Policing Hot Spots of Crime, hrsg. von David L. Weisburd. Rezensiert von Thomas Feltes

Policing Hot Spots of Crime, hrsg. von David L. Weisburd, Routledge-Verlag New York und London 2026, 452 S., Paperback ISBN 9781032872865, 50,99 Euro; e-book ISBN 9781003531883, 43,34 Euro (auch  als Miete für 6 Monate, 28,05 Euro).

Die Kriminologie hat sich von jeher mit der Frage beschäftigt, warum Menschen Straftaten begehen und/oder kriminell werden oder warum bspw. bestimmte regionale Gebiete von Kriminalität stärker betroffen sind als andere. Dieser Band fasst die Forschungen von David Weisburd zu den „Hot Spots of Crime“ zusammen.

In der Diskussion in Deutschland ging oder geht es meist um Unterschiede zwischen einzelnen Bundesländern oder Städten. Die kriminologische Forschung hat aber seit vielen Jahren erkannt, dass diese kriminalgeografischen Räume viel zu weit gefasst sind, um daraus geeignete präventive oder repressive Schlüsse zu ziehen.

Die unterschiedliche Kriminalitätsbelastung bestimmter Stadtgebiete wurde auch in Deutschland im Zusammenhang mit kriminalgeografischen Studien thematisiert. Sogenannte „Kriminalitätsatlanten“ wurden u.a. für Bochum erstellt. Andere Arbeiten konzentrierten sich auf die Analyse von Zusammenhängen zwischen sozio-strukturellen Merkmalen des Raumes und der Kriminalitätsbelastung. Sozialökologische Studien und Sozialraumstudien bestätigten, dass eine Häufung ungünstiger Faktoren Abweichung und Kriminalität produziert.

2004 hatten David Weisburd u.a. erstmals den Verlauf der Kriminalität an bestimmten Orten untersucht, d.h. die Kriminalitätsentwicklung über einen längeren Zeitraum, bezogen auf bestimmte Stadtteile, analysiert. Die Studie “Trajectories of Crime at Places: A Longitudinal Study of Street Segments in the City of Seattle” gilt als Auslöser der sich daran anschließenden intensiven Beschäftigung mit dem Phänomen der Konzentration von Kriminalität auf bestimmte Orte. Diese Studie zeigte zudem, dass die Kriminalität an Mikroorten im Zeitverlauf ein hohes Maß an Stabilität aufweist. Die Daten deuteten auch darauf hin, dass Kriminalitätstrends an bestimmten Abschnitten von zentraler Bedeutung für das Verständnis der allgemeinen Veränderungen in der Kriminalität sind.

2012 wurde dann die Studie „The Criminology of Place“ von David Weisburd, Elizabeth Groff und Sue-Ming Yang veröffentlicht. Darin ging es den Autoren darum, noch kleinräumiger als bisher nachzusehen und zu hinterfragen, warum bestimmte Straßen oder Häuserblöcke bestimmte Kriminalitätstrends auch über Jahre hinweg aufweisen. Die Autoren gingen dabei von insgesamt fünf Annahmen aus (s. die Besprechung der Buches im Polizei-Newsletter hier):

1) Crime is tightly concentrated at „crime hot spots,“ suggesting that we can identify and deal with a large proportion of crime problems by focusing on a very small number of places.

2) These crime hot spots evidence very strong stability over time, and thus present a particularly promising focus for crime prevention efforts.

3) Crime at places evidences strong variability at micro Ievels of geography, suggesting that an exclusive focus on higher geographic units, like communities or neighborhoods, will lead to a loss of important information about crime and the inefficient focus of crime prevention resources.

4) It is not only crime that varies across very small units of geography, but also the social and contextual characteristics of places. The criminology of place in this context identifies and emphasizes the importance of micro units of geography as social systems relevant to the crime problem.

5) Crime at place is very predictable, and therefore it is possible to not only understand why crime is concentrated at place, but also to develop effective crime prevention strategies to ameliorate crime problems at places.

In den Jahren danach gab es eine kaum überschaubare Reihe von Beiträgen von oder in Zusammenarbeit mit David Weisburd, die sich vertieft mit den sog. „Hot Spots of Crime“ beschäftigten und dabei vor allem der Frage nachgegangen sind, welche Rolle die Polizei im Umgang mit diesen Kriminalitätsschwerpunkten spielen kann und soll.

Der nunmehr vorgelegte Band bietet einen umfassenden Rahmen zum Verständnis der Hot-Spot-Polizeiarbeit im Kontext der Beiträge von David Weisburd, dem Träger des Stockholmer Preises für Kriminologie. Das Buch zielt darauf ab, eine Vielzahl von Studien zusammenzuführen, um zu argumentieren, warum Hot-Spot-Polizeiarbeit „Sinn macht“, warum Polizeibehörden diesen Ansatz umsetzen sollten und wie Polizeireformen in ihre Bemühungen integriert werden können.

Im 21. Jahrhundert widerlegte eine Reihe strenger Evaluierungen der Hot-Spot-Polizeiarbeit die weit verbreitete Annahme, dass die Polizei Kriminalität nicht verhindern könne. Heute herrscht weitgehende Einigkeit darüber, dass die Polizei bei der Prävention und Bekämpfung von Kriminalität effektiv sein kann, wenn sie sich auf Verbrechen konzentriert, die an bestimmten Orten gehäuft auftreten, oft als mikrogeografische Einheiten oder Hotspots bezeichnet.

Dieser Sammelband untersucht die Entwicklungsgeschichte des Konzepts der Kriminalitäts-Hotspots und die Belege für die Konzentration von Straftaten an bestimmten Orten, die der Hot-Spot-Polizeiarbeit zugrunde liegen. Außerdem werden wichtige experimentelle Studien vorgestellt, die zeigen, dass die Hot-Spot-Polizeiarbeit funktioniert und nicht einfach nur zu einer Verlagerung der Kriminalität führt. Schließlich befasst sich der Band damit, wie Polizeireformen in die Hot-Spot-Polizeiarbeit integriert werden können.

Der Band bietet eine gute Zusammenstellung der wichtigsten Aufsätze der vergangenen mehr als 20 Jahre und ist daher für Kriminologen und Polizeiforscher von Interesse, die sich mit dem Thema Hot Spots beschäftigen (wollen).

Der Verlag bietet einen Sonderrabatt in Höhe von 25 % (kostenloser Standardversand und anfallende Steuern) bis zum 09. Juli 2026 an. Beim Kauf auf der Website https://www.routledge.com/9781032872865 (Link oder QR-Code zum Buch) gibt man den Aktionscode „PHSC26“ im Warenkorb ein.

Thomas Feltes, April 2026