu passende! Biografie muss jedoch noch geschrieben werden), oder um ein Buch, das mehr bietet als bunte Geschichten aus Umkleidekabinen und Schlafzimmern. Und dieses Buch bietet mehr. Wenn ein Buch dann noch innerhalb weniger Monate in der 3. Auflage erscheint, so wird auch der Rezensent neugierig. Schwarzgeldzahlungen und Steuerhinterziehung unter den Augen der CSU und der bayerischen Staatsregierung – verjährt? Juristisch vielleicht, moralisch und wissenschaftlich sicher nicht. Continue reading Hans Woller: Gerd Müller oder Wie das große Geld in den Fußball kam. Rezensiert von Thomas Feltes

Norbert Konrad, Christian Huchzermeier, Wilfried Rasch: Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Rechtsgrundlagen, Begutachtung und Praxis. 5. Aufl., rezensiert von Thomas Feltes

Norbert Konrad, Christian Huchzermeier, Wilfried Rasch: Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Rechtsgrundlagen, Begutachtung und Praxis. 5., erw. und überarb. Auflage, Kohlhammer, Stuttgart 2019, 582 Seiten, 149.- Euro.

Der im Jahr 2000 verstorbene Psychiater Wilfried Rasch[1] war es, der psychiatrisch-psychologische Begutachtungen im Rahmen von Strafverfahren mit Würfeln verglich: Die Chance, ein „richtiges“ Ergebnis zu bekommen liege bei 50:50. Wilfried Rasch selbst empfand sich immer als Mittler zwischen der klinischen und juristischen Praxis. Er versuchte, die Kommunikationsschwierigkeiten zwischen Jurisprudenz und Psychowissenschaftlern zu überwinden. Rasch hätte, so wird im Vorwort zur 4. Auflage (2013) betont, „den Paradigmenwechsel bedauert, der sich in der letzten Dekade in der deutschen Justizlandschaft vollzogen hat: von der Freiheit zur Sicherheit, vom Schuld-zum Präventionsstrafrecht, von der Resozialisierung zur Gefahrenabwehr um (fast) jeden Preis, und von der entlastenden Bewertung ungünstiger Entwicklungsbedingungen zur Verantwortungszuschreibung“ (S. 13). Als Grund gibt Norbert Konrad aus Berlin (der zusammen mit Christian Huchzermeier aus Kiel das von Rasch begründete Standardwerk fortführt) an, dass der heutigen Sachverständigengeneration ganz überwiegend die Erfahrung des Nationalsozialismus sowie des Zweiten Weltkrieges fehle: „Die persönliche Erfahrung, wie schnell auch der Normalbürger in schuldhafte Verstrickungen geraten kann und ungewollt körperliches und seelisches Leiden zugefügt wird, wurde abgelöst von Friedenszeiten mit gesellschaftlichem Auf- und Abschwung. In wirtschaftlichen Krisenzeiten werden soziale Abweichler vermehrt ausgegrenzt“. Diese persönliche Erfahrung fehlt auch Kriminologen und Polizeiwissenschaftler, sie fehlt vor allem aber Richtern und Staatsanwälten, für die Sachverständige im Strafverfahren oftmals eher ein Hindernis (für eine rasche und eindeutige Erledigung von Verfahren) als eine Entscheidungshilfe darstellen. Continue reading Norbert Konrad, Christian Huchzermeier, Wilfried Rasch: Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Rechtsgrundlagen, Begutachtung und Praxis. 5. Aufl., rezensiert von Thomas Feltes