Robert J. Sampson, Marked by Time. How Social Change Has Transformed Crime and the Life Trajectories of Young Americans. Rezensiert von Thomas Feltes

Robert J. Sampson, Marked by Time. How Social Change Has Transformed Crime and the Life Trajectories of Young Americans. The Belknap Press of Harvard University Press, Cambridge (Mass.), London (England), 2026, ISBN 9780674987548, 27,95 Euro

Zwischen 1970 und 2020 erlebten die Vereinigten Staaten einen dramatischen Anstieg von Kriminalität und Inhaftierungen, gefolgt von einem unerwarteten Rückgang. Mit dem Rückgang der Gewalt gingen auch andere Belastungen wie Drogenkonsum, Autounfälle, Kinderarmut und Bleibelastung einher. Bis 2020 erreichten die Inhaftierungsraten den niedrigsten Stand seit 25 Jahren, wovon vor allem Afroamerikaner profitierten. Diese positiven Veränderungen fanden jedoch keinen Eingang in die öffentliche, mediale Debatte oder die Politik. Vor allem die Politik stützt sich in den USA (durchaus auch vergleichbar mit der Situation in Deutschland), weiterhin auf veraltete Studien und vereinfachende Narrative über moralischen Charakter und persönliche Verantwortung. Hier setzt die Studie von Sampson an, die der Frage nachgeht, wie der gesellschaftliche Wandel die Kriminalität und die Lebenswege junger Amerikaner verändert hat.

Ein Hauptgrund für die verzerrte Wahrnehmung im öffentlichen Diskurs und in der Politik ist – so der Autor der hier vorgestellten Studie – die Art und Weise, wie Sozialwissenschaftler die Entwicklung von Jugendlichen untersuchen – in der Regel durch Ansätze, die sich auf eine einzige Geburtskohorte konzentrieren und den Generationswandel nicht erfassen. In seiner drei Lebensjahrzehnte umfassenden Studie mit über tausend Kindern aus Chicago stellt Robert J. Sampson diese Konvention nun in Frage. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Kinder mit ähnlicher Selbstkontrolle[1] und ähnlichem familiären Hintergrund, deren Geburtsjahr nur ein Jahrzehnt auseinander liegt, dramatisch unterschiedliche Lebenswege einschlagen. Kinder, die Mitte der 1980er Jahre geboren wurden, wurden mit doppelt so hoher Wahrscheinlichkeit bis Mitte zwanzig verhaftet wie Kinder, die zehn Jahre später geboren wurden.

Sampsons Studie beleuchtet die Rolle sich verändernder sozialer Bedingungen und struktureller Veränderungen bei Verbesserungen in den Lebenswegen von Jugendlichen sowie neue Risiken, die diese Fortschritte gefährden. Insofern ist diese Studie eine konsequente und wichtige Fortschreibung früherer Studien zur Langzeitentwicklung krimineller Karrieren.

Nach Sampsons neuer Studie prägt die (historische) Zeit, in die ein Kind hineingeboren wird, seine Zukunft ebenso tiefgreifend wie seine ethnische Zugehörigkeit, seine Erziehung oder sein Wohnumfeld. Um Fortschritt, Ungleichheit und Politik neu zu überdenken, müssen wir, so der Autor, zunächst einmal anerkennen, wie sehr die Zeit selbst das Leben jedes Einzelnen verändert.

Bereits 2006 hatte Sampson – damals zusammen mit John Laub – kriminelle Karrieren über 70 Jahre hinweg untersucht. In der damals längsten kriminologischen Längsschnittstudie wurden Daten über Straftaten von delinquenten männlichen Straftätern im Alter von 7 bis 70 Jahren ausgewertet[2]. Dabei ging es um die Frage, ob es eine bestimmte Gruppe gibt, deren Kriminalitätsraten bei zunehmendem Lebensalter stabil blieben und ob individuelle Unterschiede hinsichtlich Kindheitsmerkmalen und Familienhintergrund langfristige Entwicklungen vorhersagbar machen. In beiden Hinsichten sind die Ergebnisse negativ: Die Verbrechensraten gehen für alle Gruppen früher oder später zurück, sogar bei aktiven Straftätern. Im Ergebnis ist es schwierig, wenn nicht unmöglich, das Begehen von Straftaten über die gesamte Lebensspanne mit Hilfe statistischer Lebenslaufdaten an Hand von Risikofaktoren aus Merkmalen bezogen auf Kindheit und Adoleszenz prospektiv zu identifizieren. Das „Modell krimineller Karriere“ lässt sich gemessen an den individuellen Verläufen nicht halten[3].

Die Autoren konnten damals allerdings einen Zusammenhang zwischen Familienstand und krimineller Entwicklung feststellen. Das Risiko einer kriminellen Entwicklung ist bei dem Familienstand “verheiratet” um 35 % niedriger als für mit dem Status “nicht verheiratet”[4]. Ebenso spielt eine stabile Berufstätigkeit eine wichtige Rolle.

Steven Pinker hat in seiner Besprechung des Buches Robert Sampson als einen „Pionier auf dem Gebiet der differenzierten, evidenzbasierten Kriminalitätsanalysen“ bezeichnet. In diesem Buch beleuchte er eine tiefgreifende, aber oft unterschätzte Tatsache in Bezug auf Trends, die einen sich wandelnden Zeitgeist, eine sich verändernde Altersstruktur oder einen Generationswechsel widerspiegeln können. Sampson entwirre diese Zusammenhänge und vermittelt ein neues Verständnis für die dramatischen Veränderungen der Kriminalitätsraten in den USA (Zitat von der Umschlagrückseite).

In Deutschland hat Hans-Jürgen Kerner zuletzt (2025) eine auch biographisch erläuterte Analyse zu Lebensläufen von Straftätern vorgelegt. Seine Studie „Lebensverläufe zwischen Freiheit und Unfreiheit. Kriminologische Analyse zur Dynamik von Wiederholungstäterschaft und strafrechtlichen Reaktionen“ ist hier verfügbar. Bereits früher wurde durch die sog. „Tübinger Jungtäteruntersuchung“ der Versuch unternommen, vergleichbare Karriereverläufe in Deutschland nachzuzeichnen. Dabei fanden sich im Sozialbereich fundamentale Unterschiede zwischen der Häftlings- und der Vergleichsgruppe, wobei es weniger die vorgegebenen äußeren Umstände waren als vielmehr das eigene Verhalten der Probanden im alltäglichen Leben, die selbstgewählten Bezüge und der gesamte Lebensstil, durch die sich die Gruppe der Häftlinge von der Vergleichsgruppe aus der Durchschnittspopulation abhob. Der „Täter in seinen sozialen Bezügen“ wurde als Kristallisationspunkt gesehen, wobei die Differenzierung zwischen den „äußeren Umständen“ und den sozialen Bezügen, in denen die Probanden lebten, nicht immer nachvollziehbar war.

Sampsons aktuelle Studie erweitert diese Sichtweise nun deutlich. Indem er über 25 Jahre hinweg Kinder begleitete und dabei sowohl ihre Herkunft als auch ihre Lebensverläufe bis ins frühe und mittlere Erwachsenenalter untersucht, kann er zeigen, wie sich individuelle Lebenswege und historischer Wandel überschneiden.

Seine These: Der Zeitpunkt, zu dem wir geboren werden, macht uns zu dem, was wir sind. So kann er zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit, im Laufe des Lebens verhaftet zu werden, bei Menschen, die Mitte der 1980er Jahre geboren wurden, mehr als doppelt so hoch ist wie bei denen, die nur ein Jahrzehnt später, Mitte der 1990er Jahre, geboren wurden. Diese große Ungleichheit bei den Verhaftungen ergibt sich dabei nicht aus individuellen, familiären oder nachbarschaftlichen Merkmalen in der frühen Kindheit. Sie ergibt sich aus den größeren und stark divergierenden sozio-historischen Kontexten, in denen die Kinder durch die Adoleszenz bis ins Erwachsenenalter heranwuchsen. Der soziale Wandel einer Gesellschaft hat Auswirkungen auf die Kriminalitätsbelastung der Kinder und Jugendlichen.

Persönlichkeit, Familie und Nachbarschaft prägen, so Sampson (S. 2 f.) nach wie vor unser Leben – doch ihr Einfluss ist nicht unveränderlich, ebenso wenig wie der Einfluss der ethnischen Zugehörigkeit oder der sozialen Schicht eines Menschen. Durch den Vergleich von Menschen, die zu unterschiedlichen Zeiten geboren wurden, kann man erkennen, wie diese bekannten Faktoren an Bedeutung gewinnen oder verlieren, während sich die Gesellschaft um sie herum wandelt.

Betrachtet man den Lebensverlauf von der Geburt bis ins Erwachsenenalter, so zeigt seine Studie, dass diejenigen, die in älteren Kohorten in Armut aufwuchsen, mit größerer Wahrscheinlichkeit eine Vorstrafe erhielten als diejenigen, die in jüngeren Kohorten in ebenso großer Armut aufwuchsen. Auch die Verhaftungsrate armer Afroamerikaner ging im Laufe der Zeit rapide zurück. Am überraschendsten ist vielleicht, dass der gesellschaftliche Wandel zwischen älteren und jüngeren Kohorten so erheblich war, dass die Kinder der älteren Kohorte mit hoher Selbstkontrolle genauso häufig verhaftet wurden wie die Kinder der nur ein Jahrzehnt später geborenen Kohorte mit geringer Selbstkontrolle.

Die Frage, warum die Kriminalität im Jugendalter stark ansteigt und dann im Erwachsenenalter kontinuierlich abnimmt, beschäftigt die Kriminologie seit Jahrzehnten. Aber, so Sampson (S. 69) es könnte durchaus sein, dass es sich um die falsche Frage handelt. Er verweist auf einen Artikel aus den 1980er Jahren, mit dem Travis Hirschi und Michael Gottfredson eine Kontroverse auslösten, indem sie argumentierten, dass der Einfluss des Alters auf Kriminalität über soziale und historische Bedingungen hinausgeht. Sie zeigten, dass junge Menschen an der Schwelle zum Erwachsenenalter des Erwachsenwerdens häufiger gegen das Gesetz verstoßen als jüngere oder ältere. Obwohl sie die Frage offen ließen, warum das Alter so stark mit Kriminalität zusammenhängt, zeigten sie, dass traditionelle Erklärungen – wie fehlende finanzielle Mittel, der Einfluss delinquenter Gleichaltriger oder sogar biologische Faktoren wie ein hoher Testosteronspiegel – dieses Muster von Anstieg und Rückgang, das einfach als „Alterseffekt“ bekannt ist, nicht vollständig erklären konnten. In ihrer späteren Arbeit argumentierten sie, dass der Fokus stattdessen auf geringer Selbstkontrolle liegen sollte, die früh im Leben auftritt und direkt zu Kriminalität in allen Altersgruppen führt.

Im Gegensatz dazu argumentiert Sampson, dass diese Faktoren zwar einen gewissen Einfluss haben, dass aber ganz entscheidend die historische gesellschaftliche Lage ist, in die man geboren wird (und auf die man damit keinen Einfluss hat).

Dazu untersucht Sampson beispielsweise den Zusammenhang zwischen polizeilichen Festnahmen im Zusammenhang mit „Broken Windows“ und der Entwicklung der Geburtskohorten. Bemerkenswerterweise gingen sowohl die Festnahmen wegen Drogenvergehen als auch wegen ordnungswidrigen Verhaltens ab Mitte der 1990er Jahre drastisch zurück, eine Tatsache, die im Widerspruch zu den vorherrschenden Annahmen über die Massenkriminalisierung in den letzten Jahrzehnten steht. Daraus folgt laut Sampson (S. 120): Auch wenn die Polizeiarbeit zweifellos eine Rolle spielt, reicht weder die gängige Hypothese des „Kriegs gegen die Drogen“ noch die Hypothese der „Broken-Windows“-Polizeistrategie aus, um die ausgeprägten Muster der Kohortenunterschiede bei der Kriminalisierung zu erklären.

In Bezug auf Festnahmen generell stellt Sampson fest, dass die jüngeren Kohorten eine völlig andere soziale Welt erlebten als ihre älteren Pendants. Diese Welt war fast zu gleichen Teilen geprägt von einem stark sinkenden Risiko einer Festnahme – wegen Drogen- und Eigentumsdelikten – und stark sinkenden Raten bei Eigentums- und Gewaltdelikten. Die jüngeren Kohorten schienen sowohl einer Kriminalitätswelle als auch dem Krieg gegen die Drogen entgangen zu sein (S. 126).

Weiterhin untersucht Sampson auch Zusammenhänge mit Arbeitslosigkeit und Kinderarmut (S. 127 ff.) und kommt zu dem Ergebnis, dass es einige geringfügige Unterschiede zwischen den Kohorten hinsichtlich der Armutserfahrung in Kindheit und Jugend gibt. Die Unterschiede sind jedoch relativ gering, insbesondere bis zum Alter von etwa zwanzig Jahren, und die allgemeinen Trends verlaufen für die Mehrheit der betrachteten Altersgruppen weitgehend flach. Das Hauptbild der Armut ist von starken Unterschieden zwischen ethnischen Gruppen in Kindheit und Jugend geprägt, fast so, als lebten sie in unveränderlichen, getrennten Welten. Die Schlussfolgerung lautet daher für Sampson, dass die unterschiedliche Exposition gegenüber konzentrierter Armut nach Kohorten nicht die Erklärung dafür sein kann, warum die Verhaftungsverläufe zwischen den Kohorten im Jugendalter und im frühen Erwachsenenalter für alle ethnischen Gruppen so stark auseinanderlaufen (S. 129).

Aber auch Erklärungsansätze, die außerhalb der üblichen kriminologisch diskutierten Faktoren liegen untersucht Sampson. So zum Beispiel die Verseuchung bestimmter Stadtgebiete in Chicago mit Blei (S. 131 ff.). Die älteren Kohorten waren am stärksten benachteiligt, da sie Anfang der 1980er Jahre als Säuglinge vor der Verschärfung der Umweltvorgaben in Chicago lebten. Sampson zeigt, dass die Wahrscheinlichkeit, in bleiverseuchten Stadtvierteln zu leben, für Mitglieder der 1980er-Jahre-Kohorte als Kleinkinder doppelt so hoch ist wie für die 1996er-Kohorte, die zu einer Zeit geboren wurde, als die Bleibelastung bereits massiv zurückging. Angesichts der dokumentierten schädlichen Auswirkungen von Blei auf die Entwicklung im Lebensverlauf kann man, so Sampson (S. 156) schlussfolgern, dass die geringere Belastung der jüngeren Kohorte, insbesondere unter den Armen, lebenslange Vorteile mit sich brachte, die den älteren Kohorten nicht zur Verfügung standen. Diese Schlussfolgerung werfe die Frage auf, warum staatliche Maßnahmen durch Bodensanierung, Durchsetzung von Bauvorschriften und Investitionen in den Wohnungsbau um Umweltgifte zu beseitigen, nicht weiter verbreitet sind, insbesondere angesichts ihrer nachgewiesenen Wirksamkeit und des Mangels an Ressourcen bei armen Familien.

Sampson kommt zu dem Ergebnis, dass wir, wenn wir uns mit Kriminalität und Sanktionierung befassen, zu oft auf persönliche Eigenschaften (wie Selbstkontrolle), demografische Merkmale und familiäre Ressourcen konzentrieren, die den Lebensweg prägen. Diese Faktoren spielen, so Sampson, natürlich eine Rolle, doch dieser Blickwinkel lässt etwas Entscheidendes außer Acht: den Einfluss des sozialen Wandels. Dieser „blinde Fleck“ rühre daher, wie wir üblicherweise die Verläufe der menschlichen Entwicklung untersuchen. Typischerweise verfolge ein langfristiges Forschungsprojekt, insbesondere in der Kriminalitätsforschung, nur eine einzige Alterskohorte – eine Stichprobe von Kindern, die gleichzeitig aufwachsen. Dieser Ansatz habe aber eine grundlegende Einschränkung: Er berücksichtigt nicht, wie ähnliche Kinder, die in unterschiedlichen Jahren geboren wurden, unter drastisch unterschiedlichen Bedingungen heranwachsen.

Auf der anderen Seite würden Studien, die gesamtgesellschaftliche Verschiebungen bei Kriminalität und deren Bekämpfung untersuchen (sog. „Periodeneffekte“), typischerweise außer Acht lassen, wie sich solche Veränderungen auf Menschen in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich auswirken. Während Makroanalysen wertvolle Erkenntnisse liefern, übersehen sie entscheidende Dynamiken; die Individuen selbst verändern sich, während sich die Gesellschaft um sie herum wandelt. Darüber hinaus widersetzen sich die komplexen Muster von Kriminalität, Bestrafung und Ungleichheit in den letzten Jahrzehnten pauschalen Erklärungen für den Anstieg der Masseninhaftierung in den USA.

Was bedeutet die Studie von Sampson für die Kriminologie?

Zum einen ist möglicherweise ein Richtungswandel zumindest bei Langzeitstudien nötig, aber auch bei kurzfristigen Analysen von Kriminalitätsentwicklungen. Die Analyse der Kriminalitätszahlen seit 2022 in Deutschland (Anstieg) ist ein Beispiel dafür. Corona und die damit verbundenen Maßnahmen haben nachgewiesenermaßen Auswirkungen auf Kinder und Jugendlichen gehabt. Eine grundlegende Erklärung in Verbindung mit den Kriminalitätszahlen steht aber ebenso noch aus wie die Frage, wie darauf (durch Sanktionen, Hilfsangebote etc.) reagiert werden kann oder muss.

Zum anderen müssen noch stärker als bisher gesamtgesellschaftliche Entwicklungen berücksichtigt werden. Diese Entwicklungen sind in unterschiedlichen Ländern jeweils anders zu bewerten. Wenn wir versuchen, die Entwicklung der Jugendkriminalität in der Ukraine vor, während und später nach dem Krieg oder in Palästina, dem Libanon oder dem Iran versuchen zu interpretieren, dann kommen wir um die Berücksichtigung solcher historischen Verläufe nicht herum. Aber auch in Ländern wie Deutschland oder den USA müssen solche gesellschaftlichen Tendenzen, wie sie bspw. durch die politische Führung oder gesellschaftliche Narrative (Stichwort „Flüchtlingskrise“) vorgegeben werden, berücksichtigt werden. Eine Mammutaufgaben für die ohnehin empirisch darbende deutsche Kriminologie.

Thomas Feltes, April 2026

[1] Selbstkontrolle (auch Selbstdisziplin oder Impulskontrolle) ist die Fähigkeit, eigene Impulse, Emotionen und Verhaltensweisen bewusst zu steuern, um langfristige Ziele zu erreichen und Versuchungen zu widerstehen. Sie dient dazu, kurzfristige Bedürfnisse zugunsten übergeordneter Ziele zu kontrollieren. Sie ist im Prinzip lernbar, hängt aber wesentlich auch von Bedingungen im sozialen Umfeld ab.

[2] John H. Laub; Robert J. Sampson: Shared Beginnings, Divergent Lives. Delinquent Boys to Age 70; First Harvard University Press paperback edition 2006, 293 Seiten. In dem Projekt wurden 500 delinquente Jungen nachuntersucht, die das Ehepaar Glueck 1950 in Boston untersucht hat. Die Gluecks hatten diese jungen Straffälligen bis zum Alter von 32 Jahren begleitet und interviewt und bereits damals erste Schlüsse gezogen, wer unter welchen Umständen von der Straffälligkeit Abstand nimmt und wer weiter kriminell bleibt. 2001 suchten nun die Autoren nach den Strafregistern dieser 500 Männer und überprüften die Sterberegister. Von den ursprünglich 500 Probanden waren bei den Gluecks 455 übriggeblieben, davon waren 225 im Jahr 2001 definitiv gestorben. In einer aufwendigen Suche fanden Sampson und Laub einen Teil der Überlebenden und konnten mit immerhin 52 der damaligen Teilnehmer Tiefeninterviews machen.

[3] S.a. Robert J. Sampson and John H. Laub: „Life-Course Desisters?  Trajectories of Crime Among Delinquent Boys Followed to Age 70,“ In: Criminology, Vol. 41 (3), August 2003, pp. 555-592. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/abs/10.1111/j.1745-9125.2003.tb00997.x

[4] Sampson, R. J., Laub, J H., Wimper, C. (2006), Does Marriage Reduce Crime? A Counterfactual Approach to within-individual Causal Effects, in: Criminology 44 (3), 465-508. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/j.1745-9125.2006.00055.x